Diese Arbeit beschäftigt sich mit möglichen Beschaffungsstrategien für Stadtwerke in der Gaswirtschaft. Bedingt durch die Volatilität der Energiemärkte sowie sinkender Margen bei der Endkundenversorgung rückt die Erdgasbeschaffung zunehmend in den Fokus der Energieversorger. Zu Beginn wird auf die grundsätzliche Bedeutung des Energieträgers eingegangen und die Importabhängigkeit zu anderen Fördernationen aufgezeigt.
Anschließend beschreibe ich in Hinblick auf die Erdgasbeschaffung die bestehenden nationalen und europäischen Rahmenbedingungen und zeige zukünftige Entwicklungen auf. Nachfolgend erläutere ich die Funktionsweise des Erdgashandels in Deutschland und stelle die handelbaren Produkte dar. Weitere relevante Themen wie die Prognosemethoden und die Funktionsweise des Risikomanagements werden ebenfalls erläutert. Schlussendlich stelle ich die verschiedenen Beschaffungsmodelle vor und zeige die jeweiligen Vor- und Nachteile sowie die Eignung für ein Stadtwerk auf.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Bedeutung und Eigenschaften von Erdgas
2.1. Erdgasarten
2.2. Erdgasaufkommen und Importabhängigkeiten
2.3. Erdgasverbrauch
2.3.1. Verwendung und Einsatzzwecke
3. Nationaler Gasmarkt
3.1. Marktstruktur
3.1.1. Marktgebiete
3.1.2. Virtuelle Handelspunkte
3.2. Marktrollen
3.3. Rechtliche Rahmenbedingungen
4. Europäischer Gasmarkt
4.1. Energiebinnenmarkt
4.2. Netzkodizes
5. Gasbeschaffung und Portfoliomanagement
5.1. Funktionsweise Energiehandel
5.1.1. OTC-Handel
5.1.2. EEX Börsenhandel
5.1.3. ECC Clearinghaus
5.1.4. Handelbare Produkte
5.2. Prognose
5.2.1. Marktanalysen und Preisprognosen
5.2.2. Absatzprognosen
5.3. Risikomanagement
5.3.1. Risikoidentifizierung
5.3.2. Risikomessung
5.3.3. Risikolimitierung und -überwachung
5.3.4. Risikoreporting
5.4. Beschaffungsmethoden
5.4.1. Tranchenmodelle
5.4.2. Back-to-Back Beschaffung
5.5. Beschaffungsmodelle
5.5.1. Vollversorgung
5.5.2. Vertragsbewirtschaftung
5.5.3. Portfoliomanagement ohne eigene Handelsaktivität
5.5.4. Portfoliomanagement mit eigener Handelsaktivität
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Möglichkeiten der Erdgasbeschaffung für Stadtwerke in einem liberalisierten Markt, mit dem Ziel, Strategien zur Optimierung der Beschaffungskosten und zur Risikominimierung aufzuzeigen.
- Marktstruktur und rechtliche Rahmenbedingungen im Erdgasmarkt
- Funktionsweise des Energiehandels (Börse vs. OTC)
- Methoden zur Preis- und Absatzprognose
- Implementierung von Risikomanagementprozessen
- Analyse und Bewertung verschiedener Beschaffungsmodelle für Stadtwerke
Auszug aus dem Buch
5.1.1. OTC-Handel
Der außerbörsliche OTC-Handel kann unterschiedlich durchgeführt werden. Zum einen besteht die Möglichkeit Handelsgeschäfte auf bilateralem Wege abzuwickeln, d.h. die wesentlichen Vertragsbestandteile, wie der Lieferort (VHP), Lieferzeitraum, Liefermenge, Gasqualität und Preis, werden in direktem Kontakt zwischen zwei Handelspartnern ausgehandelt. Eine Alternative dazu bietet der brokergestützte Handel über eine elektronische Plattform. Der Broker stellt hierbei lediglich den elektronischen Handelsplatz zur Verfügung, auf welcher von Käufern und Verkäufern anonyme Gebote eingestellt und direkt Geschäfte miteinander geschlossen werden können. Für die Bereitstellung und Vermittlung bekommt er eine Dienstleistungsprovision vergütet. Der Vertragspartner ist in beiden Fällen der jeweilige Handelspartner, nicht der Broker. Bekannte Broker, welche im deutschen Gasmarkt zur Auswahl stehen, sind GFI, PREBON, ICAP und SPECTRON. Voraussetzung bei beiden Formen ist der Abschluss eines Händlerrahmenvertrags, welcher die rechtliche Grundlage für die Handelsgeschäfte bildet.
