[...] Während jedoch in den USA nahezu jedes an den Börsen registrierte Unternehmenswertpapier über ein öffentliches Rating verfügt, tragen in Deutschland vorrangig große, international agierende Unternehmen ein internationales Ratingurteil. In der deutschen mittelständisch geprägten Wirtschaft, in der mehr als 99% aller Unternehmen den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zugeordnet werden, verfügen lediglich 200-300 Unternehmen über ein externes Rating.2 Die aktuelle Medienpräsenz des Themas Rating ist jedoch zweifellos den vom Basler Kommittee für Bankenaufsicht veröffentlichten Vorschlägen zur Harmonisierung der gesetzlichen Regelungen zur Eigenkapitalunterlegung von Bankgeschäften, Basel II genannt, zuzuschrei ben. Die Empfehlungen verfolgen das Ziel, das von den Kreditinstituten aufzubringende Eigenkapital an die Bonität des jeweiligen
Kreditnehmers zu koppeln. Mit Basel II und den Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute (veröffentlicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Dezember 2002) werden vor allem ban kinterne Ratings zur Bonitätsfeststellung zur Vorraussetzung für jedes Darlehen3. Gerade in Deutschland, wo die Fremdfinanzierung im internationalen Vergleich besonders stark ausgeprägt ist, befürchten vor allem mittelständische Unternehmen eine Kreditverknappung bzw. Verteuerung durch die Umsetzung der neuen Regelungen.4 In einer 2004 durchgeführten Studie der Postbank
erwarten 65 % der Unternehmen ein verlängertes Prozedere bei der Kreditvergabe, 61 % befürchten steigende Kreditkosten.5 Das Thema Rating hat also höchste Aktualität. Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die Rating- Problematik geben, wobei der Betrachtung der im Juni 2004 verabschiedeten Regelungen von Basel II und der darin vorgesehenen Rating-Verfahren eine zentrale Rolle zukommen wird. Als Ergebnis sollen die Auswirkungen der neuen Regelungen auf die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstandes dargestellt werden. Untersucht werden soll die Fragestellung, ob die Befürchtung von Kreditverteuerung bzw. –verknappung seitens des deutschen Mittelstands berechtigt sind und ggf. , welche Maßnahmen zur Umgehung bzw. Entschärfung eines Kreditnotstandes abzuleiten sind. 2 Vgl. Hückmann, C. (2003) S. 10f. 3 Vgl. Everling, O. (2004), S. 179. 4 Becker, B. / Müller, S. (2003), S. 533. 5 Vgl. Hommel, U. (2005), S. 1.
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangspunkt: Rating-Kultur in Deutschland
2. Grundlagen des Rating
2.1 Ursprung und Begriffsbestimmung
2.2 Ratingarten
2.3 Rolle des Ratings für die Berechnung der Kreditkosten
3. Bankrechtliche Bestimmungen: Auswirkungen auf die Kreditvergabe der Banken
3.1 Zielsetzung und Entwicklung der Basler Empfehlungen
3.2 Der Dreisäulenansatz von Basel II
3.2.1 Mindestkapitalanforderungen
3.2.2 Amtliches Überprüfungsverfahren und Marktdisziplin
3.3 Andere bankrechtliche Bestimmungen mit Bezug zum Thema Rating
3.3.1 Die Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft (MaK)
3.3.2 Das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)
4. Rating – Verfahren
4.1 Abgrenzung von externem und internem Rating
4.2 Gegenstand der Ratingverfahren
4.3 Rating gemäß Basel II
4.3.1 Externes Rating - einfacher und umfassender Standardansatz
4.3.2 Bankinternes Rating - einfacher und fortgeschrittener IRB-Ansatz
4.3.3 Mittelstandsrating
5. Rating im Spiegel der Fachpresse – Finanzierung des Mittelstandes
5.1 Situation des Mittelstandes und Veränderungen für Kreditkunden durch Basel II
5.2 Kritische Würdigung des Ratings aus Sicht des Mittelstandes
5.3 Ausgewählte Anpassungsstrategien
5.3.1 Bilanzpolitische Maßnahmen
5.3.2 Alternativen zum Bankdarlehen
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Basel-II-Regelungen auf die Finanzierungssituation deutscher mittelständischer Unternehmen, untersucht die Berechtigung von Befürchtungen bezüglich Kreditverknappung oder -verteuerung und leitet Strategien zur Entschärfung potenzieller Kreditnotstände ab.
