Konstruktion von Männlichkeit im und durch Fußball


Examensarbeit, 2016
73 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konstruktionen in der Gesellschaft
2.1 Konstruktion von Geschlecht in der Gesellschaft
2.2 Männlichkeit als soziale Konstruktion
2.3 Konstruktion von Fußball und die Macht des Fußballs
in der Gesellschaft

3. Diskriminierung und Homophobie in der Gesellschaft

4. Konstruktionen im Fußball
4.1 Konstruktion von Geschlecht im Fußball
4.2 Die männliche Fanszene im Fußball
4.3 Konstruktion von Fußball und Männlichkeit
4.3.1 Heterosexualität am Beispiel Oliver Kahn
4.3.2 Metrosexualität am Beispiel von David Beckham
4.3.3 Homosexualität am Beispiel von Thomas Hitzsperger

5. Diskriminierung und Homophobie im Fußball

6. Weitere Tabu's im Fußball
6.1 Der Fall Andreas Biermann
6.2 Der Fall Martin Amedick
6.3 Die Rede von Dr. Theo Zwanziger auf der Trauerfeier
zum Tod von Robert Enke

7. Ilusionen im Fußball

8. Fußball als Medium für eine männliche Erziehung

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis
10.1 Literaturangaben
10.2 Internetquellen
10.3 Tabellen

1. Einleitung

Die vorliegende Staatsarbeit wurde im Rahmen des Ersten Staatsexamens geschrieben und trägt den Titel: „Konstruktion von Männlichkeit im und durch Fußball“.

Da das Thema breit gefächert und sehr umfangreich ist, erhebt diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr wurden zentrale Aspekte des Themas ausgewählt und differenziert bearbeitet.

Der Fußball ist in Deutschland ein hohes Kulturgut, nichts anderes fasziniert, vereint oder spaltet die Massen auf so magische Weise. Und spätestens seit der WM 2006 haben wir die berechtigte Hoffnung, dass unser Volkssport Nr. 1 auch in der modernen Gesellschaft angekommen ist fhttps://www.youtube.com/watch? v=g4AOVX-4qW4i. Gerne präsentiert man sich tolerant und weltoffen, dabei gibt es noch bei einigen Themen Nachholbedarf.

Zunächst einmal soll im Rahmen dieser Arbeit vorgestellt werden, inwiefern das Geschlecht selbst von unserer Gesellschaft konstruiert wird und dadurch die Zweigeschlechtlichkeit unangetastet als etwas Selbstverständliches begriffen wird. Darüber hinaus wird sich in 2.2 mit der Thematik Männlichkeit als soziale Konstruktion befasst und es wird aufgezeigt, dass unsere Gesellschaft nicht nur das Geschlecht in männlich und weiblich unterteilt und keine Mischformen zulässt, sondern es definiert auch klar, was alles zur Männlichkeit zählt und welche Eigenschaften als männlich angesehen werden. Dabei findet auch eine klare Trennung zum Weiblichen statt, was die Theorie der Zweigeschlechtlichkeit weiter verfestigt. Anschließend wird in 2.3 erläutert, dass Fußball, wiejede andere Sportart auch, eine Konstruktion unserer Gesellschaft ist und es wird die Macht die der Fußball in unserer heutigen Gesellschaft hat, aufgezeigt. Politiker und Prominente nutzen den Fußball besonders im Wahlkampf und zur Werbung.

In Kapitel 3 wird dann ein Exkurs über Diskriminierung und Homophobie in unserer Gesellschaft gemacht. Dieser Exkurs soll später helfen zu verstehen, dass Homosexualität nicht nur im Sport als etwas unnormales und speziell bei Männern als Unmännlichkeit schlechthin wahrgenommen wird. Der Fußball als beliebteste Sportart Deutschlands spiegelt dementsprechend nur wider, was in der Gesellschaft auch zu finden ist. Allerdings wirkt der Fußball, wenn es um Diskriminierung und Homophobie gegenüber Homosexuellen geht, wie ein Verstärker, weil Fußball in unserer Gesellschaft als eine Sportart verstanden wird, die die Männlichkeit schlecht reproduziert.

Ab Kapitel 4 widme ich mich dann endgültig dem Fußball und untersuche, ob der Fußball ein Geschlecht hat, beschäftige mich anschließend mit der männlich dominierten Fanszene und stelle danach in 4.3 den Bezug zwischen Fußball und Männlichkeit her. So ist der Fußball in Europa beispielsweise eine klar männliche Sportart, während es in Amerika eher die Sportart der Frauen und Kinder ist. In den Unterkapiteln 4.3.1-4.3.3 werden dann drei ehemalige Fußballer vorgestellt, welche drei unterschiedliche „Geschlechter“ des Fußballs symbolisieren und vertreten sollen. Wobei an dieser Stelle gleich vorweg genommen werden muss, dass sie zu ihrer aktiven Zeit als Fußballer nur als heterosexuelle Spieler wahrgenommen wurden.

In Kapitel 5 soll dann aufgezeigt werden, wie schwierig das Leben für Fußballer ist, die nicht der gängigen Männlichkeitsnormen der Gesellschaft entsprechen. So müssen sich homosexuelle Spieler, wegen ihrer sexuellen Orientierung, um ihre sportliche Karriere fürchten.

Das 6. Kapitel befasst sich mit den Tabu's Depressionen, Burnout und vegetatives Erschöpfungssyndrom. Es soll hierbei deutlich werden, dass psychische Probleme als Schwächen wahrgenommen werden und dass diese Schwächen nicht veinbar sind mit der Fußballwelt, die vor allen Dingen eins demonstrieren soll, nämlich Männlichkeit, Stärke und Dominanz.

