Das Recht der Tiere auf Leben im Kontext des Präferenzutilitarismus von Peter Singer


Hausarbeit, 2015
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der klassische Utilitarismus
2.1 Jeremy Bentham
2.2 John Stuart Mill

3. Die tierethischen Grundpositionen

4. Peter Singer und der Präferenzutilitarismus
4.1 Zur Person Peter Singers
4.2 Präferenzutilitarismus
4.3 Das Prinzip der gleichen Interessensabwägung
4.4 Speziezismus und seine Erscheinungsformen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Monographien
6.2 CD-ROM

1. Einleitung

„Ich kann mir meine Schmerzen aussuchen, Tiere nicht“. Mit diesem provokantem Slogan ruft die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. zu einer vegetarischen/ veganen Lebensweise und dem Stoppen von Tierquälerei auf. Der Markt für sogenannte „Veggie-Produkte“ boomt und Vegetarier oder Veganer sein, liegt total im Trend. Und tatsächlich scheint sich der Konsum von Fleisch in ganz Europa zunehmend zu verringern. Jedoch werden trotz diesem Rückgangs Tiere weiterhin für Versuchszwecke gequält und allein in Deutschland jährlich 750 Millionen Tiere geschlachtet.[1] Doch auch wenn man eine vegetarische oder vegane Lebensweise ohne Fleischkonsum verfolgt, so besitzt vermutlich fast jeder die eine oder andere Lederhandtasche oder auch einen Ledergürtel und isst ab und zu - wenn auch unbewusst- gelatinehaltige Gummibärchen. Somit stellt sich die Frage, ist diese Art unseres Umgangs mit Tieren moralisch vertretbar?

Lange Zeit war die Auffassung, dass es keine direkten moralischen Gründe gegen das Töten von Tieren gibt, in der westlichen Philosophie unangefochten. Tiere wurden in unserer Gesellschaft, durch fehlende empirische Erkenntnisse bezüglich der Bioethik, nicht als moralische Mitglieder unserer Gemeinschaft betrachtet, sondern als maschinenartige Wesen ohne jegliche Empfindungsfähigkeit, wie es René Descartes beschreibt. Auch Kant war der Ansicht, dass Tiere im Gegensatz zu Menschen über kein Selbstbewusstsein verfügen würden. Genauso schreibt Ottfried Höffe den Tieren keine Rechte zu, da sie weder Zurechnungsfähigkeit noch die Fähigkeit, Rechtsbeziehungen einzugehen, besitzen und plädiert somit für die Beibehaltung des Anthropozentrismus.[2] Dagegen tritt der australische Philosoph und Ethiker Peter Singer als Advokat der Tiere auf und entwickelt eine Ethik, welche sich mit dem Wohlergehen der Tiere beschäftigt.[3]

Zu Beginn dieser Arbeit möchte ich einen kurzen Einblick in die grundlegenden Positionen der Tierethik gewähren, um anschließend den von Singer vertretenen Präferenzutilitarismus und das darin zentrale Prinzip der gleichen Interessensabwägung zu beschreiben. Zum besseren Verständnis werde ich mich jedoch zuvor kurz dem klassischen Utilitarismus nach Jeremy Bentham und John Stuart Mill, seinen zwei wichtigsten Vertretern, widmen. Jeremy Bentham gilt aufgrund seiner Schrift „Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung“ als der Schöpfer des Utilitarismus. Jahre später entwickelte der englische Philosoph John Stuart Mill in seinem Essay „Der Utilitarismus“ die Theorien seines Vorgängers weiter und klärt bestehende Missverständnisse auf. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit widme ich mich Singers Gedanken in Bezug auf Tiere als Konsumgüter und Tierversuchen, dabei gilt es jedoch zuvor den Begriff des Speziezismus‘, den Singer prägte, zu klären. Als Ansatz dieser Arbeit diente zunächst ein Auszug Singers zum moralischen Umgang mit Tieren aus dem Buch „Praktisch Ethik“ und Ursula Wolfs Werk „Das Tier in der Moral“.

Den Abschluss dieser Arbeit bilden eine kritische Betrachtung dieser Ethik, die sich im Laufe der Zeit ihr gegenüber gebildet hat und ein persönlicher Aufruf.

