Zeugnisse über das Bild der Maria in den neutestamentlichen Apokryphen. Untersuchungen anhand ausgewählter Schriften


Studienarbeit, 2014

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis.

1. EINLEITUNG
1.1. Die Erklärung der Grundbegriffe
1.2. Die Entstehung der Evangelien. Die Kanonbildung

2. Die Kindheitsevangelien. Das Protevangelium des Jakobus
2.1. Kurze Erläuterung der Kindheitsevangelien
2.2. Grosse "Rolle" Mariens im Protevangelium des Jakobus

3. JÜNGERE KINDHEITSEVANGELIEN
3.1. Kurze Einführung
3.2. Auszüge aus dem arabischen Kindheitsevangelium
3.3. Auszüge aus dem Pseudo-Matthäusevangelium

4. BARTOHOLOMÄUSEVANGELIUM
4.1. Kurze Einleitung
4.2. Maria im Bartholomäusevangelium
4.3. Die Tugenden Mariens nach den Aposteln im Bartholomäusevangelium

5. CHRYSTLICHE SIBYLLINEN
5.1. Marias Bild

6. DIE APOKRYPHEN DER ENTSCHLAFUNG

7. DIE GNOSTISCHEN SCHRIFTEN. NAG-HAMMADI SCHRIFTEN
7.1. Kurze Erleuchtung

8. ZUSAMMENFASSUNG

9. Das Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG.

Viele Menschen stellen sich Fragen nach Dingen, die nicht in der Bibel beschrieben worden sind. Die Christen interessiert natürlich besonders die Person Jesu Christi und seiner Mutter.

Die Botschaft der neutestamentlichen Schrift ist nämlich für die meisten klar: die Erlösung durch das Leiden, den Tod und die Auferstehung Jesu. Darauf fokussieren sich auch die Evangelien. Es gibt aber auch sehr viele interessante Themen, die diese Schriften nicht genau oder sogar gar nicht beschreiben. Zum Beispiel ist nicht nur die Kindheit Mariens, sondern auch die von Jesus für uns verborgen geblieben. Auch der Tod von Maria ist in den Evangelien nicht beschrieben.

Durch die Berichte der Augenzeugen entstanden diese grossen und bedeutendsten Schriften, die den Kanon des Neuen Testamentes bilden. Später sind aber auch sehr bedeutende Dokumente über das Leben und Wirken Jesu Christi entstanden, die aber nicht häufig gelesen werden und auch nicht bekannt sind - nämlich die Apokryphen.

Man müsste sich also fragen, warum sind manche Schriften Bestandteil des Neuen Testaments, andere aber nicht - so wird in dieser Arbeit das Problem der Kanonbildung und der Begriff Kanon und der Begriff Evangelium betrachtet.

Das Hauptthema dieser Arbeit ist aber die Frage, wie Maria, die Mutter Gottes in den Apokryphen beschrieben ist und auch was diese Apokryphen sind. Diese Betrachtung betrifft nicht alle Apokryphen, sondern nur die, die über Maria, die Mutter Gottes, berichten. Auch hier werden nicht alle Schriften ganz genau beschrieben, sondern nur die, die vom Autor ausgewählt wurden - sie scheinen passend zu sein, um das Bild Mariens in den Apokryphen vorzustellen. Es gibt nämlich sehr viele einzelne Sätze in manchen apokryphen Schriften, so dass es unmöglich wäre in einer Arbeit sie alle ausführlich vorzustellen und zu analysieren.

1.1. Die Erklärung der Grundbegriffe.

Es ist notwendig solche Begriffe wie: Kanon, Evangelium, Apokryphen, Gnosis und Sibyllinen zu erklären, um die Handlung der Arbeit überhaupt verstehen zu können. Die beiden ersten Begriffe werden später ausführlich beschrieben, hier werden nur die übrigen erklärt.

"Apokryphen ( altgr. ἀπόκρυφος apokryphos ,verborgen‘; Plural ἀπόκρυφα apokrypha)sind „geheime“ Schriften, die nicht in den Bibelkanon gelangten, aber dem Titel bzw. der angebli. Herkunft nach (…) dahin zu gehören beanspruchen (…) in altkirchl. Verständnis sowie häretisch (gnostisch).