Ausgehend davon wird dann im 7. Kapitel versucht die Fußball-Glitzerwelt als eine Ilusion zu entlarven, in der es nicht mehr um den faieren Sport geht, sondern nur noch um den Entertainmentmoment der Gesellschaft. An dieser Stelle soll auch gezeigt werden, dass die Fußballwelt nicht mehr einer reelen Welt entspricht, in der die Spieler Probleme lösen und sich den Herausforderungen des Lebens stellen müssen, sondern dass alle Probleme aus dem Weg geschafft werden, sodass der Fokus eines Spielers nur auf dem Fußball und der Leistungsoptimierung liegen muss.

In Kapitel 8 wird untersucht, wie Fußball gezielt für die Erziehung von Jungen eingesetzt wurde, wird und nach Fr. Steiner auch noch mehr eingesetzt werden sollte, um Jungen wieder zu mehr Männlichkeit zu erziehen. Dabei werde ich auch meine gesammelten Erfahrungen aus Spanien miteinbringen, um zu erläutern, welchen Stellenwert dort der Fußball genießt und wie er für die Erziehung der Jungen eingesetzt wird.

Zum Schluss werde ich im Fazit die wichtigsten Thesen resümieren, versuchen einen großen Bogen über alle Aspekte zu spannen und sie in einen Zusammenhang zu stellen.

2. Konstruktionen in der Gesellschaft

Unsere Gesellschaft ist voll von Konstruktionen, sie spiegeln die Meinung der Mehrheit der Gesellschaft wieder und geben so an, was als normal bzw auch was als unnormal gilt. So wird aufgrund von Konstruktionen beispielsweise definiert, was in unserer Gesellschaft als schön oder auch unschön angesehen wird, aber natürlich auch, welches Verhalten als eher typisch männlich oder eben eher typisch weiblich gilt. Diese Unterteilung in ausschließlich männlich oder weiblich, wird die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen genannt. Diese soziale Konstruktion lässt kein drittes Geschlecht zu. Dass auch Männlichkeit und Weiblichkeit nur soziale Konstruktionen sind, die bestimmen, wann und wie ein Mann zum Mann wird und welche Verhaltensweisen in unserer Gesellschaft als männlich oder unmännlich angesehen werden, wird anhand des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit von Connell und dem doing masculinity deutlich.

Auch wie der Fußball in Deutschland wahrgenommen wird, ist das Ergebnis gesellschaftlicher Konstruktionen. So genießt Fußball bei Männern ein unvergleichbar hohes Ansehen und gewinnt mehr und mehr auch bei Frauen an Bedeutung. Diese Präsenz in der und Einflussmöglichkeit auf die Gesellschaft von Fußball kann genutzt werden, um gesellschaftlichen Problemen wie Rassismus und Homophobie entgegenzuwirken. Dazu müsste der Fußball allerdings stärker Stellung beziehen, als es bislang getan wird. Auch Politiker haben den Fußball als Wahlkampfstrategie für sie entdeckt und versuchen mithilfe des Fußballs eine Verbundenheit zum Fußballs zu symbolisieren. Zu erwähnen ist, dass ich mich in dieser Arbeit ausschließlich auf die sozialen Konstruktionen der europäischen Gesellschaft beziehe. Beispielsweise gibt es Stämme in Afrika, für die eine Differenzierung zwischen Mann und Frau völlig unverständlich ist und auch ein anderes Verständnis davon haben, was männlich und was unmännlich ist.

2.1 Konstruktion von Geschlecht in der Gesellschaft

In diesem Kapitel soll zum Einen zunächst einmal verdeutlicht werden, dass das Geschlecht und damit verbunden die Unterteilung in Mann und Frau eine soziale Konstruktion ist. Zum Anderen soll aufgezeigt werden, dass diese Zweigeschlechtlichkeit in unserer Gesellschaft bereits manifestiert ist, was dazu führt, dass die Menschen versuchen ihrer Rollenerwartung gerecht zu werden und ein sogenanntes doing gender betreiben, um gesellschaftlich anerkannt zu werden.

In unserer Gesellschaft wird von einem common sense der Zweigeschlechtlichkeit ausgegangen. Das heißt, es gibt ausschließlich zwei Geschlechter, die bereits kurz nach der Geburt des Menschen definiert werden und nicht veränderbar sind. Die Genitalien sind dabei das allein entscheidende Unterscheidungsmerkmal bei der Definition des Geschlechts kurz nach der Geburt. In der Geschlechtersoziologie ist man von dieser determinierten Zweigeschlechtlichkeit wenig überzeugt, deshalb hat man, um ihr zu entegehen, eine Differenzierung zwischen “sex” und “gender” vorgenommen. Demnach handelt es sich bei “sex” um das biologische Geschlecht, während “gender” das soziale Geschlecht umfasst (vgl. Küppers, 2006, S.4). Die Trennung von “sex” und “gender” bzw. biologischem - und sozialem Geschlecht, macht auch deutlich, dass die determinierte und in unserer Gesellschaft manifestierte Zweigeschlechtlichkeit nur von einem biologischen Geschlecht ausgeht und das soziale Geschlecht nicht berücksichtigt. Dass das soziale Geschlecht aber durchaus auch zum Teil des Menschen in unserer Gesellschaft gehört wird deutlich, wenn man sich der geschlechterspezifischen Sozialisation widmet. So stellte die Philosophin Simone de Beauvoir in ihrem Werk “Das andere Geschlecht” bereits im Jahr 1949 fest, “dass Menschen nicht als Frauen zur Welt kommen, sondern zur Frauen werden” (Küppers, zitiert nach Schwarzer, Alice, Simone de Beauvoir, Hamburg, 2007, S. 161). Heutzutage ist die These von Simone de Beauvoir als geschlechterspezifische Sozialisation bekannt. Sie umfasst die sowohl individuell- wie auch biografische Gewordenheit des Geschlechts (vgl. Küppers, 2012, S. 6). “Im Verlauf ihrer Sozialisation, die in einer Vielzahl von sozialen Institutionen stattfindet, lernen Menschen, was es vor demjeweiligen gesellschaftlichen Hintergrund bedeutet, eine Frau oder ein Mann zu sein“ (ebd.). Auch wenn die geschlechterspezifische Sozialisation des Menschen immer abhängig ist vom Bildungsgrad, dem sozialen Status, Alter, Herkunft etc., erlernen alle gleichermaßen die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit. Die Zweigeschlechtlichkeit ist das Ergebnis von Sozialisationsprozessen, “um sozial überleben zu können, müssen wir einem Geschlecht zugeordnet und als solches erkennbar sein. Daher gehen Vergesellschaftung und Sozialisation immer auch mit Vergeschlechtlichung einher” (ebd.). Diese Verbindung zwischen Gesellschaft und Geschlecht, finden wir auch schon bei Bourdieu. Ulle Jäger et al. haben diesbezüglich sechs Thesen formuliert, welche in dieser Arbeit allerdings nur kurz aufgelistet werden (Jäger et al., S. 29-32).

