Die Herkunft der Minnethematik in der mittelhochdeutschen Literatur


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

15 Seiten, Note: 18/20


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorwort

II. Die mittelhochdeutsche Literatur: ein Überblick

III. Einleitung in die Minnethematik

IV. Minne: Etymologie

V. Höfische Liebe als Gesellschaftsutopie

VI. Historische Rezeptionsgeschichte

VII. Versteckte Realitätsbezüge

VIII. Frankreich vs. Deutschland

IX. Das Motiv der Minne in der mittelhochdeutschen Epik
1) Überlieferung
2) Entfaltung

X. Die mittelhochdeutsche Liebeslyrik
1) Überlieferung
2) Der Minnesang
3) Die Phasen des deutschen Minnesangs

XI. Schlusswort

XII. Literaturverzeichnis

I. Vorwort

Gegenstand dieser wissenschaftlicher Arbeit ist die Erläuterung des Minnekonzepts in der mittelhochdeutschen Literatur, die Ermittlung verschiedener Herkunftsthesen dieses aufblühenden Modells sowie die Übertragung dieser Liebesthematik in die mittelhochdeutsche Literatur.

II. Die mittelhochdeutsche Literatur: ein Überblick

Die Periode des Mittelhochdeutschen war die Blütezeit schlechthin der Literatur und der Kreativität die sich von 1050 bis 1350 erstreckte. Im Gegensatz zum Althochdeutschen, einer Zeit in der die Klöster die Literatur bestimmten, rückten nun fürstliche Höfe in das Zentrum der literarischen Schöpfung. Dies hatte zur Folge, dass die Klosterliteratur, geprägt von religiösen Motiven, stark an Anziehung verlor und die höfische Gesellschaft sich zu einer modernen, weltlichen Literatur hingezogen fühlte. Jene Autoren und Dichter die diese Periode prägten waren keine Geistliche mehr sondern sogenannte Laien. Besonders die Ministerialen galten als „bedeutsame Trägerschicht mittelhochdeutscher Literatur“ (Sieburg 2010: S. 88). Sie waren ursprünglich unbedeutende Beamte, die sich außerdem dem ritterlichen Heeresdienst verpflichteten. Sie standen in einer Postion zwischen Adeligen und Unfreien. Sie stiegen jedoch im Hochmittelalter zu einer Adelsschicht auf und gewannen daraufhin an Einfluss. Quellen belegen, dass viele bedeutende Autoren epischer Texte, wie Hartmann von Aue und Heinrich von Veldeke, aus diesen Kreisen stammten. Neben den Ministerialen waren auch der Adel und einige Berufsdichter literarisch tätig, deren angehörig, einer der berühmtesten Dichter seiner Zeit, Walther von der Vogelweide. Kennzeichnend für diese mittelhochdeutsche Periode sind vor allem die Artusstoffe sowie der Minnesang und die aus ihnen resultierende Minnethematik.

III. Einleitung in die Minnethematik

Das Konzept der Minne stellt eine Ausprägung der höfischen Liebe dar die Europa im 11. Jahrhundert entdeckt. Es handelt sich um eine, in der Feudalgesellschaft angelegte Ideologie der Liebe, geprägt von einem Dienstgedanken, die sich in der Lyrik und Epik mit unterschiedlichen Akzenten entfaltet. Es handelt sich folglich um ein komplexes, gattungsübergreifendes Phänomen, welches in der Literatur ihren Kernbestand hatte. Man könnte sie generell charakterisieren als eine auf „sublimierter Erotik beruhenden Zuneigung, die die Steigerung aller Seelenkräfte verursacht und als erzieherische Kraft der Veredelung des Liebenden dient“ (Tornow 2009: S. 99). Eine andere Art der Liebe, die der Gesellschaft neu erschien und nicht in das Erziehungssystem der Kirche passen wollte; sie unterscheidet sich sowohl von der caritas, der selbstlosen Liebe zu Gott und seinen Nächsten, als auch von der cupiditas, der triebgesteuerten Sinnenlust. Die Frage nach dem Wesen der Minne bleibt jedoch undefinierbar; sie basiert auf Elementen wie Liebe und Leid, sie muss nicht unerfüllt oder unerhört bleiben, weder sexuelle Kontakte ausschließen, sie muss lediglich am Hofe stattfinden. Die höfische Gesellschaft sehnte sich nach Literatur die einen Liebeskonflikt thematisierte, nachdem sich der Gedanke verfestigt hatte, dass es in der Geschlechterbeziehung nicht nur um das Begehren der Männer und die Unterwürfigkeit der Frauen geht, sondern um eine zwischenmenschliche Ebene. Dieses Interesse ließ sich mit der Vermittlung gesellschaftlicher Werte vereinbaren. Mittels einer klar definierten Rollenkonstellation simulierte man die perfekte Gesellschaft. So bestimmte die Minne als Kernelement die höfische Literatur des Hochmittelalters und fungierte als „Quelle literarischer Tätigkeit“ (Sieburg 2010: S .91).

