Im Rahmen meiner Bachelorarbeit werde ich die bereits etablierten Ansätze zum Thema Dependenz und Valenz in der vorliegenden Abhandlung auf das Spanische übertragen. Dazu soll die eruierte Theorie an spanischen Beispielsätzen illustriert und überprüft werden. Ein besonderes Augenmerkt lege ich dabei auf die Valenzeigenschaften des Verbs, denn aus ihnen resultiert in der Dependenzgrammatik schließlich das Bauprinzip des ganzen Satzes.
Im Folgenden werde ich zunächst die Grundzüge der Valenztheorie selbst und natürlich des ihr zugrundeliegenden grammatischen Modells herausarbeiten und an spanischen Beispielen überprüfen bzw. damit untermauern. Zur Verdeutlichung gilt es dann, die spanischsprachigen Beispielsätze in einigen Fällen durch graphische Realisierungen im Baumdiagramm zu ergänzen und teilweise mit ihrer deutschen Übersetzung zu vergleichen. Eine solche kontrastive Betrachtung dient neben dem besseren Verständnis vor allem der Demonstration, wie die zugrundeliegende Theorie auf die verschiedenen Sprachen angewendet werden kann.
Nach der Erläuterung der wichtigsten Grundlagen soll die Analyse der Satzsyntax im spanischen Artikel Halloween (Noche de Brujas) auf Basis der Dependenzgrammatik – vor allem unter valenztheoretischen Gesichtspunkten –den Hauptteil abrunden. Auf diese Weise kann die eruierte Theorie, die zuvor nur an speziell konstituierten Beispielsätzen demonstriert wurde, dann direkt und gewissermaßen praktisch an einem spanischsprachigen Text angewendet werden, um sie auf diese Weise zu verifizieren.
Zum Schluss gilt es dann Resümee zu ziehen, ob und inwieweit die Regeln und Ansätze der Dependenzgrammatik und Valenztheorie auf das Spanische übertragbar sind. Außerdem sind eventuelle Komplikationen und Herausforderungen innerhalb der Analyse zusammenzufassen und zu beurteilen – vor allem natürlich im Hinblick auf die sprachlichen Besonderheiten. Zuletzt möchte ich dann noch einen Ausblick geben, welche Ausmaße die graphische Realisierung einer Dependenzanalyse im Idealfall annehmen könnten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Theoretische Grundlagen zur Dependenzgrammatik und Valenztheorie
2.1.1 Dependenz
2.1.2 Dependenzgrammatik
a) Konnexion
b) Junktion
c) Translation
2.1.3 Valenztheorie
2.1.4 Verbvalenzen
a) Avalente Verben
b) Monovalente Verben
c) Divalente Verben
d) Trivalente Verben
e) Tetravalente Verben
f) Pentavalente Verben
g) Experiment: Hexavalente Verben
h) Fazit
2.1.5 Ergänzungen und Angaben
a) Obligatorische und fakultative Ergänzungen
b) Angaben
2.1.6 Grammatische Proben
a) Tests zur Identifikation von Syntagmen
b) Tests zur Unterscheidung von Ergänzung und Angabe
2.2 Analyse der Satzsyntax in Halloween (Noche de Brujas)
a) Satz 1
b) Satz 2
c) Satz 3
d) Satz 4
e) Satz 5
f) Satz 6
g) Satz 7
3 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Anwendung der Dependenzgrammatik und Valenztheorie auf das Spanische. Ziel ist es, die theoretischen Ansätze der Dependenz und Valenz, basierend auf Lucien Tesnières Grammatikmodell, zu erläutern und ihre Anwendbarkeit anhand von sowohl konstruierten Beispielsätzen als auch einer Analyse eines authentischen spanischen Artikels (Halloween (Noche de Brujas)) zu überprüfen und zu verifizieren.
