Dependenz und Valenz. Eine Anwendung auf das Spanische


Bachelorarbeit, 2015
71 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Theoretische Grundlagen zur Dependenzgrammatik und Valenztheorie
2.1.1 Dependenz
2.1.2 Dependenzgrammatik
a) Konnexion
b) Junktion
c) Translation
2.1.3 Valenztheorie
2.1.4 Verbvalenzen
a) Avalente Verben
b) Monovalente Verben
c) Divalente Verben
d) Trivalente Verben
e) Tetravalente Verben
f) Pentavalente Verben
g) Experiment: Hexavalente Verben
h) Fazit
2.1.5 Ergänzungen und Angaben
a) Obligatorische und fakultative Ergänzungen
b) Angaben
2.1.6 Grammatische Proben
a) Tests zur Identifikation von Syntagmen
b) Tests zur Unterscheidung von Ergänzung und Angabe
2.2 Analyse der Satzsyntax in Halloween (Noche de Brujas)
a) Satz 1
b) Satz 2
c) Satz 3
d) Satz 4
e) Satz 5
f) Satz 6
g) Satz 7

3 Schluss

Literaturverzeichnis

Anhang
I) Halloween (Noche de Brujas)
II) La Cigale et la Fourmi

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Dependenzrelationen

Abbildung 2: Avalenz

Abbildung 3: Monovalenz

Abbildung 4: Divalenz

Abbildung 5: Trivalenz

Abbildung 6: Tetravalenz

Abbildung 7: Pentavalenz

Abbildung 8: Hexavalenz

Abbildung 9: Satzanalyse

Abbildung 10: Idealkonstrukt

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Markierungskonventionen

Tabelle 2: Verbvalenzen

1 Einleitung

„Para L. Tesnière (1959), el nudo central de la frase, el elemento regente, es el verbo, del cual dependen todos los demás [...]” (Espinosa García 1997, 111).

Espinosa García, Professor für allgemeine Sprachwissenschaft an der Universidad de Cádiz, beschreibt hier das zentrale Merkmal der Dependenzgrammatik (gramática de dependencias: Kabatek/Pusch 2009, 109). Zugesprochen wird diese strukturelle Grammatik heute dem französischen Linguisten Lucien Tesnière, der in seiner 1959 posthum veröffentlichten Arbeit Éléments de syntaxe structurale dieses Grammatikmodell etablierte, bei dem er das Verb ins Zentrum des Satzes stellte. In der Dependenzgrammatik avanciert das Verb zum obersten Regenten und determiniert somit die gesamte Satzstruktur.

Diese Verbzentralstellung bildet wiederum die Grundlage für die Valenztheorie (teoría de la valencia: García Miguel 2012, 29), die im Folgenden eine wesentliche Rolle spielen wird. Auch der ungarische Germanist Ágel greift den Gedanken einer solchen Zentralstellung des Verbs auf und beschreibt das Wesen der Valenzidee mit der Aussage „Wörter - vor allem Verben - prädeterminieren die Satzstruktur“ (Ágel 2000, 7). Dass der Valenzgedanke seinen festen Platz in der Syntax gefunden hat, sei der Verdienst des französischen Sprachwissenschaftlers, betont Dürscheid in ihrem Studienbuch Syntax (2010, 107). Denn seit Tesnière haben sich sehr viele Linguisten, deren Forschungsinteresse besonders der syntaktischen Beschreibung natürlicher Sprachen gilt, sowohl mit der allgemeinen Theorie als auch mit ganz spezifischen Fragestellungen bezüglich der Valenz und Dependenz beschäftigt und eine Vielzahl an Texten zu dieser linguistischen Disziplin verfasst. So gibt es neben Tesnière einige Autoren, um deren Namen man bei der Literaturrecherche und der Bearbeitung des zugrundeliegenden Themas kaum herumkommt. Dazu gehören beispielsweise die beiden Sprachwissenschaftler Welke und Thielemann, die in ihrer Publikation Valenztheorie, die sich aus Aufsätzen namhafter Valenzforscher - darunter Eroms, Wotjak, Eichinger, Glück und Engel - zusammensetzt, Einsichten in die Materie und Ausblicke auf die bevorstehende Entwicklung gewähren. Unter dem gleichen Titel veröffentlichte der bereits zitierte Germanist Ágel, dessen Forschungsschwerpunkt i.a. auf der Valenztheorie liegt, sein Studienbuch, das man mittlerweile als Pflichtlektüre in dieser Angelegenheit ansehen könnte. Ágel ist neben Eroms, Eichinger, Hellwig, Heringer und Lobin als Herausgeber der beiden Halbbände Dependenz und Valenz: Ein internationales Handbuch der zeitgenössischen Forschung tätig. Darin ist auch der Philologe Engel vertreten, der sich besonders der Beschreibung der deutschen Grammatik und im Rahmen dessen der Klassifikation von Verben widmete. Weiterhin kann Helbig, der sich in seiner Schrift Probleme der Valenz- und Kasustheorie mit einigen Kritikpunkten zum Thema auseinandersetzt, in die Riege der wichtigsten Wissenschaftler in diesem Bereich mit aufgenommen werden.

