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Gewaltdarstellung und autobiographisches Schreiben zur Gewaltverarbeitung. Assia Djebars "L'Amour, la fantasia" und Abbas Khiders "Die Orangen des Präsidenten"

Título: Gewaltdarstellung und autobiographisches Schreiben zur Gewaltverarbeitung. Assia Djebars "L'Amour, la fantasia" und Abbas Khiders "Die Orangen des Präsidenten"

Tesis (Bachelor) , 2012 , 41 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Melanie Hillenbrand (Autor)

Orientalismo / Sinología - Árabe
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Anhand von zwei modernen Werken arabischer Schriftsteller soll die zentrale Frage beantwortet werden, inwieweit das Schreiben über (persönlich erfahrene) Gewalt zu einer Verarbeitung des Erlebten beitragen kann. Dazu wird kurz die Biografie der beiden ausgewählten Autoren Assia Djebar und Abbas Khider vorgestellt.

Im folgenden dritten Kapitel wird die Autobiographie an sich definiert, um dann speziell auf die arabische Autobiographie einzugehen, die einige Besonderheiten beinhaltet und sicherlich mit ein Grund für die Vermischung von Autobiographie und Fiktion bei arabischen Autoren ist. Anhand von Djebars Roman „L’Amour, la fantasia“ soll dann der Zusammenhang von Autobiographie und Historie näher betrachtet und dadurch aufgezeigt werden, wie die algerische Geschichte mit der persönlichen verwoben ist. Bei Khiders „Die Orangen des Präsidenten“ soll genauer auf die Vermischung von Fiktion und Autobiographie geachtet werden.

Das vierte Kapitel behandelt die unterschiedlichen Formen der Gewalt und ihrer Darstellung in den beiden Romanen. Djebar arbeitet die durch Gewalt geprägte algerische Geschichte von der Kolonialisierung bis zum Befreiungskrieg auf. Ähnlich wie bei der deutschen Nachkriegsliteratur handelt es sich hierbei um kollektiv erfahrene Gewalt, und so kommen in ihrem Werk mehrere Personen zu Wort, die über ihre subjektiven Erlebnisse berichten. Der irakische Schriftsteller Abbas Khider hingegen berichtet über Gewalt im Gefängnis. Der Folterskandal von Abu Ghraib erlangte weltweit trauriges Aufsehen. Dass in vielen arabischen Gefängnissen auch innerhalb der eigenen Bevölkerung Folter angewendet wird, ist der europäischen Gesellschaft vermutlich kaum bewusst.

Im fünften Kapitel wird es letztendlich um die Frage gehen, ob das Schreiben über ein erlittenes Trauma zu dessen Verarbeitung beitragen kann. Dabei soll auf die Rolle der Distanz zu den Erlebnissen, sei es die zeitliche, sprachliche oder geografische, eingegangen werden.
Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengefasst und daraus Schlussfolgerungen gezogen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Über die Autoren

2.1 Assia Djebar

2.2 Abbas Khider

3 Die Autobiographie im Zusammenspiel mit Historie und Fiktion

3.1 Definition von „Autobiographie“

3.2 Die arabische Autobiographie

3.3 Autobiographie und Historie bei Djebar

3.3.1 La double autobiographie

3.3.2 Schreiben als Ver- und Entschleierung

3.4 Autobiographie und Fiktion bei Khider

3.4.1 Eine fiktive Autobiographie

3.4.2 Eine „neue Welt“ erschaffen

4 Formen der Gewaltdarstellung bei Djebar und Khider

4.1 Gewaltdarstellung in L’Amour, la fantasia

4.1.1 Gewalt und Liebe

4.1.2 Schreiben gegen das Vergessen

4.2 Gewaltdarstellung in Die Orangen des Präsidenten

4.2.1 Kindheit im Krieg

4.2.2 Folter und Alltag im Gefängnis

5 Traumaverarbeitung durch Schreiben

5.1 Distanz überwinden

5.2 Distanz schaffen

6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das literarische Schreiben über persönlich erfahrene Gewalt zur Verarbeitung traumatischer Ereignisse beitragen kann. Anhand der Werke von Assia Djebar und Abbas Khider wird analysiert, wie die Autoren durch die bewusste Vermischung von Autobiographie, Historie und Fiktion eine Distanz zu ihrem Schmerz aufbauen und das Erlebte für sich sowie für die Öffentlichkeit bearbeitbar machen.

  • Rolle der Literatur als Medium der Traumaverarbeitung
  • Wechselspiel zwischen kollektiver Geschichte und persönlicher Erinnerung
  • Bedeutung der Sprache und der Distanzierung für den Heilungsprozess
  • Gewaltdarstellung als literarische Herausforderung und ethisches Dilemma
  • Die Funktion der Autobiographie in der arabischen Literaturtradition

Auszug aus dem Buch

3.3.1 La double autobiographie

« Avant d’entendre ma propre voix, je perçois les râles, les gémissements des emmurés du Dahra, des prisonniers de Sainte-Marguerite; ils assurent l’orchestration nécessaire. Ils m’interpellent, ils me soutiennent pour qu’au signal donné, mon chant solitaire démarre. » (AF, S. 243, F, S. 316)