- Grundlagen der Dependenzgrammatik und Valenztheorie
- Differenzierung zwischen Ergänzungen und freien Angaben
- Grammatische Proben zur Identifikation und Analyse von Satzstrukturen
- Kontrastive Betrachtung spanischer und deutscher Strukturen
- Analyse der Satzsyntax eines authentischen Medientextes
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Dependenz
Der Terminus Dependenz ist nicht nur der Sprachwissenschaft vorbehalten. Man begegnet ihm gleichermaßen in ganz anderen Gebieten der Wissenschaft. So wird die Dependenz z.B. im Psychologie-Lexikon definiert als „das Ausmaß, in dem andere Personen als Quelle der Zustimmung, Unterstützung, Hilfe und Bezug gebraucht werden“ (Papadakis 2014, s.v. Dependenz). Oder innerhalb Kants kategorischer Dependenz, wo sie im Zusammenhang mit der Relation von „Kausalität und Dependenz (Ursache und Wirkung)“ (Röd 2006, 40; Kern 2007, 109) als Wirkung verstanden wird. Dennoch fällt in beiden Verwendungsweisen auf, dass es sich immer um spezifische Wechselbeziehungen zweier oder mehrerer Elemente handelt. Im Duden wird als Synonym Abhängigkeit angeboten (s.v. Dependenz), was sich schlicht und einfach als das nichtfremdsprachliche Pendant anführen lässt. Das beweist zudem der Blick in jedes spanisch-deutsche Wörterbuch. Zum Stichwort dependencia wird immer die Übersetzung ‘Abhängigkeit’ geliefert. Das ist zugleich die primäre Bedeutung in der Linguistik, wie auch die Definition von Bußmann oben zeigt.
In ihrer sprachwissenschaftlichen Arbeit Systemstrukturen des Deutschen beschreibt Blidschun die Dependenz als eine spezielle Art der syntaktischen Abhängigkeit und erläutert, dass ein Dependenzverhältnis zwischen zwei Elementen vorliegt, „wenn das übergeordnete Element (= Regens) ohne das untergeordnete (= Dependens) vorkommen kann, das untergeordnete aber nicht ohne das übergeordnete“ (2011, 30). Das soll anhand eines Beispiels verdeutlicht werden.
(1) a) La chica lleva una blusa roja. ‘Das Mädchen trägt eine rote Bluse.’
b) La chica lleva una blusa. ‘Das Mädchen trägt eine Bluse.’
c) *La chica lleva una roja. *‘Das Mädchen trägt eine rote.’
Der Fokus liegt zunächst nur auf dem Nominalsyntagma blusa roja. In Beispiel (1) ist blusa das Regens und roja das Dependens, was nun genauer erläutert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Dependenzgrammatik und Valenztheorie sowie Erläuterung der Motivation für die Übertragung auf das Spanische.
2 Hauptteil: Theoretische Herleitung der Konzepte Dependenz, Valenz, Ergänzungen und Angaben, ergänzt durch methodische Analysen spanischer Beispielsätze und eines Textes.
3 Schluss: Resümee über die erfolgreiche Anwendbarkeit der Theorie auf das Spanische und Diskussion der dabei aufgetretenen sprachlichen Besonderheiten.
Schlüsselwörter
Dependenzgrammatik, Valenztheorie, Verbvalenz, Spanische Sprache, Syntax, Dependenz, Ergänzung, Angabe, Regens, Dependens, Satzstruktur, Baumdiagramm, Grammatische Proben, Aktant, Valenzhierarchie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Grundlage der Dependenzgrammatik und Valenztheorie und deren Anwendung auf die spanische Sprache, um die Satzstruktur des Spanischen syntaktisch zu analysieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition und Abgrenzung von Dependenz und Valenz, die Klassifikation von Verbvalenzen (von null- bis pentavalent) sowie die Unterscheidung von obligatorischen/fakultativen Ergänzungen und freien Angaben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erprobung und Verifikation der etablierten dependenzgrammatischen Modelle durch die Anwendung auf spanische Beispielsätze und einen authentischen Text aus einem spanischen Blog.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden gängige grammatische Proben (Reduktionstest, Folgerungstest, Anschlusstest) eingesetzt, um Syntagmen zu identifizieren und die Rolle von Satzgliedern (Ergänzungen vs. Angaben) zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Fachtermini, eine detaillierte Aufstellung der Verbvalenzen und eine praktische Analyse eines spanischen Zeitungsartikels, inklusive der graphischen Darstellung mittels Baumdiagrammen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Dependenz, Valenz, Verbvalenz, spanische Syntax und Satzanalyse.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Ergänzungen und Angaben?
Die Autorin nutzt Engel'sche Verfahren wie den Reduktions- und Folgerungstest, um festzustellen, ob ein Satzglied vom Verb gefordert wird (Ergänzung) oder lediglich eine kontextuelle Information liefert (Angabe).
Welche Besonderheit weist das Spanische hinsichtlich der Subjektrealisierung auf?
Da das Spanische eine sogenannte "Pro-Drop-Sprache" ist, kann das Subjekt oft durch die Verbalmorphologie identifiziert werden, weshalb es nicht explizit realisiert werden muss.
- Citation du texte
- Luisa Rettinger (Auteur), 2015, Dependenz und Valenz. Eine Anwendung auf das Spanische, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351264