Im Jahre 431 v.Chr. brach der sog. Peloponnesische Krieg zwischen Athen als Vormacht des delischattischen Seebundes und Sparta als Vormacht des Peloponnesischen Bundes aus. 1 Wie Thukydides berichtet, handelte es sich beim Peloponnesischen Krieg um den „schwersten Krieg“ 2 , denn es bis dahin je gegeben hatte. In den Jahren vor dem Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs war das griechische Staatensystem ähnlich wie im Kalten Krieg in zwei Machtsphären geteilt, die im Jahre 446/445 v.Chr. einen Dreißigjährigen Frieden geschlossen hatten, in dessen Rahmen sie ihre Interessenssphären auf der Grundlage des Status quo abgrenzten.
Ziel dieser Arbeit ist es, die zentralen Ursachen und Anlässe, die wesentlich zum Kriegsausbruch beigetragen haben, zu benennen, einzuordnen und zu bewerten. Um solch eine Analyse gut strukturiert und erfolgreich durchführen zu können, ist es zunächst nötig, in einem ersten Schritt die Ausgangslage darzustellen, in der sich die Widersacher am Vorabend des Krieges befanden, bevor man in einem zweiten Schritt zu einer Bewertung von Ursachen und Anlässen kommen kann. Aus diesem Grund wendet sich das zweite Kapitel dieser Arbeit zunächst der Lage der griechischen Staatenwelt am Vo rabend des Krieges zu, während in Kapitel drei die Ursachen und Anlässe analysiert werden. Als Ausgangspunkt dienen in Punkt 2.1 die ersten feindliche n Berührungen um Kerkyra und Poteidaia, die 13 Jahre nach dem Dreißigjährigen Frieden die griechische Staatenwelt ins Wanken brachten. In Folge dieser militärischen Auseinandersetzungen traten 432/431 v.Chr. in Sparta und Athen Volksversammlungen zusammen, in deren Anschluß es zu diplomatischen Verhandlungen kam, die in 2.2 behandelt werden. Da diese diplomatischen Bemühungen letztendlich scheiterten und der Krieg 431 v.Chr. ausbrach, bleibt in 3.1 zunächst die Frage nach dem Warum zu stellen: Warum kam es zum Krieg? Um diese Frage beant-worten zu können, müssen in einem ersten Schritt die einzelnen Faktoren analysiert und zwischen für den Kriegsausbruch relevanten und irrelevanten Faktoren unterschieden werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die griechische Staatenwelt am Vorabend des Peloponnesischen Kriegs
2.1 Die militärische Ausgangslage
2.1.1 Das athenische Bündnis mit Kerkyra
2.2.2 Die athenische Belagerung von Poteidaia
2.2 Die diplomatische Ausgangslage
2.2.1 Die Versammlungen der Peloponnesier in Sparta
2.2.2 Die Volksversammlung in Athen
III. Ursachen und Anlässe für den Kriegsausbruch
3.1 Unterscheidung zwischen Ursachen und Anlässen
3.2 Die Aufrechterhaltung des megarischen Psephismas
3.2.1 Innenpolitische Ursachen
3.2.2 Außenpolitische Ursachen
IV. Schlußbetrachtung
V. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die zentralen Ursachen und Anlässe, die zum Ausbruch des Peloponnesischen Krieges führten, kritisch zu bewerten und einzuordnen. Dabei wird insbesondere untersucht, inwiefern der athenische Imperialismus als fundamentale Kriegsursache anzusehen ist und welche Rolle diplomatische Streitpunkte wie das megarische Psephisma in diesem Prozess spielten.
- Analyse der militärischen und diplomatischen Ausgangslage am Vorabend des Krieges.
- Differenzierung zwischen vordergründigen Kriegsanlässen und tieferliegenden Kriegsursachen.
- Untersuchung der Rolle von Perikles und der innenpolitischen Krisensituation in Athen.
- Bewertung des megarischen Psephismas als zentraler Streitpunkt und möglicher Casus belli.
