Schwerpunkt dieser Arbeit ist es, die Struktur der hausärztlichen Versorgung in Großbritannien aufzuzeigen. Da noch wenig aussagekräftige Studien zur hausarztzentrierten Versorgung existieren, ist es ein Ziel, Erkenntnisse zur Weiterentwicklung und möglicher Kostenreduktion zu gewinnen. Vorliegende Hausarbeit soll in Zeiten immer größer werdender gesundheitspolitischer Herausforderungen die kreative Ideenentwicklung beziehungsweise Diskussion über Hausarztsysteme und Alternativen auch in Deutschland anregen.
Die Fragestellung schließt dabei sowohl ein, die Vergütung hausärztlicher Leistungen und den daraus resultierenden Anreizbedingungen zu erläutern, als auch Vorteile und Probleme zu diskutieren. Neben theoretischen Überlegungen zum Hausarztmodell sollen dabei Reformvorschläge aufgezeigt werden. Die Struktur der Arbeit orientiert sich indes an den Komponenten für Gesundheitssystemvergleiche. In Kapitel drei gehören dazu insbesondere die Leistungserbringung, deren Organisation, Steuerung und Finanzierung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gesundheitswissenschaftliche Annäherung
2.1 Kernelemente des britischen Gesundheitssystems
2.2 Managed Care: Sektorale Integration
2.3 Anreizstrukturen und Hausarztmodell
3 Hausärztliche Versorgung in England
3.1 Leistungszugang
3.2 Leistungserbringung
3.3 Leistungsvergütung
3.4 Leistungssteuerung und -kontrolle
3.5 Ergänzende ambulante Versorgungsformen
4 Diskussion
4.1 Stärken des Hausarztmodells
4.2 Schwächen des Hausarztmodells
4.3 Limitationen der Hausarbeit
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Struktur der ambulanthausärztlichen Versorgung in Großbritannien, um Erkenntnisse für eine effizientere Gestaltung und Weiterentwicklung sowie mögliche Kostenreduktionen im Gesundheitswesen zu gewinnen. Dabei wird insbesondere das britische Hausarztmodell als "Gatekeeper"-System analysiert, dessen Vergütungsstrukturen sowie die Vor- und Nachteile im Vergleich zu anderen Systemen kritisch diskutiert werden.
- Analyse der Funktionsweise des britischen National Health Service (NHS).
- Untersuchung von Managed Care Instrumenten wie dem Gatekeeping-System.
- Detaillierte Darstellung der Anreizstrukturen und Vergütungsformen für Hausärzte.
- Kritische Diskussion der Stärken und Schwächen der hausärztlichen Versorgung.
- Vergleich der Versorgungsansätze zur Ableitung von Reformimpulsen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Leistungszugang
Der Zugang (access to care) zählt zu den wichtigen Systemmerkmalen (OECD 2015, S. 14). Wie bereits einführend erwähnt, ist in England ein breiter, kostenloser Zugang zu Sachleistungen unabhängig vom Einkommen gewährleistet (Lauterbach et al. 2010, S. 133; Davis et al. 2014, S. 12). Zum guten Zugang gehört in der Praxis aber mehr (Anhand 5, S. 37).
Da die fachärztliche Versorgung in England ohne Direktzugang und doppelte Facharztschiene an Kliniken stattfindet, müssen sich Patienten zuerst bei einer Hausarztpraxis registrieren (NHS England et al. 2015, S. 7). Um Fachärzte in Anspruch zu nehmen ist schließlich eine Überweisung notwendig. Der Hausarzt (Gatekeeper) entscheidet hier, im Hausarztmodell als erster Ansprechpartner, über die weitere Leistungsinanspruchnahme und informiert sowohl Patient als auch Spezialisten über anstehende Interventionen (Sterly und Hasseler 2015, S. 666). Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient aufzubauen ist zentral (Erlinghagen und Pihl 2005, S. 388). Um die richtige Entscheidung bezüglich des Primärarztes zu treffen benötigen Patienten jedoch Information und Beratung. Neben Beratung in den Praxen oder telefonisch, listet NHS-Choice regionale Leistungsanbieter auf. Um die Auswahl zu erleichtern besitzt jeder Hausarzt ein Profil mit Patientenbewertungen und Onlinediensten, wie der Terminbuchung (Assangha 2014, S. 3). Die Registrierung, Kontaktaufnahme und Terminbuchung wird dabei von über 70% der Patienten als einfach oder sehr einfach bewertet (NHS England und Ipsos MORI Institute 2016, S. 6).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesundheitspolitischen Herausforderungen durch demografischen Wandel sowie Ärztemangel und stellt das britische System als effizientes Vergleichsmodell vor.
2 Gesundheitswissenschaftliche Annäherung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des britischen Gesundheitssystems, das Managed-Care-Konzept und die Bedeutung von Anreizstrukturen im Hausarztmodell.
3 Hausärztliche Versorgung in England: Hier wird detailliert auf den Zugang, die Leistungserbringung, die komplexe Vergütung sowie die Steuerungsmechanismen der Hausarztpraxen in England eingegangen.
4 Diskussion: Das Kapitel diskutiert kritisch die Vor- und Nachteile des Gatekeeping-Ansatzes sowie die Limitationen der vorliegenden Arbeit.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt und die zukünftigen Herausforderungen unter Berücksichtigung demografischer Entwicklungen und politischer Einflüsse dargelegt.
Schlüsselwörter
Großbritannien, NHS, Hausarztmodell, Gatekeeping, Managed Care, Gesundheitsökonomie, Primärversorgung, Vergütungsstrukturen, Qualitätssicherung, Kommissionierung, Patientenversorgung, Versorgungsmanagement, Effizienz, Demografischer Wandel, Gesundheitspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Struktur der hausärztlichen Versorgung in Großbritannien, insbesondere die Rolle des Hausarztes als zentraler Steuerungspunkt (Gatekeeper) innerhalb des nationalen Gesundheitssystems.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das britische Gesundheitssystem (NHS), Managed-Care-Ansätze, die Vergütungsmodelle für Hausärzte sowie Mechanismen der Qualitätssteuerung und der Zugang zur Versorgung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Funktionsweise des englischen Modells zu durchleuchten, um Erkenntnisse zur Effizienzsteigerung und zur Bewältigung gesundheitspolitischer Herausforderungen, wie dem demografischen Wandel, zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Analyse und Literaturarbeit, die auf gesundheitsökonomischen Studien, offiziellen Berichten des NHS sowie internationalen Systemvergleichen basiert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der praktischen Umsetzung der hausärztlichen Versorgung, der Vergütung (Globalbudget, QOF) und den Kontrollmechanismen, die das Verhalten von Leistungserbringern in England steuern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Gatekeeping, NHS, Hausarztmodell, Managed Care, Primärversorgung, Vergütungsanreize und Gesundheitsökonomie.
Welche Rolle spielt das "Gatekeeping"-Prinzip im englischen System?
Das Gatekeeping-Prinzip stellt sicher, dass der Hausarzt als erster Ansprechpartner und Versorgungskoordinator fungiert, wodurch eine fachärztliche oder stationäre Versorgung nur nach einer entsprechenden Überweisung möglich ist.
Wie werden Hausärzte in England vergütet?
Die Vergütung ist komplex und setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, primär aus einem bedarfsgewichteten Globalbudget (Kopfpauschale), dem Quality and Outcomes Framework (QOF) für Qualitätsleistungen sowie Einzelleistungsvergütungen.
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- Domenic Sommer (Author), 2016, Die Struktur der hausärztlichen Versorgung in Großbritannien. Wegweiser für ein neues Hausarztmodell?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351155