Die Apokryphen des Alten Testamentes stammen z.T. aus dem hellenistischen Judentum Ägyptens, wie Arist, 3 u. 4 Makk, 3 Esra, slHen, Sib, OrMan, teils aus Syrien wie grBar od. Palästina, so PsSal, 4 Esra, syrBar, etc.

Die Apokryphen des Neuen Testamentes – in der Regel griechisch, später lateinisch und in anderen Sprachen – folgen den literarischen Gattungen des Neuen Testamentes: Evangelien, (…) Apostelgeschichten, Briefe und Apokalypsen[1]

Nach verschiedenen Literaturformen kann man die Apokryphen des Neuen Testaments einteilen, so ergeben sich:

1) Die apokryphen Evangelien - sie sind an der Stelle der kanonischen Evangelien oder sind eine Erweiterung von denselben.
2) Die pseudepigraphischen Briefe - die Briefe, die meistens unter dem Namen der Apostel auftreten wollen, um mehr Autorität zu gewinnen.
3) Die apokryphen Apostelgeschichten - diese sind eine Ergänzung zum Neuen Testament, sie betrachten das Leben der Apostel Sehr beliebt waren zu dieser Zeit auch die Apokalypsen, eine literarische Gattung, die sich mit der Endzeit befasst.[2]

"Gnosis (von altgriechisch γνῶσις: gnō̂sis: „[Er-]Kenntnis“) oder Gnostizismus ( latinisierte Form des griechischen γνωστικισμός: gnōstikismós) ursprünglich das rationale Erfassen von Sachverhalten durch Einsicht, bez. In spätantiker Zeit zunehmend ein heilsrelevantes Arkanwissen, wie es vor allem die Mysterienkulte vermittelten. In diesem Sinne einer erlösenden Erkenntnis repräsentiert Gnosis ein universales religionsgesch. Phänomen, das u.a. im ind. Vedanta, der griech. Orphik, dem islam. Sufismus, der jüd. Kabbala u. der modernen Theosophie v. Bedeutung ist.[3] Im 2. und 3. Jh. ist mit dem Begriff Gnosis die Bewegung der Christen verbunden, die andere Religionen und Erkenntnisse mit dem Christentum haben verbinden wollen (Synkretismus). Sie haben ganz stark die Bosheit der Welt gegenüber dem guten Gott betont (Dualismus – Finsterniswelt und Lichtreich). Viele apokryphische Schriften sind im Sinne Gnosis geschrieben.[4]

Die Sybillinen - sind jüdisch-christliche apokryphe Bücher, die in der griechischen Sprache vom 2.Jh.v.Chr. bis 4.Jh.n.Chr. verfasst wurden. Die Bücher wurden durch die römische Literatur inspiriert. Sie befassen sich mit der Apologie des Monotheismus und den Prophezeiungen des kommenden Messias. Sie enthalten 14 Bücher.[5]

1.2. Die Entstehung der Evangelien. Die Kanonbildung.

Nach dem Tod Jesu Christi (etwa um 30 n. Chr.) wurde seine Lehre nur mündlich von den Augenzeugen in den Predigten und auch schriftlich (Spruchquelle - sog. Q - Quelle) weitergegeben. Es wurden aber noch keine Evangelien geschrieben. Erst etwa in den 70er Jahren des 1.Jh.n.Chr. entstanden die ersten Evangelienbücher. Es war notwendig, die Lehre Jesu aufzuschreiben, weil die Christen schon bald in der ganzen römischen Welt existierten. So entstanden die Heiligen Bücher. Man müsste sich aber fragen, warum genau die vier Evangelien und nicht (auch) andere zum Kanon des Neuen Testamentes hinzugefügt wurden?

Etwa um 150 in Rom bezeugt Justin, dass die Evangelien (wahrscheinlich ohne Johannesevangelium) kanonisch sind (sind für alle Christen geltend, an sie muss man sich halten, nur sie sagen die Wahrheit über Jesus Christus und geben Seine Botschaft unverändert weiter). Die vierfache Überlieferung verursachte im 4.Jh. eine Auseinandersetzung zwischen den damaligen Theologen. So versuchte Tatian eine Version der Vier zusammenzustellen, aber die Wende vom 2. zum 3.Jh. brachte Klarheit - es werden 4 Evangelien als kanonisch gelten. Für die grossen Kirchenväter der damaligen Zeit wie Irenäus, Tertullian oder Clemens von Alexandrien waren kanonisch: 4 Evangelien, 13 Paulusbriefe, 1.Petrusbrief, 1.Johannesbrief, die Apostelgeschichte (von Lukas), die Johannesapokalypse.[6]

Man muss sich aber bewusst machen, dass die Entwicklung der Kanonbildung unterschiedlich im Osten als im Westen war.