Das Konzept der Dependenz und Valenz ist meist fester Bestandteil in den Werken zur Syntax. Die Linguistin Dürscheid z.B. räumt der Valenztheorie - unter Berücksichtigung der zugrundeliegenden Dependenzgrammatik - ein eigenes Kapitel in ihrer Publikation zur Syntax ein. In der deutschen Sprachwissenschaft sind die Dependenzgrammatik sowie die ihr innewohnende Valenztheorie als wichtige Instrumente zur Beschreibung der Satzstruktur wohl nicht mehr wegzudenken. Und auch in den Büchern zur romanischen Sprachwissenschaft (z.B. Gabriel/Meisenburg) bzw. speziell zur spanischen Sprachwissenschaft (i.a. Dietrich/Geckeler, Kabatek/Pusch, Dietrich/Noll) sind die Begriffe Valenz und Dependenz keine Seltenheit mehr. Allerdings wird das zugehörige Grammatikmodell dort meist nur knapp innerhalb eines Kapitels zur Syntax unter dem Oberbegriff Grammatik thematisiert oder gar nur genannt. Das könnte daran liegen, dass die Dependenzgrammatik in den romanischen Ländern bis jetzt kaum Anwendung erfuhr, wie Dietrich und Noll sich diese Tatsache in ihrer Einführung in die spanische Sprachwissenschaft zu erklären versuchen (2012, 113).

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit im Fach Iberoromanische Philologie/Spanisch möchte ich mich dieser Herausforderung stellen und die bereits etablierten Ansätze zum Thema Dependenz und Valenz in der vorliegenden Abhandlung auf das Spanische übertragen. Dazu soll die eruierte Theorie an spanischen Beispielsätzen illustriert und überprüft werden. Ein besonderes Augenmerkt lege ich dabei auf die Valenzeigenschaften des Verbs, denn aus ihnen resultiert in der Dependenzgrammatik schließlich das Bauprinzip des ganzen Satzes (Dürscheid 2010, 107). Im Folgenden werde ich zunächst die Grundzüge der Valenztheorie selbst und natürlich des ihr zugrundeliegenden grammatischen Modells herausarbeiten und an spanischen Beispielen überprüfen bzw. damit untermauern. Zur Verdeutlichung gilt es dann, die spanischsprachigen Beispielsätze in einigen Fällen durch graphische Realisierungen im Baumdiagramm zu ergänzen und teilweise mit ihrer deutschen Übersetzung zu vergleichen. Eine solche kontrastive Betrachtung dient neben dem besseren Verständnis vor allem der Demonstration, wie die zugrundeliegende Theorie auf die verschiedenen Sprachen angewendet werden kann. Nach der Erläuterung der wichtigsten Grundlagen soll die Analyse der Satzsyntax im spanischen Artikel Halloween (Noche de Brujas) auf Basis der Dependenzgrammatik - vor allem unter valenztheoretischen Gesichtspunkten -den Hauptteil abrunden. Auf diese Weise kann die eruierte Theorie, die zuvor nur an speziell konstituierten Beispielsätzen demonstriert wurde, dann direkt und gewissermaßen praktisch an einem spanischsprachigen Text angewendet werden, um sie auf diese Weise zu verifizieren.

Zum Schluss gilt es dann Resümee zu ziehen, ob und inwieweit die Regeln und Ansätze der Dependenzgrammatik und Valenztheorie auf das Spanische übertragbar sind. Außerdem sind eventuelle Komplikationen und Herausforderungen innerhalb der Analyse zusammenzufassen und zu beurteilen - vor allem natürlich im Hinblick auf die sprachlichen Besonderheiten. Zuletzt möchte ich dann noch einen Ausblick geben, welche Ausmaße die graphische Realisierung einer Dependenzanalyse im Idealfall annehmen könnten.

2 Hauptteil

Welche Funktion erfüllt die Dependenz und was sind die wesentlichen Elemente der nach ihr benannten Dependenzgrammatik? Wie ist die Valenz im linguistischen Sinne zu verstehen und welche Rolle spielt sie in der Valenztheorie? Was ist der Unterschied zwischen einer Dependenz- und einer Valenzbeziehung und was haben die beiden Relationen gemeinsam? Wie viele Leerstellen kann ein Verb eröffnen und wie müssen bzw. können diese besetzt werden, sodass der Satz bzw. die Aussage nicht ungrammatikalisch ist? Wann ist überhaupt ein Satz grammatikalisch korrekt und wie lässt sich das herausfinden? Was versteht man außerdem unter obligatorischen bzw. fakultativen Ergänzungen und wie lassen sie sich von freien Angaben differenzieren? Diesen und weiteren relevanten Fragen rund um das Thema Valenz und Dependenz ist der erste und umfangreichere Part des Hauptteils dieser Arbeit gewidmet. Sie sollen im Folgenden behandelt und so ausführlich, wie es eine Arbeit dieses Umfangs ermöglicht, beantwortet werden. Natürlich ist die Beantwortung immer vor dem Hintergrund einer weiteren zentralen, bereits in der Einleitung angesprochenen Frage zu tätigen: Wie lässt sich die Theorie speziell auf das Spanische übertragen? Zur Demonstration ist es wichtig, geeignete spanische Beispielsätze zu konstruieren und diese eingehend zu besprechen. Abschließend wird dann ein spanischer Artikel unter Verwendung der erarbeiteten Grundlagen analysiert, was den Hauptteil dieser Abhandlung komplettieren soll.