1. In bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften sind Gesellschaftsordnung und Geschlechterordnung konstitutiv miteinander verbunden.
2. Die Analyse der symbolischen Gewalt ist für die Erkenntnis der Reproduktionsbedingungen der bestehenden Gesellschafts- und Geschlechterordnung zentral.
3. Aufgrund der konstitutiven Verschränkung von Subjektivem und Objektivem, Individuellem und Strukturellem sind für eine angemessene Einschätzung der bestehenden Gesellschafts- und Geschlechterordnung beide Aspekte gleichermaßen zentral.
4. Zur Analyse der bestehenden Geschlechterordnung ist es notwendig, eine multi-dimensionale Perspektive einzunehmen und die Wechselwirkung zwischen verschiedenen Differenzierungsmechanismen in den Blick zu nehmen.
5. Es gilt, den Blick auf beide Geschlechter und ihr jeweiliges Verhältnis zueinander zu richten, denn beide sind der Gesellschafts- und Geschlechterordnung, wenn auch auf unterschiedlicher Weise, unterworfen.
6. Eine überwindung der bestehenden Gesellschafts- und Geschlechterordnung ist nur durch eine dauerhafte Umwandlung der symbolischen Geschlechterordnungund der mit ihr verbundenen inkorporierten Dispositionen zu erreichen.

Hagemann-White zufolge gibt es keine “vorgeschriebene Zweigeschlechtlickeit, sondern nur verschiedene kulturelle Konstruktionen von Geschlecht (zitiert aus Küppers, nach C. Hagemann-White (Anm. 4) S. 230). Und auch Mühlen Achs ist der Meinung, “Geschlecht ist nicht etwas, was wir sind. Geschlecht ist etwas, was wir tun” (zitiert aus Küppers nach Gitta Mühlen Achs, Geschlecht bewusst gemacht, Körpersprachliche Inszenierungen, München, 1998, S. 21). In der Sozialwissenschaft wird dies, wie bereits kurz angesprochen, als doing gender bezeichnet. Meuser geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht zusätzlich von einem doing masculinity (Meuser, 2006, S. 163), worauf allerdings erst im darauffolgenden Kapitel, 2.2 Männlichkeit als soziale Konstruktion, näher eingegangen werden soll.

Hirschauer beschreibt die Geschlechterdifferenz in Mann und Frau als ein Resultat der Alltagspraktiken von Menschen. Diese Alltagspraktiken manifestieren sich kontinuierlich zu eher typisch weiblichem oder eben eher typisch männlichem Verhalten (vgl. Küppers, 2012, S. 7). Doing gender funktioniert aber nicht nur über das alltägliche Verhalten, sondern auch über die alltägliche Wahrnehmung (ebd.).

Beim alltäglichen Verhalten des doing genders versuchen die Menschen ihr Geschlecht “richtig” und eindeutig mithilfe von Kleidung, Mimik, Gestik, Stimme oder Nutzung von Räumen oder Gegenständen uvm. innerhalb der Gesellschaft zu demonstrieren. Bei der alltäglichen Wahrnehmung wird zwischen Geschlechterzuweisung und Geschlechtszuschreibung unterschieden. Die Geschlchterzuweisung erfolgt einmalig bei der Geburt und orientiert sich wie bereits angesprochen ausschließlich an den Genitalien. Bei der „Geschlechtszuschreibung“, handelt es sich um einen kontinuierlichen interaktiven Prozess, der jedoch ebenfalls den gesellschaftlichen Normen und Regeln unterliegt (vgl. ebd.).

Laut Angelika Wetterer hängt das doing gender auch sehr eng mit der Arbeitsteilung im 19. Jahrhundert zusammen, was Rubin auch bestätigt und als “sameness taboos” bezeichnet. Die Entwicklung der Geschlechterdifferenz durch eine strikte Arbeitsteilung in der Berufswelt soll hier beispielhaft im Gesundeheitsbereich aufgezeigt werden. Im 19. Jahrhundert war es dem männlichen Geschlecht vorbehalten, den Beruf des Arztes auszuüben, die

Krankenpflege wurde hingegen zum typischen Frauenberuf. Allein aus dem „natürlichen Geschlechtscharakter“ begründete sich damals die Eignung der Frauen für die Krankenpflege und die der Männer für den Beruf des Arztes (vgl. Wetterer, 2008, S. 132). “Hier erweist sich die Etablierung von Frauenberufen und Männerberufen rsp. Von Frauen- und Männerterrains innerhalb der Berufe als Institutionalisierung eines 'sameness taboos', das die Geschlechter überhaupt erst zu verschiedenen macht” (ebd.). Unter anderem deshalb sei es auch kein Zufall, dass die Entwicklung der Krankenpflege zum Frauenberuf mit dem Prozess der “Verweiblichung der Frauen” zusammenhängt, so Wetterer (ebd.).

Das auch Männlichkeit, genauso wie das Geschlecht selbst, sozial konstruiert wird, soll im darauffolgenden Unterkapitel anhand von Connell und seinem Konzept der „hegemonialen Männlichkeit“ verdeutlicht werden.

