Der First See, First Choose-Effekt. Menschen wählen unter Zeitdruck instinktiv die erste Option

Experimentelle Überprüfung


Projektarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorie

3 Experiment 1
3.1 Ergebnisse Experiment 1
3.2 Deskriptive/explorative Statistik Experiment 1
3.2.1 Demographie Experiment 1
3.3 Inferenzstatistik Experiment 1
3.3.1 Chi²-Test Experiment 1
3.3.2 Effektstärke Experiment 1

4 Experiment 2
4.1 Ergebnisse Experiment 2
4.2 Deskriptive/explorative Statistik Experiment 2
4.2.1 Demographie Experiment 2
4.3 Inferenzstatistik Experiment 2
4.3.1 Chi²-Test Experiment 2
4.3.2 Effektstärke Experiment 2

5 Experiment 3
5.1 Ergebnisse Experiment 3
5.2 Deskriptive/explorative Statistik Experiment 3
5.2.1 Demographie Experiment 3
5.3 Inferenzstatistik Experiment 3
5.3.1 Logistische Regressionsanalyse Experiment 3

6 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse (Experiment 1-3)

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Experiment 1: Balkendiagramm „Häufigkeit Entscheidung A/B“

Abb. 2: Experiment 1: Balkendiagramm „Entscheidung Geschlecht“

Abb. 3: Experiment 1: Balkendiagramm „Entscheidung Zeit“

Abb. 4: Experiment 1: Pearsons´s Chi²-Test

Abb. 5: Experiment 2: Balkendiagramm „Häufigkeit Entscheidung JA1/JA2“

Abb. 6: Experiment 2: Balkendiagramm „Entscheidung Geschlecht“

Abb. 7: Experiment 2: Balkendiagramm „Entscheidung Zeit“

Abb. 8: Experiment 2: Pearsons´s Chi²-Test

Abb. 9: Experiment 3: Balkendiagramm „Häufigkeit Entscheidung B_1/B_ 2“

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Kreuztabelle Chi²-Test Experiment 1

Tab. 2: Kreuztabelle Effektstärke Experiment 1

Tab. 3: Kreuztabelle Chi²-Test Experiment 2

Tab. 4: Kreuztabelle Effektstärke Experiment 2

Tab. 5: Kreuztabelle Logistische Regression Experiment 3

1 Einleitung

Informationen werden im Leben sequenziell verarbeitet. Sie gehen in einen Supermarkt und entdecken zunächst einen Käse der Marke Edamer und danach von Milram. In einem Geschäftsmeeting lernen Sie zuerst Christian, danach Christiane kennen. Diese Reihenfolgen entstehen willkürlich und sollten deshalb auch keine Präferenzen entwickeln. Der Käse von Milram sieht für Sie genauso schmackhaft aus wie der Käse von Edamer. Christiane ist nicht unsympathischer als Christian, zumindest nicht solange wir keine weiteren Informationen über diese Personen oder Produkte erhalten. Es liegt in der Natur des Erlebens, dass Menschen Ereignisse der Reihe nach erleben (Simon, 1979). In bestimmten Situationen handeln Menschen nicht nach der ökonomischen Theorie, sondern machen vorhersagbare Fehler (Simon, 1959; Thaler, 1980). Das wirft die Frage auf, warum Menschen diese Fehler begehen. Liegt dem ein gewisser Effekt zu Grunde, den der Mensch nicht steuern kann, da er unterbewusst auftritt? Diese Forschungsarbeit soll uns über einen möglichen Effekt aufklären.