Dieses Zitat verdeutlicht die Verstrickung von Autobiographie und Historie in L’Amour, la fantasia. Ihre Autobiographie zu schreiben, ist für Assia Djebar nur möglich, wenn sie gleichzeitig die kollektive, algerische Geschichte beschreibt. Diese scheinbar so verschiedenen Themen ergeben zusammen ein Ganzes und ermöglichen es der Autorin, in abgeschwächter Form über sich selber zu schreiben. Denn sie selber ist ein Glied in der Kette aus Erinnerungen, ihre persönliche Geschichte ist nur mit dem Hintergrundwissen der kollektiven Historie verständlich. Wenn die Franzosen 1830 nicht Algerien erobert hätten, hätte Djebar wahrscheinlich niemals französisch gelernt. Deswegen teilt sie die französische Sprache ihrer Meinung nach zu aller erst mit den Offizieren, die Algier besetzt haben. Andererseits besteht die kollektive Geschichte immer auch aus den individuellen, subjektiven Berichten verschiedener Personen. Diese Doppelung von Kollektiv und Individuum ermöglicht es der Autorin, von der eigenen Person abzulenken. Die historischen Kapitel über den Krieg fungieren als « muraille épaisse », welche die persönlichen, intimen Ausführungen aus Djebars Leben schützt und verschleiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung von Gewalt in der Kunst ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Möglichkeit einer literarischen Traumaverarbeitung bei Djebar und Khider.

2 Über die Autoren: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Überblick zu Assia Djebar und Abbas Khider sowie deren Motivation und Werdegang als Schriftsteller.

3 Die Autobiographie im Zusammenspiel mit Historie und Fiktion: Es wird die Definition der Autobiographie erörtert und die spezifische, kulturell geprägte Form der arabischen Autobiographie sowie deren Verbindung zur Fiktion bei den beiden Autoren untersucht.

4 Formen der Gewaltdarstellung bei Djebar und Khider: Das Kapitel analysiert die drastische und anschauliche Schilderung von körperlicher sowie struktureller Gewalt in den Romanen beider Autoren.

5 Traumaverarbeitung durch Schreiben: Hier steht die psychologische und literarische Komponente der Traumabewältigung durch sprachliche Distanzierung und symbolische Handlungen im Zentrum.

6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse werden gebündelt und das Fazit gezogen, dass Literatur als Bewahrer der Zeit fungiert und durch die Polyphonie der Stimmen eine kollektive Auseinandersetzung mit der Geschichte ermöglicht.

Schlüsselwörter

Autobiographie, Fiktion, Gewaltverarbeitung, Trauma, Assia Djebar, Abbas Khider, Algerienkrieg, Irak, Postkolonialismus, kollektives Gedächtnis, Sprache, Distanz, Literaturwissenschaft, Identität, Geschichtsschreibung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die literarische Verarbeitung von persönlich erlebter Gewalt in den Werken von Assia Djebar und Abbas Khider.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Verknüpfung von privater Geschichte mit kollektiver Historie, die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache nach einem Trauma sowie die ethische Dimension der Gewaltdarstellung in der Literatur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Schreiben als therapeutisches Instrument fungiert, um traumatische Erlebnisse zu strukturieren und in einen neuen Kontext zu setzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der ausgewählte Primärtexte (Romane) mit theoretischen Konzepten zur Autobiographie, zum kollektiven Gedächtnis und zur Traumaverarbeitung verknüpft werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Autobiographie und Fiktion, die Analyse konkreter Gewaltdarstellungen und die Erörterung des Traumas als Prozess, der Distanz erfordert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Autobiographie, Gewaltverarbeitung, Fiktion, kollektives Gedächtnis, Trauma und Distanz.

Warum spielt die französische Sprache bei Assia Djebar eine so ambivalente Rolle?

Französisch ist für Djebar die Sprache des ehemaligen Feindes, was sie zunächst als unpassend empfindet, sich jedoch im Laufe der Zeit als notwendiges Mittel zur Entschleierung und persönlichen Befreiung erschließt.

Warum entscheidet sich Abbas Khider bewusst gegen einen reinen Tatsachenbericht?

Khider wählt die Romanform und die "Autofiction", weil ihm die Literatur die Möglichkeit gibt, Lücken im Gedächtnis durch Fantasie zu füllen und eine künstlerische Distanz zu schaffen, die den Leser nicht unmittelbar mit dem bloßen Horror foltert.

Final del extracto de 41 páginas  - subir

Detalles

Título
Gewaltdarstellung und autobiographisches Schreiben zur Gewaltverarbeitung. Assia Djebars "L'Amour, la fantasia" und Abbas Khiders "Die Orangen des Präsidenten"
Universidad
Free University of Berlin  (Arabistik)
Calificación
1,3
Autor
Melanie Hillenbrand (Autor)
Año de publicación
2012
Páginas
41
No. de catálogo
V351761
ISBN (Ebook)
9783668383814
ISBN (Libro)
9783668383821
Idioma
Alemán
Etiqueta
gewaltdarstellung schreiben gewaltverarbeitung assia djebars amour abbas khiders orangen präsidenten
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Melanie Hillenbrand (Autor), 2012, Gewaltdarstellung und autobiographisches Schreiben zur Gewaltverarbeitung. Assia Djebars "L'Amour, la fantasia" und Abbas Khiders "Die Orangen des Präsidenten", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351761
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