IV. Minne: Etymologie

Der mittelhochdeutsche Begriff hat mehrere Bedeutungsfelder; so bezieht minne sich etymologisch auf meinen, liegt dem indogermanischen Wort men zugrunde (vgl. lat. memini) und bedeutet grundlegend liebendes, freundliches Gedenken.

Im Sinne der Lehre der caritas und fraternitas handelt es sich um erbarmende, helfende Liebe zu Gott und seinen Nächsten.

Ferner bezieht sich minne auf die verlangende, zwischengeschlechtliche Liebe (amor, eros).

In der Adelsgesellschaft des Hochmittelalters fungiert minne als Leitbegriff für die höfische, zeremonielle Liebe.

Im Spätmittelalter wird das Wort minne, aufgrund einer unmoralisch gewordenen Bedeutung, durch liebe e r s e t z t , w o b e i liebe i m

Mittelhochdeutschen Synonym für Freude ist.1

V. Höfische Liebe als Gesellschaftsutopie

Liebe hatte einen höfischen Charakter, insofern sie sich ideal mit dem Leitkonzept des Rittertums verbinden ließ. So wurde sie zu einer Art Gesellschaftslehre, unter dem Vorbehalt, dass man die vorgegebenen Umgangsformen wie Kultiviertheit, Zurückhaltung und Taktgefühl beachtete und bei der Begegnung mit der Geliebten verwirklichte. Wie es bereits Capellanus erwähnte konnte der Ritter so die höfische Vollkommenheit anstreben. Es erweckt den Anschein, dass diese Idee eine didaktische Funktion suggeriert; Werte und Normen die in den Geschichten vermittelt werden sollten generell auf die Gesellschaft übertragen werden und ein Idealbild höfischer Männlichkeit und Weiblichkeit schaffen.

VI. Historische Rezeptionsgeschichte

Die mittelhochdeutsche Literatur mit der Ausprägung des Minnekonzepts steht in einem Traditionszusammenhang mit lateinischen Quellen des Mittelalters, die ihre Motive widerum aus antiken Vorbildern schöpfen.2 Der antike Gewährsmann auf dem Gebiet der Minne ist durch seine ars amatoria der römische Dichter Ovid (43 v. Ch.-17 n. Ch.), der im 11. Jahrhundert als eine Art Lehrmeister auf der Ebene der Liebe, der Tugendlehre und der urbanen Lebensführung bewundert wird.

Der scholastische clericus Andreas Capellanus verfasste um 1200 das Werk de amore, eine Dokumentation über die verschiedenen Arten der Liebe. Inhaltlich unterscheidet er die amor purus, die reine Liebe, von der amor mixtus dadurch, dass sie als Quelle der Tugend gilt und den Akt der Vereinigung auslässt.3 Dessen Schrift wird 1277 durch die Inquisition verdammt, trifft jedoch in der volkssprachlichen Literatur auf hohe Anerkennung und gilt als wertvolles Werk zum Thema der weltliche Liebe.

Ovid galt wohl auch als Vorbild für viele europäische Persönlichkeiten des 13. Jahrhunderts, so z.B. für Guillaume de Lorris;

[...]


1 Vgl.: www.uni-bamberg.de/?id=19771

2 Vgl.: Boll 2007, S.78

3 Vgl.: Bumke 2002, S. 513

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Herkunft der Minnethematik in der mittelhochdeutschen Literatur
Hochschule
Université du Luxembourg
Veranstaltung
Werke/Gattungen/Autoren des Mittelhochdeutschen
Note
18/20
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V350719
ISBN (eBook)
9783668371811
ISBN (Buch)
9783668371828
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediävistik, Minnesang, mittelhochdeutsche Literatur
Arbeit zitieren
Nathalie Wagner (Autor), 2013, Die Herkunft der Minnethematik in der mittelhochdeutschen Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350719

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