In dem GBA-Beschluss über eine Qualitätsmanagement-Richtlinie vom 15.11.16 werden die Qualitätsmanagement und Risikomanagement bzw. die Patientensicherheit eng miteinander verknüpft und die Grundlage für die zusätzliche Vergütung von QM-Maßnahmen in den Krankenhäusern formuliert. Somit wird auch ein zusätzlicher finanzieller Anreiz geschaffen die Qualität der medizinischen Versorgung weiter zu verbessern.
Obwohl die konkreten Vereinbarungen noch nicht getroffen worden sind, wäre es wichtig im Voraus die Höhe des maximalen Preises für die Qualität im Gesundheitswesen zu diskutieren. In der Wirtschaft ist das Qualitätsmanagement seit Jahrzehnten eines der zentralen Themen. Deswegen wäre es wichtig nicht nur die ausgereifte Methodologie, sondern auch die Entwicklungsergebnisse und den aktuellen Stand des Qualitätsmanagements in diesem Sektor zu berücksichtigen.
Unter anderem beantwortet der Text die folgende Frage: „Wie viel Qualität in der Medizin ist aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt möglich und sinnvoll?“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffe und Definitionen
3. Zielkonflikt zwischen Qualität und Kosten in der Medizin
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Publikation
Die vorliegende Arbeit untersucht den inhärenten Zielkonflikt zwischen der stetigen Steigerung der medizinischen Versorgungsqualität und dem ökonomischen Kostendruck im Gesundheitswesen. Ziel ist es, die wirtschaftliche Machbarkeit und Sinnhaftigkeit von Qualitätsanforderungen kritisch zu hinterfragen und die Herausforderungen bei der Implementierung von Qualitätsmanagement-Richtlinien unter den gegebenen finanziellen Rahmenbedingungen aufzuzeigen.
- Analyse der Übertragbarkeit industrieorientierter Qualitätsbegriffe auf medizinische Einrichtungen
- Differenzierung der Kundengruppen im Gesundheitswesen (Patienten, Systempartner, interne Kunden)
- Untersuchung der Qualitätskostenkurve und deren Bedeutung für medizinische Leistungserbringer
- Evaluation des Spannungsfeldes zwischen Vergütungskriterien, Wirtschaftlichkeit und Patientenrechten
- Diskussion über die Grenzen marktwirtschaftlicher Methoden im Krankenhausmanagement
Auszug aus dem Buch
3. Zielkonflikt zwischen Qualität und Kosten in der Medizin
In der BWL wird zur Analyse dieses Konfliktes wird eine Qualitätskostenkurve angewendet. Die Kosten für die Qualität ergeben sich aus Fehlerkosten, Fehlervorbeugekosten und Prüfkosten (Abb. 1).
Die Wachstumsgeschwindigkeit der Prüfungskosten und Vorbeugekosten in der Medizin kann man an den wachsenden Personalkosten von Controlling- und QM-Abteilungen feststellen. Dazu kommen auch Dokumentenvorbereitung für MDK-Prüfungen, Zertifizierungen, Audits usw. Unter Fehlerkosten kann die Aufarbeitung tatsächlich eingetretener Probleme, wie Behandlung von Komplikationen und gerichtlichen Auseinandersetzungen bei Verdacht auf Behandlungsfehler, verstehen.
Aus diesem Blickwinkel kann behauptet werden, dass es bei den im GBA-Beschluss angesprochenen Entgelte für einrichtungsübergreifenden Fehlermeldesysteme um die Fehlervorbeugungskosten handelt. Das Gleiche gilt für P4P-Ansatz. Stetige Verbesserung der Qualität führt in der längeren Perspektive, betriebswirtschaftlich gesehen, zu Kostensteigerung, sodass sich die tatsächliche Qualität sich auf dem Niveau der geringsten Kosten einpendelt.
