Durch den Impuls einer OHP-Folie mit einem Kunstreiter geleitet erinnern sich die Schüler an die vergangene Stunde und den gelesenen Text. Sie fassen zuerst die beiden Teile inhaltlich zusammen und charakterisieren kurz die Stimmung. Im Anschluss wiederholen sie noch einmal die gemachten Erkenntnisse der letzten Stunde. Alles wird im Tafelbild festgehalten. Die Schüler bekommen nun den Auftrag, einen Teilsatz des 1.Teils im Konjunktiv so umzuformulieren, dass er im Indikativ steht. Ihre Änderungen im Bereich der Verben werden an der Seitentafel mitskizziert. Sie sollen nun zuordnen, welche Verbform der Konjunktiv ist und welche der Indikativ (hier noch „möglich“ und „wirklich“). Der Lehrer bezeichnet diese dann mit den Fremdwörtern und lässt die Schüler die Modi im Haupttafelbild zuordnen. Der Lehrer fragt nun nach den Funktionen von Konjunktiv und Indikativ, wobei die Schüler wieder „möglich“ und „wirklich“ mit einbinden sollen, und gelangt so zum Ausdruck Möglichkeitsform für Konjunktiv und Wirklichkeitsform für Indikativ.
Inhaltsangabe
C. Lernzielanalyse
1. Didaktische Reduktion
2. Zielsetzung
3. Lernsequenzplanung
D. Methodische Analyse
Text
Unterrichtsverlauf
Tafelbild
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Unterrichtsvorbereitung verfolgt das Ziel, Schülern die funktionale Unterscheidung zwischen Konjunktiv und Indikativ anhand von Franz Kafkas Erzählung „Auf der Galerie“ zu vermitteln, wobei der Fokus auf dem inhaltlichen Verständnis der Möglichkeits- und Wirklichkeitsform liegt.
- Integrative Erarbeitung grammatikalischer Modi durch literarische Textanalyse.
- Funktionale Betrachtung von Konjunktiv und Indikativ statt rein formal-grammatikalischer Analyse.
- Methodische Gestaltung einer Unterrichtseinheit mittels induktiver Herleitung durch Textvergleich.
- Erstellung strukturierter Tafelbilder zur Visualisierung grammatikalischer Zusammenhänge.
Auszug aus dem Buch
Franz Kafka: Auf der Galerie
Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem Pferde schwirrend, Küsse werfend, in der Taille sich wiegend, und wenn dieses Spiel unter dem nichtaussetzenden Brausen des Orchesters und der Ventilatoren in die immerfort weiter sich öffnende graue Zukunft sich fortsetzte, begleitet vom vergehenden und neu anschwellenden Beifallklatschen der Hände, die eigentlich Dampfhämmer sind - vielleicht eilte dann ein junger Galeriebesucher die lange Treppe durch alle Ränge hinab, stürzte in die Manege, riefe das Halt! durch die Fanfaren des sich immer anpassenden Orchesters.
Da es aber nicht so ist; eine schöne Dame, weiß und rot, hereinfliegt, zwischen den Vorhängen, welche die stolzen Livrierten vor ihr öffnen; der Direktor, hingebungsvoll ihre Augen suchend, in Tierhaltung ihr entgegenatmet; vorsorglich sie auf den Apfelschimmel hebt, als wäre sie seine über alles geliebte Enkelin, die sich auf gefährliche Fahrt begibt; sich nicht entschließen kann, das Peitschenzeichen zu geben; schließlich in Selbstüberwindung es knallend gibt; neben dem Pferde mit offenem Munde einherläuft; die Sprünge der Reiterin scharfen Blickes verfolgt; ihre Kunstfertigkeit kaum begreifen kann; mit englischen Ausdrücken zu warnen versucht; die reifenhaltenden Reitknechte wütend zu peinlichster Achtsamkeit ermahnt; vor dem großen Salto mortale das Orchester mit aufgehobenen Händen beschwört, es möge schweigen; schließlich die Kleine vom zitternden Pferde hebt, auf beide Backen küsst und keine Huldigung des Publikums für genügend erachtet; während sie selbst, von ihm gestützt, hoch auf den Fußspitzen, vom Staub umweht, mit ausgebreiteten Armen, zurückgelehntem Köpfchen ihr Glück mit dem ganzen Zirkus teilen will - da dies so ist, legt der Galeriebesucher das Gesicht auf die Brüstung und, im Schlussmarsch wie in einem schweren Traum versinkend, weint er, ohne es zu wissen.
Zusammenfassung der Kapitel
C. Lernzielanalyse: Dieses Kapitel erläutert die didaktische Reduktion des Themas auf eine funktionale Ebene und definiert die Lernziele sowie die Sequenzplanung für den Unterricht.
D. Methodische Analyse: Hier wird der konkrete Ablauf der Unterrichtsstunde beschrieben, inklusive der methodischen Vorgehensweise bei der Textarbeit, dem Unterrichtsverlauf und den geplanten Tafelbildern.
Schlüsselwörter
Konjunktiv, Indikativ, Franz Kafka, Auf der Galerie, Didaktische Reduktion, Grammatikunterricht, Zirkus, Möglichkeitsform, Wirklichkeitsform, Sprachbetrachtung, Unterrichtsvorbereitung, Literarische Texte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtsvorbereitung grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert die Planung einer Deutschstunde in der 8. Klasse zum Thema „Funktion des Konjunktivs“, basierend auf der Erzählung „Auf der Galerie“ von Franz Kafka.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die grammatikalische Unterscheidung von Konjunktiv und Indikativ, die Analyse literarischer Texte sowie die didaktische Aufbereitung dieser Inhalte für den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Die Schüler sollen die Funktion von Konjunktiv als Möglichkeitsform und Indikativ als Wirklichkeitsform verstehen und diese korrekt anwenden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine induktive Methode verwendet, bei der die Schüler durch den Vergleich zweier Textabschnitte selbstständig die grammatikalischen Regeln und Funktionen herleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die didaktische Lernzielanalyse, die Lernsequenzplanung sowie eine detaillierte methodische Analyse des Unterrichtsverlaufs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Konjunktiv, Indikativ, Franz Kafka, Textanalyse und didaktische Reduktion.
Warum wurde Franz Kafkas „Auf der Galerie“ für diese Stunde gewählt?
Der Text bietet eine deutliche, inhaltliche Zweiteilung in einen möglichen und einen wirklichen Zirkusalltag, was sich ideal zur Verdeutlichung der Modi eignet.
Wie soll das Tafelbild die Lerninhalte unterstützen?
Das Tafelbild visualisiert durch Gegenüberstellung der Verbformen und der Signalwörter die Unterschiede zwischen Möglichkeitsform (Konjunktiv) und Wirklichkeitsform (Indikativ).
- Citation du texte
- Alexandra Meier (Auteur), 2004, Kafkas Auf der Galerie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34828