Die aktuelle Diskussion um Arbeitszeitverlängerungen orientiert sich oft ausschließlich an vermeintlich wirtschaftlichen Kriterien, ohne gesundheitliche und soziale Effekte für die Beschäftigten zu berücksichtigen. Die Ergebnisse vorangegangener Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass mit zunehmender Dauer der Arbeitszeit mit einem Anstieg von gesundheitlichen und sozialen Beeinträchtigungen zu rechnen ist.
In der vorliegenden Bachelorarbeit wird gezeigt, dass mit zunehmender Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit das Risiko für Beeinträchtigungen der Gesundheit und der sozialen Teilhabe der Beschäftigten ansteigt. Darüber hinaus zeigt sich, dass die negativen gesundheitlichen und sozialen Effekte weiterer potenziell ungünstiger Arbeitszeitmerkmale wie Schichtarbeit, variable Arbeitszeiten, schlechte Planbarkeit der Arbeitszeit sowie Arbeit an Abenden oder am Wochenende durch lange Arbeitszeiten weiter verstärkt werden. Da hohe körperliche und/oder psychische Arbeitsanforderungen das Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen schon von sich aus erhöhen, führen diese insbesondere bei langen und/oder in der Lage versetzten Arbeitszeiten zu einer weiteren Erhöhung des Beeinträchtigungsrisikos. Der Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten und gesundheitlichen sowie sozialen Beeinträchtigungen kann damit als wissenschaftlich gesichert gelten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Gesundheit und betriebliches Gesundheitsmanagement
2.1 Definition und Prävalenz langer Arbeitszeiten
2.2 Aufgaben der Arbeits(Zeit)gestaltung
2.3 Gesundheitliche und soziale Auswirkungen langer Arbeitszeiten – ein erster Überblick
2.3.1 Arbeitsdauer und Unfallrisiko
2.3.2 Auswirkungen der Arbeitszeit auf die Gesundheit
3 Ätiologie psychischer Erkrankungen
3.1 (Früh)diagnostik – Erkennen von Gefährdungen für den Erhalt psychischer Gesundheit im Betrieb
4 Zukunftsforschung – Wie werden wir in 20 Jahren arbeiten?
4.1 Die Zukunft der Arbeit
4.2 Gestaltungsprämissen zukunftsweisender Arbeit
4.3 Zukunft der betrieblichen Gesundheitsförderung
5 Soziologische Sicht auf den Wandel der Arbeitswelt
5.1 Atypische Beschäftigung
5.2 Zuwanderung
5.3 Zunahme der Beschäftigung Älterer
6 Zukünftige Arbeitswelten aus Unternehmenssicht
6.1 Demografie und Fachkräfteengpässe
6.2 Reaktionen der Unternehmen
6.3 Gesundheitsförderung als wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung
7 Methode
8 Ergebnisse
9 Diskussion
10 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesundheitlichen und psychosozialen Auswirkungen flexibler Arbeitszeiten sowie die Herausforderungen, die sich für das betriebliche Gesundheitsmanagement durch den Wandel der Arbeitswelt ergeben. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Arbeitszeitdauer, Stressbelastungen und der langfristigen Erhaltungsfähigkeit der Gesundheit von Beschäftigten empirisch zu beleuchten.
- Zusammenhang zwischen Arbeitszeitdauer und gesundheitlichen Beeinträchtigungen
- Einfluss von atypischen Beschäftigungsformen und Schichtarbeit auf das Wohlbefinden
- Demografischer Wandel und Fachkräfteengpässe als Herausforderung für Unternehmen
- Strategien zur betrieblichen Gesundheitsförderung und Resilienz
- Empirische Analyse mittels Arbeitnehmerbefragung
Auszug aus dem Buch
2.3.2.1 Kardiovaskuläre Erkrankungen
Lange Arbeitszeiten können sich auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken. So berichteten z. B. LIU & TANAKA (2002), dass sich bei Arbeitszeiten über 61 Stunden pro Woche das Risiko für einen Myokardinfarkt verdoppelt, verglichen mit Arbeitszeiten von unter 40 Wochenstunden. Ergebnisse aus anderen Studien weisen ebenfalls darauf hin, dass lange Arbeitszeiten das Risiko für Herz- Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen (HAYASHI et al., 1996; UEHATA, 1991). In Japan kam der plötzliche Tod durch Überarbeitung derart häufig vor, dass er mit dem Begriff Karoshi bezeichnet wurde. Häufig gehen dem Karoshi, der in der Regel durch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall ausgelöst wird, viele Überstunden beziehungsweise lange Arbeitszeiten ohne Pause und weitere arbeitsbedingte Stressoren voraus. Da Karoshi in Japan als berufsbedingte Erkrankung anerkannt ist, besteht sogar das Anrecht auf Entschädigung für die Hinterbliebenen. Es lassen sich allerdings auch gegenteilige Ergebnisse finden, wie etwa die von NAKANISHI et al. (2001). Dort wird ein positiver Effekt langer Arbeitszeiten auf die Entwicklung von Bluthochdruck berichtet. Da sich die meisten Studien zum Zusammenhang von Arbeitszeit und kardiovaskulären Symptomen aller-dings auf Stichproben japanischer Männer beschränken, ist ihre Generalisierbarkeit eingeschränkt (vgl. CARUSO et al., 2004a). SPURGEON (2003) und BEERMANN (2004) kommen dennoch zu dem Schluss, dass die negativen Auswirkungen langer Arbeitszeiten auf kardiovaskuläre Symptome als gesichert betrachtet werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert das umfassende Verständnis von Gesundheit und betont die Notwendigkeit eines ganzheitlichen betrieblichen Gesundheitsmanagements zur Förderung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit von Beschäftigten.