Bis ins 4.Jh. wurden in manchen Gemeinden im Osten solche Schriften, wie: der Barnabasbrief, die Petrusapokalypse oder die Didaché als kanonisch angesehen. Um die lügnerischen (falschen) Bücher aus dem Kanon auszuschliessen, hat Origenes eine Einteilung der Schriften gemacht. Nach ihm gibt es allgemeine anerkannte Schriften; die lügnerischen Schriften; die Schriften mit bezweifelter Echtheit und Apostolizität.

Athanasius von Alexandrien macht aber in seinem Osterbrief von 365 kund, dass der Kanon 27 Bücher zählt. Dies bedeutet, dass der Kanon in der Mitte des 4.Jh. bestand. Wirkliche Durchsetzung aber erfolgte im Osten erst bis zum 9.Jh. (die 7 katholischen Briefe - 5,6 Jh; die Offenbarung des Johannes - 9 Jh.). Die römisch-katholische Kirche stellte den Kanon erst in Folge des Tridentinum endgültig fest (als Antwort auf die Reformation).[7]

2. Die Kindheitsevangelien. Das Protevangelium des Jakobus.

2.1. Kurze Erläuterung der Kindheitsevangelien.

Für die Christen ist das Christusgeschehen das Zentrale, wenn es um ihren Herrn geht. Keines der 4 Evangelien berichtet (deswegen?) über die Kindheit Jesu Christi. Nur bei Matthäus und bei Lukas findet man Informationen über die Geburt Jesu, die Beschneidung des Knaben, die Flucht nach Ägypten und die letzte lakonische Information - der zwölfjährige Jesus im Tempel (die Erfüllung des Priestertums). Die beiden haben es berichtet, um eine Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen Testament deutlich zu zeigen (Stammbaum Jesu, Haus Davids, Messias aus Betlehem).

Verschiedene christliche Autoren wollten wegen Mangel an Informationen über die Kindheit Jesu darüber berichten. So entstanden die Kindheitsevangelien (sind fast von keiner theologischen Bedeutung). Sie sollen auch die Geburt Mariens und die Frage der Jungfräulichkeit klarmachen. Auch "das Problem" der Brüder Jesu wird in den Kindheitsevangelien gelöst - Josef habe die Kinder aus früherer Ehe gehabt - jetzt sei er ein Witwer. Die Erzählungen sind so interessant, dass sie eine grosse Wirkung auf die Literatur im Mittelalter und in der Renaissance gehabt haben.[8]

2.2. Grosse "Rolle" Mariens im Protevangelium des Jakobus.

Das "Evangelium" wurde in der griechischen Sprache um 150 verfasst. Der Autor nennt sich Jakobus, der Bruder Jesu (Sohn Josefs aus der ersten Ehe). Das Werk dient der Verherrlichung Marias und wurde in schöner, literarischer Sprache geschrieben.

Aus den ersten Zeilen können wir erfahren, dass Marias Eltern Joachim und Anna heissen. Sie sind reich und fromm, aber können keine Kinder haben. Die jüdische Tradition hat damals behauptet, wer Kinder hat, sei gerecht. Keine Nachkommenschaft wurde als Strafe Gottes gesehen. So ist es auch mit Joachim und Anna, die diese Schande nicht ertragen können, weil sie aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, so darf zum Beispiel Joachim die Opfergaben für den Herrn nicht als erster darbringen, da er nicht würdig sei:

"(...) Joachim ein sehr reicher Mann und er brachte alle seine Opfergaben für den Herrn doppelt; (...) auch Rubel [Ruben], der sagte: "Es ziemt dir nicht, deine Opfergaben als erster darzubringen, denn du hast in Israel keine Nachkommen erzeugt."[9]

Joachim erfüllt mit Traurigkeit denkt an Abraham und geht in die Wüste, wo er 40 Tage und Nächte fastet und um Nachkommen bittet. Auch bittet seine Frau um Nachkommen, sie erhebt ein Klagelied, denkt an Abrahams Frau Sara, die auch sehr lange keine Kinder kriegen konnte.

