Die folgende Arbeit setzt sich mit den Forschungsperspektiven der letzten drei Jahrzehnte um die Bedeutung des Pestheiligen Sankt Rochus auseinander. Der vorliegende Text ist die Prüfungsleistung zum Modul Sächsische Landesgeschichte aus dem Sommersemester 2013 und versucht daher auch einzelne Perspektiven der Thematik für diese lokalgeschichtliche Betrachtungsweise zu ermöglichen.
Den Einstieg bildet dabei ein kurzer Abriss des historischen Kontextes, der für die Deutung der Wirkungsgeschichte des Mythos um den Heiligen Rochus und dessen Praxis unerlässlich scheint. Es gilt dabei medizinische Voraussetzungen und Deutungsmuster der Pest einzuführen, da diese ohne Zweifel für die Verehrung von Pestheiligen von Nöten sind.
Hier wird außerdem schon der Vorgriff auf eine Forschungsperspektive gegeben, denn schnell wird klar, dass man verschiedene (Forschungs-)Fragen an die Thematik herantragen kann, die von verschiedensten Wissenschaften her erschlossen werden können. So stehen Medizin, Religions-, Kirchen-, Sozialgeschichte und Kunstgeschichte hier im engen Zusammenhang, was versucht wird im Abschnitt 3.3 zusammenzuführen. Von diesen Grundlagen ausgehend, sollen verschiedene Perspektiven der Forschung im Diskurs dargestellt werden und, wie schon erwähnt, zu einem Gesamten in dieser Arbeit verbunden werden.
Dies geschieht im Kapitel 3 der Arbeit, an welches sich ein dezidierter Blick auf die Quellenlage anschließt, um die Arbeit abzurunden und weitere Impulse für Zusammenfassung und das Resümee zu liefern. In diesem Kapitel erfolgt die hauptsächliche Auseinandersetzung unter dem Thema Forschungsperspektiven. Dies kann nur unter der Leitfrage „Welche Erkenntnis liefern uns die verschiedenen Forschungsansätze?“ geschehen. Es steht hier also die Forschungsfrage im Raum, ob uns die neueren Aufsätze und Publikationen neue Blickwinkel auf die Verehrung des Pestheiligen innerhalb der Sozialgeschichte und anderen Disziplinen bieten, oder die Forschung auf der Stelle tritt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Kontext
2.1 Die Pest in Europa
2.1.1 Perspektive der Geschichtsschreibung
2.1.2 Medizinische Perspektive
2.1.3 Sozialhistorische Perspektive
2.2 Der Rochus-Mythos
3. Forschungsperspektiven
3.1 Stand der Forschung
3.2 Forschungsansätze und -fragen/ Quellenlage
3.2.1 Das Problem der Historizität
3.2.2 Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Fragestellungen
3.3 Zusammenführung der bisherigen Ergebnisse
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Wirkungsweise des Pestheiligen Sankt Rochus anhand von Forschungsperspektiven der letzten drei Jahrzehnte. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Raum, welche Erkenntnisse verschiedene wissenschaftliche Ansätze über die Verehrung des Heiligen im Kontext der Sozialgeschichte liefern und ob diese neue Blickwinkel eröffnen oder die Forschung stagniert.
- Historische Einordnung der Pest in Europa und ihre medizinischen Aspekte
- Analyse des Rochus-Mythos und dessen Funktion als Identifikationsfigur
- Kritische Betrachtung des Forschungsstandes zur Heiligenverehrung
- Untersuchung der Historizität des Pestpatrons im Verhältnis zur Legendenbildung
- Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Einordnung der Heiligenverehrung am Beispiel der Familie Imhoff
Auszug aus dem Buch
2.2 Der Rochus-Mythos
Die Geschichte des Pestheiligen Rochus ist der Kern des um in aufgebauten Mythos. Dabei baut die Rochusverehrung auf einer Darstellung auf, die selbst 100 Jahre nach dem Tod des Protagonisten angesiedelt ist. Daher soll an dieser Stelle kurz auf die wichtigsten Aspekte der Erzählung hingewiesen werden. In Anlehnung an Hubert Cancik muss kurz auf die Bedeutung und Begriffsbestimmung des Mythos eingegangen werden. Cancik zitiert Assmann und bietet aufgrund der Offenheit des Begriffs 'Mythos' an, diesen in verschiedenen Aspekten zu betrachten, die jeweils eigene Funktionalisierungen erfahren. Für die kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Mentalitätsbildern erscheint es sinnvoll, von einem alltagsmythologischem Zugang zum Mythos zu sprechen, der die Sichtweise des Mythos als wahre Begebenheit und damit dessen welterklärender oder auf bestimmte Handlungen bezogene legitimierende Funktion ermöglicht. Der Alltagsmythos an sich erlaubt es, auf bestimmte Vorstellungen einzugehen, die auf Erlebnissen gründen (Bsp.: Der „Amerikanische Traum“, etc.) ohne jedoch erfunden zu sein (Bsp.: Kosmologische Mythen, usw.). Insofern scheint die Nutzung dieses Denkmusters hier angebracht, da die (Re-)Konstruktion der Lebensdaten des Hl. Rochus per se nicht rein erfunden sein kann, sondern, dem Kult angepasst, geschönt und idealisiert.
