Das Tuch ist eines der grundlegendsten Kleidungsstücke, dank seiner Einfachheit kann es vielfältig verwendet werden. Unter dem Schlagwort Kopftuch kam das Tuch in den letzten Jahren verstärkt als Symbol in den Blick und wurde Teil einer gesellschaftlichen Debatte. In der Diskussion wurde aber zumeist die Vielzahl an Bedeutungen übersehen, die das Tuch für seine TrägerInnen haben kann. Vor diesem Hintergrund möchte ich in meiner Masterarbeit eine Tuchkollektion entwerfen und produzieren. Auch aufgrund meiner Familiengeschichte ist die lokale Produktion dabei für mich ein wichtiger Punkt. Ich möchte die Strukturen nutzen, die mich umgeben, um einen direkten Austausch mit den Produzenten zu gewährleisten und im Zuge dieser Auseinandersetzung zu erforschen, wie man vor Ort produziert und welche Verantwortung man als Designerin für die lokale Produktion hat.
Inhaltsverzeichnis
mes racines en l’air...
Kurzbeschreibung
Heimat - die Küste Marseilles
Was ich und andere mit Tüchern verbinden
Wegue Wegue
Carolines Geschenk
Akikos Furoshiki Tuch
Die erste Wanderung mit Teresa
Das goldene Tuch
Der Haik
Nora, Gil, Theo und der Burel
Verantwortung der Designerin
Lokale Produktion
Herstellung von Tüchern und meine Familie
Textiles Zentrum Haslach
DesignerInnen, Verwendungen von Tüchern und deren Bedeutungen
Blanket Scarves
Formation
Index Collection – Blankets
Besuch bei Carola Kindermann
Traits Paris
Alex Mullins
Sabine Zelger
Tücher als Kopfbedeckung
Anónimo
Dudu Kücükgöl
Bethan Wood
TRU$T FUN!
Stoffe aus Westafrika
Adinkra
Wax-print
Gewebte Stoffe aus Westafrika
Umsetzung der Tücher
Ausführung in Jacquard
Ausführung in Digitaldruck
Transfer ins Höllental
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, eine Tuchkollektion zu entwerfen und zu produzieren, die sowohl persönliche Familiengeschichte als auch eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der lokalen Produktion und der symbolischen sowie praktischen Bedeutung von Tüchern in verschiedenen Kulturen reflektiert. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie lokales Handwerk und modernes Design verknüpft werden können, um eine eigene, künstlerische Bildsprache zu entwickeln.
- Symbolik und Gebrauchswert von Tüchern im gesellschaftlichen Kontext
- Die Rolle der lokalen Produktion und die Verantwortung von Designern
- Familienhistorische Einflüsse und handwerkliche Textiltradition
- Künstlerische Umsetzung durch Jacquard-Weberei und Digitaldruck
Auszug aus dem Buch
Besuch bei Carola Kindermann
Heute war ich auf Besuch bei Carola, sie und ihr Mann Gustav hatten eine Siebdruckfabrik in Perchtoldsdorf, nahe Wien. 250 Jahre ist die Familie im künstlerischen Bereich tätig. Solche Werkstätten gibt es eigentlich nicht mehr in Österreich, sie hatten die Hochblüte in den 60igern bis in die 90iger.
Die Kindermanns hatten 7 Siebdrucktische in der Hochblüte á 40 m. Vorher war das Fabriksgebäude eine Weberei, das Gebäude selbst ist im klassizistischen Ziegelbau errichtet worden. Die Schablonen, welche alle per Hand gezeichnet wurden, hatten die Maße von 90cm mal 180cm. Die Druckbreite war 130cm. Sie konnten bis zu 15 Farben drucken in ihrer Werkstatt, für jede Farbe wurde natürlich die Schablone mit einem Rapport von 60cm Breite handgezeichnet.
