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Kritische Betrachtung des Normalitätsbegriffes am Beispiel des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms

Title: Kritische Betrachtung des Normalitätsbegriffes am Beispiel des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms

Term Paper , 2004 , 29 Pages , Grade: 2,1

Autor:in: Stefanie Schmidt (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Die Diagnose „Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS)“ wird
heute öfter denn je gestellt. Die Behandlung dieses
Syndroms erfolgt in den meisten Fällen über die
Verabreichung eines Psychopharmakons, überwiegend des
Amphetamins Ritalin.
Eine der Schwierigkeiten beim Thema ADS besteht darin,
dass die Diagnose von der subjektiven Entscheidung des
Diagnostikers abhängt (vgl. Amft, Gerspach, Mattner, 17)
und diese u. a. auf den (wiederum subjektiven)
Beschreibungen des betreffenden Kindes von Eltern,
LehrerInnen usw. aufbaut. Die Diagnose weist also
eigentlich darauf hin, welches Verhalten vom Diagnostiker
bzw. dem sozialen Umfeld des betroffenen Kindes als
„normal“ erachtet wird und welches Verhalten die
Toleranzgrenze überschreitet und somit als „abnormal“
gilt.
In der vorliegenden Hausarbeit mit dem Thema „Kritische
Betrachtung des Normalitätsbegriffes am Beispiel des
Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms“ möchte ich mich mit der
Frage beschäftigen, was die Zunahme dieser Diagnose und
die damit verbundenen Behandlungsmethoden über die
herrschende Vorstellung von Normalität aussagen. Hierbei
werde ich im Besonderen den Norm-Begriff in der Schule
betrachten, weil sich dort meiner Meinung nach die
Differenz zwischen Anpassung und Abweichung in Bezug auf
das ADS am deutlichsten zeigt. Auf andere soziale
Zusammenhänge, wobei hier vor allem die Familie und
weitere nahe Bezugspersonen zu nennen wären, werde ich
aus Platzgründen nicht näher eingehen.
Ich werde im Folgenden so vorgehen, dass ich anfangs den
Normalitätsbegriff im Allgemeinen und dann die
Normansprüche in Institutionen, im Besonderen in der
Schule, erläutern werde. Als nächstes werde ich versuchen, das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom zu
beleuchten und zwar vor allem im Hinblick auf die
vorherrschende medizinische Perspektive und kurz die
ganzheitliche Perspektive anschneiden. Hierbei werde ich
mich ausschließlich auf das ADS bei Kindern beziehen und
mich nicht mit dem ADS im Erwachsenenalter beschäftigen.
Im letzten Teil werde ich die beiden vorangegangenen
Teile miteinander verbinden und herausarbeiten, warum das
ADS als abweichendes Verhalten betrachtet wird. Dabei
werde ich sowohl auf den Sinn einer Pathologisierung für
die Zuschreibenden zu sprechen kommen als auch auf den
subjektiven Sinn, den das Verhalten möglicherweise für
den Pathologisierten aufweist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Menschliches Verhalten in sozialen Zusammenhängen

2.1. Definition des Normbegriffes

2.2. Definition abweichenden Verhaltens

2.3. Normen in Institutionen

2.3.1. Die Schule als Institution

2.3.1.1. Schulische Normen und Abweichung

3. Das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom

3.1. Diagnosekriterien

3.2. Die medizinische Perspektive

3.2.1. Die Behandlung mit Psychopharmaka

3.2.2. Die Fragwürdigkeit des medizinischen Paradigmas

3.3. Die ganzheitliche Perspektive

4. Pathologisierung des ADS

4.1. Das ADS aus dem schulischen Blickwinkel

4.2. Die Entlastungsfunktion der Diagnose

4.3. Der Bedeutungsgehalt abweichenden Verhaltens

4.3.1. Die Fragwürdigkeit von Anpassung

5. Schluss

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch den Normalitätsbegriff am Beispiel des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms (ADS). Das Ziel ist es, die Zunahme dieser Diagnose und die Verwendung von Psychopharmaka im schulischen Kontext zu hinterfragen und den Sinn hinter "abweichendem" Verhalten aus systemischer sowie anthropologischer Sicht zu beleuchten.

