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Auswirkungen der „Entzauberung der Welt“ nach Max Weber auf den Lebensalltag in der Organisation des Klosters

Eine empirische Untersuchung anhand einer deutschen Benediktinerabtei

Titel: Auswirkungen der „Entzauberung der Welt“ nach Max Weber auf den Lebensalltag in der Organisation des Klosters

Masterarbeit , 2016 , 196 Seiten , Note: 15,0

Autor:in: Julius Wiechmann (Autor:in)

Soziologie - Religion
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Untersucht werden in dieser Arbeit die aus der „Entzauberung der Welt“ resultierenden Auswirkungen auf den Alltag im Kloster anhand dem empirischen Beispiel einer Benediktinerabtei in Deutschland. Die wissenschaftliche Fragestellung, die dieser Arbeit zugrunde liegt, lautet: ‚Wie wirken sich die Auswirkungen der „Entzauberung der Welt“ nach Max Weber auf den Lebensalltag im Kloster aus?‘

In der Gesellschaft der Moderne kommt es seit dem neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert zur Entwicklung der Entmythologisierung der Religion, eine Entwicklung die von Max Weber als die „Entzauberung der Welt“ definiert wird. „Entzauberung“ bedeutet, dass übernatürliche Phänomene nicht mehr mit dem Wirken der Götter erklärt werden, sondern Wissenschaft und Technik dies leisten. Diese Entwicklung bezeichnet Max Weber in seinen religionssoziolgischen Werken als Intellektualisierung des Abendlandes. Wie Weber betont, ist diese Entwicklung jedoch nicht mit einer religionsfeindlichen Entwicklung gleichzusetzen. Die Religion habe weiterhin jegliche Daseinsberechtigung, leiste aber nicht mehr die Funktion der Erklärung übernatürlicher Phänomene.

Trotzdem ist im intellektualisierten 20. Jahrhundert ein Rückgang von Religion in Verbindung mit einem Mitgliederschwund der Evangelischen und der Katholischen Kirche zu beobachten. So resultiert aus dem Phänomen der Intellektualisierung aus der „Entzauberung der Welt“ heraus entgegen der Vermutung Webers auch ein Prozess der Säkularisierung.

Dieser Prozess der Säkularisierung ruft wiederum auch einen – in der Religionssoziologie kontrovers diskutierten – Prozess der Revitalisierung der Religion hervor. So lassen sich die religionssoziologischen Auswirkungen Webers „Entzauberung der Welt“ als eine ambivalente Entwicklung des Rückganges und der gleichzeitigen Revitalisierung der Religion beschreiben.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Wissenschaftliche Thematik