Die aktuelle Situation im Gesundheitswesen ist dadurch gekennzeichnet, dass die Qualitätsanforderungen klar formuliert und immer weiter verfeinert werden. Die entsprechenden Entgelte sind jedoch nur in Aussicht gestellt. Somit müssen die Umsetzungsmaßnahmen durch die medizinischen Einrichtungen selbst finanziert werden. Das erschwert wiederum die Implementierung der QM-Richtlinien und bremst die tatsächliche Verbesserung der Qualität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Kontext der Qualitätsmanagement-Richtlinien im Gesundheitswesen und wirft die zentrale ökonomische Frage nach der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit von Qualitätszielen auf.
2. Begriffe und Definitionen: Hier werden fachliche Termini definiert und die spezifischen Kundengruppen im Gesundheitswesen identifiziert, um die Grundlage für die Analyse des Interessenkonflikts zu schaffen.
3. Zielkonflikt zwischen Qualität und Kosten in der Medizin: Dieses Kapitel analysiert das Spannungsfeld zwischen Qualitätssteigerung und Kostendruck mittels der Qualitätskostenkurve und beleuchtet die finanziellen Risiken für Leistungserbringer.
4. Fazit: Das Fazit fordert eine gesicherte Finanzierung von Qualitätsmaßnahmen und eine breite öffentliche Debatte über die Möglichkeiten und Grenzen des Qualitätsmanagements in der Medizin.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, Gesundheitswesen, Risikomanagement, Patientensicherheit, Qualitätskosten, Fehlerkosten, Wirtschaftlichkeit, Pay for Performance, Patientenrechtegesetz, Krankenhausmanagement, Zielkonflikt, Versorgungsqualität, Kostendruck, Qualitätskostenkurve, medizinische Versorgung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ökonomischen und ethischen Herausforderungen bei der Implementierung von Qualitätsmanagement-Maßnahmen in medizinischen Einrichtungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Qualitätskosten, die Differenzierung der Kundengruppen im Gesundheitswesen und der Konflikt zwischen medizinischen Qualitätsanforderungen und wirtschaftlicher Effizienz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die finanzielle Machbarkeit einer 100%-igen Qualität in der Medizin zu hinterfragen und die Barrieren bei der Umsetzung geltender QM-Richtlinien zu identifizieren.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Die Arbeit nutzt betriebswirtschaftliche Analysemodelle, insbesondere die Qualitätskostenkurve, um die Auswirkungen von QM-Maßnahmen auf die Kostenstruktur von Krankenhäusern zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Erwartungen von Patienten, Systempartnern und Kostenträgern sowie die Auswirkungen steigender Prüf- und Fehlerkosten auf die medizinische Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Qualitätsmanagement, Gesundheitswesen, Zielkonflikt, Patientenrechtegesetz und Wirtschaftlichkeit.
Wie unterscheiden sich interne von externen Kunden im Krankenhaus?
Interne Kunden sind Adressaten innerhalb einer Einrichtung, die Arbeitsergebnisse weiterverwenden (z.B. Labore), während Patienten die eigentlichen Leistungsempfänger sind.
Warum sind marktwirtschaftliche Methoden in der Medizin nur begrenzt anwendbar?
Weil der Fokus auf Gewinnerzielung oder Kostenminimierung bei strikter Anwendung in der Medizin negativ mit der Behandlungsqualität und der Erfüllung hoher Qualitätsstandards kollidiert.
Welchen Einfluss hatte das Patientenrechtegesetz auf die Thematik?
Das Gesetz führte zu einer Sensibilisierung für Patientenrechte und Behandlungsfehler, was statistisch zu einem Anstieg der gemeldeten Behandlungsfehlerfälle und damit zu höheren Fehlerkosten führte.
- Citar trabajo
- Dr. Matvei Tobman (Autor), 2017, Preis für Qualität in der Medizin. Qualitätsmanagement in der Medizin aus der BWL-Sicht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351673