Ein weit verbreiteter Standard in Europa sind die EFFET-Rahmenverträge. Bei der Nutzung eines Brokers ist es jedoch erforderlich mit allen auf dieser Brokerplattform aktiven Händlern einen Rahmenvertrag abzuschließen, da erst nach Zustandekommen der Transaktion der Name des jeweiligen Handelspartners offengelegt wird. Die Umsetzung der Transaktion erfolgt schlussendlich als Buchung zwischen den jeweiligen Bilanzkreisen, in der Regel am Tag vor der physischen Lieferung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Liberalisierung des Gasmarktes ein und erläutert die Notwendigkeit für Stadtwerke, ihre Beschaffungsstrategien an das neue Marktumfeld anzupassen.
2. Bedeutung und Eigenschaften von Erdgas: Das Kapitel behandelt die technischen Grundlagen, Herkunft und Verwendung von Erdgas sowie die zunehmende Bedeutung von Biogas und Importabhängigkeiten.
3. Nationaler Gasmarkt: Hier werden die Marktstruktur, die verschiedenen Marktrollen und die relevanten rechtlichen Voraussetzungen in Deutschland detailliert beschrieben.
4. Europäischer Gasmarkt: Dieser Abschnitt erläutert die Bedeutung des Energiebinnenmarktes und die Rolle von Netzkodizes bei der Harmonisierung der europäischen Gasinfrastruktur.
5. Gasbeschaffung und Portfoliomanagement: Dieses Kernkapitel analysiert die Handelswege, Prognosemethoden, das Risikomanagement sowie die spezifischen Beschaffungsmodelle von der Vollversorgung bis hin zum aktiven Portfoliomanagement.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit für Stadtwerke, sich schrittweise hin zu einer strukturierten Beschaffung zu entwickeln, um im Wettbewerb zu bestehen.
Schlüsselwörter
Erdgasbeschaffung, Stadtwerke, Liberalisierter Gasmarkt, Portfoliomanagement, Risikomanagement, Handel, Energiebinnenmarkt, Bilanzkreis, Gaswirtschaft, OTC-Handel, EEX, Preisprognose, Absatzprognose, Marktrollen, Gasnetzzugang
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die veränderten Bedingungen für Stadtwerke im liberalisierten deutschen Gasmarkt und zeigt auf, wie diese durch moderne Beschaffungs- und Portfoliostrategien wettbewerbsfähig bleiben können.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die Marktstruktur, die rechtlichen Rahmenbedingungen auf nationaler und europäischer Ebene, sowie die operativen Aspekte der Gasbeschaffung und des Risikomanagements.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Stadtwerken einen Leitfaden zu bieten, um ihre Beschaffung zu optimieren, Marktchancen zu nutzen und gleichzeitig die komplexen Risiken professionell zu managen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine deskriptive und analysierende Vorgehensweise gewählt, bei der aktuelle Marktdaten, Gesetzesvorgaben und anerkannte Fachliteratur zur Bewertung der Beschaffungsmodelle herangezogen werden.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Handelsmöglichkeiten (EEX/OTC), Prognoseverfahren für Preise und Absatzmengen, sowie die detaillierte Darstellung und den Vergleich von vier spezifischen Beschaffungsmodellen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren das Dokument?
Schlüsselbegriffe wie Erdgasbeschaffung, Portfoliomanagement, Bilanzkreisverantwortung, Risikomanagement und Marktliquidität prägen die inhaltliche Ausrichtung.
Wie unterscheidet sich die Vollversorgung vom Portfoliomanagement?
Die Vollversorgung ist die einfachste Form mit geringem Aufwand, während das Portfoliomanagement hohe Anforderungen an das eigene Know-how, die IT-Systemlandschaft und das Risikomanagement stellt, dafür aber mehr Flexibilität und Marktpartizipation bietet.
Warum spielt die Prognosegüte bei der strukturierten Beschaffung eine so große Rolle?
Eine präzise Prognose ist essenziell, da Abweichungen zwischen der geplanten und der tatsächlich verbrauchten Gasmenge zu kostspieligen Ausgleichsenergiezahlungen führen, was den wirtschaftlichen Vorteil der strukturierten Beschaffung gefährden kann.
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- Christoph Doll (Author), 2014, Beschaffungs- und Portfoliostrategien für Stadtwerke im liberalisierten Gasmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351441