1.2 Aufbau der Arbeit

2. Die „Entzauberung der Welt“ nach Max Weber

2.1 Zeitbezug und Werkchronographie Webers

2.2 Werkinterpretation Max Webers

2.2.1 Rationalität

2.2.2 Bürokratie

2.2.3 Der Okzidentale Rationalismus Webers

2.2.4 Die Protestantismusthese Webers

2.3 Die „Entzauberung der Welt“ nach Max Weber

2.3.1 „Die Entzauberung der Welt und die Zurückdrängung der Magie“

2.3.2 Webers klassische Definition der „Entzauberung der Welt“

2.3.3. Wirkung und Interpretation Webers „Entzauberung der Welt“

3. Religion und Säkularisierung

3.1 Religion und die Moderne: Die Säkularisierungsthese

3.1.1 Die kulturelle Dimension: Säkularisierung als Rückgang von Religion

3.1.2 Die politische Dimension: Säkularisierung als Trennung von Staat und Religion

3.1.3 Religion und Moderne: Die Säkularisierungstheorie

3.1.4 Kritik an der Säkularisierungsthese und Ausdifferenzierung der Säkularisierung

3.2 Werte, Moral und Religion

3.3 Riesebrodts Theorie der Religionen

3.4 Pollacks Verständnis der Revitalisierung der Religionen

4. Säkularisierung und Säkularisation im Kloster

4.1 Die Säkularisation in Deutschland von 1803

4.1.1 Ablauf der Säkularisation und der Reichsdeputationshauptschluss von 1803

4.1.2 Mittelbare und unmittelbare Folgen der Säkularisation

4.2 Säkularisierung im Kloster der Moderne

4.2.1 Die These der geistlichen Krise der Klöster

4.2.2 Die These der Selbstsäkularisierung der Klöster

5. Der Lebensalltag im modernen Kloster

5.1 Die Regel des Heiligen Benedikt

5.1.1 Benedikt von Nursia

5.1.2 Die Regula Benedictini

5.1.3 Zusammenfassung der wichtigsten monastischen Traditionen der Benediktsregel

5.2 Leben nach Maß

5.2.1 Das Abwägen des rechten Maßes und der Maßstab für das Alltägliche

5.3 ‚Ora et Labora‘: Beten und Arbeiten

5.4 Wirtschaftliches Handeln mit christlicher Inspiration

5.5 Das Kloster und das Gästehaus als Kontakt zur Welt

6. Forschungsdesign

6.1 Der Qualitative Forschungsprozess nach Flick

6.1.1 Theoretische Vorannahmen und Untersuchungsgegenstand

6.1.2 Annäherung an das Forschungsfeld

6.1.3 Die Methoden der Datensammlung

6.1.4 Fixierung und Interpretation der Daten

6.2 Persönliches Fazit der Erhebung

7 Die qualitativen Methoden der Datenerhebung

7.1 Das Qualitative Experteninterview

7.2 Die Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

7.2.1 Ablaufmodell der Qualitativen Inhaltsanalyse

7.2.2 Spezielle Techniken der Inhaltsanalyse

7.2.2.1 Zusammenfassung und Kategorienbildung

7.2.2.2 (Inhaltliche) Strukturierung

8 Auswertung, Fazit und Ausblick

8.1 Zwischenfazit

8.1.1 Die „Entzauberung der Welt“ nach Max Weber und Säkularisierung im Kloster

8.1.2 Der Lebensalltag im Kloster

8.2 Ergebnisse der Auswertung der Qualitativen Inhaltsanalyse

8.2.1 Auswertung des Interviews B1

8.2.2 Auswertung des Interviews B2

8.2.3 Auswertung des Interviews B3

8.2.4 Auswertung des Dokumentes „Kloster-Qualität“

8.3 Auswertung

8.3.1 Ambivalente Entwicklung der Verweltlichung und Entweltlichung

8.3.2 Intellektualisierung des Denkens

8.3.3 Theologische Aspekte und monastische Grundsätze

8.3.4 Der Kontakt der monastischen Gesellschaft zur Welt

8.3.5 Okonomie des Klosters und Ökonomie im Kloster

8.4 Hypothesenüberprüfung

8.4.1 Hypothese H1

8.4.2 Hypothese H2

8.4.3 Hypothese H3

8.4.4 Hypothese H4

8.4.5 Hypothese H5

8.5 Abschließendes Fazit

8.6 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Master-Thesis untersucht die Auswirkungen der durch Max Weber soziologisch definierten „Entzauberung der Welt“ auf den Lebensalltag in einer deutschen Benediktinerabtei. Ziel ist es, durch eine empirische Analyse herauszuarbeiten, wie sich dieser Prozess der Rationalisierung und Intellektualisierung innerhalb der monastischen Lebenswelt manifestiert und welche ambivalente Rolle das Kloster als Ort der Entweltlichung sowie als vitalisierendes geistliches Zentrum einnimmt.

  • Max Webers Theorie der „Entzauberung der Welt“ und Säkularisierungsprozesse.
  • Die monastische Regel des Heiligen Benedikt und deren Anwendung im modernen Kloster.
  • Ambivalente Entwicklung von Verweltlichung und Entweltlichung im Klosteralltag.
  • Ökonomisches Handeln, Rationalisierungsdruck und das benediktinische Ideal des „rechten Maßes“.
  • Die Rolle des Gästehauses als Schnittstelle und Scharnierfunktion zwischen Kloster und Welt.

Auszug aus dem Buch

Die „Entzauberung der Welt“ und Mythen

Bei der Beschreibung und Erklärung von Realität muss der Ansicht des befragten Mönches nach auf Mythen zurückgegriffen werden (vgl. B3, Z. 55f.) Mythen auf mythologischer Ebene haben ihre Daseinsberechtigung (vgl. B3, Z. 59f.) und „beschreiben eine Qualität von Leben, das jenseits von dem Erfahrbaren ist, aber es ist trotzdem existent“ (B3, Z. 60ff.) und beschreibt Lebenswirklichkeit (vgl. B3, Z. 69f.) Weil Mythen Leben deuten, haben sie eine Wirklichkeit (vgl. B3, Z. 71f.) und helfen, „dass das Leben gelingt und helfen, immer wieder im Leben anzufangen und daraus zu lernen“ (B3, Z. 72ff.). So ist der Intellekt „nur eine Seite“ (B3, Z. 76), wenn man sich nur auf den Intellekt bezieht merkt man, dass etwas fehlt, (vgl. B3, Z. 78f.) und es sich eine Seelenlosigkeit einstellen kann (vgl. B3, Z. 79). Um dieser Seelenlosigkeit vorzubeugen wird der Glaube im Kloster ganz bewusst gelebt (vgl. B3, Z. 79f.). Diese Spiritualität des Glaubens wird in Mythen ausgedrückt, um spirituelle Erfahrungen greifbar zu machen. Eine Vermythologisierung äußert sich in der Form, dass ehemals mit reiner Vernunft nicht erklärbare Phänomene wie die Entstehung der Erde mit Mythen wie der Schöpfung erklärt werden. Mythen ersetzen im Kloster somit nicht die erklärenden Wissenschaften, sondern stellen einen Gegenpol zur ‚Ratio‘, reinen Vernunft dar, mit deren Hilfe sich das menschliche Wesen nicht genügend erklären lässt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das soziologische Konzept der „Entzauberung der Welt“ ein und begründet die Relevanz der Untersuchung für den klösterlichen Lebensalltag.