2.1 Theoretische Grundlagen zur Dependenzgrammatik und Valenztheorie

Zur besseren Einordnung der Dependenzgrammatik und der Valenztheorie werden zunächst die Komposita konstituierenden Begriffe Valenz und Dependenz einer genaueren Betrachtung unterzogen. Dabei spielt die Relation der beiden Termini eine wichtige Rolle. Ebenso ist eine Abgrenzung der beiden Ausdrücke unumgänglich, denn eine synonyme Verwendung ist nur bedingt möglich. Die Abgrenzung wird dann implizit erfolgen, vor allem im Rahmen der Betrachtung der Verbvalenzen unter Punkt 2.1.4. Zuerst soll jedoch die Bedeutung der Dependenz unter die Lupe genommen werden, da sie die zentrale Komponente des dazugehörigen Grammatikmodells darstellt.

2.1.1 Dependenz

„Dependenz. […] Syntaktische Relation der Abhängigkeit eines Elements A von einem Element B, die besagt, dass zwar B ohne A, nicht aber […] A ohne B vorkommen kann. […] Als grammatische Relation ist D[ependenz] die Basis der von L. Tesnière entwickelten Dependenzgrammatik […]“ (Bußmann 2008, s.v. Dependenz).

Der Terminus Dependenz ist nicht nur der Sprachwissenschaft vorbehalten. Man begegnet ihm gleichermaßen in ganz anderen Gebieten der Wissenschaft. So wird die Dependenz z.B. im Psychologie-Lexikon definiert als „das Ausmaß, in dem andere Personen als Quelle der Zustimmung, Unterstützung, Hilfe und Bezug gebraucht werden“ (Papadakis 2014, s.v. Dependenz). Oder innerhalb Kants kategorischer Dependenz, wo sie im Zusammenhang mit der Relation von „Kausalität und Dependenz (Ursache und Wirkung)“ (Röd 2006, 40; Kern 2007, 109) als Wirkung verstanden wird. Dennoch fällt in beiden Verwendungsweisen auf, dass es sich immer um spezifische Wechselbeziehungen zweier oder mehrerer Elemente handelt. Im Duden wird als Synonym Abhängigkeit angeboten (s.v. Dependenz), was sich schlicht und einfach als das nichtfremdsprachliche Pendant anführen lässt. Das beweist zudem der Blick in jedes spanisch-deutsche Wörterbuch. Zum Stichwort dependencia wird immer die Übersetzung ‘Abhängigkeit’ geliefert. Das ist zugleich die primäre Bedeutung in der Linguistik, wie auch die Definition von Bußmann oben zeigt.

In ihrer sprachwissenschaftlichen Arbeit Systemstrukturen des Deutschen beschreibt Blidschun die Dependenz als eine spezielle Art der syntaktischen Abhängigkeit und erläutert, dass ein Dependenzverhältnis zwischen zwei Elementen vorliegt, „wenn das übergeordnete Element (= Regens) ohne das untergeordnete (= Dependens) vorkommen kann, das untergeordnete aber nicht ohne das übergeordnete“ (2011, 30). Das soll anhand eines Beispiels verdeutlicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Fokus liegt zunächst nur auf dem Nominalsyntagma blusa roja. In Beispiel (1)Fehler! erweisquelle konnte nicht gefunden werden. ist blusa das Regens und roja das Dependens, was nun genauer erläutert wird.

In Satz a) besteht die betrachtete Nominalphrase, hier in Funktion des direkten Objekts bzw. Akkusativobjekts im Deutschen, aus dem Adjektiv roja und dem Substantiv blusa. Auch das Determinans una ist Teil der entsprechenden Phrase, worauf ich später noch eingehen werde. Dass es sich bei dem Substantiv um das Regens handelt, lässt sich durch Satz b) und c) feststellen. Während b) ohne das Adjektiv grammatikalisch bleibt, wird Satz c) ungrammatikalisch1, wenn das zum Adjektiv gehörende Substantiv fehlt. Daraus lässt sich schließen: roja ist von blusa abhängig und diesem untergeordnet. Roja benötigt somit das ihm übergeordnete Element blusa, dass der Satz seine Richtigkeit bezüglich der Grammatikalität nicht verliert. Hierzu muss zunächst eine Bedingung angeführt werden, die im weiteren Verlauf der Arbeit nicht außer Acht gelassen werden darf: „Manches Beispiel kann in bestimmten Kontexten ungrammatisch, in anderen grammatisch wirken.“ (Kabatek/Pusch 2009, 102)2.