Unter diesem Blickwinkel bietet die Geschichte um Rochus und sein Handeln eine erbauliche als auch orientierende Funktion für die Gestaltung des Alltags der Zeitgenossen. Nun soll der Kern der Erzählung kurz umrissen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Forschungsperspektiven um den Pestheiligen Sankt Rochus ein und formuliert die Leitfrage nach dem Erkenntnisgewinn durch verschiedene wissenschaftliche Disziplinen.
2. Historischer Kontext: Dieses Kapitel erläutert die medizinischen Voraussetzungen und die soziokulturelle Bedeutung der Pest in Europa sowie die Entstehung und den Charakter des Rochus-Mythos als alltagsmythologische Erzählung.
3. Forschungsperspektiven: In diesem Hauptteil wird der Forschungsstand kritisch reflektiert, die Frage der Historizität des Heiligen diskutiert und die Verknüpfung von wirtschaftlichen und sozialen Interessen anhand von Stiftungen, speziell im Fall der Familie Imhoff, analysiert.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und plädiert für eine interdisziplinäre Forschung, die bisher isolierte Aspekte des Rochuskults zu einem geschlosseneren Gesamtbild zusammenführt.
Schlüsselwörter
Sankt Rochus, Pest, Pestheiliger, Sozialgeschichte, Historizität, Volksheiliger, Heiligenverehrung, Reformation, Nürnberg, Imhoff, Wirtschaftsgeschichte, Frömmigkeit, Legendenbildung, Pandemie, Kult
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des Pestheiligen Sankt Rochus und untersucht die verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven, aus denen dieser Kult in der Forschung der letzten 30 Jahre betrachtet wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die historische und medizinische Einordnung der Pest, die kulturwissenschaftliche Deutung des Rochus-Mythos sowie die sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Zusammenhänge der Heiligenverehrung.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die zentrale Frage lautet, welche Erkenntnisse die verschiedenen Forschungsansätze liefern und ob aktuelle Publikationen neue Blickwinkel auf die Verehrung des Heiligen innerhalb der Sozialwissenschaften und anderer Disziplinen eröffnen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine problemorientierte historische Analyse, die verschiedene Sekundärquellen auswertet und diese im Kontext sozial- und wirtschaftsgeschichtlicher Faktoren interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Pest-Phänomen und den Rochus-Mythos sowie eine detaillierte Forschungskritik, die insbesondere die Frage nach der Historizität des Heiligen und die Rolle von Handelsfamilien wie den Imhoffs beleuchtet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Pestheiliger, Rochuskult, Historizität, Volksfrömmigkeit, wirtschaftliche Stiftungen und sozialgeschichtliche Funktionalisierung.
Welche Bedeutung kommt der Familie Imhoff in der Argumentation zu?
Die Imhoffs dienen als Fallbeispiel, um aufzuzeigen, wie wirtschaftliche Interessen, politisches Geltungsbedürfnis und religiöse Frömmigkeit bei der Stiftung eines Rochusaltars ineinandergreifen.
Warum spielt die Historizität des Heiligen laut Autor eine untergeordnete Rolle?
Für den Autor ist die tatsächliche Existenz des Heiligen weniger relevant als seine Funktion als Identifikationsfigur und Katalysator für die Bevölkerung in Krisenzeiten der Pest.
- Citar trabajo
- Christian Luther (Autor), 2014, Der Heilige Rochus als Pestpatron. Forschung aus drei Jahrzehnten zu Rochus von Montpellier, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349798