„Die meisten Filme sind wirklich kaum mehr als Bühnenstücke mit mehr Atmosphäre und Handlung.“
Stanley Kubrick selbst hat diesen Vergleich gebracht und damit vielleicht ziemlich radikal geurteilt. In jedem Fall ist die strukturelle Verwandtschaft zwischen Film und Theater nicht zu leugnen und immer wieder deutlich erkennbar - auf beiden Seiten.
Was das Werk Stanley Kubricks betrifft, so ist seinen Kritikern, bewundernd oder ablehnend, eines aufgefallen: In manchen Momenten beschleicht den Zuschauer das Gefühl, er sehe keinen Film, sondern eben Theater.
Wodurch entsteht dieser Eindruck?
Alle Filme Kubricks enthalten theatralische, oder besser gesagt bühnenartige Elemente. Diese sind zum Teil sehr deutlich, wie Kostüme oder die Verwendung einer realen Bühne. In anderen Szenen verfolgen Akteure als Zuschauer ein Geschehen, sogar ein Schauspiel in ihrer Mitte. Diese imaginäre Bühne findet sich in Kubricks Œuvre ebenso häufig wie die sogenannte symbolische Bühne, die Kubrick durch subtile Mittel wie Kamera und Montage, Licht und Sprache entstehen läßt.
Die Arbeit beginnt mit einem Exkurs über Voyeurismus bei Kubrick, da Voyeurismus ein zentrales Thema in vielen seiner Filme ist, aber auch in seiner Art und Weise, diese zu drehen.
„Im Kino nämlich dürfen wir gesellschaftlich ungestraft unserem Voyeurismus frönen und uns an der Darstellung von Erotik und Gewalt erfreuen“, sagt Kay Kirchmann.
Dies macht sich Stanley Kubrick auf seine eigene Art und Weise zunutze.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Exkurs: Voyeurismus bei Kubrick
3. Die Bühne
3.1. Die reale Bühne
3.2. Die imaginäre Bühne
4. Die „symbolische Bühne“
4.1. Motorik, Musik und Performance
4.2. Kamera und Montage
4.3. Verkleidung, Schminke, Maske
4.4. Licht
4.5. Sprache
5. Fazit
6. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die filmische Inszenierung Stanley Kubricks unter der Prämisse, dass seine Filme häufig bühnenartige Elemente aufweisen. Ziel ist es, nachzuweisen, dass Kubrick bewusst theatralische Mittel nutzt, um das Publikum in eine beobachtende, voyeuristische Rolle zu versetzen, und diese Mittel in reale, imaginäre und symbolische Kategorien zu unterteilen.
- Analyse der bühnenartigen Inszenierung von Handlungen bei Stanley Kubrick.
- Untersuchung des Voyeurismus als zentrales Element in Kubricks Schaffen.
- Kategorisierung filmischer Mittel in reale, imaginäre und symbolische Bühnenkonzepte.
- Betrachtung von Motorik, Musik, Kameraarbeit, Kostümierung und Lichtsetzung als theatralische Stilmittel.
- Interpretation der distanzierenden Wirkung von Kubricks Gewaltdarstellungen.
Auszug aus dem Buch
Die „symbolische Bühne“
Beim genauen Sehen von Stanley Kubricks Filmen (und das sollte man in jedem Fall tun, denn es lohnt sich auf vielfältige Weise) fällt auf, dass sich häufig Szenen finden, die an ein Theaterstück erinnern, obwohl keine Bühne vorhanden ist, sei sie real oder imaginär.
Dieser Eindruck kann durch unterschiedliche Elemente ausgelöst werden, die ich nun aufführen möchte.
4. 1. Motorik, Musik und Performance
Ein Beispiel für eine Performance im Film habe ich unter Punkt 3. 2. bereits genannt, nämlich Bills vermeintliche Retterin und ihr Ruf von der Empore herab. Weitere, deutlichere Beispiele finden sich vor allem in A CLOCKWORK ORANGE. Wie eine einstudierte Choreographie wirkt der Versuch von Billy und seiner Bande, die junge Frau auf der Guckkastenbühne zu vergewaltigen. Für fünf Männer wäre es an sich ein leichtes, die Frau zu packen und festzuhalten - jeder von einer Seite. Aber sie achten peinlich genau darauf, den Blick auf ihr Opfer nicht zu versperren. So steht keiner der Männer je vor ihr, alle fünf zerren von hinten oder der Seite an der Frau herum. Der schöne nackte Körper bleibt für den Zuschauer jederzeit gut sichtbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die These der strukturellen Verwandtschaft zwischen Film und Theater bei Kubrick und führt die Kategorisierung in reale, imaginäre und symbolische Bühnen ein.
2. Exkurs: Voyeurismus bei Kubrick: Dieses Kapitel beleuchtet Voyeurismus als zentrales Motiv, bei dem Charaktere oder das Kinopublikum zu Beobachtern von Sex und Gewalt werden.
3. Die Bühne: Es erfolgt die Unterscheidung zwischen der realen Bühne, wie einem Podest, und der imaginären Bühne, die durch Inszenierung ohne physisches Podest entsteht.
4. Die „symbolische Bühne“: Eine detaillierte Untersuchung der subtilen Mittel wie Musik, Kamera, Maske, Licht und Sprache, die den theatralen Eindruck verstärken.
5. Fazit: Die Autorin resümiert, dass Kubrick theatralische Elemente bewusst einsetzt, um die Zuschauerrolle zu steuern, und plädiert für mehr Forschung zu diesem Aspekt des Raumes.
6. Literaturangaben: Eine Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur zur Filmtheorie und zu Kubrick.
Schlüsselwörter
Stanley Kubrick, Filmtheorie, Theater, Bühne, Voyeurismus, Inszenierung, A Clockwork Orange, Eyes Wide Shut, Barry Lyndon, Kameraeinstellung, Montage, Performance, theatralische Elemente, Filmstil, Raumgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die These, dass Stanley Kubricks Filme häufig an Theaterstücke erinnern, da der Regisseur seine Figuren oft wie auf einer Bühne inszeniert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die filmische Rauminszenierung, das Verhältnis von Theater und Film sowie der Voyeurismus als zentrales Motiv bei Kubrick.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Vorhandensein bühnenartiger Inszenierungen in Kubricks Werk zu belegen und diese in eine Kategorisierung von realen, imaginären und symbolischen Bühnen zu ordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse der Inszenierungspraxis, unterstützt durch Zitate aus der Fachliteratur zu Kubrick und dem Filmverständnis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische filmische Mittel wie Motorik, Musik, Kameraführung, Montage, Kostüme, Maske, Licht und Sprache auf ihre theatralische Wirkung hin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bühne, Voyeurismus, Inszenierung, Filmstil und theatralische Elemente charakterisiert.
Wie wird das Konzept des Voyeurismus im Zusammenhang mit der Bühne erklärt?
Menschen in Kubricks Filmen werden oft in einer Weise gezeigt, dass sie von anderen Charakteren oder dem Zuschauer beobachtet werden, was sie wie auf einem "Präsentierteller" bzw. einer Bühne erscheinen lässt.
Wie bewertet die Autorin die Gewaltdarstellung bei Kubrick?
Die Autorin argumentiert, dass Kubricks stilisierte, choreographische Gewaltdarstellung eine distanzierende Wirkung hat, die sie erträglicher macht als Szenen, die auf Authentizität abzielen.
- Quote paper
- Natalie Buch (Author), 2004, Die Bühne in Filmen von Stanley Kubrick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35178