Ich wage an dieser Stelle die Behauptung, dass es gerade in der gesprochenen Sprache kaum Sätze gibt, die unter gewissen Bedingungen vollkommen ungrammatikalisch sind. Wenn man nur einmal an den eigenen alltäglichen Sprachgebrauch denkt, lassen sich unzählige Beispiele finden, die unter grammatischen Gesichtspunkten als fehlerhaft eingestuft werden müssten. Beispielsweise der Einwortsatz: Coches. ‘Autos.’ Grammatikalisch haben wir es hier sowohl im Spanischen als auch im Deutschen mit einer unvollständigen Aussage zu tun. Wird diese allerdings getätigt, um auf die Frage ¿Qué cosas te gustan? ‘Welche Dinge gefallen dir?’ zu antworten, wird die fragwürdige Grammatikalität durch den Zweck des Antwortens geheilt. So verhält es sich auch mit Satz c) aus Beispiel (1). Denn betrachtet man nicht nur den isolierten Satz, sondern darüber hinaus dessen Umfeld, muss eine Aussage nicht unbedingt als ungrammatikalisch markiert werden. Es wäre demnach nicht korrekt der Aussage la chica lleva una roja Ungrammatikalität vorzuwerfen, wenn sie z.B. als Antwort auf die Frage ¿Qué blusa lleva la chica hoy? ‘Welche Bluse trägt das Mädchen heute?’ fungiert. Coseriu formuliert in Bezug auf derartige Situationen eine meines Erachtens sehr treffende Aussage: „Normalerweise denkt man sich […] einen Ausdruck in einem ganz bestimmten Kontext und entscheidet eigentlich nur aufgrund dieses individuell angenommenen Kontextes“ (Coseriu 1988a, 199; ap. Ágel 2000, 175).

Zu Analysezwecken werde ich allerdings im weiteren Verlauf isolierte Beispielsätze anführen und versuchen, die Beispiele so allgemein und losgelöst von individuellen oder unbewussten Assoziationen wie nur möglich zu bewerten. Dabei orientiere ich mich an allen von mir zurate gezogenen Publikationen. Denn im Rahmen meiner Recherchen zu dieser Arbeit habe ich auf eine Vielzahl an Literatur und Autoren zurückgegriffen, wobei mir auffiel, dass jeder der Linguisten zur Veranschaulichung ausschließlich von kontextlosen Beispielsätzen Gebrauch gemacht hat und diese auch immer nur speziell für den vorliegenden Fall konstruiert waren. Diese Vorgehensweise hat meiner Meinung nach schlichtweg den Zweck der Vereinfachung, denn eine Demonstration des behandelten grammatischen Phänomens an Sätzen mit Kontextbezug würde die Veranschaulichung doch sehr verkomplizieren. Eine kontextuelle Einbettung einer Aussage soll demnach ausgeschlossen sein und es muss ein Urteil über ihre Grammatikalität in der vorliegenden Form gefällt werden. Diese Prämisse liegt im Folgenden jedem einzelnen, größtenteils von mir selbst konstituierten Beispiel zugrunde und rechtfertigt auch, Satz c) als ungrammatikalisch zu beurteilen. Eine solche Beurteilung ist natürlich zweifelhaft, wenn man bei roja von einem substantivierten Adjektiv ausgeht und die Semantik außer Acht lässt oder den Kontext in die Analyse miteinbezieht. In diesem Fall wäre an der Grammatikalität von Satz c) nichts auszusetzen. Nach mehrfacher Erläuterung soll jetzt jedoch bereits deutlich geworden sein, dass hier eine kontextlose, isolierte Betrachtung angestrebt wird. Unter dieser Voraussetzung lässt sich konsequenterweise bei der Aussage la chica lleva una roja nur Unvollständigkeit diagnostizieren, denn roja im adjektivischen Sinne kann kontextlos nicht ohne Bezugsnomen als eigenständiges Objekt fungieren (vgl.: *La chica tiene una buena. *‘Das Mädchen hat eine gute.’). Dann stellt sich nämlich die Frage: Das Mädchen trägt eine rote was?

Die Markierung erfolgt dabei durch gängige Markierungskonventionen: Während ein Sternchen beispielsweise anzeigt, dass die folgende Aussage als ungrammatikalisch erachtet wird, stellt ein Fragezeichen deren Grammatikalität lediglich infrage (cf. Kabatek/Pusch 2009, 102). Ist dem Satz keine derartige Kennzeichnung vorangestellt, wurde er als grammatikalisch unbedenklich und korrekt bewertet. Es folgt ein Exkurs zur Beurteilung der Grammatikalität einer Aussage bzw. eines Satzes. In erster Linie dienen die darin verwendeten spanischen Beispiele natürlich der Veranschaulichung der einzelnen Markierungskonventionen, gleichermaßen geht damit jedoch auch die Intention einher, den Leser gleich zu Beginn auf sprachliche Besonderheiten des Spanischen aufmerksam zu machen und ihn dahingehend zu sensibilisieren.

Exkurs: „Übliche Markierungskonventionen für Sätze, über die ein Grammatikalitätsurteil gefällt wurde“ (Kabatek/Pusch 2009, 102):

Tabelle 1: Markierungskonventionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten3 4 5 6

(Kabatek/Pusch 2009, 102; eigene Beispiele, excl. Beispiel e))

Zu a): ‘Isabell spielt Tennis.’ Anders als im Deutschen ist im Spanischen die Präposition a im Zusammenhang mit dem Verb jugar in dieser Bedeutung notwendig, um eine grammatikalisch korrekte Konstruktion zu erhalten. *Isabel juega tenis kann demnach eindeutig als inkorrekt bzw. ungrammatikalisch identifiziert werden.