2 Theorie

Was wir zuerst erleben, bleibt uns besser im Gedächtnis (Insko, 1964; Miller & Campbell, 1957), verstärkt unsere Bindung (Greenwald, Pickrell, & Farnham, 2002), hat einen maßgebenden Einfluss auf unsere Eindrücke (Jones & et al, 1968; Krosnick & Alwin, 1987) und überzeugt uns effektiver (Hansen Lund, 2005). Bei Menschen sowie in der Natur besteht eine gewisse Beziehung zum ersten Kontakt nach der Geburt eines Lebewesens. Entenküken folgen beispielsweise dem ersten Objekt, ob es nun die Entenmutter oder ein gelber Plastikball ist, dass sie zuerst nach ihrer Geburt erfahren (Bolhuis & Bateson, 1990). Obwohl es scheint, dass die ersten Optionen in bestimmten Momenten einen größeren Einfluss haben, ist bisher wenig bekannt, ob dies bei Entscheidungen im Alltag und in Bezug auf Objekte wie Konsumartikel wirklich Einfluss nimmt. Tatsächlich sind die Resultate in diesen Studien gemischt (Jersild, 1928). Bei unbewussten Entscheidungen treten meist heuristische Prozesse in Kraft, die den Effekt First See, First Choose eventuell belegen könnten. Der Primäreffekt, Gegenstück zum Rezenzeffekt, ist ein psychologisches Gedächtnisphänomen. Früher erlebte Informationen gelangen leichter ins Langzeitgedächtnis, da bisher noch keine anderen Informationen abgespeichert werden mussten. Deshalb werden frühere Informationen besser erinnert als nachfolgende Informationen. Der Effekt tritt häufig bei ersten Eindrücken auf. Finden wir einen Menschen von Anfang an unsympathisch, wird es für ihn extrem schwer unsere Meinung von ihm zu ändern, selbst wenn er daraufhin offen und freundlich auftritt. Der erste Eindruck zählt also sprichwörtlich wirklich (Atkinson & Schiffrin, 1968).

3 Experiment 1

Im ersten Experiment wurde die Zusammenhangshypothese „Wir wählen unter Zeitdruck instinktiv die erste Option, selbst unter dem Störfaktor Marke“ getestet. Sechs Personen, im Alter von 19 – 80 Jahren aus dem Raum Fürstenfeldbruck, wurden getrennt voneinander nacheinander zwei Schokoladensorten gezeigt wobei sich eine Präferenz bilden sollte. Die beiden Schokoladensorten ja! Alpenvollmilch (Option 1) und Lindt Vollmilch (Option 2) hatten eine weiß/hellblaue und hellblaue Verpackung. Beide hatten genau 100 g Gewicht sowie je eine Milchkanne und Vollmilchschokoladenstücke aufgedruckt. Sie unterschieden sich lediglich in der Marke. Für dieses Experiment wurden ein Versuchsleiter (gleiche Coverstory für alle Versuchspersonen) und ein Befragungsraum bestimmt. Außerdem wurde darauf geachtet, dass die Versuchspersonen nicht in Eile sind, um die Drucksituation experimentell erstellen zu können. Die oben erwähnten Punkte stärken die interne Validität und aufgrund der genau beschriebenen Durchführung die Reproduzierbarkeit. Option 1 wurde den Versuchspersonen nach Vortrag der Coverstory 1 Sekunde, auf einem grauen Stehtisch, gezeigt. Kurz danach wurde Option 2 ebenso 1 Sekunde, auf dem selben Tisch, gezeigt und kurz danach eine Entscheidung zwischen Option 1 und 2 verlangt. Diese Zeitbegrenzung sollte eine spontane und implizite Entscheidung ohne großes Nachdenken erzwingen. Beim zweiten Testdurchlauf wurden der Versuchsperson, erneut in gleicher Reihenfolge, die beiden Optionen vorgelegt, mit einzigem Unterschied, dass diesmal 30 Sekunden Zeit für eine Begutachtung bzw. Entscheidung gelassen wurde (Carney & Banaji, 2012). Es handelt sich hierbei um ein Withingroup-Verfahren mit der unabhängigen Variable Zeit (metrisch: 1 Sekunde/30 Sekunden bzw. nominal: kurz/lang). Die abhängige Variable ist in diesem Fall die Entscheidung (nominal: NoName gegenüber Marke).

3.1 Ergebnisse Experiment 1

In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der Erhebung des ersten Experiments analysiert. Zunächst erfolgt eine Untersuchung der Daten mittels deskriptiver Verfahren. In Kapitel 3.3 (Inferenzstatistik) werden die Forschungshypothesen geprüft. Für alle durchgeführten Testverfahren wird eine Irrtumswahrscheinlichkeit beziehungsweise ein Signifikanzniveau von 5 % angenommen (Holling, H., & Schmitz, 2010).