- Grundlagen und Systematik von Ratingverfahren
- Bankrechtliche Anforderungen und die Säulenstruktur von Basel II
- Prozessuale Unterschiede zwischen internen und externen Ratings
- Anpassungsstrategien für den Mittelstand bei veränderten Kreditkonditionen
- Bedeutung der Informationspolitik für die Unternehmensbonität
Auszug aus dem Buch
Gegenstand der Ratingverfahren
Ein Rating beruht nicht auf einmaliger Durchführung, sondern ist als Prozess zu sehen und mindestens nach einem Jahr zu erneuern, um Veränderungen abbilden zu können. Gleichwohl alle Ratingverfahren die gleiche Zielsetzung verfolgen, nämlich die Quantifizierung der Ausfallwahrscheinlichkeit einer Kreditzusage, ist je nach gewähltem Verfahren teilweise ein sehr unterschiedliches Informations- und Datenspektrum zur Durchführung des Ratings erforderlich. Damit sind die Ansprüche an die zu erhebenden Daten genauso vielschichtig wie die Ratingformen selbst.
Grundsätzlich können die berücksichtigten Parameter den drei folgenden Kategorien mit entsprechendem Gewicht bei der Ermittlung des Ratingurteils zugeordnet werden. Die sog. harten Faktoren können 35% - 50% der Ratingnote ausmachen und beziehen sich auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen, Planungsrechnungen u.ä. 25% - 35% des Ratingsystems widmet sich den weichen Faktoren, worunter im Großen und Ganzen die Qualifikationen des Managements zu verstehen sind. Schliesslich bilden Markt- und Konjunkturfaktoren wie allgemeine Wirtschaftslage, Stellung des Kreditnehmers am Markt sowie die Branchensituation üblicherweise ein Ratinggewicht von 25% - 35%. Dabei sind den quantitativen Elementen diejenigen zuzurechnen, welche auf Kennzahlen, vorrangig aus der Jahresabschlussanalyse, basieren. Qualitative Kriterien sind hingegen grundsätzlich verbal formuliert und decken übrige Faktoren ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ausgangspunkt: Rating-Kultur in Deutschland: Einführung in die historische Entwicklung des Ratings und Erläuterung der Bedeutung von Basel II für den deutschen Mittelstand.
2. Grundlagen des Rating: Definition und Abgrenzung verschiedener Ratingarten sowie die Bedeutung für die Kreditkostenkalkulation der Banken.
3. Bankrechtliche Bestimmungen: Auswirkungen auf die Kreditvergabe der Banken: Detaillierte Darstellung des Dreisäulenansatzes von Basel II sowie ergänzender nationaler Regelungen wie MaK und KonTraG.
4. Rating – Verfahren: Analyse der prozessualen Abläufe bei internen und externen Ratings sowie Erläuterung der Anforderungen für Mittelstandsratings.
5. Rating im Spiegel der Fachpresse – Finanzierung des Mittelstandes: Kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen auf den Mittelstand und Darstellung von Strategien zur Optimierung der Kreditwürdigkeit.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Chancen und Risiken von Basel II für mittelständische Unternehmen.
Schlüsselwörter
Basel II, Rating, Mittelstand, Kreditkosten, Bankenaufsicht, Eigenkapitalunterlegung, Bonität, IRB-Ansatz, Jahresabschlussanalyse, Finanzierung, Kreditrisiko, KMU.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Ratings auf die Finanzierung von Unternehmen vor dem Hintergrund der Basel-II-Vorgaben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Systematik von Ratingverfahren, die bankrechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Finanzierungsalternativen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Sorgen des Mittelstands vor einer Kreditverknappung oder Verteuerung berechtigt sind und wie Unternehmen aktiv darauf reagieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung aktueller Fachpresse sowie relevanter Studien zur Umsetzung von Basel II.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Rating-Verfahren, die bankrechtlichen Säulen von Basel II sowie spezifische Anpassungsstrategien wie Bilanzpolitik oder Finanzierungsalternativen detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Basel II, Rating, Mittelstand, Eigenkapitalunterlegung, Bonität und Kreditrisiko.
Warum ist ein "externes Rating" für viele Mittelständler oft nicht wirtschaftlich?
Da externe Ratings mit erheblichen Kosten verbunden sind und Banken aufgrund der Basel-II-Regelungen ohnehin eigene interne Rating-Verfahren anwenden müssen, ist ein zusätzliches externes Rating für die meisten kleinen Unternehmen verzichtbar.
Was bedeutet der Begriff "Windowdressing" in diesem Kontext?
Es handelt sich um bilanzpolitische Maßnahmen kurz vor dem Bilanzstichtag, um die Kennzahlen künstlich zu verbessern, was jedoch kritisch zu bewerten ist, da Banken solche Praktiken bei ihrer Analyse oft durchschauen.
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- Anja Winkelmann (Author), 2005, Rating im Kontext von Basel II, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34867