Zu b): ‘Michael gefallen die schönen Künste.’ Der zugehörige spanische Beispielsatz wird deshalb dieser Urteilskategorie zugeordnet, da seine Grammatikalität nicht grundsätzlich als falsch bewertet werden kann. Das kommt daher, dass arte ‘Kunst’ im Singular sowohl als Femininum als auch als Maskulinum gehandelt werden kann, wobei letztere Verwendung die üblichere ist (z.B. el arte poética ‘die Dichtkunst’). Im Plural jedoch „wird das Wort praktisch ausschließlich mit weiblichen Artikeln und Adjektiven gebraucht“ (Bruyne 2002, §102). Los artes gilt daher normativ gesehen als inkorrekt.

Zu c): # ‘Die Katze bellt.’ Um die angeführte Aussage eindeutig in die gesuchte Lesart zu überführen, muss man sie dahingehend modifizieren, dass entweder ‘die Katze miaut’ oder ‘der Hund bellt’. Grammatikalisch gesehen - die Semantik komplett vernachlässigend - gibt aber auch die ursprüngliche Aussage keinen Anlass zu Beanstandungen. Ich wage allerdings die These, dass Sprache auch immer eine Frage der Semantik ist. Diese Problematik ist bis heute ein ungelöstes Problem der Syntax und unter den Linguisten herrscht darüber keine Einigkeit. Entsprechend der allgemeinen Syntaxforschung ist in der Valenztheorie die Frage, inwiefern die Semantik die Syntax beeinflusst, ein sehr wichtiger und viel diskutierter Aspekt, der auch an verschiedenen Stellen dieser Arbeit noch thematisiert wird, z.B. in Verbindung mit der Behandlung der Angaben unter Punkt 2.1.5b). Ágel führt bezüglich dieser Problematik Helbigs Beispiel an: „* Peter stirbt manchmal“ (Helbig 1982, 12; ap. Ágel 2000, 186). Helbig selbst kennzeichnet die Aussage per Sternchen am Satzanfang als nicht grammatikalitätskonform. Demnach ist er der Ansicht, ein Satz sei nur dann korrekt, wenn er es sowohl in semantischer als auch in grammatischer Hinsicht ist. Ágel hingegen vertritt den Standpunkt, dass es mit diesen Sätzen weder grammatische noch lexikalische Probleme gäbe, sie jedoch massiv unserem Sach- und Weltwissen widersprächen (2000, 190). Damit meint Ágel Sätze, die zwar semantisch wenig Sinn ergeben, in ihrer Grammatik aber keine Fehler aufweisen. Persönlich stimme ich in dieser Angelegenheit eher Helbigs Auffassung zu, da meines Erachtens die Semantik konstitutiv für die Sprache ist und Grammatik und Semantik miteinander korrelieren. Ich bin dennoch gewillt, einen Kompromiss vorzuschlagen und diese Art von sprachlichen Konstruktionen gesondert zu behandeln, d.h. sie weder als grammatikalisch korrekt noch als zweifellos ungrammatikalisch zu beurteilen. Die Kennzeichnung mittels angeführtem Symbol erachte ich als praktisch und werde im Folgenden derartige Aussagen deshalb mit dem Rautezeichen # markieren.

Zu d): ‘Anna schaltet das/den Radio aus.’ „Man beachte, daß einige in Spanien als Feminina gebrauchte Substantive in Lateinamerika männlich sind: el llamado (‘der Aufruf’), el radio (‘der Rundfunk’) […]. In Spanien: la llamada, la radio […] (Bruyne 2002, §101). Gerade bei ‘Radio’ herrscht auch im Deutschen Unklarheit. Handelt es sich um den Radioapparat, geht man von einem Maskulinum aus. Denkt man an das Radioprogramm, würde man bevorzugt den Artikel ‘das’ verwenden. Es stellt sich also die Frage, welche Assoziation der Sprecher hat. Danach richtet sich dann auch die Grammatikalität. Eindeutig ungrammatikalisch ist im Deutschen: * ‘Anna schaltet die Radio aus’.

Zu e): „‘Was für eine Menge Sterne!’ sagte Manuel. ‘Was sie wohl sein mögen?’ ‘Das sind Welten, endlose Welten’“ (Bruyne 2002, §144). In diesem Beispiel findet man „neben dem Substantiv im Singular, das aber Pluralbedeutung hat, eine echte Pluralform, was eine grammatisch merkwürdige Zusammenstellung zur Folge hat“ (ibid.). Die Grammatikalität wird aber nicht gleich als inkorrekt bewertet, denn „die Verbform serán (Plural) zeigt deutlich, daß für den Zuhörer das vorangegangene (cuánta) estrella wenn auch nicht grammatisch, so doch logisch ein Plural ist“ (ibid.). Insgesamt ist die Grammatikalität hier dennoch sehr fraglich.

Ende Exkurs

Noch einmal zurück zu Beispiel (1) a): Im Spanischen deutet sich die Abhängigkeit des Adjektivs roja vom Substantiv blusa bereits durch die Adjektivendung -a an. Das spanische Eigenschaftswort kongruiert in Numerus und Genus mit dem Substantiv, welches es näher bestimmt. Würde das Mädchen statt einer roten Bluse einen jersey rojo ‘roten Pullover’ tragen, hätte das Adjektiv die Endung -o, da das Nomen jersey das Merkmal maskulin trägt. Eine solche Endungskongruenz ist im Deutschen gleichermaßen feststellbar, wobei dort neben Numerus und Genus außerdem der Kasus von Substantiv und Adjektiv übereinstimmt (‘Das Mädchen trägt eine rote Bluse’ vs. ‘Das Mädchen trägt einen roten Pullover’).

