Diese Untersuchung versucht herauszufinden, wieviel von der Theorie Hobbes‘ auf Franz Moor zutrifft und ob Schiller die Figur von Franz vielleicht anlehnend von Hobbes‘ "Leviathan" skizziert hat.
Mit dem Vergleich zwischen Franz Moor und der Theorie Hobbes‘ soll auf eine Lücke in der Forschung hingewiesen werden, da diese Franz zwar als einen Nihilisten darstellt und konstatiert, dass er die bestehende Naturordnung negiert, aber nicht den sich geradezu aufdrängenden Vergleich zu Hobbes‘ "Leviathan" zieht.
Damit die literarische Person des Franz Moor in Hinblick auf Hobbes‘ Theorie besprochen werden kann, muss zunächst – in einer thematischen Einführung – geklärt werden, vor welchem Hintergrund Schillers Stück entstanden ist und wie man die "Räuber" in der Literaturgeschichte verorten kann; hierzu muss vor allem auf die Bezüge Schillers zum Sturm und Drang eingegangen werden.
Wenn dies geschehen ist, kann im Hauptteil die Figur des Franz charakterisiert und schließlich in Bezug auf die Theorie Hobbes‘ gestellt werden. Ein besonderes Augenmerk bei der Analyse von Franz wird auf dessen Monologen liegen, da er dem Publikum bzw. dem Leser auf diese Weise seine Motive vermittelt. Sobald Franz‘ Charakter mit Hobbes "Leviathan" verglichen worden ist, kann die eingehend gestellte Forschungsfrage, inwieweit Schiller Aspekte des "Leviathans" in Franz‘ Charakterzügen hat sichtbar werden lassen, in einem Fazit beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thematische Einführung:
2.1. Entstehungs- und Stoffgeschichte:
2.2. Sturm und Drang und Forschungsdebatte
3. Hauptteil
4. Fazit:
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die literarische Figur des Franz Moor aus Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ auf der Grundlage der politischen Theorie von Thomas Hobbes‘ „Leviathan“ charakterisiert werden kann und ob Schiller bei der Konstruktion dieser Figur bewusst von Hobbes’ Naturzustandslehre beeinflusst wurde.
- Analyse der Entstehungs- und Stoffgeschichte von Schillers „Die Räuber“
- Diskussion der literaturgeschichtlichen Einordnung in den Kontext des Sturm und Drang
- Charakterisierung der Figur des Franz Moor unter Berücksichtigung psychologischer und moralischer Aspekte
- Gegenüberstellung von Franz Moors Handlungsweisen mit den zentralen Thesen des „Leviathan“
- Untersuchung von Schillers philosophischer Prägung durch seinen Lehrer Friedrich Abel
Auszug aus dem Buch
Der Charakter von Franz
„[…] woher kam ihm eine so herzverderbliche Philosophie? Der Dichter läßt uns diese Frage ganz unbeantwortet; wir finden zu all den abscheulichen Grundsäzen [Sic!] und Werken keinen hinreichenden Grund, als das armselige Bedürfniß des Künstlers, der um sein Gemälde auszustaffieren, die ganze menschliche Natur in der Person eines Teufels, der ihre Bildung usurpiert, an den Pranger gestellt hat.“
Im Nachhinein war Schiller mit seiner Figur des Franz überhaupt nicht mehr zufrieden. Sein Kritikpunkt, dass Franz ein „Teufel“ sei, teilt die Forschung heute jedoch mit Schiller – wenngleich auch nicht ganz so hart, wie es Schiller selbst tat.