2.2 Männlichkeit als soziale Kontruktion

In unserer Gesellschaft ist, wie bereits in vorherigen Unterhapitel erwähnt, klar definiert, welches Verhalten typisch männlich ist oder eben aber auch als unmännlich angesehen wird. Connel hat diesbezüglich das Konzept der „hegemonialen Männlichkeit“ erstellt, dass die doppelte Distinktions- und Dominanzstruktur von Männlichkeit aufzeigt und erklärt. Die Distinktions- und Dominanzstruktur in Connells Konzept dient zum einen der Abgrenzung gegenüber Frauen, aber zum anderen auch gegenüber Männern eines niedrigeren sozialen Standes oder auch „unmännlicheren“ Männern. Einfach gesagt neben dem kategorischen Ausschluss von Frauen findet zudem eine Hierarchieeinteilung bei den Männern untereinander statt. Der Männliche habitus konstituiert sich dabei in den sogenannten ernsten Spielen. Das bedeutet, je „männlicher“ und damit auch häufig verbunden erfolgreicher ein Mann in diesen ernsten Spielen auftritt, desto höher steht er in der Hierarchieordnung des Konzept der hegemonialen Männlichkeit. Diese ernsten Spiele lassen sich beispielsweise bei Jugendlichen in den Peer-groups finden, wenn es darum geht bei einer sogenannten Mutprobe die eigene Männlichkeit unter Beweis zu stellen. Es kann also nicht mehr von einem einzigen Männlichkeitsideal gesprochen werden, sondern vielmehr von mehreren Männlichkeitskonstruktionen. Eine hegemoniale Männlichkeitskonstruktion ist diejenige, die in der Gesellschaft die größte Akzeptanz genießt (vgl. Kreisky, 2006, S. 22-23).

In den letzten 40 Jahren kam es zu Transformationsprozessen, die die traditionelle Geschlechterordnung in Frage stellen. Diese Veränderungen in der Geschlechterordnung führen zu Unsicherheiten auf Seiten der Männer. Die Bedeutung von homosozialen Männergemeinschaften für die Reproduktion des männlichen Habitus nimmt immer mehr zu. Dort können die Männer unter ihresgleichen das Prinzip der hegemonialen Männlichkeit ausleben. Zusätzlich schützt eine homosoziale Männergemeinschaft vor den Verunsicherungen der Männer, die mit dem Transformationsprozess der Geschlechterordnung einhergingen und gibt habituelle Sicherheit. Die Transformation der Geschlechterordnung geht einher mit einer gesellschaftlichen Enttradiotionalisierung und es hat den Anschein, als befinde sich das männliche Geschlecht in einem Prozess der Auflösung von Sicherheiten und in einer Krise der Männlichkeit.

Nach Walter Hollstein seien die Männer die Opfer der Modernisierung, sie hätten sich durch die Technisierung der Welt selbst entmännlicht (vgl. Hollstein, 1988, S. 25). Weiterhin hätte der Aufstieg der Frauen als logische Konsequenz zu einem Abstieg der Männer geführt. Dadurch geschwächt würden sich die Männer in einer Identitätskrise befinden und das Männerbild wäre „brüchig, unklar und defensiv“ (Ebd., S. 27). Die Philosophin Elisabeth Badinter bestätigt Hollsteins Ausführungen und ist der Ansicht, dass der Identitätsverlust der Männer zu Phänomenen wie Impotenz, Fetischismus und Homosexualität führen würde (vgl. Badinter, 1993, S. 156). Phänomene, die in unserer Gesellschaft als „unnormal“ und vor allem als „unmännlich“ gelten. Der Prozess der Auflösung von Sicherheiten, indem sich die Männer durch den Wandel der Geschlechterverhältnisse befinden, lässt sich jedoch durch homosoziale Männergemeinschaften auffangen, sodass nicht von einer Krise des Mannes oder Männlichkeit gesprochen werden kann (vgl. Meuser, 2001, S. 11). Vielmehr befindet sich der Mann in einem Modernisierungsprozess von Männlichkeit, der die traditionellen habituellen Muster nicht zerstört, sondern lediglich modifiziert. Dementsprechend stellen die Veränderungen der Geschlechterordnung keine Gefahr für die hegemoniale Position des Mannes dar (vgl. Ebd., S. 12-13).

„Homosoziale Männergemeinschaften sind lebensweltliche Orte, an denen sich Männer wechselseitig der Normalität und Angemessenheit der eigenen Weltsicht und des eigenen Gesellschaftsverständnisses vergewissern können“ (Ebd., S. 14). Diese Vergewisserung, was einen „normalen“ Mann ausmacht, erfolgt weder durch die Bewusstmachung der Funktion der homosozialen Männergemeinschaft, noch wird Geschlechtlichkeit explizit zum Thema gemacht. Auch der Geschlechterhomogenität wird keine große Bedeutung zugesprochen, sondern eher als „Zufall“ gesehen, auch wenn immer wieder die vergnügliche und angenehme Atmosphäre betont wird, die mit Frauen so nicht möglich wäre. Männer können sich in homosozialen Männergemeinschaften in ein entspanntes Klima zurückziehen und dafür ist die Abwesenheit von Frauen grundvoraussetzend zu sehen. Zudem gelten in homosozialen Männergemeinschaften verminderte Regeln der Selbstbeherrschung und man würde nicht von der virtuell ausstrahlenden Erotik des weiblichen Geschlechts abgelenkt. Insgesamt wird die Interktion mit Frauen als anstrengender empfunden und im Männerbund könne man sich offen und ohne Hemmungen austauschen (vgl. Ebd., S. 15). „Die homosoziale Gemeinschaft [erscheint] als das Handlungsfeld, in dem Männlichkeit authentisch gelebt werden kann“ (Meuser, 2001, S. 16). Dennoch werden die kompetetiven Strukturen, die authentische Männlichkeit mitsichbringt negiert, insbesondere dann, wenn es um die Abgrenzung gegenüber heterosexuellen Gemeinschaften geht (vgl. Ebd., S. 16).

