Gegenstand dieser Arbeit ist die chronologische Herausarbeitung der verschiedenen Etappen der Kulturpolitik in der DDR, von ihren Anfängen bis zur Wende, wobei anhand bedeutender historischer Ereignisse und Zäsuren die kulturpolitische Programmatik und deren Auswirkungen nachgezeichnet werden sollen.
Der gesellschaftlichen Bedeutung, die von der Kultur ausgeht, wird besonders in autoritären Staaten wie der DDR beträchtliche Aufmerksamkeit zuteil, um sie gezielt als erzieherisches Instrument zu nutzen. Die Kulturpolitik war stets ein wesentlicher Bestandteil des Herrschaftssystems der SED, insofern die Partei die Rahmenbedingungen für Kunst und Literatur schuf. Das öffentliche Kulturleben wurde von staatlichen Einrichtungen wie dem Kulturbund, der Akademie der Künste oder dem Schriftstellerverband organisiert, was der DDR eine vielfältige Auftragspolitik ermöglichte. Die Förderung der Kulturpolitik war dem Prinzip des Sozialismus verpflichtet, die eine freie Kunstentfaltung jedoch unterminierte.
Beginnend mit der sozialistischen Doktrin und den ideologischen Zielsetzungen, die bereits vor der Staatsgründung unternommen wurden, soll in einer ersten Phase der „Bitterfelder Weg“ erläutert werden, der erhebliche Auswirkungen auf den Kulturbetrieb für mehrere Jahrzehnte hatte. An dieses Ereignis anknüpfend, folgt eine zweite Phase, die nach dem Mauerbau ansetzt und anfangs Hoffnungen auf eine Liberalisierungspolitik zuließ, doch später zum sogenannten „Kahlschlagplenum“ führte. In einer letzten Phase soll die Kulturpolitik nach dem Machtwechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker beleuchtet werden. Diese Phase ist von mehreren Schwankungen gekennzeichnet, die kaum einer eindeutigen kulturpolitischen Richtung folgen und daher einer näheren Betrachtung bedürfen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Kulturpolitische Voraussetzungen und Zielvorstellungen
II. Der „Bitterfelder Weg“
III. Vom Mauerbau zum „Kahlschlagplenum“
IV. Die Honecker-Ära
V. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die verschiedenen Etappen der Kulturpolitik in der DDR von ihren Anfängen bis zur Wende. Dabei steht die Analyse der staatlichen Steuerung von Kunst und Literatur sowie das Spannungsfeld zwischen ideologischer Lenkung und künstlerischer Freiheit im Vordergrund.
- Die ideologischen Grundlagen und Zielsetzungen der DDR-Kulturpolitik.
- Die Auswirkungen des „Bitterfelder Weges“ auf den Kulturbetrieb.
- Die Phase des „Kahlschlagplenums“ als Reaktion auf systemkritische Stimmen.
- Die kulturpolitischen Tendenzen und der Umgang mit Dissens in der Ära Honecker.
- Der Einfluss der künstlerischen Intelligenz auf die gesellschaftlichen Umbrüche.
Auszug aus dem Buch
II. Der „Bitterfelder Weg“
Am 23. April 1959 fand im Kulturpalast Wilhelm-Pieck in Bitterfeld eine Kulturkonferenz statt, die später als „Bitterfelder Weg“ in die Geschichte der DDR eingehen und die Kulturpolitik für die kommenden Jahrzehnte grundlegend prägen sollte. Die Zielsetzung war klar formuliert: „Entfaltung der schöpferischen Kräfte aller Mitglieder der Gesellschaft um den notwendigen Überfluss an materiellen und geistigen Gütern für das gesamte Volk zu schaffen“. In diesem Kontext wurde ein neuer kulturpolitischer Kurs angekündigt vor dem Hintergrund, dass „Kunst und Literatur hinter der ökonomischen und politischen Entwicklung zurückgeblieben seien und jetzt auf die Höhe der historischen Aufgabe gehoben werden müssen – auf eine Art und Weise, durch die sie ein fester Bestandteil der täglichen politischen und ideologischen Arbeit der Partei und des Staates werden sollen“. Nun formulierte die Konferenz kulturpolitische Hauptaufgaben wie die „ideologische Offensive für den Marxismus-Leninismus“, die Entwicklung einer „neuen sozialistischen Moral und Ethik“, ein „neues System des Literaturvertriebs“ und die Verhinderung „westlicher Aufweichungs-Methoden“.
