Preis für Qualität in der Medizin. Qualitätsmanagement in der Medizin aus der BWL-Sicht


Diskussionsbeitrag / Streitschrift, 2017
6 Seiten

Leseprobe

1. Einleitung:

In dem GBA-Beschluss über eine Qualitätsmanagement-Richtlinie vom 15.11.16 werden die Qualitätsmanagement und Risikomanagement bzw. die Patientensicherheit eng miteinander verknüpft und die Grundlage für die zusätzliche Vergütung von QM-Maßnahmen in den Krankenhäusern formuliert [1].

Somit wird auch ein zusätzlicher finanzieller Anreiz geschaffen die Qualität der medizinischen Versorgung weiter zu verbessern. Obwohl die konkreten Vereinbarungen noch nicht getroffen worden sind, wäre es wichtig im Voraus die Höhe des maximalen Preises für die Qualität im Gesundheitswesen zu diskutieren.

In der Wirtschaft ist das Qualitätsmanagement seit Jahrzehnten eines der zentralen Themen. Deswegen wäre es wichtig nicht nur die ausgereifte Methodologie, sondern auch die Entwicklungsergebnisse und den aktuellen Stand des Qualitätsmanagements in diesem Sektor zu berücksichtigen.

Wie die Verbraucher aus eigener Erfahrung wissen, wird in der Industrie und im Handel zunehmend eine nicht 100%-ge Qualität durch Ausbau des Servicebereichs kompensiert (problemloser Umtausch, Reparaturen auf Garantie usw.). Da in der Medizin ein ähnliches Vorgehen auf ethische Grenzen stoßen wird, muss im Voraus eine Frage beantwortet werden: „wie viel Qualität in der Medizin ist aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt möglich und sinnvoll?“.

2. Begriffe und Definitionen

Als Qualität bezeichnet man den Grad, in dem ein Satz von Qualitätsmerkmalen bestimmte Anforderungen erfüllt. Qualität ist damit der "Erfüllungsgrad" von Eigenschaften und Merkmalen eines Produktes oder einer Dienstleistung, also das Ausmaß, in dem vorgegebene Erfordernisse erfüllt werden [2]

Qualität im Gesundheitswesen bedeutet eine ausreichende und zweckmäßige, d. h. patienten- und bedarfsgerechte, an der Lebensqualität orientierte, fachlich qualifizierte, aber auch wirtschaftliche medizinische Versorgung mit dem Ziel, die Wahrscheinlichkeit erwünschter Behandlungsergebnisse bei Individuen und in der Gesamtbevölkerung zu erhöhen [3].

Diese Anforderungen an die Einrichtungen im Gesundheitswesen werden auch durch diverse Richtlinien, Empfehlungen und Gesetzte untermauert. Wobei diese Grundlagen sehr vielfältig und oft nicht aufeinander abgestimmt sind [2]. Das bringt einerseits eine gewisse Unsicherheit und erschwert die Umsetzung, lässt aber andererseits relativ viel Spielraum für die praktische Umsetzung.

Die in der Industrie angewandten Begriffe wie „Organisation“, „Kunde“, „Produkt“ und „Dienstleistung“ lassen sich nicht eins-zu-eins auf das Gesundheitswesen übertragen.

Die Norm DIN EN ISO 9000:2005 definiert einen Kunden als "Organisation oder Person, die ein Produkt – oder eine Dienstleistung – empfängt"

Dabei werden die 3 Kundengruppen unterschieden:

- Der eigentliche Kunde: Patienten und Klienten. Sie erhalten die Leistung, die den eigentlichen Zweck der Einrichtung darstellt.
- Der Systempartner: Darunter fallen alle Personen und Organisationen, die zum erfolgreichen Bestehen der Einrichtung beitragen (kooperierende Einrichtungen, Zuweiser, Angehörige, Kostenträger, …)
- Der interne Kunde: alle internen Leistungen in einer Einrichtung haben auch einen internen Adressaten, der die Arbeitsergebnisse weiterverwendet (Labor, andere Abteilung)[2].

Bei Analyse dieser Definitionen wird es klar, dass die medizinischen Einrichtungen in einem essentiellen Interessenkonflikt zwischen ihrer Kundengruppen verwickelt sind:

Die Patienten sind daran interessiert „die Wahrscheinlichkeit erwünschter Behandlungsergebnisse“ im Idealfall auf 100% zu erhöhen.

Die Systempartner kann man wiederum in 2 Gruppen unterteilen:

- Kooperierende Einrichtungen, Zuweiser und Angehörigen
- Kostenträger

Wenn für die erste Untergruppe zusammen mit den internen Kunden die „Eigenschaften und Merkmalen eines Produktes oder einer Dienstleistung“ sowie die klar definierte Schnittstellen und Abläufe die wichtigste Rolle spielen, steht für die Kostenträger zunehmend die Wirtschaftlichkeit, bzw. „pay for performance“ im Vordergrund. Dabei wird die Qualität der erbrachten Leistungen als ein Kriterium in die Vergütung einbezogen [4].

Es handelt sich dabei um den klassischen Zielkonflikt zwischen Qualität und Kosten. Im nächsten Abschnitt wird ein Versuch unternommen diesen Konflikt im Kontext des Gesundheitswesens zu analysieren. Dabei muss unbedingt beachtet werden, dass aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine bestmögliche Qualität (100%) nicht kostenoptimal ist [6].

3. Zielkonflikt zwischen Qualität und Kosten in der Medizin

In der BWL wird zur Analyse dieses Konfliktes wird eine Qualitätskostenkurve angewendet. Die Kosten für die Qualität ergeben sich aus Fehlerkosten, Fehlervorbeugekosten und Prüfkosten (Abb. 1).

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Preis für Qualität in der Medizin. Qualitätsmanagement in der Medizin aus der BWL-Sicht
Autor
Jahr
2017
Seiten
6
Katalognummer
V351673
ISBN (eBook)
9783668383272
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Qualitätsmanagement, Medizin, Qualität der Medizin
Arbeit zitieren
Dr. Matvei Tobman (Autor), 2017, Preis für Qualität in der Medizin. Qualitätsmanagement in der Medizin aus der BWL-Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351673

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