2. Die „Entzauberung der Welt“ nach Max Weber: Hier werden die theoretischen Grundlagen des soziologischen Gesamtwerks von Max Weber im Hinblick auf Rationalität, Bürokratie und das Phänomen der Entzauberung erörtert.

3. Religion und Säkularisierung: Dieses Kapitel diskutiert die Säkularisierungsthese in der Soziologie sowie unterschiedliche Erklärungsansätze für das Verhältnis von moderner Gesellschaft und Religion.

4. Säkularisierung und Säkularisation im Kloster: Hier wird der historische Prozess der Säkularisation von 1803 sowie dessen unmittelbare und mittelbare Auswirkungen auf die Organisation von Klöstern analysiert.

5. Der Lebensalltag im modernen Kloster: Dieses Kapitel beschreibt die Grundlage des benediktinischen Lebens nach der Regel des Heiligen Benedikt und die Bedeutung von Arbeit und Gebet.

6. Forschungsdesign: Das Kapitel erläutert den methodischen Ansatz, basierend auf dem qualitativen Forschungsprozess nach Flick, um die Auswirkungen der Entzauberung empirisch zu untersuchen.

7. Die qualitativen Methoden der Datenerhebung: Hier wird die Anwendung von Experteninterviews und der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring als methodisches Instrumentarium dargelegt.

8. Auswertung, Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel analysiert die empirischen Ergebnisse der Interviews und des Dokumentes „Kloster-Qualität“, überprüft die Hypothesen und zieht ein Fazit zur Transformation des Klosters.

Schlüsselwörter

Entzauberung der Welt, Max Weber, Benediktinerkloster, Säkularisierung, Säkularisation, Ordensleben, Rationalisierung, Klostermauer, Spiritualität, Ora et labora, Kloster-Qualität, Qualitatives Experteninterview, Qualitative Inhaltsanalyse, Nachwuchsproblematik, monastische Lebensweise.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie der von Max Weber definierte Prozess der „Entzauberung der Welt“ – also eine zunehmende Intellektualisierung und Rationalisierung – den Alltag in modernen Klöstern beeinflusst.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Religion und Säkularisierung, die historische Bedeutung der Säkularisation von 1803, die benediktinische Lebensweise sowie das Spannungsfeld zwischen monastischer Tradition und moderner rationaler Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Fragestellung lautet: „Wie wirken sich die Auswirkungen der ‚Entzauberung der Welt‘ nach Max Weber auf den Lebensalltag im Kloster aus?“.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Studie ist qualitativ angelegt. Als Datenerhebungsmethode wurden Experteninterviews mit Mönchen durchgeführt; zur Auswertung wird die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring genutzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Weber, Säkularisierungsthese, Klostergeschichte) und eine empirische Analyse, die Interviews und klosterinterne Dokumente zur „Kloster-Qualität“ auswertet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen: Entzauberung der Welt, Säkularisierung, monastische Lebensweise, benediktinisches Regel, Rationalisierung, Spiritualität und klösterliche Gemeinschaft.

Welche Rolle spielt das Gästehaus des Klosters im Rahmen der „Entzauberung“?

Das Gästehaus fungiert als „Tor zur Welt“. Es bietet Menschen aus der säkularen Gesellschaft Spiritualität an und dient für das Kloster als vitalisierendes geistliches Zentrum, um die eigene Tradition lebendig zu halten.

Was bedeutet das benediktinische „rechte Maß“ in dieser Untersuchung?

Das „rechte Maß“ ist ein zentrales monastisches Prinzip, das hilft, die Balance zwischen Arbeit und Gebet zu halten und einem unreflektierten Rationalisierungsdruck entgegenzuwirken.

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Details

Titel
Auswirkungen der „Entzauberung der Welt“ nach Max Weber auf den Lebensalltag in der Organisation des Klosters
Untertitel
Eine empirische Untersuchung anhand einer deutschen Benediktinerabtei
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Soziologie)
Note
15,0
Autor
Julius Wiechmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
196
Katalognummer
V350745
ISBN (eBook)
9783668373617
ISBN (Buch)
9783668373624
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entzauberung der Welt Kloster Max Weber Säkularisierung Säkularisation Mönche Abtei
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Julius Wiechmann (Autor:in), 2016, Auswirkungen der „Entzauberung der Welt“ nach Max Weber auf den Lebensalltag in der Organisation des Klosters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350745
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Leseprobe aus  196  Seiten
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