Es soll in dieser Arbeit nicht um einen Vergleich mittelalterlicher mit zeitgenössischer Literatur gehen, sondern vielmehr darum, zu prüfen, wie adäquat die Begrifflichkeiten und die Ideen der mehr oder weniger neuen Theoriedebatten sind, wenn man sie rückwärtsgewandt anwendet. Und eben so möchte ich auch etwaige Ergebnisse interpretieren, die eine Unstimmigkeit aufweisen.
Es gibt also zwei Hauptfragen, die es in dieser Arbeit zu beantworten gilt: Gibt es ein vergleichbares Vorgehen, das ein Spiel mit der Fiktionalität und der Rezeptionshaltung darstellt, auch in mittelalterlichen Texten? Und kann die heutige Theorie und die Begrifflichkeit ohne weiteres auf mittelalterliche Erzähltexte und damit retrospektiv angewandt werden, ohne die relevanten und differenzierenden Besonderheiten dieser Texte zu unterminieren?
Wolframs "Willehalm" dient als zu analysierendes Beispiel.
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Autor Erzähler, auch in mittelhochdeutscher Epik?
- Zwischen Autor, Erzähler und Figur
- Der Autor
- Der Erzähler
- ,Autor im Text'
- Erzähler im Willehalm
- Das,Ich im Prolog
- Das,Ich im Haupttext.
- Was bewirkt der,Autor im Text' im Willehalm?
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Anwendbarkeit von modernen literaturtheoretischen Konzepten, insbesondere in Bezug auf die Unterscheidung zwischen Autor und Erzähler, auf mittelalterliche Erzähltexte zu untersuchen. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, ob mittelalterliche Texte, wie der Willehalm von Wolfram von Eschenbach, vergleichbare Spielarten mit Fiktionalität und Rezeptionshaltung aufweisen, wie sie in zeitgenössischen Werken zu beobachten sind.
- Die Beziehung zwischen Autor und Erzähler in mittelalterlichen Texten
- Die Rezeptionshaltung des Lesers in Bezug auf die Erzählfigur
- Die Rolle von Fiktionalität und Authentizität in mittelalterlichen Erzählungen
- Die Übertragbarkeit moderner literaturtheoretischer Ansätze auf mittelalterliche Texte
- Die spezifischen Merkmale und Herausforderungen der Interpretation mittelalterlicher Erzählungen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Fragestellung der Arbeit vor und führt in die Thematik der Autor-Erzähler-Beziehung ein. Sie diskutiert die Frage, inwiefern moderne literaturtheoretische Konzepte auf mittelalterliche Erzähltexte anwendbar sind. Die Analyse des Willehalm von Wolfram von Eschenbach konzentriert sich auf die Figur des Erzählers, seine Rolle im Text und die Rezeptionshaltung des Lesers. Dabei werden auch die sprachlichen Besonderheiten und die strukturellen Eigenheiten des Textes berücksichtigt.
Schlüsselwörter
Autor, Erzähler, Fiktionalität, Authentizität, Rezeption, Mittelalter, Willehalm, Wolfram von Eschenbach, Literaturtheorie, Textanalyse, Narratologie.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet sich der Autor vom Erzähler im "Willehalm"?
Der reale Autor Wolfram von Eschenbach ist nicht identisch mit dem "Ich" im Text, das als fiktionale Erzählerfigur die Geschichte vermittelt und kommentiert.
Sind moderne Erzähltheorien auf mittelalterliche Texte anwendbar?
Die Arbeit prüft kritisch, ob Begrifflichkeiten wie "Fiktionalität" adäquat sind, ohne die historischen Besonderheiten der mittelhochdeutschen Epik zu unterminieren.
Welche Funktion hat das "Ich" im Prolog des Willehalm?
Das Prolog-Ich dient der Etablierung einer Erzählinstanz, die Authentizität beansprucht und gleichzeitig ein Spiel mit der Rezeptionshaltung des Publikums beginnt.
Was bedeutet "fiktionale Emanzipation" in diesem Kontext?
Es beschreibt den Prozess, in dem sich die Erzählerfigur von der historischen Realität löst und eine eigene, textimmanente Autorität innerhalb der Fiktion aufbaut.
Was bewirkt der "Autor im Text" für den Leser?
Er steuert die Wahrnehmung der Handlung, indem er als Vermittler zwischen der heroischen Welt der Figuren und der Erfahrungswelt des Publikums auftritt.
- Quote paper
- Lisa Atzler (Author), 2011, Der Erzähler in Wolframs "Willehalm". Fiktionale Emanzipation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350724