Wie bereits erwähnt, wird in der untersuchten Nominalphrase nicht nur das Adjektiv vom Substantiv regiert. Auch der Artikel una richtet sich in Genus und Numerus - und Kasus im Deutschen - nach dem Nomen und hängt davon ab (una blusa ‘eine Bluse’ vs. un jersey ‘einen Pullover’). Das Syntagma una blusa roja beinhaltet also insgesamt zwei Dependenzverhältnisse. Diese können innerhalb einer Graphik realisiert werden, wie Abbildung 1 gleich zeigen wird. Eine weitverbreitete Methode der graphischen Darstellung ist das Baumdiagramm (diagrama arbóreo: Hispanoteca, s.v. Baumdiagramm), i.a. bezeichnet als Strukturbaum, Baumgraph oder Stemma (cf. Franzkowiak 2013, 1), wobei letzterer der von Tesnière gebrauchte Terminus ist. Im Baumdiagramm werden die Abhängigkeitsbeziehungen durch Anordnung und Linien bzw. Pfeile verdeutlicht. Es gibt verschiedene Realisierungsarten einer solchen Diagrammart. Es kann z.B. mittels der Pfeilgestalt zwischen Konstituenz-, Valenz- oder Dependenzrelation unterschieden werden (cf. Wolf 2003, 404a). In der vorliegenden Abhandlung werde ich mich einfacher Linien zum Anzeigen der Dependenz bedienen und zur Darstellung von Valenzbeziehungen Pfeile verwenden. Letztere werden erst ab Gliederungspunkt 2.1.4 relevant sein. Die Richtung muss immer vom Regens (= oberes Element) ausgehend, hin zum Dependens (= unteres Element) verstanden werden. Dementsprechend erfolgt die Betrachtung hierarchisch, d.h. die obere Konstituente regiert die Elemente unterhalb.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Dependenzrelationen

Im Baumdiagramm aus Abbildung 1 werden die beiden Dependenzverhältnisse nochmals deutlich: Die zwei Dependentien una und roja hängen vom Regens blusa ab. Was unter der Dependenz im sprachwissenschaftlichen Sinne zu verstehen ist, soll nun klar geworden sein. An dieser Stelle wurde zunächst nur der Charakter von Dependenzverhältnissen veranschaulicht, bei denen die Valenz noch keine zentrale Rolle spielt. Was die Dependenzvon der Valenzrelation unterscheidet, wird im weiteren Verlauf noch thematisiert, vor allem im Rahmen der Betrachtung der Verbvalenzklassen unter Gliederungspunkt 2.1.4. Die Dependenz als Form der syntaktischen Abhängigkeit, so wie in Abbildung 1 demonstriert, machte Tesnière zur Basis seines Grammatikmodells.

2.1.2 Dependenzgrammatik

„Dependency grammar is a model of grammar that describes grammatical structure in terms of relations of dependency (and sociation) among syntagms, especially words“ (LIDO, s.v. Dependenzgrammatik).

Da im vorliegenden Grammatikmodell das Subjekt auf die gleiche Stufe wie die übrigen Ergänzungen gestellt wird, kann nicht mehr von einem Satzkern, bestehend aus Subjekt und Prädikat bzw. einer Subjekt-Prädikat-Struktur des Satzes ausgegangen werden, wie es in der traditionellen Grammatik Usus war (Kiesler o.J., 4). „Die Dependenzgrammatik ist eine von Tesnière entwickelte strukturelle Grammatik mit pädagogischer Zielsetzung, die die Abhängigkeitsbeziehungen (Dependenzen: hierarchische vs. lineare Struktur) zwischen sprachlichen Elementen beschreibt“ (ibid.). In der Dependenzgrammatik steht das Verb im Zentrum der grammatischen Organisation und regiert „über die Einheit des gesamten Satzes, indem es in seiner Struktur bestimmte Leerstellen für nominale Mitspieler vorsieht, die von ihm abhängen“ (Kabatek/Pusch 2009, 109).

Aus der Idee, dem Verb die Rolle des Regens im Satz zukommen zu lassen, resultiert die Valenztheorie, häufig auch als Valenzgrammatik bezeichnet. Die Korrelation von Valenztheorie und Dependenzgrammatik besteht darin, dass die Valenztheorie konstitutiv für die Dependenzgrammatik ist und die Dependenzgrammatik wiederum die Basis für die Valenztheorie stellt (Kiesler o.J., 4). Diese enge Verknüpfung der beiden Termini ist vermutlich der Grund für eine oft synonyme Verwendung, die so jedoch nicht ohne Weiteres möglich ist. Warum eine Substitution der beiden Begriffe problematisch ist, welches die wesentlichen Aspekte der Valenztheorie sind und was genau man überhaupt unter der Valenz im linguistischen Sinne versteht, wird speziell unter den Überschriften Valenztheorie (2.1.3) und Verbvalenzen (2.1.4) noch konkretisiert.