3.2 Deskriptive/explorative Statistik Experiment 1

In der folgenden deskriptiven/explorativen Analyse der erhobenen Daten wird die Stichprobe anhand von Häufigkeiten sowie Balkendiagrammen genauer beschrieben. In Abbildung 1 ist klar zu erkennen, dass sich 25 % der Versuchspersonen für Option 1 und 75 % für Option 2 entschieden haben, was den gesuchten First See, First Choose-Effekt nicht widerspiegelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Experiment 1: Balkendiagramm „Häufigkeit Entscheidung A/B“

Ein extremer Unterschied zwischen der Entscheidung von Frauen und Männern ist ebenso nicht zu finden. Daraus lässt sich schließen, dass der Effekt nicht bevorzugt bei einem Geschlecht zu finden ist. Von zwölf Entscheidungsmöglichkeiten fiel die Entscheidung für die Option 1 allerdings nur 3 Mal (vgl. Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Experiment 1: Balkendiagramm „Entscheidung Geschlecht“

In Abbildung 3 ist erkenntlich, dass der Zeitdruck, entgegen unserer Annahme, die Versuchspersonen nicht dazu verleitet hat sich für Option 1 zu entscheiden. Lediglich 17 % der Versuchspersonen haben sich unter Zeitdruck für Option 1 entschieden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 : Experiment 1: Balkendiagramm „Entscheidung Zeit“

3.2.1 Demographie Experiment 1

Die erhobene Stichprobe enthält 12 Datensätze, der Anteil weiblicher Teilnehmer liegt bei 50 %, der Anteil männlicher Teilnehmer ebenso bei 50 %. Die Versuchspersonen sind zwischen 19 Jahren und 80 Jahren alt und stammen aus dem Raum Fürstenfeldbruck. Alle Teilnehmer sind in einer Partnerschaft oder verheiratet.

3.3 Inferenzstatistik Experiment 1

Die Inferenzstatistik soll Schlüsse von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit ermöglichen. Die abhängige Variable Entscheidung (NoName/Marke) sowie die unabhängige Variable Zeit (kurz/lang) sind nominal. Daher sind die Voraussetzungen für parametrische Testverfahren wie dem t-Test oder der Regressionsanalyse nicht erfüllt. Deshalb werden non-parametrische Tests herangezogen, um Zusammenhänge zu prüfen (Sedlmeier & Renkewitz, 2013).

3.3.1 Chi²-Test Experiment 1

Anhand Pearson´s Chi²-Test soll überprüft werden, ob es einen statistischen Zusammenhang zwischen den beiden nominalen Variablen Zeit (kurz/lang) und Entscheidung (NoName/Marke) beziehungsweise (Option 1/Option 2) gibt. Die Nullhypothese lautet:

H01: Es gibt keinen „nicht-zufälligen“ statistischen Zusammenhang zwischen dem Zeitdruck und der Entscheidung für Option 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1 : Kreuztabelle Chi²-Test Experiment 1

Pearson´s Chi²-Test

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 : Experiment 1: Pearsons´s Chi²-Test

Es fand sich kein statistischer signifikanter Zusammenhang zwischen den Gruppen Zeit und Entscheidung. Eine Poweranalyse ermittelt power = 0.0638, das bedeutet es handelt sich hierbei um einen sehr kleinen Effekt. Um diesen zu finden hätten 785 Versuchspersonen getestet werden müssen.

3.3.2 Effektstärke Experiment 1

Die Effektstärke eines Tests dient dazu, die Größe eines beobachteten Effekts zu klassifizieren. Der Hintergrund ist, dass in großen Stichproben Effekte schnell signifikant werden, diese es aber eventuell nicht sind (Alpha-Fehler) oder Effekte in kleineren Stichproben vorhanden sind, aber aufgrund der geringen Größe nicht gefunden werden. Cohen´s d ist ein standardisiertes Maß zur Bestimmung der Effektstärke, welches meist bei t-Tests für metrische Variablen verwendet wird (Cohen, 1988). Für den non-parametrischen Chi²-Test wurde unter Verwendung des R-Pakets „compute.es“ die Effektstärke berechnet. Für die Ablehnung der Nullhypothese H0 konnte nach Cohen (1988) ein d-Wert von 0.38 berechnet werden. Daraus lässt sich schließen, dass zwischen dem Zeitdruck und der Entscheidung in Bezug auf NoName und Markenschokolade kleine Effekte möglich sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*Cohen (1988) gibt für d die folgenden Intervalle an: .1 bis .3: kleiner Effekt; .3 bis .5 mittlerer Effekt; .5 und höher: großer Effekt