- Diskussion über die moralische und formaljuristische Schuld der Konfliktparteien.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Innenpolitische Ursachen
Dem Bericht Diodors und Plutarchs zufolge befand sich Perikles am Vorabend des Peloponnesischen Kriegs innenpolitisch in einer derart prekären Situation, daß er keinen anderen Ausweg mehr sah, als sich gegen die Aufhebung des Psephismas zu stellen und somit Athen in einen Krieg zu stürzen. Nach dem im Jahre 451 v.Chr. aus Angst vor den Persern die Bundeskasse von Delos nach Athen verlegt und Perikles mit der Bewachung der Gelder beauftragt worden war, kamen Anschuldigungen auf, Perikles habe die besagten Gelder veruntreut. Wie Diodor berichtet, hat Perikles von diesen Geldern tatsächlich „einen recht beachtlichen Betrag für persönliche Zwecke verbraucht“ und als man von ihm verlangte, über den Verbleib der Gelder Rechenschaft abzulegen, sei er angeblich derart erkrankt, daß er sich außer Stande sah, eine Abrechnung über die ihm anvertraute Summe vorzulegen. Diodor stellt die Vermutung an, Perikles habe auf Anraten seines Neffen Alkibiades geplant, Athen in einen großen Krieg zu stürzen, um dieser Situation entfliehen zu können und mittels der Verwirrungen und Ängste des Krieges von den von ihm zweckentfremdeten Geldern abzulenken.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel definiert das Ziel der Arbeit, die Ursachen und Anlässe des Peloponnesischen Krieges zu analysieren, und erläutert das methodische Vorgehen sowie den Forschungsstand.
II. Die griechische Staatenwelt am Vorabend des Peloponnesischen Kriegs: Hier werden die militärischen und diplomatischen Konflikte wie das Bündnis mit Kerkyra und die Belagerung von Poteidaia dargestellt, die den Weg in den Krieg bereiteten.
III. Ursachen und Anlässe für den Kriegsausbruch: Dieser Teil analysiert die Unterscheidung zwischen Anlässen und tieferen Ursachen und bewertet das megarische Psephisma sowie innen- und außenpolitische Motive des Perikles.
IV. Schlußbetrachtung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Imperialismus Athens die eigentliche Kriegsursache darstellt, während das megarische Psephisma als politischer Katalysator wirkte.
V. Bibliographie: Dieses Kapitel listet alle verwendeten Quellen und die wissenschaftliche Fachliteratur auf, die der Untersuchung zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Peloponnesischer Krieg, Athen, Sparta, Perikles, megarisches Psephisma, Imperialismus, Außenpolitik, Innenpolitik, Thukydides, Dreißigjähriger Frieden, Casus belli, Handelsboykott, griechische Staatenwelt, Machtpolitik, Bipolarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Ursachen und Anlässe, die zum Ausbruch des Peloponnesischen Krieges im Jahr 431 v.Chr. geführt haben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der athenische Imperialismus, die diplomatischen Spannungen zwischen den griechischen Stadtstaaten sowie die Bedeutung spezifischer politischer Entscheidungen, insbesondere des megarischen Psephismas.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu bewerten, warum es trotz diplomatischer Bemühungen zum Krieg kam und welche Rolle die Führungspersönlichkeit Perikles dabei spielte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine quellenkritische Analyse, basierend auf antiken Berichten (Thukydides, Diodor, Plutarch) und moderner Forschungsliteratur, um Hypothesen zu Kriegsursachen zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der militärischen und diplomatischen Ausgangslage, die Unterscheidung zwischen verschiedenen Kriegsgründen sowie die detaillierte Erörterung der innen- und außenpolitischen Motive hinter dem megarischen Psephisma.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Peloponnesischer Krieg, athenischer Imperialismus, Perikles, megarisches Psephisma, Casus belli und griechische Machtpolitik.
Wurde die Hypothese bestätigt, dass Perikles den Krieg aus innenpolitischen Gründen suchte?
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass die These einer reinen „Ablenkungsaktion“ zur Verschleierung finanzieller Veruntreuungen als unzureichend und unbrauchbar einzustufen ist.
Welche Rolle spielte das megarische Psephisma für den Kriegsausbruch?
Das Psephisma wird als zentraler Streitpunkt und „Katalysator“ bewertet, der im diplomatischen Kontext als Vorwand diente, während die tatsächliche Kriegsursache in der strukturellen Rivalität der Machtblöcke lag.
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- Marc Philipp (Autor:in), 2003, Der Ausbruch des Peloponnesischen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34791