Sie entwarfen die Muster und stellten diese dann auch her. Für Rialto in Italien zum Beispiel und für Herms stellten sie Tücher in 12-15 Farben her. Sie produzierten auch Stofftapeten für Luxushotels, zum Beispiel für Hilton, Steigenberger, Intercontinental. Auch SchauspielerInnen waren unter ihren Abnehmern, wie Liz Taylor, Richard Burton, er ließ sich eine Yacht ausstatten, auch das schwedische Königshaus wurde mit Kindermann Stoffen ausgestattet. Auch Theaterhäuser waren ihre Kunden, zum Beispiel das Theater in der Josefstadt. Für Fortuny, einen Regisseur, druckten sie Plisseestoffe im Jugendstil. Auch für Herms fertigten sie Seidenschals an. Der Schauraum ihres Geschäfts war damals in der Theobaldgasse im 6. Bezirk.
Zusammenfassung der Kapitel
mes racines en l’air...: Einführung in die persönliche Motivation und die künstlerische Ausgangslage der Masterarbeit.
Was ich und andere mit Tüchern verbinden: Reflexion über die vielfältigen emotionalen und kulturellen Bedeutungen von Tüchern anhand persönlicher Erlebnisse und Fallbeispiele.
Verantwortung der Designerin: Untersuchung der ökonomischen und politischen Verantwortung bei der Fokussierung auf lokale Produktionsstrukturen im Textildesign.
DesignerInnen, Verwendungen von Tüchern und deren Bedeutungen: Analyse zeitgenössischer Designansätze, Webtechniken und der spezifischen Anwendung von Stoffen bei verschiedenen Akteuren.
Tücher als Kopfbedeckung: Auseinandersetzung mit der soziopolitischen Debatte um das Kopftuch als Symbol sowie künstlerische Perspektiven auf Verhüllung.
Stoffe aus Westafrika: Überblick über traditionelle westafrikanische Textiltechniken wie Adinkra-Druck und Handweberei.
Umsetzung der Tücher: Detaillierte Beschreibung des Designprozesses und der technischen Fertigung der entworfenen Tuchkollektion mittels Jacquard und Digitaldruck.
Schlüsselwörter
Tuchdesign, Jacquard, Digitaldruck, Lokale Produktion, Textilhandwerk, Marseille, Heimat, Identität, Kopftuch, Webtechnik, Familiengeschichte, Künstlerische Bildsprache, Siebdruck, Designforschung, Stoffe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Entwurf und die Produktion einer Tuchkollektion, die eine Brücke zwischen persönlichen Erinnerungen, kulturellen Symbolen und lokalem textilen Handwerk schlägt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die soziokulturelle Bedeutung von Tüchern, die Bedeutung von Heimat, die ethische Verantwortung in der lokalen Textilproduktion und die künstlerische Exploration verschiedener Druck- und Webtechniken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die tiefe Bedeutung von Alltagsgegenständen wie Tüchern zu entwickeln und dies in eine eigene, reflektierte Designkollektion zu übersetzen.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Kombination aus Literaturrecherche, qualitativen Interviews mit Experten aus dem Textildesign sowie einer praxisbasierten künstlerischen Forschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Tuchbedeutungen, eine Untersuchung der Designverantwortung und eine detaillierte technische Dokumentation der eigenen Kollektionsentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Lokale Produktion, Jacquard-Weberei, Digitaldruck, Identität und die kulturelle Symbolik von Textilien.
Welche Rolle spielt die Familiengeschichte der Autorin?
Die familiäre Herkunft aus einer Textildynastie dient als wichtiger Ankerpunkt, der die Leidenschaft für Stoffe begründet und die Auseinandersetzung mit lokalen Produktionsstrukturen motiviert.
Wie wurde das Thema „Heimat“ künstlerisch verarbeitet?
Heimat wird durch Fotografien der Küsten von Marseille interpretiert und in textilen Mustern abstrahiert, um eine ortsunabhängige Verbindung zu diesem Gefühl herzustellen.
Welche Bedeutung haben die besuchten Werkstätten?
Orte wie das Textile Zentrum Haslach oder die ehemalige Siebdruckfabrik Kindermann stehen für das wertvolle handwerkliche Wissen, das die Autorin für die eigene Produktion und Recherche nutzte.
Was wird unter der „Verantwortung der Designerin“ verstanden?
Dies bezieht sich auf das Bewusstsein über die ökonomischen und ökologischen Auswirkungen, die durch die Wahl lokaler Produktionsstandorte anstelle von globalisierter Massenproduktion entstehen.
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- Nathalie Pelet (Author), 2016, mes racines en l’air. Tuchkollektion in Digitaldruck und Jacquard, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351749