Tab. 2 : Kreuztabelle Effektstärke Experiment 1

4 Experiment 2

Im zweiten Experiment wurde eine entscheidende Veränderung getroffen. Diesmal wurde den Versuchspersonen zweimal die NoName Schokolade von ja! gezeigt. 5 Personen, im Alter von 16 – 51 Jahren aus dem Raum Fürstenfeldbruck, wurden also getrennt voneinander nacheinander ein und dieselbe Schokoladensorte gezeigt wobei sich eine Präferenz bilden sollte. Für dieses Experiment wurde erneut ein Versuchsleiter (gleiche Coverstory für alle Versuchspersonen) und ein Befragungsraum bestimmt, außerdem wurde darauf geachtet, dass die Versuchspersonen nicht in Eile sind, um die Drucksituationen experimentell erstellen zu können. Die Durchführung dieses Experiments unterliegt den gleichen Rahmenbedingungen wie Experiment 1 (Kap. 3). Nun unterscheidet sich lediglich die Abhängige Variable, es wird zwischen JA1 (Option 1) und JA2 (Option 2) entschieden.

4.1 Ergebnisse Experiment 2

In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der Erhebung des zweiten Experiments analysiert. Zunächst erfolgt eine Untersuchung der Daten mittels deskriptiver Verfahren. In Kapitel 4.3 (Inferenzstatistik) werden die Forschungshypothesen geprüft. Für alle durchgeführten Testverfahren wird eine Irrtumswahrscheinlichkeit beziehungsweise ein Signifikanzniveau von 5 % angenommen (Holling, H., & Schmitz, 2010).

4.2 Deskriptive/explorative Statistik Experiment 2

In der folgenden deskriptiven/explorativen Analyse der erhobenen Daten wird die Stichprobe anhand von Häufigkeiten sowie Balkendiagrammen genauer beschrieben. In Abbildung 5 ist nun erkennbar, dass sich 7 der 10 Entscheidungen für die Option 1 entschieden haben, was eine Prozentzahl von 70 für unseren angenommen Effekt First See, First Choose ermittelt. Die einfache Umstellung von NoName/Marke auf NoName/NoName hat komplett andere Ergebnisse erzielt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Experiment 2: Balkendiagramm „Häufigkeit Entscheidung JA1/JA2“

In Abbildung 6 ist wie bei Experiment 1 ersichtlich, dass es keine markanten Unterschiede zwischen den Entscheidungen von Frauen und Männern gibt. Der Effekt ist in unserer Stichprobe für beide Geschlechter ungefähr gleich häufig aufgetreten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Experiment 2: Balkendiagramm „Entscheidung Geschlecht“

In Abbildung 7 ist zu erkennen, dass sich unter Zeitdruck 80 % der Versuchspersonen für die erste Option entschieden haben. Hatten sie keinen Zeitdruck entschieden sich nur noch 60 % für die erste Option. Hier könnte man möglicherweise den gesuchten Effekt verantwortlich machen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7 : Experiment 2: Balkendiagramm „Entscheidung Zeit“

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der First See, First Choose-Effekt. Menschen wählen unter Zeitdruck instinktiv die erste Option
Untertitel
Experimentelle Überprüfung
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V350748
ISBN (eBook)
9783668375161
ISBN (Buch)
9783668375178
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Albert, Bandura, Sozial, Kognitive, Lerntheorie
Arbeit zitieren
Maximilian Theobald (Autor), 2016, Der First See, First Choose-Effekt. Menschen wählen unter Zeitdruck instinktiv die erste Option, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350748

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