"Und siehe, ein Engel des Herrn trat zu ihr und sprach: "Anna, Anna, der Herr hat deine Bitte erhört. Du wirst empfangen und gebären und deine Nachkommenschaft wird in der ganzen Welt genannt werden." Da sprach Anna: "So wahr der Herr, mein Gott lebt, wenn ich gebären werde, sei es ein Knabe oder ein Mädchen, so will ich es dem Herrn, meinem Gott, als Opfergabe darbringen (...)"[10]

Selbst das Protevangelium des Jakobus weist also auf die Zusammenhänge mit den Geschichten aus dem Alten Testament hin. Das Motiv ist also schon bekannt, die frommen und Gott nahe Menschen können lange keine Kinder haben, so erging es mit: Abraham und Sara (Gen 18, 10-15); Anna und ihr Kind Samuel (1 Sam 1-20); auch die Geschichte des Zacharias und seiner Frau Elisabeth ist uns bekannt (Lk 1, 6-7).

Das Kind, das auf (oft) wundersame Weise geboren wird, wird in der Zukunft eine grosse Rolle im Heilsplan Gottes spielen, so auch Maria, die dem Herrn im Tempel geweiht wird.[11]

Anna gebar nach 9 Monaten ein Mädchen, das nannte sie Maria.

"Das Kind wurde nun von Tag zu Tag kräftiger; als es sechsmonatig war, stellte es seine Mutter zu Boden, um in Erfahrung zu bringen, ob es schon stehen könne. Und es machte sieben Schritte und gelangte an den Schoss seiner Mutter."[12]

Am ersten Geburtstag des Kindes veranstaltet Joachim ein Fest für das Kind. Es kommen die Hohenpriester und die Schriftgelehrten mit anderen Priestern, die das Kind segnen. Das Kind soll nach den Bitten der Priester ein ewig berühmter Namen unter den Menschen haben.

Indessen wird Maria 2 Jahre alt und soll im Tempel dem Herrn geweiht werden, aber auf die Bitten von Anna entscheidet Joachim, dass das Kind dafür etwas älter sein sollte (eine Parallele zu Samuel, der ebenfalls im Tempel Gott übergeben wurde).

Der Priester im Tempel begrüsst Maria mit Worten:

"Der Herr hat deinen Namen gross gemacht unter allen Geschlechtern; an dir wird der Herr am Ende der Tage seine Erlösung für die Söhne Israels offenbaren!" Und er setzte es auf die dritte Stufe des Altars, und Gott (...) legte Anmut auf das Kind, und es tanzte vor Freude mit seinen Füsschen (...)"

[...]


[1] LThK, S. 824-825. B. 1.

[2] vgl. Weidinger, Erich: Die Apokryphen. S. 394.

[3] LThK, S. 802, 803. B.4.

[4] vgl. siehe oben

[5] vgl. Świderkówna, Anna: Bogowie zeszli z Olimpu, S. 290.

[6] vgl. Weidinger, Erich: Die Apokryphen. S. 395.

[7] vgl. ebd. S. 396.

[8] vgl. ebd. S. 426 und 427.

[9] Schneemelcher, Wilhelm: Neutestamentliche Apokryphen. S. 338.

[10] Ebd, S. 340.

[11] vgl. Weidinger, Erich: Die Apokryphen. S. 428, 429.

[12] Schneemelcher, Wilhelm: Neutestamentliche Apokryphen. S. 340, 341.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Zeugnisse über das Bild der Maria in den neutestamentlichen Apokryphen. Untersuchungen anhand ausgewählter Schriften
Hochschule
Theologische Hochschule Chur
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V351470
ISBN (eBook)
9783668391970
ISBN (Buch)
9783668391987
Dateigröße
1262 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Apokryphen, Mutter Gottes, Kirchengeschichte, Jesus, Neues Testament
Arbeit zitieren
Marcin Piergies (Autor:in), 2014, Zeugnisse über das Bild der Maria in den neutestamentlichen Apokryphen. Untersuchungen anhand ausgewählter Schriften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351470

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