Die vorliegende Arbeit ist ein problemorientierter Unterrichtsentwurf im Fach Geschichte für die Sekundarstufe II. Gegenstand ist die Rolle der Kirche in der DDR. Exemplarisch werden alle Punkte eines Langentwurfs durchgespielt. Didaktische Analyse inkl. didaktischer Reduktion, Begründung der Material- und Themenauswahl, Beschreibung der Lerngruppe, Einordnung der Stunde in die Gesamtreihe, methodische und fachwissenschaftliche Analyse.
Inhaltsverzeichnis
I. Reihenplanung
II. Stundenplanung
II.1. Arbeitsergebnisse
II.2. Tabellarischer Unterrichtsverlauf
II.3. Bemerkungen zur Lerngruppe
II. 4. Didaktische und fachwissenschaftliche Analyse
II. 5. Methodische Analyse
III. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Rolle der Kirche in der DDR der 1980er Jahre anhand eines konkreten Unterrichtsentwurfs für die gymnasiale Oberstufe zu beleuchten und dabei das Spannungsfeld zwischen staatlicher Anpassung und Solidarität mit der Friedensbewegung zu analysieren.
- Die Kirche als einzig unabhängige Institution in der DDR.
- Das Spannungsfeld zwischen staatlicher Repression und friedlichem Widerstand.
- Methodische Gestaltung von Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe II.
- Analyse historischer Zeitzeugenberichte als Unterrichtsmaterial.
- Die Ambivalenz kirchlichen Handelns im SED-Staat.
Auszug aus dem Buch
Kirche, Staat und Friedensbewegung – Ein Zeitzeugenbericht
Die Kirche hatte sich Freiräume gegenüber dem Staat erkämpft, die sonst keiner Institution in der DDR zugestanden worden waren. Das tat sie natürlich vor allem, um in den Gemeinden ungehindert und ohne staatliche Zensur das Evangelium verkünden zu können. Der Staat versuchte in den siebziger Jahren, alle Veranstaltungen, die über Gottesdienste, Bibelstunden und dergleichen hinausgingen, unter seine Kontrolle zu bekommen. Man wollte die Kirche auf die Rolle einer Kultkirche begrenzen, die sich nicht um gesellschaftliche oder politische Probleme kümmerte.
Dass die evangelische Kirche sich diesem Ansinnen des Staates nicht beugte, schuf der Kirche auch die Möglichkeit, insbesondere in den achtziger Jahren vielen Initiativen und Basisgruppen einen Schutzraum zu bieten, die gegen die (atomare) Aufrüstung und die Einführung des Wehrunterrichts in der DDR und im Ostblock demonstrierten. Michael Ulrich, in den 1980er Jahren Pfarrer in Dresden, erzählt hierzu eine Geschichte: „Am 13. Februar, dem Jahrestag der Zerstörung Dresdens, kam es 1982 zu einer ungewöhnlichen Aktion. Johanna Kalex, eine damals siebzehnjährige, friedenspolitisch engagierte Dresdenerin wurde von einem Bekannten, der an einer polnischen Wallfahrt teilgenommen hatte, zu dieser Aktion inspiriert. Er hatte davon erzählt, wie sie an einer alten Kirchenmauer ein großes Kreuz aus Kerzen und Blumen gemacht hatten. Johanna Kalex erzählte später: Nach diesem Bericht fing ich an Flugblätter zu schreiben. Erst habe ich so dreißig, vierzig Stück gemacht, bin mit denen auf die Straße gerannt und habe angefangen, sie zu verteilen. Mit dem letzten Flugblatt bin ich wieder hin zu dem Freund, die Geschichte mit der Wallfahrt erzählt hatte. Und als ich wieder zurück nach Hause ging bekam ich [...] ein Flugblatt in die Hand gedrückt, mit meinem Text, aber nicht von mir geschrieben. Da hatte bereits jemand innerhalb von vier Stunden das, was da unter meinem Flugblatt stand, wörtlich genommen, nämlich: lesen, abschreiben, weitergeben.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Reihenplanung: Dieses Kapitel verortet die Unterrichtsreihe im Lehrplan und bietet eine historische Kontextualisierung der DDR-Gesellschaft sowie der Rolle der evangelischen Kirche in den 1980er Jahren.
