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Der Grundsatz der Unabhängigkeit im Berufsrecht der Wirtschaftsprüfer

Titel: Der Grundsatz der Unabhängigkeit im Berufsrecht der Wirtschaftsprüfer

Seminararbeit , 2016 , 24 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Matthäus Schüle (Autor:in)

VWL - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Spektakuläre Unternehmenszusammenbrüche sorgten in der Vergangenheit für zunehmende Kritik am Berufsstand der Wirtschaftsprüfer. Als beispielsweise im Jahr 1990 der italienische Lebensmittelkonzern Parmalat in den Fokus der Öffentlichkeit geriet, weil die Geschäftsführung einen Schuldenberg von heute umgerechnet 14 Milliarden Euro in der Bilanz verschleierte, wurde die damalige Wirtschaftsprüfung Grant Thornton International vor allem mit einer Frage konfrontiert: Anhand welcher (Original-)Unterlagen erfolgte der Nachweis über den Bestand und die Bewertung der „Finanzanlagen“?

Der Fall WorldCom ist ein weiteres Beispiel, welches ein Jahrzehnt später Zweifel an einem ordnungsgemäßen Prüfungswesen aufkommen ließ. Die bis dato zweitgrößte Tele-fongesellschaft der USA wies im Geschäftsjahr 2001 fälschlicherweise 3,8 Mrd. Dollar für die Nutzung von Leitungen anderer Telekommunikationsanbieter als Investitionen aus. Fraglich war zu diesem Zeitpunkt, mit welchen Dokumenten die Wirtschaftsprüfer die Aktivierung dieser Aufwendungen zum damaligen Zeitpunkt rechtfertigten.

Hierzulande ist jüngst die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in die Schlagzeilen gera-ten, als sie den Verkauf des Flughafens Hahn an den chinesischen Investor „Shanghai Yiqian Trading Company“ (SYT) begleitet hat. Nachdem die erste Rate von insgesamt 13 Mio. Euro nicht einging, platzte der Deal. KPMG lastete man vor allem „fatale handwerkliche Fehler“ bei der Due-Diligence-Prüfung an.

Anhand der soeben beschriebenen Vorfälle zeigt sich, dass falsch ausgestellte Testate oder allgemeine Fehler der Wirtschaftsprüfung auf ein großes mediales Interesse stoßen. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da das Vertrauen in die Qualität der Arbeit des Ab-schlussprüfers an zentraler Stelle steht. In dem Moment, in dem Jahresabschlüsse und Lageberichte nicht mehr als verlässlich und glaubwürdig angesehen werden, verliert das Prüfungswesen seine Daseinsberechtigung. Da die Qualität der Leistung der Wirtschaftsprüfung in den seltensten Fällen direkt überprüft werden kann, sind Mandanten und Auftraggeber voll und ganz auf das Urteil der Abschlussprüfer angewiesen. Aus diesem Grund hat der Berufsstand des Prüfungswesens Berufspflichten erlassen, die die Arbeit des Abschlussprüfers entscheidend beeinflussen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriff und Gefährdung der Unabhängigkeit

3 Normen zur Sicherung der Unabhängigkeit

3.1 Normen im HGB

3.1.1 § 319 HGB

3.1.2 § 319a HGB

3.1.3 § 319b HGB

3.2 Normen in der WPO und der Berufssatzung

3.3 Die PIE-Verordnung

3.3.1 Externe Pflichtrotation des Abschlussprüfers

3.3.2 Erbringung von Nichtprüfungsleistungen

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die berufsrechtlichen Normen zur Sicherung der Unabhängigkeit von Wirtschaftsprüfern unter Berücksichtigung aktueller Gesetzesänderungen durch das Abschlussprüfungsreformgesetz (AReG) und EU-Vorgaben.

  • Definition des Unabhängigkeitsbegriffs und Identifikation von Gefährdungspotenzialen
  • Detaillierte Untersuchung der Unabhängigkeitsnormen im Handelsgesetzbuch (HGB)
  • Berufsrechtliche Regelungen in der Wirtschaftsprüferordnung (WPO) und Berufssatzung
  • Auswirkungen der PIE-Verordnung, insbesondere externe Rotation und Nichtprüfungsleistungen

Auszug aus dem Buch

Begriff und Gefährdung der Unabhängigkeit

Die Objektivität des Wirtschaftsprüfers ist ein wesentlicher Berufsgrundsatz im Prüfungswesen. Eng mit dem Begriff der Objektivität verbunden sind die zwei Begriffe „Unabhängigkeit“ (= äußere Unabhängigkeit) und „Unbefangenheit“ (= innere Unabhängigkeit). 6 Ein Wirtschaftsprüfer ist unabhängig, wenn er weder rechtlich noch wirtschaftlich an das zu prüfende Unternehmen gebunden ist.7 Er gilt als unbefangen, wenn er in seiner beruflichen Position, in seinem Fortkommen, bei seinem Einkommen und seiner gesellschaftlichen Stellung nicht auf das zu prüfende Unternehmen angewiesen ist.8 Nur wenn die Unabhängigkeit und die Unbefangenheit des Wirtschaftsprüfers gewahrt werden, geht von der Abschlussprüfung eine vertrauensbildende Wirkung aus. Leffson unterscheidet in diesem Zusammenhang folgende Sachverhalte, bei denen die Urteilsfreiheit des Abschlussprüfers typischerweise gefährdet ist:

1. Personelle Verflechtung: Der Prüfer ist zugleich Träger von Funktionen in dem zu prüfenden Unternehmen.

2. Finanzielle Interessen: Das Prüfungsurteil hat einen Einfluss auf die finanziellen Mittel des Prüfers (z.B. dann, wenn nahe Verwandte des Prüfers oder er selbst an dem zu prüfenden Unternehmen beteiligt sind).