Das Grundproblem von Franz liegt – wie oben schon erwähnt – nach Wiese nicht im Bruder-Konflikt, sondern in der „gestörte[n] Vaterordnung“ zwischen Vater Maximilian Moor und seinem Sohn Franz. Dies schlussfolgert er unter anderem aus der Tatsache, dass Franz und sein Bruder Karl im Stück nicht aufeinander treffen. Das Franz ein Problem mit der patriarchalen Ordnung hat, lässt sich mit seinem ersten Monolog im Stück stützen, wenn er sagt:
„Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu sein, und bei meiner Ehre! Ich will sie geltend machen. – Warum bin ich nicht der Erste aus [dem] Mutterleib gekrochen? Warum nicht der Einzige? Warum musste sie mir diese Bürde von Hässlichkeit aufladen? Gerade mir? Nicht anders als ob sie bei meiner Geburt einen Rest gesetzt hätte. […] Wirklich, ich glaube, sie hat von allen Menschensorten das Scheußliche auf einen Haufen geworfen und mich daraus gebacken.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung des Dramas „Die Räuber“ dar, führt die Figur des Franz Moor ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich eines möglichen Bezugs zu Thomas Hobbes‘ „Leviathan“.
2. Thematische Einführung:: Das Kapitel beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Stücks unter schwierigen akademischen Bedingungen und ordnet es in den literarischen Kontext des Sturm und Drang ein.
2.1. Entstehungs- und Stoffgeschichte:: Hier wird die historische Arbeit Schillers am Text sowie die stoffliche Anlehnung an Erzählungen von Christian Friedrich Daniel Schubart detailliert beschrieben.
2.2. Sturm und Drang und Forschungsdebatte: Dieser Abschnitt erörtert die literaturwissenschaftliche Debatte, ob Schillers Drama zweifelsfrei dem Sturm und Drang zuzuordnen ist oder als eigenständiges Werk betrachtet werden sollte.
3. Hauptteil: Im Zentrum steht die Untersuchung des Charakters von Franz Moor und dessen psychologische Grausamkeit sowie die explizite Gegenüberstellung mit der Naturzustandstheorie von Hobbes.
4. Fazit:: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass eine Beeinflussung durch Hobbes zwar als plausibel und wahrscheinlich gilt, aufgrund mangelnder Quellen jedoch nicht endgültig bewiesen werden kann.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Die Räuber, Franz Moor, Thomas Hobbes, Leviathan, Sturm und Drang, Naturzustand, Aufklärung, Vater-Konflikt, Nihilismus, Philosophie, Literaturgeschichte, Machtbesessenheit, Psychologie, Gesellschaftskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die psychologischen Motive und die moralische Verfasstheit der Figur Franz Moor aus Schillers Drama „Die Räuber“ im direkten Vergleich mit der politischen Philosophie von Thomas Hobbes.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Literaturgeschichte des Sturm und Drang, die Analyse von Dramencharakteren im 18. Jahrhundert sowie die praktische Anwendung der Staatstheorie des „Leviathan“ auf fiktive literarische Figuren.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, inwieweit die Figur des Franz Moor auf dem Konzept des „Naturzustands“ nach Hobbes basiert und ob eine bewusste Anlehnung Schillers an dieses philosophische Werk vorliegt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch die Auswertung von Sekundärliteratur, Schiller-Biografien und den Vergleich von Textstellen des Dramas mit Zitaten aus Hobbes‘ „Leviathan“ arbeitet.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Charakterstruktur des Franz Moor, untersucht seine Monologe und setzt seine Handlungen in Bezug zur patriarchalen Ordnung sowie zu den Konfliktursachen nach Hobbes.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Schillers „Die Räuber“, Franz Moor, Hobbes‘ „Leviathan“, Naturzustand, Sturm und Drang und Aufklärung.
Warum wird Franz Moor in der Analyse als „Stiefkind der Natur“ bezeichnet?
Der Begriff entstammt einem Zitat, das Franz‘ Empfinden von Ungerechtigkeit und seine Ablehnung der natürlichen, ihm bei der Geburt auferlegten „Bürde“ beschreibt, was ihn moralisch aus der Gesellschaft isoliert.
Wie begründet die Arbeit die Vermutung einer Verbindung zu Hobbes?
Die Arbeit identifiziert verblüffende syntaktische und inhaltliche Ähnlichkeiten in den Äußerungen des Franz Moor mit den Beschreibungen des menschlichen Lebens im „Leviathan“ und verweist zudem auf Schillers philosophische Vorbildung durch seinen Lehrer Friedrich Abel.
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- Nico Mader (Author), 2016, Schillers Figur des Franz Moor in Hinblick auf Hobbes' "Leviathan", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350624