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Politische Körpervorstellungen im Mittelalter und deren Nachleben in der Moderne

Titel: Politische Körpervorstellungen im Mittelalter und deren Nachleben in der Moderne

Hausarbeit , 2016 , 10 Seiten , Note: 19/20

Autor:in: Nathalie Wagner (Autor:in)

Weltgeschichte - Allgemeines und Vergleiche
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Die Debatte um die zeitgenössische politische Anatomie des Staatswesens wurde spätestens nach Kantorowicz' Zwei-Körper-Lehre neu entfacht. Obwohl Kantorowicz' Untersuchungen kaum über das sechzehnte Jahrhundert hinausreichen, tragen sie insofern zu einer aktuellen Thematik bei, dass sie grundlegende Strukturelemente der politischen Ordnung vergegenwärtigen, die längst für obsolet erklärt worden waren. Konkret stellt sich die Frage nach monarchischen Körpervorstellungen, die vornehmlich im Mittelalter gebräuchlich waren und bis in die Moderne nachwirken.

Um die Essenz der Fragestellung zu demonstrieren, bedarf es zunächst einer Erläuterung des Zwei-Körper-Konzepts, das als Grundlage für die darauffolgenden Überlegungen dient. Im zweiten Teil beschäftigt sich diese Arbeit mit der Annahme, dass die Französische Revolution zu einer Entkörperlichung der politischen Herrschaftsideologie geführt haben soll, während das letzte Kapitel diese Idee anhand zeitgenössischer Konstellationen zu widerlegen versucht und veranschaulicht inwiefern die Körpermetaphorik und die Legitimation durch den König bis heute in das politische Strukturgebilde eindringen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Zwei-Körper-Modell

III. Die Französische Revolution: Entleibung der politischen Ordnung?

IV. Das Nachleben politischer Körpervorstellungen in der Moderne

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die historische Persistenz und Transformation politischer Körpermetaphern, insbesondere das Modell der "zwei Körper des Königs" von Ernst Kantorowicz, und analysiert, inwiefern diese vormodernen Vorstellungen auch in modernen demokratischen Gesellschaften als Legitimationsgrundlagen fortbestehen.

  • Die Theorie des Zwei-Körper-Modells und ihre Bedeutung für die mittelalterliche Staatstheorie.
  • Die Auswirkungen der Französischen Revolution auf das Verständnis von politischer Repräsentation und Körperlichkeit.
  • Der Vergleich zwischen dem französischen und dem britischen Modell der Souveränität.
  • Die anhaltende Rolle von Körpermetaphern und symbolischer Repräsentation in zeitgenössischen Demokratien.

Auszug aus dem Buch

II. Das Zwei-Körper-Modell

Die Theorie der zwei Körper des Königs ist maßgeblich Ernst Kantorowicz' gleichnamigen Werk über die politische Theologie des Mittelalters zu verdanken. Laut Kantorowicz' Befunden gründet der politische und juristische Herrschaftsdiskurs zu jener Zeit auf einem Denken in Körpermechanismen. In seiner Studie veranschaulicht der Mediävist, dass das vormoderne Konzept politischer Ordnung sich im wesentlichen durch eine fundamentale Unterscheidung zweier Seinsweisen des Souveräns auszeichnete; eines leiblichen sterblichen Körpers, des body natural, der zudem als abtrennbares Rechtssubjekt anzusehen ist und eines ewigen unantastbaren Körpers, des body politic, die der König unteilbar in seiner hybriden Gestalt vereinte. Während der natürliche Körper mit physischen Unvollkommenheiten belastet war, manifestierte das Amt des Königs sich in seinem politischen Körper und verlieh diesem Würde und Tugendhaftigkeit. In diesem Sinne fand die als unsichtbar geltende politische Macht ihre Verkörperung im Körper des Königs als sichtbarer Gestalt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Debatte um die politische Anatomie ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Nachwirken monarchischer Körpervorstellungen in der Moderne.

II. Das Zwei-Körper-Modell: Dieses Kapitel erläutert Kantorowicz' Theorie der zwei Körper des Königs, die zwischen dem sterblichen natürlichen Körper und dem ewigen politischen Körper des Souveräns unterscheidet.

III. Die Französische Revolution: Entleibung der politischen Ordnung?: Hier wird untersucht, wie die Revolution versuchte, die traditionelle körperliche Herrschaftsmetaphorik durch eine neue Ordnung zu ersetzen, was jedoch zu einer komplexen, neuen symbolischen Repräsentation führte.

IV. Das Nachleben politischer Körpervorstellungen in der Moderne: Das letzte Kapitel analysiert, wie trotz demokratischer Strukturen vormoderne Körpervorstellungen und Legitimationsmechanismen, etwa durch parlamentarische Repräsentation, bis heute in verschiedenen Staatsmodellen fortbestehen.

Schlüsselwörter

Politische Theologie, Zwei-Körper-Lehre, Ernst Kantorowicz, Souveränität, body natural, body politic, Französische Revolution, Repräsentation, Körpermetaphorik, Volkssouveränität, Machtlegitimation, Demokratie, Staatstheorie, Herrschaftsdiskurs, Anachronismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Persistenz vormoderner politischer Körpervorstellungen und deren Einfluss auf das moderne Verständnis demokratischer Herrschaftsstrukturen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die mittelalterliche politische Theologie, der Umbruch durch die Französische Revolution und die Untersuchung, warum politische Herrschaft auch heute noch oft in körperlichen Metaphern gedacht wird.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, inwiefern monarchische Körpervorstellungen nach dem Ende des Absolutismus obsolet geworden sind oder in welcher Form sie in moderne politische Strukturen nachwirken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine diskursanalytische Arbeit, die primär auf der Auswertung staatstheoretischer Schlüsselwerke und historischer Sinnbilder basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erstreckt sich von der Erläuterung des Zwei-Körper-Modells bei Kantorowicz über die Zäsur der Französischen Revolution bis hin zur Analyse moderner parlamentarischer Repräsentationsmechanismen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind politische Anatomie, Souveränität, body politic, Entkörperlichung und Repräsentation.

Wie unterscheidet sich die Entwicklung in Frankreich von jener in Großbritannien?

Während Frankreich einen radikalen Bruch mit der monarchischen Vergangenheit vollzog, blieb im britischen Modell eine positive Semantik des königlichen Körpers durch Kompromisse in der Verfassungsdoktrin erhalten.

Was bedeutet der Begriff "body snatching" in diesem Kontext?

Philip Manow bezeichnet damit die Beobachtung, dass die Idee der Volkssouveränität in vielen Aspekten lediglich eine gedankliche Nachbildung der früheren monarchischen Souveränität darstellt.

Warum spielt die Öffentlichkeit von Parlamentssitzungen für das Argument eine Rolle?

Das Öffentlichkeitsgebot wird als Strukturmerkmal moderner Demokratien untersucht, wobei aufgezeigt wird, dass die unterschiedliche historische Einführung in England und Frankreich auf variierenden Ansichten über die Repräsentation des Staates beruht.

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Details

Titel
Politische Körpervorstellungen im Mittelalter und deren Nachleben in der Moderne
Hochschule
Université du Luxembourg
Veranstaltung
Politische Fiktionen
Note
19/20
Autor
Nathalie Wagner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V350585
ISBN (eBook)
9783668372078
ISBN (Buch)
9783668372085
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politische körpervorstellungen mittelalter nachleben moderne
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nathalie Wagner (Autor:in), 2016, Politische Körpervorstellungen im Mittelalter und deren Nachleben in der Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350585
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Leseprobe aus  10  Seiten
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