Ähnlich wie Angelika Wetterer misst auch Meuser den Veränderungen in der Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts eine zentrale Bedeutung zu. Durch die Emanzipationsprozesse würden homosozial strukturierte Arbeitsplätze aufgebrochen werden und früher traditionell männlich geprägte Berufe seien heute kein Ort homosozialer Männergemeinschaft mehr. Jedoch geht es Meuser im Gegensatz zu Wetterer dabei weniger um doing gender, als darum zu zeigen, „wie sehr die Männer die homosoziale Gemeinschaft als Ort männlicher Authentizität schätzen“ (Ebd.). Eine homosoziale Gemeinschaft vermittelt dem Mann eine habituelle Sicherheit, auch wenn diese nur in dieser Gemeinschaft so zu finden ist und nicht unbedingt die gesellschaftliche Realität widerspiegeln muss. Trotzdem erhöht eine homosoziale Männergemeinschaft die Solidarität unter den Männern, und zeigt die Differenzen zum weiblichen Geschlecht, derer sich die Männer jederzeit vergewissern und bestätigen können, ganz deutlich auf und sichert dadurch die männliche Hegemonie. Dabei werden gesellschaftliche Entwicklungen wie eben die Transformationsprozesse der Geschlechterordnung hin zur Emanzipation so interpretiert, dass dadurch die hegemoniale Stellung mehr gestärkt als denn geschwächt wird (vgl. Meuser, 1998, S. 190-192).

Vera King sieht mit „der zunehmenden Partizipation von Frauen in Institutionen der Bildung und der Öffentlichkeit“, wie beispielsweise in Universitäten, eine Gefahr für die traditionellen Männlichkeitskonstruktionen (King, 2000, S. 98). So seien die Männer gezwungen, mit Frauen auf der einen Seite kooperieren zu müssen und auf der anderen Seite mit ihnen zu konkurrieren (vgl. Ebd.). Insbesondere die jungen Männer in den Universitäten seien mit der Konkurrenz und den gleichzeitigen Ansprüchen gleichaltriger Frauen überfordert, die ihre Männlichkeit in Frage stellen (vgl. Meuser, 1998, S. 203-205).

Homosoziale Männergemeinschaften treten hier als Gegengewicht auf, in dem das männliche Geschlecht die erfahrenen Verunsicherungen verarbeiten kann. „Homosoziale Gemeinschaften sind institutionelle Stützen des Leitbildes der hegemonialen Männlichkeit“ (Meuser, 2001, S. 20). Trotzdem muss natürlich auch in homosozialen Männergemeinschaften die Männlichkeit immer wieder demonstriert und unter Beweis gestellt werden, um dem Ideal der hegemonialen Männlichkeit gerecht zu werden.

Die Demonstration von Männlichkeit findet, wie bereits erläutert in den „ernsten“ Spielen des Wettbewerbs statt. Im Alltag lassen sich diese „ernsten“ Spiele bei Männern häufig in Diskussionen finden, wenn es darum geht, wer in der Beziehung die Hosen anhat. Das Ideal der hegemonialen Männlichkeit wird dabei zu jedem Zeitpunkt aufrechterhalten und die Männer zeigen, wie sehr sie Männlichkeit mit Hegemonialität identifizieren. Gelingt es einem Mann nicht zu beweisen, dass er das Sagen in der Beziehung hat, führt dies zur Entwertung der Männlichkeit (vgl. Ebd., S. 19). Um dies um nahezu jeden Preis zu verhindern, kommt es nach Meuser immer wieder zum doing masculinity. Meuser bezieht sich dabei auf Bourdieu und seinen Aufsatz über die männliche Herrschaft. “Dort heißt es, der männliche Habitus werde 'konstruiert und vollendet [...] nur in Verbindung mit dem den Männern vorbehaltenen Raum, in dem sich, unter Männern, die ernsten Spiele des Wettbewerbs abspielen'. Männlichkeit hat demzufolge eine kompetetive und in homosozialen Feldern geprägte Struktur” (Meuser, 2006, S. 163-164). Meuser selbst bezeichnet diese ernsten Spiele des Wettbewerbs als Strukturübungen mi Risikohandeln männlicher Jugendlicher (vgl. Ebd., S. 165).

Im Alltag unserer heutigen Gesellschaft geht es bei den „ernsten“ Spielen nicht mehr um Leben und Tod, dafür um Positionen, Macht, Einfluss und Geld. Häufig werden diese „ernsten“ Spiele in Politik und Wirtschaft ausgetragen, doch ich versuche in dieser Arbeit anhand von Hooligans das Konzept der hegemonialen Männlichkeit von Connel und doing masculinity zu erklären. Die Kämpfe zwischen Hooligangruppen unterschiedlicher Vereine sind in der Regel organisierte Treffen mit szeneninternen Fairness-Regeln und es geht um Macht und Anerkennung. Sich an diese Fairness-Regeln zu halten ist eine Frage der Ehre und fest bestehender Teil des Männlichkeitsritual. Das Durchhalten bei diesen Kämpfen bis zum bitteren Ende dient sowohl der Selbstvergewisserung der eigenen Männlichkeit als auch der Männlichkeitsdemonstration gegenüber der anderen Männergruppe (vgl. Bohnsack u.a., 1995, S. 96). Dabei ist die Anwendung von Gewalt, neben im kollektiven Aktionismus entstehende Kameradschaft und Solidarität gegenüber der eigenen Männergruppe ein fester Bestandteil des doing masculinity (Meuser, 1999, S. 58). Bohnsack sagt dazu, „aus der nicht antizipierbaren Entwicklung der Situation des Kampfes, die sich verlaufskurvenförmig entwickelt, resultiert ein situatives Aufeinandergewiesensein, das man in ähnlicher Weise im Sport findet oder in der erzwungenen Schicksalgemeinschaft von Soldaten“ (Bohnsack u.a., 1995, S. 87). Den Männern der jeweiligen Hooligangruppe ist es so möglich, durch doing masculinity ihre Männlichkeit zu beweisen und darüber hinaus noch an Macht und Einfluss innerhalb der Hooliganszene zu gewinnen (vgl. Ebd., S. 221). Die Gewalt in den Kämpfe, führt zu einer verstärkten Abgrenzung gegenüber anderen Männern, die unterlegen sind oder sich dem Kampf verweigern, und natürlich gegenüber Frauen, die von vornherein von den Kämpfen der Männer ausgeschlossen sind und folgt damit dem Konzept der hegemonialen Männlichkeit von Connell. Jedoch muss festgehalten werden, dass die Ausübung von Gewalt nur ein Teil des kollektiven Aktionsimus von Hooligans ist. „Gewalt ist - in diesem Milieu - gewissermaßen eine Fortsetzung der Geselligkeit mit anderen Mitteln“ und bestätigt dadurch doing masculinity (Meuser, 2001, S. 23).