2. Definition Gesundheit und betriebliches Gesundheitsmanagement: Das Kapitel erläutert die Prävalenz langer Arbeitszeiten und deren nachgewiesene negative Auswirkungen auf das Unfallrisiko und die physische wie psychische Gesundheit.
3 Ätiologie psychischer Erkrankungen: Hier wird die Entstehung psychischer Erkrankungen im Kontext von biologischer Disposition, Sozialisation und Umweltfaktoren sowie die Bedeutung der (Früh)diagnostik im Betrieb dargelegt.
4 Zukunftsforschung – Wie werden wir in 20 Jahren arbeiten?: Das Kapitel diskutiert die Rahmenbedingungen des Wandels, wie Ressourcenverknappung und Demografie, und die Notwendigkeit resilienter Organisationen.
5 Soziologische Sicht auf den Wandel der Arbeitswelt: Es wird die zunehmende Verbreitung atypischer Beschäftigungsformen, Zuwanderung und die steigende Beschäftigung Älterer im Kontext globaler wirtschaftlicher Veränderungen analysiert.
6 Zukünftige Arbeitswelten aus Unternehmenssicht: Dieses Kapitel betrachtet die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Fachkräfteengpass und analysiert betriebliche Reaktionen sowie die Gesundheitsförderung als zentralen Sicherungsbaustein.
7 Methode: Dieser Abschnitt definiert die Forschungsfragen der Arbeit sowie die Hypothesen zum Zusammenhang von Arbeitszeit, Alter und gesundheitlichen Auswirkungen, die mittels Umfrage untersucht wurden.
8 Ergebnisse: Die Auswertung der 102 Fragebögen verdeutlicht das Befinden der Befragten bezüglich ihrer Arbeitsbedingungen, Belastungen und ihrer Einschätzung zur zukünftigen Arbeitsfähigkeit bis zur Rente.
9 Diskussion: Die Ergebnisse werden mit bestehenden Studien kontextualisiert, wobei die negativen Effekte langer Arbeitszeiten und der Handlungsbedarf für eine humane Arbeitsgestaltung betont werden.
10 Ausblick: Der Ausblick fasst die Herausforderung für Unternehmensleitungen zusammen, in Zeiten des Wandels die Gesundheit als bedeutsame Ressource langfristig zu sichern.
Schlüsselwörter
Betriebliches Gesundheitsmanagement, Arbeitszeitgestaltung, psychische Erkrankungen, lange Arbeitszeiten, Unfallrisiko, Arbeitsweltwandel, Fachkräftesicherung, Resilienz, Prävention, Arbeitsschutz, psychosoziale Belastung, Beschäftigungsfähigkeit, Atypische Beschäftigung, Burnout-Syndrom, Gesundheitsförderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesundheitlichen und psychosozialen Auswirkungen flexibler und langer Arbeitszeiten auf Beschäftigte und analysiert die Rolle des betrieblichen Gesundheitsmanagements in einer sich wandelnden Arbeitswelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die Auswirkungen der Arbeitszeitdauer auf physische und psychische Beschwerden, die Zukunftsforschung bezüglich neuer Arbeitswelten sowie soziologische Aspekte wie atypische Beschäftigung und der demografische Wandel.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel besteht darin, den Zusammenhang zwischen der Arbeitszeitdauer und der psychischen bzw. physischen Beeinträchtigung zu klären und aufzuzeigen, wie Betriebe durch Gesundheitsmanagement diesen Herausforderungen begegnen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Verfasserin führt eine empirische Umfrage mittels eines Fragebogens unter 102 Erwerbstätigen durch, um deren Arbeitsbedingungen, Belastungen und das subjektive Befinden zu erfassen und mittels Excel auszuwerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine Literaturanalyse zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Arbeitszeit, eine Betrachtung der Ätiologie psychischer Erkrankungen und eine Analyse soziologischer Wandlungsprozesse sowie unternehmerischer Strategien zur Fachkräftesicherung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Betriebliches Gesundheitsmanagement, psychische Gesundheit, Arbeitszeitgestaltung, Resilienz, Unfallrisiko und Fachkräftesicherung.
Welche besonderen Erkenntnisse lassen sich zur Dauer der Arbeitszeit ableiten?
Die Arbeit belegt, dass mit zunehmender wöchentlicher Arbeitszeit das Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen und Arbeitsunfälle steigt, wobei insbesondere die psychovegetativen Beschwerden bei Arbeitszeiten über 40 Stunden pro Woche deutlich zunehmen.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
Die Analyse zeigt, dass lange Arbeitszeiten die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erheblich einschränken, was wiederum die psychische Belastung erhöht und somit die Bedeutung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements unterstreicht.
- Citar trabajo
- Doreen Börner (Autor), 2016, Betriebliches Gesundheitsmanagement. Gesundheitliche und psychosoziale Auswirkungen flexibler Arbeitszeiten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351243