Den Ergänzungen und Angaben ist aufgrund ihrer bedeutenden Rolle im betrachteten Modell der Gliederungspunkt 2.1.5 gewidmet und ihrer Unterscheidung der Abschnitt Grammatische Proben (2.1.6). An dieser Stelle soll allerdings erst noch auf drei weitere wichtige Grundbegriffe der Dependenzgrammatik eingegangen werden. In Connexiones Romanicae7, einem Sammelband, in dem die Resultate des deutschen Romanistentages 1988 in Aachen fixiert wurden, heißt es: „Tesnières Dependenztheorie ruht auf drei ‘Säulen’, die sich mit den Stichworten connexion, jonction und translation charakterisieren lassen“ (Koch/Krefeld 1991, 5). Diese Säulen sollen nun im Einzelnen kurz besprochen und wieder an spanischen Beispielen illustriert werden.

a) Konnexion

Laut Tesnière besteht ein einfacher Satz nicht nur aus Subjekt und Prädikat, sondern auch aus der Verbindung der beiden, der Konnexion (conexión).

„Wenn ich sage: Alfred spricht, dann meine ich nicht einerseits, ‘es gibt einen Menschen namens Alfred’ und andererseits ‘jemand spricht’, sondern ich meine, und zwar gleichzeitig, ‘Alfred vollzieht die Tätigkeit des Sprechens’ und ‘der Sprecher ist Alfred’. Daraus folgt, daß ein Satz vom Typ Alfred spricht nicht aus zwei Elementen - nämlich erstens Alfred, zweitens spricht - besteht, sondern aus drei Elementen: erstens Alfred, zweitens spricht und drittens der Konnexion, die sie verbindet und ohne die kein Satz bestünde“ (Tesnière 2010, 633).

Ohne die logische Verknüpfung der zusammengehörigen Begriffe würde demnach keine sinnvolle Aussage möglich sein. Dieser Gedanke lässt sich auch noch weiter spinnen und natürlich auch auf das Spanische übertragen. Dazu Beispiel (2):

(1) A Nena le gusta el libro. ‘Nena gefällt das Buch.’

So liefert (2) zunächst nur die Informationen, dass es ein Mädchen namens Nena gibt, ein Buch und die Tatsache, dass jemanden etwas gefällt. Erst durch die logische Verknüpfung zwischen den drei primären syntaktischen Funktionen ergibt sich eine sinnvolle Aussage. Neben dem Subjekt el libro, dem indirekten Objekt Nena - eingeleitet durch personales a und ergänzt durch das indirekte Personalpronomen le8 -und dem Prädikat gusta (gustar) liegen nämlich im Satz außerdem zwei Konnexionen vor: Zum einen, dass es das Buch ist, das gefällt und zum anderen, dass es Nena ist, der es gefällt. Tesnière vergleicht die Wörter mit einzelnen chemischen Elementen, durch deren Verbindung ein neues entsteht. So existieren z.B. Natrium und Chlorid, die zusammen Natriumchlorid bzw. Kochsalz ergeben, also ein neues, eigenständiges Element (Tesnière 2010, 633). Demnach sind die Konnexionen genauso satzkonstituierend wie es die einzelnen Wörter im Satz sind.

b) Junktion

(2) Lena y Pablo cantan. ‘Lena und Paul singen.’

In (3) wird das Agens durch die beiden Personen Lena und Pablo verkörpert. Das bedeutet aber nicht, es gäbe im Satz jetzt zwei Subjekte. Durch die Junktion (junción) kommt es lediglich zur Verdopplung des ersten Aktanten (Tesnière 2010, 648). Es handelt sich vielmehr um ein Subjekt, das aus zwei Komponenten besteht. Die Form des Verbs muss dementsprechend angepasst werden: canta (cantar) wird zu cantan. „Im Falle einer Verdopplung haben die beiden verdoppelten Glieder die gleiche strukturale Funktion“ (ibid.), d.h. sie stehen auf der gleichen Ebene. Durch die funktionale Konformität besteht zwischen ihnen gewissermaßen eine Verbindung. „Diese Verbindung ist letzten Endes die Grundlage der Junktion“ (ibid.). Das Verfahren der Junktion lässt sich genauso gut auf jede andere Wortart anwenden, immer unter der Prämisse, dass die Wortart der jungierten Elemente dieselbe ist (Tesnière 2010, 649).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 9

In Beispielsatz a) kommt es zur Junktion zweier Eigenschaften. Die beiden Adjektive fungieren zusammen als das Subjektprädikativ, wonach das Kopulaverb era (ser) verlangt. Warum innerhalb des zusammengesetzten Subjektprädikativs grande y de Elena in b) trotzdem eine Junktion möglich ist, wo doch das Adjektiv grande und das Substativ Elena ganz offensichtlich nicht derselben Wortart entstammen, erklärt die Translation.

c) Translation

„Ihrem Wesen nach besteht die Translation darin, daß ein Wort einer bestimmten grammatischen Kategorie in eine andere grammatische Kategorie überführt wird, das heißt, daß eine bestimmte Wortart in eine andere Wortart transformiert wird.“ (Tesnière 2010, 650). Man kann sich das so vorstellen, als befände sich ein Wort einer ursprünglich anderen Wortart auf der für eine andere Wortkategorie reservierten Position. Das klingt etwas kompliziert, aber Beispiel (5) wird Klarheit schaffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 10