„Demnach sind Männlichkeiten soziale und politische Konstrukte, die kulturelle Differenzen aufweisen sowie historischen Veränderungen unterliegen. Männlichkeitskonstruktionen werden jeweils in gesellschaftlichen Diskursen erzeugt, in sozialen Praktiken generiert und verdichtet. Sie sind nicht unbedingt auf biologisches Geschlecht als Stimulus wie Wertefundus angewiesen. Auch Fußball als eine solche Form politischen Diskurses und als eine Art sozialer Praxis zu deuten“ (Kreisky, 2006, S. 29).

Es wird deutlich, dass das, was wir unter Männlichkeit oder unter männlichem Verhalten verstehen, eine soziale Konstruktion unserer Gesellschaft ist. Das Konzept der hegemonialen Männlichkeit von Connell beschreibt dabei die Strukturen, die dem sozialen Konstrukt von Männlichkeit zugrunde liegen. Dafür wird sogar ein sogenanntes doing masculinity betrieben, das dem Prinzip der hegemonialen Männlichkeit ebenfalls folgt und damit aufzeigt, wie eng Männlichkeit und Hegemonialität miteinander verknüpft sind.

2.3 Die Konstruktion von Fußball und die Macht des Fußballs in der Gesellschaft

In diesem Kapitel soll zum einen thematisiert werden, dass auch der Fußball Teil einer gesellschaftlichen Konstruktion ist und zum anderen wird auf die Rolle und die Macht des Fußballs innerhalb der Gesellschaft eingegangen.

Fußball ist in Deutschland die beleibteste Sportart und damit einer der größten Wirtschafts- und Freizeitfaktoren. Der Deutsche Fußball Bund (DFB) zählt mit ca. 6 Millionen Mitgliedern zum weltweit größten Einzelsportverband. Von den 6 Millionen Mitgliedern sind ca. 1 weiblich. Dies zeigt, dass sich das weibliche Interesse am Männerfußball erhöht hat und sich nicht mehr nur noch auf die Nationalmannschaft bei Welt- und Europameisterschaften beschränkt, wie noch vor einigen Jahren. Der Fußball nimmt dadurch eine bedeutende gesellschaftliche Rolle ein und hat dementsprechend auch eine soziale und politische Funktion. „Fußball ist nicht Spiegel der Gesellschaft, sondern als massenphänomen ein Ort, an dem gesellschaftlich wirksame kulturelle Vorstellungen geprägt werden und somit Teil der Gesellschaft“ (Walther, 2006, S. 4).

Jedoch bezieht der DFB eher selten Stellung zu aktuellen Problemen, wie beispielsweise bei der kritisch zu hinterfragenden Wahl der Trainingslager einiger Bundesligisten.1 Natürlich kann und soll Fußball sich nicht das Auffangbecken gesellschaftlich produzierter Probleme werden, jedoch sollte sich der Sport und im Besonderen eben der Fußball sich schon auch seiner Einflussnahme auf die Gesellschaft bewusst sein und sich den aktuellen Problemen widmen (vgl. Ebd.).

Die Zuschauerzahlen steigen jährlich an und demonstrieren, welchen hohen Stellenwert der Fußball in der deutschen Gesellschaft genießt. Sowohl die kommunalen, als auch die nationalen Politiker nutzen den Fußball gezielt im Wahlkampf ein. Sie zeigen sich mit Fanschal im Stadion und suggerieren so eine Verbundenheit mit dem Verein und mit den Fans. Gerade die nationalen Politiker wie die Bundeskanzlerin Angela Merkel oder auch Bundespräseident Joachim Gauck bevorzugen dabei öffentliche Auftritte bei Spielen der Nationalmannschaft, da man dort das ganze Land und nicht nur einen einzelnen Verein unterstützt. So vermeidet man es Farbe zu bekennen und damit die Sympathien der Fans der Ligarivalen zu verlieren und kann gleichzeitig seiner Bevölkerung etwas Patriotismus vorleben (vgl. Pinter/Spitaler, 2006, S. 163). Aber nicht nur durch die Präsenz im Stadion versuchen Politiker einen Kontakt zu ihrem Volk und damit zu ihrer potenziellen Wählerschaft herzustellen. Auch durch die Verwendung von fußballerischen Begriffen, sogenannten Fußballmetaphern um politische Traditionen, Prozesse und Konflikte in ihren Reden und Argumentationen zu versinnbildlichen oder zu vermitteln, versuchen die Politiker eine gewisse Nähe und Verbundenheit zu ihrer Wählerschaft zu demonstrieren (vgl. Ebd., S. 165). Auch Prominente lassen sich gezielt im VIP Bereich eines Fußballstadions sehen, um in der Presse zu bleiben und Werbung für sich machen zu können. Das Event Fußball, dass von der breiten Masse der Bevölkerung mit Interesse angenommen wird, dient als Plattform, sich selbst besser vermarkten zu können.