3. Sonstige Interessen des Prüfers können dessen Urteil beeinflussen: Dies ist z.B. dann der Fall, wenn zwischen dem Prüfer und dem Unternehmensinhaber des zu prüfenden Unternehmens eine soziale oder verwandtschaftliche Bindung besteht.

4. Verbindung von Prüfungs- und Beratertätigkeiten: Übernimmt ein Wirtschaftsprüfer in einem Unternehmen sowohl Prüfungs- als auch Beratertätigkeiten, dann besteht die Gefahr, dass er bei seinem Prüfauftrag nicht mehr die notwendige Unvoreingenommenheit besitzt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Kritik am Berufsstand durch spektakuläre Unternehmenszusammenbrüche und verdeutlicht die Notwendigkeit von Berufspflichten zur Sicherung der Qualität der Abschlussprüfung.

2 Begriff und Gefährdung der Unabhängigkeit: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Unabhängigkeit und Unbefangenheit und erläutert anhand von Leffson vier zentrale Sachverhalte, die die Urteilsfreiheit des Prüfers gefährden können.

3 Normen zur Sicherung der Unabhängigkeit: Hier werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen durch das AReG, das HGB, die WPO, die Berufssatzung sowie die EU-PIE-Verordnung detailliert dargestellt und auf ihre Auswirkungen auf die Prüfungspraxis untersucht.

4 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Änderungen zusammen, betont die Bedeutung der neuen Kündigungspflicht sowie der externen Rotation und ordnet die Gesetzesänderungen als aktuelle Momentaufnahme ein.

5 Literaturverzeichnis: Aufgelistete Quellen zur wissenschaftlichen Untermauerung der Arbeit.

Schlüsselwörter

Unabhängigkeit, Abschlussprüfer, Wirtschaftsprüfer, Berufspflichten, Abschlussprüfungsreformgesetz, AReG, HGB, Unbefangenheit, Selbstprüfungsverbot, PIE-Verordnung, Externe Rotation, Nichtprüfungsleistungen, Berufsrecht, Wirtschaftsprüferordnung, Mandatswechsel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt den Grundsatz der Unabhängigkeit im Berufsrecht der Wirtschaftsprüfer und analysiert die gesetzlichen Regelungen, die eine objektive und unbefangene Abschlussprüfung sicherstellen sollen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Definition der Unabhängigkeit, die gesetzlichen Ausschlussgründe im HGB und der WPO, sowie die durch das Abschlussprüfungsreformgesetz (AReG) eingeführten Neuerungen wie die externe Pflichtrotation.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Erläuterung der wichtigsten Gesetze im Zusammenhang mit der Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfung und die Untersuchung der aktuellen Entwicklungen und Anpassungen in diesem Rechtsbereich.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die einschlägige Gesetze, Verordnungen, Kommentierungen sowie berufsständische Stellungnahmen auswertet, um das komplexe Geflecht der Rechtsnormen darzustellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Normen im HGB (§§ 319, 319a, 319b), die berufsrechtlichen Anforderungen in WPO und Berufssatzung sowie die spezifischen Regelungen der EU-PIE-Verordnung zu Rotation und Nichtprüfungsleistungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Unabhängigkeit, Abschlussprüfung, AReG, Selbstprüfungsverbot, PIE-Verordnung und externe Rotation.

Wie unterscheidet sich die "äußere" von der "inneren" Unabhängigkeit?

Die äußere Unabhängigkeit bezeichnet die rechtliche und wirtschaftliche Ungebundenheit an das Unternehmen, während die innere Unabhängigkeit (Unbefangenheit) die unbeeinflusste Urteilsbildung durch den Prüfer beschreibt.

Was ist das "Selbstprüfungsverbot"?

Das Selbstprüfungsverbot untersagt einem Abschlussprüfer die Prüfung von Unterlagen oder Sachverhalten, an deren Gestaltung er selbst unmittelbar mitgewirkt hat, um eine fachliche Voreingenommenheit zu vermeiden.

Warum wurde die externe Pflichtrotation eingeführt?

Die externe Pflichtrotation soll einer zu großen Vertrautheit des Abschlussprüfers mit dem Mandanten entgegenwirken und so die Unabhängigkeit des Prüfungswesens stärken sowie den Wettbewerb anregen.

Was versteht man unter dem Begriff "Fee Cap"?

Als Fee Cap wird die Begrenzung der Gesamthonorare aus zulässigen Nichtprüfungsleistungen bezeichnet, die 70 % der durchschnittlichen Abschlussprüferhonorare der letzten drei Geschäftsjahre nicht überschreiten dürfen.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Grundsatz der Unabhängigkeit im Berufsrecht der Wirtschaftsprüfer
Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Note
1,7
Autor
Matthäus Schüle (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V349725
ISBN (eBook)
9783668367555
ISBN (Buch)
9783668367562
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsprüfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Trading company
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Matthäus Schüle (Autor:in), 2016, Der Grundsatz der Unabhängigkeit im Berufsrecht der Wirtschaftsprüfer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349725
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Leseprobe aus  24  Seiten
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