Diese Hausarbeit stellt Fußball als Mittel der politischen Bildung dar. Das bedeutet, was Fußball zur Integration, Inklusion etcetera beitragen kann und Schülerinnen und Schüler der bildungsfernen Schichten Sport beziehungsweise Fußball als Integrationssprungbrett in die Gesellschaft nutzen können.
Zu Beginn werden eine definitorische Basis geschaffen und die allgemeinen Problemfelder im Fußball erörtert. Auf Grundlage dessen werden ausgewählte Beispiele für Fußball- und Fanprojekte näher erläutert und die Forschungsfrage abschließend geklärt. Die Arbeit erhebt dabei nicht den Anspruch einer vollständigen Analyse, sondern zeigt einen Abriss aus der Beziehung zwischen politischer Bildung und dem Phänomen Fußball. Die folgenden Thesen sollen bei der Beantwortung der Fragestellung einen Leitfaden bieten:
1. Politische Bildung beginnt auf der individuellen Ebene. Erst durch eine kritische Selbstreflexion kann eine umfassende Reflexion der Gesellschaft stattfinden.
2. Das 'Wir-Gefühl' beim Fußball ist eine andere Art der Vergemeinschaftung im Sinne eines "Tribes".
3. Fußball ist zugleich ein Nährboden für soziale Exklusion und Stereotypenbildung.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 WAS IST POLITISCHE BILDUNG?
3 DIE FANKULTUR IM FUßBALL - EINE ANNÄHERUNG
4 KOMPETENZVERMITTLUNG DURCH FUßBALL
4.1 Problembereich Diskriminierung
4.2 Problembereich Rassismus
4.3 Problembereich Gewalt
5 EXEMPLARISCHE FUßBALL- UND FANPROJEKTE
5.1 Robert Bosch Stiftung: 'Lernort Stadion'
5.2 Deutsche Sportjugend: 'Am Ball bleiben'
5.3 Nosso Jogo: 'Fair Play Kampagne'
5.4 Kickfair: 'KICKFORMORE'
6 SCHLUSSFOLGERUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial des Fußballs als Medium für die politische Bildung, insbesondere bei Jugendlichen. Dabei wird analysiert, wie trotz bestehender Problemfelder wie Diskriminierung, Rassismus und Gewalt im Fußballkontext demokratische Grundwerte vermittelt werden können.
- Beziehung zwischen Sport und politischer Bildung
- Analyse der verschiedenen Fankulturen und ihrer sozialen Dynamiken
- Identifikation und Einordnung von Problembereichen im Fußball
- Vorstellung und Evaluation pädagogischer Fußballprojekte
Auszug aus dem Buch
4.1 Problembereich Diskriminierung
Der moderne Fußball wird oftmals als reine Männerdomäne angesehen, sowohl hinsichtlich der aktiven Spieler als auch mit Blick auf die Fankultur. Weibliche Profispieler sind besonders in den Ländern medial sowie zahlenmäßig unterrepräsentiert, in denen Fußball als wichtige (männliche) Nationalsportart gilt. (Vgl. u.a. Markovits/Hellerman, 2002) Laut FIFA gab es im Jahr 2007 weltweit etwa 265 Millionen aktive Fußballspieler, von denen nur 14% respektive 38 Millionen Frauen waren. (Vgl. Kunz, 2007, S. 10) In einigen Ländern ist der Bias aber umgekehrt und die weiblichen Profispielerinnen sind in der Überzahl. Ein Beispiel dafür ist die USA, in denen nicht Fußball, sondern Basketball und Baseball als Nationalsportarten gelten. (Vgl. u.a. Markovits/ Hellerman, 2002) Trotz dieser Tatsache und der Tendenz, dass die Zahl aktiver Spielerinnen kontinuierlich ansteigt, halten sich Frauenfeindlichkeit und Sexismus hartnäckig im Fußball. Von anzüglichen Kommentaren bis hin zu körperlichen Übergriffen müssen sich weibliche Fans und Fußballspielerinnen eine Vielzahl von sexuellen Diskriminierungen gefallen lassen. (Vgl. u.a. Hagel/Wetzel, 2002)
Die Journalistin Nicole Selmer hat in ihrer Recherche zu 'Watching the Boys Play - Frauen als Fußballfans' herausgefunden, dass weibliche Fans den Sexismus oftmals als solchen nicht wahrnehmen oder ihn schlichtweg akzeptieren. Ursächlich dafür ist, dass sie sich in der männlich dominierten Fankultur erst ihre Rolle als 'echter' Fan erkämpfen müssen. Gehen sie aber offensiv gegen sexuelle Diskriminierungen vor, positionieren sie sich gegen ihre Fangemeinschaft und verlieren ihre Akzeptanz wieder. Da dieses Risiko zu hoch wäre, unterwerfen sie sich den männlich dominierten Regeln. (Vgl. Selmer, 2004, S. 89ff.)