Das Potential des Fußballs ist enorm und muss gerade deshalb auch voll ausgeschöpft werden. Fußball ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft und als wichtiger Teil der Gesellschaft ist es im Fußball möglich Menschen mit den verschiedensten Biographien, Lebenswirklichkeiten und Identitäten zu erreichen (Vgl. Walther, 2006, S.4). So glauben laut einer Umfrage des European

Comission Sport Barometer aus dem Jahre 2003, 59% der europäischen Bevölkerung, dass es dem Sport möglich ist, sämlichen Formen der Diskriminierung entgegenzuwirken (vgl. European Comission Sport Barometer, 2003). Während sich der Fußball dem Thema Rassismus und damit einer Form von Diskriminierung bereits angenommen hat und durch Aktionen wie „Zeig Rassismus die Rote Karte“ gegen Rassismus in der Gesellschaft vorgeht, wurden Diskriminierungen wie z.B. Islamophobie, Homophobie, Xenophobie2 und Sexismus bisher noch unzureichend behandelt. Im weiteren Verlauf soll in einem Exkurs aufgezeigt werden, dass Diskriminierung und Homophobie in unserer Gesellschaft sowohl individuell, als auch strukturell auftritt und dass ein nach Außen tolerantes Verhalten nicht auch die Innere Reaktion gegenüber dem, durch die Gesellschaft konstruierten „Abnormalen“, wiedergibt.

3. Diskriminierung und Homophobie in der Gesellschaft

Wie bereits in der Einleitung erwähnt soll dieses Kapitel dazu dienen, zu verstehen, dass Diskriminierung und Homophobie nicht nur ein Phänomen des Fußballs sind, sondern der Fußball vielmehr als Verstärker zu begreifen ist. Als Grundlage für die Analyse von Diskriminierung und Homophobie bediene ich mich dem Minoritätenstressmodell von Ilan H. Meyer. In dem Modell geht es um den vermehrten Stress, dem sozial stigmatisierte Gruppen aufgrund ihres Minderheitenstatus's ausgesetzt sind. Dieser Minoritätenstress lässt sich auf sogenannte distale, wie z.B vorurteilsbasierte Ereignisse wie Diskriminierung und Gewalt sowie proximale Faktoren, wie z.B. Angst vor Ablehnung, Verheimlichung und internalisierte negative Einstellungen gegenüber der Minderheitengruppe, zurückführen (vgl. Steffens, S. 14).

In unserer Gesellschaft ist es die Regel, dass die Menschen heterosexuell sind. Dementsprechend sind auch heterosexuelle Lebensentwürfe gegenüber homosexuellen Lebensvorstellungen überlegen, es ist wie eine Rangordnung. Laut Steffens muss beim alltäglichen Heterosexismus zwischen individuellem- und strukturellem Heterosexismus unterschieden werden und führt für den individuellen Heterosexismus die Angst vieler Bürger in einem Alltagsbeispiel an.

“Es wird diskutiert, ob es gut für Kinder sein kann, bei homosexuellen Paaren auszuwachsen; dabei wird die Frage gestellt, ob die Gefahr bestehe, dass Kinder dadurch selbst homosexuell werden” (Steffens, S. 15). Dadurch wird zum Einen bewiesen, dass die Heterosexualität in unserer gesellschaft gegenüber der homosexualität bevorzugt wird und unterstreicht auch ein Stück weit die große Angst vor dem Unbekannten, dem Abnormalen, schlicht hin der Homosexualität. Dadurch wird gleichzeitig die Gleichstellung beider Lebensauffassungen verhindert. Steffens empfiehlt gegen alltäglichen Heterosexismus den consciousness raising, sprich man muss sich erstmal bewusst machen, dass er überhaupt existiert. Dieser individuelle Heterosexismus geht in unserer Gesellschaft dann fast undurchsichtig in strukturellen Heterosexismus und Diskriminierung von Homo- und Bisexuellen über. So sagt Steffen, “Kindertagesstätten in privater Trägerschaft lehnen es manchmal ab, Kinder aus 'Regenbogenfamilien'aufzunehmen“, da der offene Umgang mit der Homosexualität die Eltern der anderen Kinder befremden könnte. Jedoch muss erwähnt werden, dass ich mich in meiner Examensarbeit lediglich und ausschließlich auf die Gesellschaft in Deutschland beziehe. Wie Diskriminierung und Homophobie in Gesellschaften anderer Kulturen aussieht, würde dem eigentlichen Thema dieser Examensarbeit nicht gerecht.

Homo- und Bisexuelle bekommen tagtäglich immer wieder vor Augen geführt, dass ihre Akzeptanz und ihre Inklusion in die Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit ist. Im Rahmen eines Sexual Identity Mainstreaming spricht sich Steffens für eine Überprüfung aller institutionellen Handlungen aus, dahingehend ob sie heterosexuelle und homosexuelle Lebenskonzeptionen gleichberechtigt behandeln oder eben nicht (vgl. Steffens, S. 16).

Eine Studie mit einer annähernd repräsentativen Zufallsstichprobe von 2006 Personen belegte, dass ca. 50% der Personen negative Einstellungen gegenüber homosexuellen und bisexuellen Männern und Frauen haben. Hierbei äußerten befragte Männer deutlich negativere Einstellungen als Frauen, insbesondere gegenüber männlichen Homo- und Bisexuellen. Die befragten Frauen hingegen äußerten negativere Einstellungn gegenüber Bisexuellen im Vergleich zu Homosexuellen. Weiterhin ging aus der Studie hervor, dass über 60-Jährige sehr deutlich negativere Einstellungen gegenüber Homo- und Bisexuellen haben, als die unter 30-Jährigen. Weitere Faktoren, die sich in der Studie auf die Einstellung gegenüber Homo- und Bisexuellen auswirkten, waren

- die politische Orientierung,
- der Kontakt zu Homo- und/oder Bisexuellen,
- die Einstellung zur Sexualität insgesamt

Die Religion, die bei der Einstellung gegenüber Homo- und Bisexuellen auch ein sehr entscheidender Faktor ist wurde in dieser Studie allerdings nicht berücksichtigt.