  • Normalitätsbegriff und gesellschaftlicher Konformismus
  • Schule als Institution und ihre Normansprüche
  • Medizinische Perspektive versus ganzheitlicher Ansatz bei ADS
  • Die Pathologisierung abweichenden Verhaltens
  • Systemische Aspekte von Störverhalten bei Kindern

Auszug aus dem Buch

3.2.2. Die Fragwürdigkeit des medizinischen Paradigmas

Im Beipackzettel des Herstellers von Ritalin steht folgender Text: „Ritalin ist ein mildes Stimulans für das zentrale Nervensystem. Die Art und Weise, wie Ritalin im Menschen wirkt, wird noch nicht ganz verstanden, aber Ritalin aktiviert vermutlich das Stammhirn und den Kortex, um einen stimulierenden Effekt zu erzielen. Es gibt keinen spezifischen Beweis, der die Mechanismen nachweist, wie Ritalin mentale und verhaltensmäßige Effekte auf Kinder hervorruft, noch gibt es einen überzeugenden Nachweis darüber, wie diese Effekte in Beziehung zum zentralen Nervensystem stehen.“ (zit. n. Hüther, Bonney, 73 f.) Die Tatsache, dass sogar der Hersteller offen bekennen muss, dass die Wirkweise von Ritalin unklar ist, sollte zu denken geben. Unter Punkt 4 werde ich mich deswegen unter anderem mit der Frage beschäftigen, warum sich Ritalin und die dazugehörigen biologisch-medizinischen Erklärungsversuche trotzdem solch großer Beliebtheit erfreuen.

Ein anderer Punkt ist, dass bei der Erklärung von Verhaltensauffälligkeiten durch organische Ursachen oft unbeachtet bleibt, dass die Hirnstruktur keine Konstante ist, sondern sich ständig entsprechend der gemachten Erfahrungen und Lernprozesse verändert. Auch wenn eine Anomalie im Gehirn nachgewiesen werden kann, ist es unklar, ob diese das abweichende Verhalten bedingt oder ob die Anomalie dadurch entstanden ist, dass die verhaltensauffällige Person ihr Gehirn aufgrund von anderen Ursachen anders „benutzt“ hat. Es lässt sich im Nachhinein also nicht klären, was primäre Störung und was sekundäre Folgen sind. (vgl. Hüther, Bonney, 56 ff.)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ADS ein, stellt die Subjektivität der Diagnose dar und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der gesellschaftlichen Vorstellung von Normalität.

2. Menschliches Verhalten in sozialen Zusammenhängen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Normen und abweichendes Verhalten und beschreibt die Rolle von Institutionen, insbesondere der Schule, bei der Formung des Individuums.

3. Das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom: Es werden die Schwierigkeiten der Begriffsbestimmung, die Diagnosekriterien nach DSM-IV/ICD-10 sowie die medizinische und ganzheitliche Sicht auf ADS dargelegt.

4. Pathologisierung des ADS: Der Fokus liegt auf der kritischen Betrachtung, warum und unter welchen ökonomischen Bedingungen Verhaltensauffälligkeiten als "Störung" definiert und medikamentös korrigiert werden.

5. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass ein systemischer Blick hinter das Verhalten wichtiger ist als die rein individualpathologische Etikettierung.

Schlüsselwörter

Normalitätsbegriff, ADS, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, Ritalin, soziale Normen, Schule, Pathologisierung, systemischer Ansatz, Verhaltensauffälligkeit, Psychopharmaka, soziale Kontrolle, Diagnostik, Medizinisierung, Erziehung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Reflexion über den Begriff der Normalität, angewandt auf das Beispiel des ADS bei Kindern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die soziale Konstruktion von Normen, die Rolle der Schule als Erziehungsinstanz, die medizinische Behandlungspraxis sowie systemische Erklärungsansätze für Verhaltensauffälligkeiten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu analysieren, was die zunehmende Diagnose von ADS und die Vergabe von Medikamenten wie Ritalin über unsere heutige Vorstellung von Normalität und den Umgang mit abweichendem Verhalten aussagt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und theoretischen Reflexion, wobei soziologische, pädagogische und systemtheoretische Ansätze verknüpft werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Normen, den schulischen Blick auf "Störer", die medizinische Perspektive auf ADS sowie die ökonomischen und sozialen Funktionen der Pathologisierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind ADS, Normalitätsbegriff, Ritalin, Pathologisierung, Schulpädagogik, soziale Kontrolle und Systemtheorie.

Welche Rolle spielt die Schule bei der Entstehung des ADS-Labels?

Die Schule wird als Institution beschrieben, die ein "kalkulierbares" Verhalten erwartet. Kinder, die dieser Norm nicht entsprechen, werden aufgrund des hohen Anpassungsdrucks oft als problematisch wahrgenommen, was die Diagnose ADS als Entlastungsstrategie begünstigt.

Warum wird die medizinische Perspektive kritisiert?

Die Kritik richtet sich dagegen, dass die Wirkmechanismen von Ritalin unklar bleiben und dass biologische Erklärungen oft die psychodynamischen und systemischen Ursachen eines Verhaltens ausblenden.

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Details

Title
Kritische Betrachtung des Normalitätsbegriffes am Beispiel des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms
College
University of Applied Sciences Darmstadt
Grade
2,1
Author
Stefanie Schmidt (Author)
Publication Year
2004
Pages
29
Catalog Number
V35044
ISBN (eBook)
9783638350907
Language
German
Tags
Kritische Betrachtung Normalitätsbegriffes Beispiel Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Schmidt (Author), 2004, Kritische Betrachtung des Normalitätsbegriffes am Beispiel des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35044
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