2. Der klassische Utilitarismus

Der Utilitarismus (von lat.: utile = nützlich) gehört zu einer der meist diskutierten moralphilosophischen Theorien, seit seiner Ausarbeitung durch Jeremy Bentham und John Stuart Mill Anfang des 19. Jahrhunderts. Bis heute ist er im angelsächsischen Sprachraum eine der wichtigsten und einflussreichsten philosophischen Strömungen - wenn auch in verschieden Abwandlungen und Varianten.[4] Der klassische Utilitarismus strebt nach der „bestmöglichen Maximierung des Gesamtnutzen“, „dem größtmöglichen Glück für die größtmögliche Anzahl von Personen“ und versucht das Leid zu minimieren.[5] Eine Handlung wird erst dann als utilitaristisch wertvoll angesehen, wenn sie den größten Nutzen erzielt. Der moralische Wert ergibt sich demnach nur aus den Folgen und nicht aus der Handlung selbst. Den Vorteil, den mehrere Personen durch dieselbe Handlung erzielen, zählt daher mehr als den Nachteil, den eine einzelne Person erleidet. Dadurch wird auch schon das Problem, dass sich beim Utilitarismus ergibt, klar: Wie kann man gegenseitige Interessen aufsummieren oder abwägen um zu einem gerechten Urteil zu gelangen?

Der Utilitarismus hat sich im Laufe seiner Entwicklung in eine Vielzahl von verschiedenen Positionen und Unterpositionen gespalten. So kann man heute den negativen vom positiven, den hedonistischen vom idealen, den subjektiven vom objektiven Utilitarismus unterscheiden, sowie auch den Handlungs- vom Regelutilitarismus.

Im Folgenden werde ich kurz die zwei Hauptvertreter und gleichzeitig auch Schöpfer des Utilitarismus, Jeremy Bentham und John Stuart Mill, vorstellen und deren Verständnis der Moralphilosophie erläutern.[6]

2.1 Jeremy Bentham

Der englische Philosoph und Jurist Jeremy Bentham (1748 - 1832) gilt als der Urvater des Utilitarismus. Mit seinem Hauptwerk „Einführung in die Prinzipien von Moral und Gesetzgebung“ aus dem Jahr 1789 formuliert er das Prinzip der Nützlichkeit, nach dem im Falle einer Entscheidung zwischen zwei möglichen Handlungen, diejenige gewählt werden soll, welche das größtmögliche Glück für alle Beteiligten zur Folge hat. Dabei ist es notwendig, Lust und Schmerz miteinander abzuwägen und eine Gesamtbilanz aufzustellen; das Glück ist somit empirisch messbar. Nach Bentham handelt es sich bei den Kriterien der Abwägung unter anderem um die Intensität der Lust beziehungsweise der Schmerzen, die Dauer, die Gewissheit und Ungewissheit, sowie die Nähe oder Ferne.[7] Außerdem äußert er vier Teilmaßstäbe, die als Beurteilungskriterium, die Rationalität einer Handlung ausmachen. Zum einen erwähnt er das Prinzip des Konsequentialismus, welches besagt, dass eine Handlung nach ihren Folgen beurteilt werden muss und nicht grundsätzlich aus sich selbst heraus oder ihren Eigenschaften richtig sein muss. Das zweite Prinzip ist das bereits oben erwähnte Nutzenprinzip, gefolgt vom

Hedonismus. Dieser besagt, dass „als höchster Wert die Erfüllung der menschlichen Bedürfnisse und Interessen gilt: das menschliche Glück. Hierfür gilt es, den Nutzen zu maximieren und das Leid zu minimieren. Die Beurteilung, inwiefern eine Handlung Leid oder Glück nach sich zieht, lässt sich mit Hilfe eines hedonistischen Kalküls, einer Glücksbilanz, berechnen. Abschließend führt Bentham das universalistische Prinzip ein, nach dem das Glück aller Beteiligten und nicht das Glück des Handelnden allein berücksichtigt werden muss. Das kollektive Wohl ist dem individuellen Wohl übergeordnet. Das Ziel jeder Handlung ist es, das größtmögliche Glück der größtmöglichen Anzahl zu maximieren; nur bei Erfüllung der oben genannten Kriterien ist eine Handlung nützlich und moralisch richtig. Daraus ergibt sich, dass alle Handlungen, die insgesamt mehr Leid als Glück nach sich ziehen, schlecht sind.[8]