Grundsätzlich muss jedoch gesagt werden, dass die Toleranz, die von den Befragten angegeben wurde, kritisch betrachtet werden muss. Denn es sollte dabei immer zwischen reflektiertem Urteilen und spontanem Verhalten unterschieden werden. Konkret bedeutet dies, dass Menschen, die sich tolerant gegenüber Homo- und Bisexuellen äußern, durchaus in spontanem Verhalten einen gewissen Grad an Abneigung zeigen können.

Eine weitere Studie von 2001, bei der ca. 1500 Personen im Alter von 14 und 69 Jahren befragt wurden, ging es um die Gewalt gegenüber Homo- und Bisexuellen. Dabei gaben sich von den ca. 1500 Personen 84 selbst als homosexuell zu erkennen. In der Studie kam heraus, dass Männer sehr viel häufiger Opfer von Gewalt und besonders in Form von Beleidgungen (55% der Schwulen) sind als Frauen. Das Ergebnis ist erschreckend, wenn man bedenkt, dass die sexuelle Orientierung zu den Stigmata zählt, die relativ gut verborgen werden können (vgl. Ebd, S. 18).

Als Schlüsselfaktor für negatives Verhalten gegenüber Homosexuellen nennt Steffens die geltenden Männlichkeitsnormen in unserer Gesellschaft. Ihrer Auffassung nach müssten sich Jungen immer beweisen, dass sie „echte Kerle“ sind, um den Geschlechterrollen gerecht zu werden. Würden diese stigmatisierten Geschlechterzuschreibungen abgeschwächt, würde sich das laut Steffens positiv auf die psychische und körperliche Gesundheit von Homo- und Bisexuellen auswirken (vgl. Ebd. , S. 20).

4. Konstruktionen im Fußball

Fußball wird in unserer Gesellschaft als eine intensive, kampfbetonte und körperlich anstrengende Sportart angesehen. Alles Attribute, die nach gesellschaftlichem Verständnis mit dem Männlichen assoziiert werden. Demnach ist Fußball eine männliche Sportart, die sich deutlich vom Weiblichen abgrenzt und unterscheidet. Wenn der Fußball männlich ist, dann muss logischerweise auch die Fankultur männlich sein und sich am Konzept der hegemonialen Männlichkeit in gleichem Maße orientieren, wie es der Fußball selbst vorlebt. Männlichkeit bedingt dabei auch immer Heterosexualität, dementsprechend dürfte es eigentlich keine homosexuelle Fußballer geben. Glaubt man den Aussagen von Mario Basler aus dem Jahr 2007, gibt es in der auch in der Tat keine homosexuellen Fußballer. Doch spätestens mit dem Coming Out von Thomas Hitzlsperger wurde bewiesen, dass auch Homosexuelle Fußball spielen können und Homosexualität kein Zeichen von Schwäche in Bezug auf Männlichkeit bedeutet.

4.1 Konstruktion von Geschlecht im Fußball

In diesem Kapitel werde ich der Frage auf den Grund gehen, ob der Fußball in Deutschland ein Geschlecht hat und wodurch sich dieses kennzeichnet. Wenn wir in Deutschland von Fußball reden, ist damit in der Regel immer der männliche Fußball gemeint. Der weibliche Fußball bekommt hingegen immer den Zusatz „Frauen-Fußball“, schlussfolgernd muss der Fußball männlich sein.

Beim DFB war man sich des prägenden Einflusses des Militärs auf die Gesellschaft durchaus bewusst und versuchte deshalb mithilfe des Militärs, den Fußball zu einer männlich Sportart zu konstruieren (vgl. Havemann, 2005, S. 45). So verhalb unter anderem die Anerkennung und Aufnahme des Fußballs in die militärische Ausbildung dem Fußball zum gesellschaftlichen Durchbruch. Da damals 85% der 200.000 Mitglieder des DFB als Soldaten eingezogen wurden, ist es nur eine logische Konsequenz, dass in den Lagern und an der Front Fußball gespielt wurde und sich dadurch das Spiel noch weiter verbreitete (vgl. Müller 2009, S. 81).

Das Konstrukt, dass Fußball eben männlich und nicht weiblich ist zeigt sich auch

[...]


1 Der FC Bayern München verbrachte seine Trainingslager in Katar, Borussia Dortmund in Dubai. Beide Länder werden immer wieder dafür kritisiert, die Menschenrechte zu verletzen.

2 Der aus dem griechischen hergeleitete Begriff Xenophobie lässt sich am passendsten mit Fremdenfeindlichkeit übersetzen. Hergeleitet wird er aus Xenos - Fremder und Phobie - Angst, Furcht und bezeichnet eine aus Angst begründete abweisende Haltung gegenüber Fremden (http://www.xenophobie.net).

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Konstruktion von Männlichkeit im und durch Fußball
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Sportwissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
73
Katalognummer
V350968
ISBN (eBook)
9783668378049
ISBN (Buch)
9783668378056
Dateigröße
778 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wissenschaftliche Hausarbeit zur Zulassung zum 1. Staatsexamen
Schlagworte
Männlichkeit, Depression, Homosexualität, Fußball, Gender, Homophobie, Konstruktion von Männlichkeit, Konstruktion von Geschlecht, Geschlechterforschung, Heterosexualität, Metrosexualität, männliche Fanszene, Männlichkeit als soziale Konstruktion
Arbeit zitieren
Andreas Burkart (Autor), 2016, Konstruktion von Männlichkeit im und durch Fußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350968

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