Karl – „der große Gesetzgeber seiner Zeit.“ Sein Werkzeug waren die Kapitularien, doch was waren diese eigentlich? Die Wichtigkeit der Kapitularien für die Geschichte, natürlich insbesondere im Zusammenhang mit Karl dem Großen, sollte nicht zu gering eingeschätzt werden. Kapitularien können als Versuch von frühmittelalterlichen Herrschern gesehen werden ein gefestigtes Staatssystem zu etablieren und eine Verwaltung einzurichten die die Lenkung des Reiches erleichtert. Solcherlei Bestreben und allgemein die Bedeutung dieser Geschichtszeugnisse erweckten die Aufmerksamkeit der Geschichtswissenschaft, verschiedene Werke beschäftigen sich ausschließlich oder teilweise mit den Kapitularien. Hier ist eine Monographie ganz besonders herauszuheben, „Was waren die Kapitularien?“ von Francois Louis Ganshof, erschienen 1961, ein bestimmendes Standardwerk auf diesem Gebiet. Kaum ein Buch, das diese Thematik streift, rekurriert sich nicht irgendwie einmal auf Ganshof; auch wenn teilweise von der neueren Forschung andere Ansichten vertreten werden – etwa was die Gültigkeit der Kapitularien durch herrschaftliche Autorität angeht.
Geht man allerdings über Sekundärliteratur hinaus und steigt in die Quellenarbeit ein, stellen sich einem einige Schwierigkeiten entgegen. Abgesehen von der Tatsache dass kein einziges Kapitular im Original erhalten ist, ist die kritische Edition auch mit Mängeln behaftet, die Ganshof gar zu der Aussage verleiten „Solange wir nicht über eine […] Neuausgabe der Kapitularien verfügen, ruht unsere Kenntnis […] auf schwankendem Grund.“ Neben solche Schwierigkeiten gesellen sich inhaltliche Problemfälle, wie etwa die Unbeständigkeit der Form und Ausführung eines solchen Schriftstücks.
In der vorliegenden Hausarbeit werde ich nun zuerst einmal allgemein auf Kapitularien eingehen, in die Thematik einführen und einen Überblick geben, etwa auch um auf den aktuellen Forschungsstand einzugehen und divergierende Meinungen zu speziellen Aspekten anzuführen. Im zweiten Schritt werden dann zwei Treueeide verglichen, vorweg wird ausgeführt, warum diese überhaupt zur Thematik der Kapitularien gehören. Zuletzt werde ich meine eigene Meinung äußern.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Kapitularien
Definition
Datierung
Gültigkeit
Problematik
Vergleich der Treueeide
Karl als Kaiser
Treueeide
Anlass für die Vereidigung
Vergleich
Schlussfolgerung
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Kapitularien in der Zeit Karls des Großen und geht der forschungsrelevanten Frage nach, ob die Kaiserkrönung des Jahres 800 eine Zäsur in der Herrschaftsausübung Karls darstellte. Dabei wird insbesondere analysiert, wie sich das Herrschaftsethos und die rechtliche Legitimation durch den Vergleich zweier Treueeide (789 und 802) manifestierten.
- Definition und historische Einordnung der Kapitularien
- Forschungsstand zur Rechtsgültigkeit und praktischen Umsetzung der Kapitularien
- Vergleich der Treueeide von 789 und 802 als Indikatoren für politisches Selbstverständnis
- Analyse des Herrschaftsethos und der Kaiserkrönung als innenpolitischer Wendepunkt
Auszug aus dem Buch
Die Kapitularien
„Als Kapitularien bezeichnet man Erlasse der Staatsgewalt, deren Text gemeinhin in Artikel (capitula) eingeteilt war, und deren sich mehrere karolingische Herrscher bedient haben, um Maßnahmen der Gesetzgebung oder der Verwaltung bekanntzumachen. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man sich damit begnügen zu sagen, daß Kapitularien in Artikel unterteilte Satzungen waren, die von den Karolingerherrschern ausgingen.“ Diese Definition, welche sich in der Einleitung von Francois Louis Ganshofs bestimmendem Werk über die Kapitularien findet, definiert treffend, was diese eigentlich waren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Kapitularien und Darstellung der Schwierigkeiten bei der Quellenarbeit sowie des aktuellen Forschungsstandes.
Die Kapitularien: Definition und zeitliche Einordnung der Kapitularien unter den Karolingern sowie Erörterung der Probleme hinsichtlich ihrer Gültigkeit und Überlieferung.
Vergleich der Treueeide: Analyse der Veränderungen in Karls Herrschaftsbild nach der Kaiserkrönung durch eine vergleichende Untersuchung der Treueformulare von 789 und 802.
Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit zur Bedeutung der Kapitularien als Instrument der frühmittelalterlichen Innenpolitik.
Schlüsselwörter
Karl der Große, Kapitularien, Kaiserkrönung, Treueeid, Mittelalter, Frühmittelalter, Herrschaftsethos, Gesetzgebung, Konsens, Innenpolitik, Staatsverwaltung, Quellenkritik, Karolinger, Rechtsgeschichte, Legitimation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Bedeutung der Kapitularien als Instrument der karolingischen Herrschaft unter Karl dem Großen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition und Datierung von Kapitularien, die Forschungskontroverse um ihre Gültigkeit sowie den Vergleich von Treueeiden vor und nach 800.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob die Kaiserkrönung Karls eine Zäsur seiner Herrschaftsausübung markiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie einen quellenkritischen Vergleich der Treueformulare von 789 und 802.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der Definition der Kapitularien behandelt der Hauptteil die kritische Analyse von deren Gültigkeit und den detaillierten Vergleich der beiden untersuchten Treueeide.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kapitularien, Karl der Große, Kaiserkrönung, Treueeid, Innenpolitik und Herrschaftsethos.
Warum galten Kapitularien nicht als absolutistisches Instrument?
Die neuere Forschung betont, dass der Adel zur Kooperation bereit sein musste und Kapitularien eher als Ausdruck eines Konsenses mit der Führungsschicht zu verstehen sind.
Was unterscheidet den Treueeid von 802 von dem von 789?
Der Eid von 802 bezieht sich explizit auf den Kaisertitel, ruft Gott und Reliquien als Zeugen an und definiert das Verhältnis zwischen Herrscher und Untertanen umfassender.
Warum gibt es Schwierigkeiten bei der Erforschung der Kapitularien?
Es existiert kein einziges Kapitular im Original; zudem sind viele Abschriften lückenhaft, undatierbar oder weisen keine einheitliche Form auf.
- Quote paper
- Kevin Witte (Author), 2012, Die Kapitularien. Gab es nach der Kaiserkrönung eine Zäsur von Karls Herrschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350996