Der SED-Staat war nun stärker als je zuvor von der Leitidee besessen die Bürger intensiv mit Kunst und Kultur zu konfrontieren, um eine „sozialistische Kulturrevolution“ zu verwirklichen. In diesem Sinne forderte die SED, dass sich Literatur und Kunst ausschließlich auf die sozialistische Gegenwart konzentrierten. Des Weiteren sollten förderliche Kulturgüter an die werktätige Schicht herangetragen werden, um diese zu eigenem künstlerischen Schaffen zu animieren. Konkret bedeutete dies eine grundlegende Zäsur, sofern die Kultur nun offensichtlich politisiert und als Erziehungsmittel instrumentalisiert wurde. Die SED verdeutlichte ihren ideologischen Führungsanspruch mit Kernformulierungen wie „Absage an jede ideologische Koexistenz“ oder „Kunst als Waffe“. Mit der Zielsetzung ideologische Schwankungen in der Zukunft gänzlich zu vermeiden, wurde der „sozialistische Realismus“ zum normativen Prinzip für die Kunstdoktrin.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung skizziert die Rolle der Kulturpolitik als Erziehungsinstrument der SED und stellt den chronologischen Rahmen der Untersuchung vor.
I. Kulturpolitische Voraussetzungen und Zielvorstellungen: Dieses Kapitel erläutert die frühen ideologischen Fundamente der DDR-Kulturpolitik und die Rolle des Kulturbundes als Lenkungssystem.
II. Der „Bitterfelder Weg“: Hier wird der 1959 etablierte Kurs beschrieben, der Kunst und Alltag stärker miteinander verzahnen sollte, um die Arbeiterklasse in das kulturelle Schaffen einzubinden.
III. Vom Mauerbau zum „Kahlschlagplenum“: Dieses Kapitel thematisiert die aufkommende Kritik der Intelligenz nach 1961 und die restriktive Reaktion des Staates beim 11. Plenum.
IV. Die Honecker-Ära: Die Darstellung beleuchtet die wechselhafte Kulturpolitik nach 1971, geprägt von einem Wechselspiel zwischen scheinbarer Liberalisierung und massiven Repressionen, wie der Ausbürgerung Wolf Biermanns.
V. Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass der Staat zwar Kunst für seine Ideologie instrumentalisierte, systemkritische Haltungen jedoch nicht dauerhaft unterdrücken konnte.
Schlüsselwörter
DDR, Kulturpolitik, SED, Bitterfelder Weg, Sozialistischer Realismus, Kahlschlagplenum, Erich Honecker, Walter Ulbricht, Kunst, Literatur, Kulturmanagement, Indoktrination, Systemkritik, Kulturbund, DDR-Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die chronologische Entwicklung der Kulturpolitik in der DDR und untersucht, wie die SED Kunst und Literatur als Instrumente der Machtausübung und Erziehung einsetzte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind der „Bitterfelder Weg“, das Verhältnis zwischen Staat und Künstlern, der Umgang mit abweichenden Meinungen und die Rolle der künstlerischen Intelligenz in der DDR.
Was ist das primäre Ziel der wissenschaftlichen Arbeit?
Das Ziel ist es, die kulturpolitische Programmatik und deren Auswirkungen auf den Kulturbetrieb anhand bedeutender historischer Zäsuren nachzuzeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine chronologische Aufarbeitung und historische Analyse von Quellen, um die verschiedenen Phasen der Kulturpolitik strukturiert darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der kulturpolitischen Voraussetzungen, den „Bitterfelder Weg“, die Zeit zwischen Mauerbau und „Kahlschlagplenum“ sowie die Ära Honecker.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Kulturpolitik, Ideologie, Repression, künstlerische Intelligenz und staatliche Lenkung sind zentral für das Verständnis der Arbeit.
Warum war der „Bitterfelder Weg“ eine Zäsur für die DDR?
Er bedeutete eine tiefgreifende Politisierung der Kultur, bei der Schriftsteller direkt in die Betriebe geschickt wurden, um den Alltag der Arbeiter zu dokumentieren und den Sozialismus zu propagieren.
Welche Folgen hatte die Ausbürgerung von Wolf Biermann im Jahr 1976?
Sie führte zu einem tiefen Bruch zwischen dem Staat und einem Großteil der künstlerischen Intelligenz und löste eine Welle des Protests unter namhaften Schriftstellern aus.
Wie reagierten die Künstler auf die Reformverweigerungen der SED Ende der 1980er Jahre?
Die Intellektuellen traten vermehrt in die Öffentlichkeit, wie beispielsweise bei der Großkundgebung auf dem Alexanderplatz, um gegen politische Missstände zu protestieren und einen Dialog einzufordern.
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- Nathalie Wagner (Autor), 2016, Auswirkungen der Kulturpolitik in der DDR, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350586