Im Rahmen dieser Seminararbeit wird, nach einer anfänglichen Definition des Personenkreises der Self-Advocacy Bewegung, zunächst einmal die Bedeutung des Begriffs Self-Advocacy erläutert. Darauf aufbauend wird der Fokus anschließend auf die Wurzeln der Bewegung gelenkt und die wichtigsten Stationen der internationalen und nationalen Entwicklung von Selbstvertretungsgruppen von Menschen mit Lernschwierigkeiten beleuchtet. Im nächsten Schritt wird dann auf die zentralen Leitprinzipien von Selbstvertretungsgruppen – Normalisierung des eigenen Lebens, Selbstbestimmung und Selbstermächtigung – eingegangen.
Der Schwerpunkt der Seminararbeit liegt auf der professionellen Unterstützung der Selbstvertretungsgruppen von außen. Es wird zum einen untersucht, inwiefern dieser professionelle Eingriff mit den Leitprinzipien der Selbstvertretungsgruppen vereinbar ist und zum anderen die Position der Unterstützungsperson beleuchtet. Dabei soll geklärt werden, welche besonderen Anforderungen an eine professionelle Unterstützung gestellt und welche konkreten Ziele durch diese verfolgt werden. Daran anknüpfend wird die Arbeitsweise des Advisors genauer betrachtet, wobei das Hauptaugenmerk darauf liegt, inwieweit Empowerment Ausdruck in dieser findet. Abschließend erfolgt eine Gegenüberstellung der Chancen und Gefahren der Konsultation einer professionellen Unterstützung für die Selbstvertretungsgruppen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Begriffsklärungen
2.1 Menschen mit Lernschwierigkeiten
2.2 Self-Advocacy
3. Historische Skizzierung der Self-Advocacy Bewegung
4. Die zentralen Leitprinzipien von Selbstvertretungsgruppen
5. Die Unterstützung von Selbstvertretungsgruppen
5.1 Begründung des Assistenzbedarfs
5.2 Anforderungen an den Advisor
5.3 Ziele und Arbeitsweise des Advisors
5.4 Der Advisor: Chancen und Gefahren für die Selbstvertretung
6. Schlussfolgerungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit untersucht das Konzept des Empowerments im Kontext der Self-Advocacy-Bewegung von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Ziel ist es, die Rolle der professionellen Unterstützung (des Advisors) kritisch zu beleuchten, um zu klären, wie eine notwendige Assistenz gestaltet sein muss, ohne die Prinzipien der Selbstbestimmung und Autonomie der Selbstvertretungsgruppen zu gefährden.
- Historische Entwicklung der internationalen und nationalen Self-Advocacy-Bewegung
- Analyse der zentralen Leitprinzipien: Normalisierung, Selbstbestimmung und Empowerment
- Anforderungen an die Unterstützungsperson (Advisor) in der Arbeit mit Selbstvertretungsgruppen
- Reflexion über Chancen und Gefahren bei der Inanspruchnahme professioneller Unterstützung
Auszug aus dem Buch
3. Historische Skizzierung der Self-Advocacy Bewegung
Begibt man sich auf die Spurensuche nach den Wurzeln der People First-Bewegung, so findet man deren Ursprung bereits in den 1960er Jahren in Schweden (vgl. Theunissen, 2009, S.110.). In verschiedenen Städten des Landes organisierten sich Menschen mit Lernschwierigkeiten in Freizeitclubs das erste Mal größtenteils selbst und planten und organisierten dort nahezu eigenständig mit geringfügiger studentischer Unterstützung verschiedenste Freizeitaktivitäten (ebd.). Das Wissen, welches sie für diese Tätigkeiten benötigten, eigneten sie sich in eigens für sie gestalteten speziellen Kursen an (ebd.).
Diese Form der Selbstorganisation von Menschen mit Lernschwierigkeiten stieß 1969 auf dem 11. Weltkongress der Internationalen Gesellschaft für Rehabilitation von behinderten Menschen auf helle Begeisterung, was dazu führte, dass auch bald in Kanada, in Großbritannien und in den USA Betroffenen Gelegenheiten zum Austausch und zur Selbstorganisation geboten wurden (ebd.).