In Beispielsatz a) gehört azul unumstritten zur Wortart der Adjektive und beschreibt als Attribut sein Bezugsnomen coche näher. Das Substantiv Pablo in b) ist eigentlich kein Adjektiv, wird hier jedoch „syntaktisch zu einem attributiven Adjektiv, [das ebenfalls das Auto näher bestimmt,] obwohl es morphologisch kein Adjektiv ist“ (Tesnière 2010, 651). Die Bedingung, jungierte Elemente müssen über Analogie der Wortart verfügen, wird somit durch die Translation modifiziert und dadurch ist dann auch eine Junktion von Begriffen aus ursprünglich verschiedenen grammatischen Kategorien denkbar, wie Variante c) von Beispiel (5) zeigt. Azul und de Pablo fungieren hier zusammen wieder als das Subjektprädikativ, wonach das Kopulaverb es (ser) verlangt. Ser eröffnet in seiner Struktur lediglich eine Leerstelle und ist somit einwertig. Durch die Junktion kann das Subjektprädikativ jedoch, wie aufgezeigt, aus mehreren Elementen bestehen. Diese dürfen bei der Ermittlung der Verbvalenz dennoch nur als eine Ergänzung gewertet werden, da sonst keine korrekten Angaben zur Wertigkeit gemacht werden können.

An dieser Stelle gilt es nun zu klären, wie sich diese Wertigkeit des Verbs, von der im Vorangegangen bereits Gebrauch gemacht wurde, ermitteln lässt und was man effektiv unter der Verbvalenz als zentrale Komponente der Valenztheorie versteht. Dazu wird im Folgenden zunächst der Terminus Valenz im Zentrum stehen, der neben den bereits angesprochenen unbedingt in die Riege der wichtigsten Termini der Dependenzgrammatik aufgenommen werden muss. Zum einen, weil es sich dabei nicht nur um einen Grundbegriff handelt, sondern er vielmehr konstitutiv für das zugrundeliegende Grammatikmodell ist und zum anderen, da er außerdem die Basis der Valenztheorie darstellt.

[...]


1 Das Sternchen zeigt die Ungrammatikalität der Aussage an. Auf derartige Markierungskonventionen wird innerhalb des gleich folgenden Exkurses eingegangen.

2 Ich bevorzuge die Bezeichnung un-/grammatikalisch anstelle von un-/grammatisch, da man sich bei der Beurteilung auf die Grammatikalität des Satzes und nicht auf das Wesen der Grammatik selbst bezieht.

3 Siehe Fußnote 2.

4 Die Übersetzung ist jeweils in die Besprechung der einzelnen Zeilen integriert, die auf die Tabelle folgt.

5  Dieses Zeichen steht dafür, wie der Satz korrekt lauten muss/kann, dabei sind die fettgedruckten Worte die entscheidenden Stellen.

6 P. BAROJA, Mala hierba, in O.C., I, 507; ap. Bruyne 2002, §144.

7 Koch und Krefeld nahmen sich der Aufgabe an, die erlangten Erkenntnisse der Tagung zusammenzufassen und unter dem vollen Titel Connexiones Romanicae: Dependenz und Valenz in romanischen Sprachen aufzubereiten. Der Romanist Sonntag würdigt die Arbeit seiner beiden Kollegen in Form einer Rezension und zieht darin das Fazit: „Insgesamt gelingt es dem Band in erfreulicher Weise, in Anknüpfung an die klassischen Vorgaben des Autors der ersten Syntaxe structurale das Spektrum der gegenwärtigen Dimensionen dieser Fragestellung aufzufächern und Wege in die Zukunft zu weisen“ (Sonntag 1994, 203).

8 Das personale a und die Verwendung von pronombres expletivos werden im Rahmen der Betrachtung der Trivalenz unter 2.1.4d) genauer erläutert.

9 Wörtliche Übersetzung: ‘Das Haus war groß und Elenas.’

10 Wörtliche Übersetzung: ‘Das Auto ist blau und Pauls.’

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Dependenz und Valenz. Eine Anwendung auf das Spanische
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Romanistisches Institut)
Veranstaltung
Sprachwissenschaft / Linguistik
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
71
Katalognummer
V351264
ISBN (eBook)
9783668394551
ISBN (Buch)
9783668394568
Dateigröße
1163 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Überblick über die Dependengrammatik und Valenztheorie an leicht verständlichen Beispielen illustriert. Alle spanischen Ausdrücke und Formulierungen inkl. Übersetzung und somit durchaus für des Spanischen nicht mächtige Leser geeignet.
Schlagworte
Tesnière, Dependenz, Valenz, Dependenzgrammatik, Valenzgrammatik, Dependenztheorie, Valenztheorie, Sprachwissenschaft, Satzstrukturen, Linguistik, Romanistik, Spanisch, Iberoromanische Philologie, Hauptseminar, Bachelorarbeit
Arbeit zitieren
Luisa Rettinger (Autor), 2015, Dependenz und Valenz. Eine Anwendung auf das Spanische, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351264

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