II. Stundenplanung: Hier wird der konkrete Entwurf für eine Unterrichtsstunde inklusive Zielsetzung, Zeitzeugenbericht und Arbeitsaufträgen präsentiert.
II.1. Arbeitsergebnisse: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Lerngruppe zusammen, insbesondere das Spannungsfeld zwischen dem Schutzraum Kirche und staatlicher Repression.
II.2. Tabellarischer Unterrichtsverlauf: Eine übersichtliche Darstellung der geplanten Unterrichtsphasen mit den entsprechenden Zeitansätzen, Sozialformen und Medien.
II.3. Bemerkungen zur Lerngruppe: Eine Analyse der Zusammensetzung und der Lernvoraussetzungen des Geschichtsleistungskurses sowie daraus abgeleitete methodische Konsequenzen.
II. 4. Didaktische und fachwissenschaftliche Analyse: Dieses Kapitel begründet die Auswahl des Themas, die Einordnung in den Lehrplan sowie die wissenschaftliche Relevanz der Fallbeispiele.
II. 5. Methodische Analyse: Beschreibung der angewandten Lehr- und Lernmethoden, insbesondere der „Ich-Du-Wir“-Struktur, und deren Eignung für die spezifische Lerngruppe.
III. Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur zur historischen Einordnung und didaktischen Gestaltung.
Schlüsselwörter
DDR, evangelische Kirche, Friedensbewegung, 1980er Jahre, SED, staatliche Repression, Schutzraum, Zeitzeugenbericht, Unterrichtsentwurf, Geschichtsunterricht, Widerstand, Anpassung, politischer Umbruch, DDR-Alltag, gesellschaftliche Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle der evangelischen Kirche in der DDR der 1980er Jahre und untersucht anhand eines Unterrichtsentwurfs, wie diese Institution im Spannungsfeld zwischen staatlicher Anpassung und Unterstützung der Friedensbewegung agierte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die DDR-Gesellschaft der 80er Jahre, das Verhältnis von Staat und Kirche, Formen zivilgesellschaftlichen Widerstands, die Rolle der Stasi sowie die didaktische Vermittlung dieser komplexen historischen Prozesse im Geschichtsunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Schülern zu vermitteln, wie die Kirche einerseits als notwendiger Kompromisspartner des Staates agierte (Anpassung) und andererseits als Schutzraum für oppositionelle Friedensgruppen fungierte (Widerstand).
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Primärquellen, insbesondere Zeitzeugenberichten, in Kombination mit einer fachdidaktischen Reflexion und der Erstellung eines unterrichtspraktischen Verlaufsplans.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche historische Analyse der Rolle der Kirche und die methodisch-didaktische Aufbereitung für den Unterricht, inklusive der Begründung der Materialauswahl und der Berücksichtigung der Lerngruppen-Heterogenität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie DDR, Kirche, Friedensbewegung, Schutzraum, Repression, Unterrichtsentwurf und Widerstand charakterisiert.
Warum spielt die Person Johanna Kalex eine besondere Rolle im Entwurf?
Johanna Kalex dient als Identifikationsfigur für die Schüler, da sie zum Zeitpunkt der Ereignisse etwa so alt war wie die Schüler im Leistungskurs, was das Verständnis für die zivilgesellschaftliche Initiative in der DDR erleichtert.
Welchen Zweck erfüllt der "Schutzraum Kirche" laut dieser Arbeit?
Er ermöglichte es gesellschaftlich engagierten Gruppen, sich unter kirchlicher Obhut zu treffen, ihre Meinung zu äußern und friedliche Aktionen zu planen, ohne sofort staatlicher Verfolgung oder Inhaftierung ausgesetzt zu sein.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis der Kirche zum Staat?
Der Autor zeichnet das Bild einer „Gratwanderung“, bei der die Kirche einerseits mit staatlichen Organen verhandeln musste, um Freiräume zu wahren, andererseits jedoch unverzichtbar als unabhängige Stimme für Friedensaktivisten war.
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- Christian Hüsch (Author), 2014, Die Kirche in der DDR in den 1980er Jahren. Anpassung an den Staat oder Solidarität mit der Friedensbewegung? (Geschichte, Sek. II), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351511