Der tatsächliche Beginn der Self-Advocacy Bewegung ist allerdings in den USA zu verzeichnen und wird erst 1973 im Zusammenhang mit der Gründung einer Self-Advocacy Gruppe in Oregon datiert (vgl. Theunissen, 2001, S.2). Zum ersten Mal seit Beginn der Selbstorganisation von Menschen mit Lernschwierigkeiten suchten sich die Betroffenen Unterstützung bei einer nichtbehinderten Person von außen. Ganz nach dem heutigen Verständnis der professionellen Unterstützung von Selbstvertretungsgruppen durch einen Advisor (vgl. 5.), sollte dieser sie dabei unterstützen sich selbst nach außen hin in der Öffentlichkeit zu vertreten, allerdings ohne dabei eine leitende Position in der Gruppe zu übernehmen (vgl. Theunissen, 2009, S.111). Um zu unterstreichen, „dass [sie] in erster Linie Menschen sind und [ihre] Behinderungen erst als zweites kommen“ (People First of Oregon, 2000 zit. n. Theunissen, 2009, S.111), gaben sie nach einem kanadischen Vorbild ihrer Gruppe den Namen People First, was schließlich zum Leitspruch der gesamten Self-Advocacy Bewegung werden sollte (vgl. Theunissen, 2009, S.111).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung stellt die Relevanz der Self-Advocacy-Bewegung dar und definiert das Ziel, die Rolle der professionellen Unterstützung kritisch zu untersuchen.
2. Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert die Begriffe "Menschen mit Lernschwierigkeiten" als Abkehr von stigmatisierenden Bezeichnungen sowie "Self-Advocacy" als Akt der Selbstvertretung.
3. Historische Skizzierung der Self-Advocacy Bewegung: Hier werden die Wurzeln der Bewegung in den 1960er Jahren in Schweden sowie die Gründung der "People First"-Gruppen in den USA nachgezeichnet.
4. Die zentralen Leitprinzipien von Selbstvertretungsgruppen: Das Kapitel erläutert die Kernkonzepte Normalisierung, Selbstbestimmung und Empowerment als fundamentale Pfeiler der Gruppenarbeit.
5. Die Unterstützung von Selbstvertretungsgruppen: Dieser Hauptteil analysiert den Assistenzbedarf, die Anforderungsprofile an einen Advisor sowie die konkreten Ziele und Arbeitsweisen bei der Begleitung von Gruppen.
6. Schlussfolgerungen: Das Fazit fasst zusammen, dass die Unterstützung durch einen Advisor eine Gratwanderung zwischen Hilfe und Bevormundung darstellt, die stets die Expertenrolle der Betroffenen wahren muss.
Schlüsselwörter
Self-Advocacy, Empowerment, Selbstvertretung, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Advisor, Selbstbestimmung, Normalisierung, People First, Inklusion, Assistenzbedarf, Partizipation, Gruppenarbeit, Stärkenperspektive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Self-Advocacy-Bewegung von Menschen mit Lernschwierigkeiten und der unterstützenden Rolle eines Advisors bei der Gründung und Begleitung von Selbstvertretungsgruppen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die historischen Grundlagen der Selbstvertretung, das Empowerment-Konzept, die Prinzipien der Normalisierung und die professionelle Begleitung durch nicht-betroffene Personen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung der professionellen Unterstützung, um aufzuzeigen, wie ein Advisor die Autonomie der Gruppen fördern kann, ohne dabei die Selbstbestimmung der Beteiligten durch Bevormundung zu untergraben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Aufarbeitung relevanter Konzepte aus der Fachliteratur der Heilpädagogik und Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Hintergründe, eine Erläuterung der Leitprinzipien und eine detaillierte Analyse des Assistenzbedarfs sowie der Anforderungen und Gefahren beim Einsatz eines Advisors.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Empowerment, Self-Advocacy, Selbstvertretung, Advisor und Inklusion.
Warum wird der Begriff "Menschen mit Lernschwierigkeiten" verwendet?
Die Autorin wählt diesen Begriff, um dem Wunsch der Betroffenen nachzukommen, sich von der stigmatisierenden Bezeichnung "geistige Behinderung" zu distanzieren.
Welche Gefahren ergeben sich durch einen Advisor?
Die Hauptgefahr liegt in der Manipulation der Gruppenprozesse oder einem Loyalitätskonflikt, falls der Advisor gleichzeitig Angestellter einer Einrichtung ist, deren Interessen den Zielen der Selbstvertretungsgruppe widersprechen.
Was ist das oberste Ziel eines Advisors?
Das oberste Ziel besteht darin, sich durch die schrittweise Förderung der Kompetenzen der Gruppenmitglieder in seiner Funktion überflüssig zu machen.
- Quote paper
- Tamara Zapf (Author), 2016, Empowerment als Traditionslinie der Self-Advocacy Bewegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350029