2.2 John Stuart Mill

John Stuart Mill (1806 - 1873) war ein Schüler Benthams und Anhänger seiner Utilitaristischen Lehre, welche er im weiteren Verlauf seines Lebens weiterentwickelte.[9] Für Mill galt das Prinzip des größten Glücks als die Grundlage der Moral, ebenso wie bei Bentham. Jedoch unterscheidet er im Gegensatz zu seinem Lehrer nicht bloß die Quantität, sondern auch die Qualität des Glückes. So gibt es nach Mill einige Arten der Freude, die wünschenswerter und wertvoller sind als andere, demnach höhere und niedere Arten der Freude. Als Beispiel nennt er das geistige Glück, welches seiner Meinung nach über dem sinnlichen Glück steht. Diejenigen die aufgrund von Erfahrungen die besten Vergleichsmöglichkeiten besitzen, sollten über die qualitative Höhe der Freude entscheiden. Somit schlägt der Philosoph ein auf Erfahrungswerten fundiertes Wertungssystem vor, mit welchem die Erstellung einer Gesamtbilanz möglich ist.[10]

3. Die tierethischen Grundpositionen

Wissenschaftlich betrachtet handelt es sich bei der Tierethik um eine Teildisziplin der Bioethik, welche sich mit den moralischen Fragen und Begründungen beschäftigt, die sich aus dem Umgang von Mensch und Tier ergeben.[11] Grundsätzlich gibt es hierbei zwei gegensätzliche Sichtweisen: Entweder stellt der Mensch den Mittelpunkt aller ethischen Betrachtungen dar und die Natur hat keinen eigenen moralischen Wert (=Anthropozentrismus, von griech. „anthropos“ = Mensch), oder die Natur hat einen eigenen Wert und der Mensch muss auf sie ihrer selbst willen Rücksicht nehmen (=Physiozentrismus, von griech. „physis“ = Natur). Wenn im Folgenden von Natur gesprochen wird, so ist die gesamte Natur, also auch Tiere, gemeint.[12]

[...]


[1] URL: http://www.welt.de/politik/deutschland/article123700329/Deutsche-schlachten-pro-Jahr- 750-Millionen-Tiere.html (zuletzt abgerufen am 17.11.2015).

[2] Schlegel, Alexander (2007): Identität der Person. Eine Auseinandersetzung mit Peter Singer. Freiburg: Academic Press Fribourg/Paulusverlag Freiburg Schweiz. S. 153.

[3] Vgl. Wolf, Ursula (1990): Das Tier in der Moral, Frankfurt a.M.:Vittorio Klostermann GmbH. S. 37f.

[4] Vgl. Höffe, Ottfried (2008):Einführung in die utilitaristische Ethik.4 Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG. S. 8.

[5] Vgl. Huber, Sabine (1999): Kritik der moralischen Vernunft: Peter Singers Thesen zur Euthanasie als Beispiel präferenz-utilitaristischen Philosophierens. Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH. S. 42f.

[6] Vgl. Höffe, Ottfried (20038): S.9.

[7] Wolbert, Werner (1992): Vom Nutzen der Gerechtigkeit. Zur Diskussion um Utilitarismus und teleologische Theorie. Freiburg: Universitätsverlag Freiburg Schweiz. 102f.

[8] Vgl.: Höffe, Ottfried (2008): S. 10f.

[9] Vgl.: Ulrich, Peter/ S.Aßländer, Michael (Hg.) (2006): John Stuart Mill. Der vergessene politische Ökonom und Philosoph. Bern: Haupt Verlag AG (= St. Galler Beiträge zur Wirtschaftsethik 37). S. 57.

[10] Vgl: Höffe, Ottfried (2008): S. 84-91.

[11] Vgl Sandkühler, Hans Jörg (Hg.) (2010): Enzyklopädie Philosophie. Hamburg: Felix Meiner Verlag. Kap. Nr.: 811.

[12] Vgl. Krebs, Angelika (Hg.) (1997): Naturethik. Grundtexte der gegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Verlag. S. 342ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Recht der Tiere auf Leben im Kontext des Präferenzutilitarismus von Peter Singer
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Der Zweifel in der Philosophie
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V350481
ISBN (eBook)
9783668370630
ISBN (Buch)
9783668370647
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peter Singer, Utilitarismus, Jeremy Bentham, Präferenzutilitarismus, Recht der Tiere, John Stuart Mill, Tierethik
Arbeit zitieren
Jessica Schlemmer (Autor), 2015, Das Recht der Tiere auf Leben im Kontext des Präferenzutilitarismus von Peter Singer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350481

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