In meiner Arbeit werde ich der Frage nachgehen, was evangelikale Mission bedeutet und untersuchen, inwiefern die Kritik, evangelikale Mission würde „humanitäre Hilfe und Mission [...] miteinander vermischen“ zutrifft und im Kontext von Entwicklungszusammenarbeit problematisch anzusehen ist.
Zuerst werde ich hierfür versuchen, die Begriffe „Mission“ und „Evangelikal“ zu erläutern und zu definieren, um daran anschließend zu untersuchen, was evangelikale Mission im Gegensatz zu allgemein verstandener Mission kennzeichnet. Hierbei beziehe ich mir nur auf deutsche Organisationen, die den Anspruch haben auch humanitäre Hilfe zu leisten – also nach dem evangelikalem Konzept der „ganzheitlichen Mission“ handeln. Dies beinhaltet die Überprüfung, inwieweit die vorgeworfene Verknüpfung zwischen entwicklungspolitischen und missionarischen Anteilen zutrifft.
Diesen Zusammenhang möchte ich anschließend bewerten und in einem Fazit die Ergebnisse zusammenfassen und hieraus mögliche Konsequenzen herleiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Evangelikale Mission
2.1 Mission und ihre biblische Begründung
2.2 Historische Entwicklung der Mission
2.3 Evangelikal
2.4 Ganzheitliche Mission als Konzept der evangelikalen Mission
3. Eigene Bewertung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Verknüpfung von evangelikaler Mission und humanitärer Hilfe im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit. Dabei geht der Autor der Forschungsfrage nach, inwieweit die Vermischung von missionarischen und entwicklungspolitischen Anteilen problematisch zu bewerten ist und welche Auswirkungen dies auf die Effektivität und Wahrnehmung der geleisteten Hilfe hat.
- Evangelikale Missionskonzepte und ihre biblische Herleitung
- Abgrenzung und Definition des Begriffs "evangelikal"
- Kritische Analyse der "ganzheitlichen Mission"
- Die Rolle der Nächstenliebe und des Absolutheitsanspruchs
- Konsequenzen für eine moderne Entwicklungszusammenarbeit
Auszug aus dem Buch
2.4 Ganzheitliche Mission als Konzept der evangelikalen Mission
Um verstehen zu können, worin nun die Problematik der evangelikalen Mission besteht, werde ich im Folgenden das Konzept der „ganzheitlichen Mission“ vorstellen. Sie zeigt das heutige evangelikale Verständnis von Mission, wobei dies in unterschiedlichen Ausprägungen auftritt.
Allgemein gesagt, versucht sie zwei Dimensionen von Mission quasi synthetisch zusammen zuführen. Auf der einen Seite ist damit die traditionelle Mission als verbale Verkündigung der guten Nachricht bzw. Evangelisation gemeint; auf der anderen Seite geht es um die praktische Auslebung des Glaubens auf Grundlage neutestamentlicher Werte, wie Nächstenliebe etc. Verdeutlicht wird dies in folgender Aussage:
Ich glaube, dass wir in Anbetracht der grossen[sic] Spannungen zwischen der vertikalen Interpretation des Evangeliums, als einer Botschaft, in der es um Gottes rettendes Handeln im Leben von einzelnen Menschen geht und der horizontalen Interpretation des Evangeliums, die die menschlichen Beziehungen in der Welt im Blick hat, aufhören müssen, uns ständig von einem Extrem zum andern zu bewegen. Dieses Hin und Her ist einer Bewegung, die die Wahrheit des Evangeliums in seiner Fülle zu erfassen sucht, unwürdig. Eine Christenheit, die die vertikale Dimension verloren hat, hat ihr Salz verloren und ist nicht nur an sich fade, sondern auch unnütz für die Welt. Aber eine Christenheit, die ihre Sorge um die Horizontale dazu nutzt, ihrer Verantwortung für das wirkliche Leben der Menschen zu entfliehen, verleugnet damit die Inkarnation der Liebe Gottes für die Welt, die in Jesus Christus offenbar wurde.
Sowohl die „evangelistische“ als auch die „soziale“ Dimension zielen im evangelikalen Verständnis auf die Bekehrung von Nichtchristen ab. In Letzterer geschieht dies durch den implizierten Vorbildcharakter, der auf diese Weise für die Religion werben soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die mediale Kritik an evangelikalen Missionseinsätzen in Entwicklungsländern und definiert das Ziel, die Verknüpfung von humanitärer Hilfe und Mission kritisch zu hinterfragen.
2. Evangelikale Mission: Dieses Kapitel erläutert die biblischen Grundlagen, die historische Entwicklung sowie die Definition des evangelikalen Selbstverständnisses und führt das Modell der „ganzheitlichen Mission“ ein.
3. Eigene Bewertung: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Praxis, bei der diakonische Arbeit als Instrument für missionarische Absichten genutzt wird, was den interkulturellen Dialog erschweren kann.
4. Fazit: Der Autor resümiert, dass die enge Verknüpfung von sozialer Hilfe und Evangelisation aus entwicklungspolitischer Sicht negativ zu bewerten ist, und schlägt eine zeitliche Trennung der Verantwortungsbereiche vor.
Schlüsselwörter
Evangelikale Mission, Entwicklungspolitik, Ganzheitliche Mission, Entwicklungszusammenarbeit, Fundamentalismus, Evangelisation, Nächstenliebe, Humanitäre Hilfe, Missionare, Glaubensbekehrung, Interkultureller Dialog, Diakonie, Lausanner Verpflichtung, Religionsverständnis, Absolute Wahrheitsanspruch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht kritisch, wie evangelikale Missionsorganisationen den Begriff der Entwicklungshilfe verwenden und inwieweit soziale Hilfsprojekte mit dem Ziel der Bekehrung verknüpft sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung umfasst die biblischen Hintergründe evangelikaler Missionsarbeit, das Konzept der "ganzheitlichen Mission" sowie die ethischen Konflikte, die sich bei der Verknüpfung von Sozialarbeit und Evangelisation ergeben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu untersuchen, inwiefern die Praxis, humanitäre Hilfe und Mission miteinander zu vermischen, problematisch für eine moderne Entwicklungszusammenarbeit ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis von Fachliteratur, Leitbildern von Missionsgesellschaften und einer kritischen Einordnung aktueller Medienberichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition der Begriffe "Mission" und "Evangelikal" sowie eine detaillierte Analyse der "ganzheitlichen Mission" und ihrer Auswirkungen auf die Praxis der Entwicklungshilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören evangelikale Mission, Entwicklungszusammenarbeit, ganzheitliche Mission, Evangelisation, religiöser Absolutheitsanspruch und diakonisches Handeln.
Wie unterscheidet sich die evangelikale Mission von klassischer kirchlicher Hilfe?
Während sich klassische kirchliche Organisationen zunehmend auf soziale Dimensionen ohne explizite missionarische Absicht konzentrieren, sieht die evangelikale Mission Hilfe und Mission als untrennbare Einheit.
Welcher konkrete Vorschlag wird im Fazit zur Lösung des Konflikts unterbreitet?
Der Autor schlägt vor, soziale und evangelistische Tätigkeiten im Rahmen der ganzheitlichen Mission nicht mehr nebeneinander, sondern temporär nacheinander auszuführen, wobei die humanitäre Hilfe Vorrang haben sollte.
- Arbeit zitieren
- Heiko Bohlen (Autor:in), 2011, Evangelikale Mission im Kontext von Entwicklungszusammenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350528