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die enge Verknüpfung von Sport und Politik und führt in die Fragestellung ein, inwiefern Fußball ein geeignetes Mittel für politische Bildung bei Jugendlichen darstellt.
2 WAS IST POLITISCHE BILDUNG?: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen politischer Bildung an deutschen Schulen und deren Zielsetzung, mündige Bürger und „Aktivbürger“ zu fördern.
3 DIE FANKULTUR IM FUßBALL - EINE ANNÄHERUNG: Hier wird die Heterogenität der Fankultur anhand soziologischer Kategorisierungen analysiert, um Anknüpfungspunkte für politische Bildungsarbeit zu finden.
4 KOMPETENZVERMITTLUNG DURCH FUßBALL: Das Kapitel befasst sich mit den dunklen Seiten des Fußballs wie Diskriminierung, Rassismus und Gewalt, die als Ausgangspunkte für pädagogische Interventionen dienen.
5 EXEMPLARISCHE FUßBALL- UND FANPROJEKTE: Es werden konkrete Praxisbeispiele wie 'Lernort Stadion' oder 'KICKFORMORE' vorgestellt, die den Fußball gezielt zur Demokratiebildung nutzen.
6 SCHLUSSFOLGERUNG: Die Schlussfolgerung resümiert, dass Fußball aufgrund seiner Popularität und Gruppendynamik ein großes, wenngleich noch unzureichend erforschtes Potenzial für die politische Bildung bietet.
Schlüsselwörter
Fußball, Politische Bildung, Fankultur, Diskriminierung, Rassismus, Gewaltprävention, Demokratiebildung, Jugendarbeit, Identitätsbildung, Lernort Stadion, KICKFORMORE, Sozialisation, Partizipation, Aktivbürger, Fanprojekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit untersucht die Rolle des Fußballs als Medium für die politische Bildung und analysiert, wie man die Begeisterung für den Sport nutzen kann, um demokratische Werte zu vermitteln.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Definition politischer Bildung, die verschiedenen Strukturen der Fankultur sowie die Problembereiche Rassismus, Sexismus, Diskriminierung und Gewalt im Fußball.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwieweit der Fußball ein geeignetes und probates Mittel zur Vermittlung demokratischer Grundwerte, insbesondere bei bildungsfernen oder politikverdrossenen Jugendlichen, darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, wertet existierende Konzepte zur politischen Bildung aus und vergleicht diese mit ausgewählten Fußball- und Fanprojekten, um die Forschungsfrage zu beantworten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Annäherung an Fankultur und politische Bildung, eine detaillierte Auseinandersetzung mit Problemen im Stadionkontext sowie die Analyse praktischer Bildungsinitiativen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie politische Bildung, Fußball, Demokratiebildung, Fanprojekte und soziale Integration beschreiben.
Was macht das Projekt 'Lernort Stadion' so besonders?
'Lernort Stadion' nutzt das Fußballstadion als "heiligen" Lernort außerhalb des schulischen Rahmens, um Jugendliche über ihre Leidenschaft für Fußball für gesellschaftspolitische Themen zu sensibilisieren.
Warum wird im Bereich der Gewaltprävention auch über Männlichkeitsrituale gesprochen?
Der Autor argumentiert, dass Gewalt im Fußball oft eng mit überzogenen Männlichkeitsritualen verknüpft ist, weshalb eine politische Bildung, die diese Identitätsbildung hinterfragt, hier besonders ansetzen muss.
- Citation du texte
- Eduard Ridiger (Auteur), 2016, Fußball als Mittel politischer Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351275