Die Verflechtungen der Volkswirtschaften, des Welthandels und der Finanzmärkte werden zunehmend komplexer und damit auch unübersichtlicher. Die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen an Staaten sind immens. Neben fehlender Solidarität, stellt auch die Zunahme der Übertragungswege von wirtschaftspolitischen Problemen von einem Land auf ein anderes ein zunehmendes Problem dar. Diese Interdependenzen sind es, die aus einer amerikanischen Immobilienkrise eine Bankenkrise machten und schließlich 2008 eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise auslösten. In Europa führten diese Entwicklungen zu einer Währungskrise und damit in eine Staatsschuldenkrise, die beinahe einen Bankrott Griechenlands nach sich zog.
So wie der 15. September 2008 als schwarzer Montag und Höhepunkt der letzten Finanzkrise galt, war es zur Zeit von John Maynard Keynes der 24. Oktober 1929, welcher als schwarzer Donnerstag und damit als Anfang der ersten Weltwirtschaftskrise in die Geschichte einging. Er wurde Zeuge von Phänomenen wie Massenarbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Depression und dem daraus resultierenden Elend. Die Lösungen der klassischen Theory empfand Keynes in vielerlei Hinsicht als „irreführend und verhängnisvoll“. Dies trieb ihn an, eine eigene Theory zu entwickeln, die vorherrschenden Probleme zu analysieren und eingefahrene Denkweisen zu überwinden. Die Frage, was eine Regierung tun kann, um schnellstmöglich wieder wirtschaftliche Stabilität herzustellen, gewann zunehmend an Bedeutung.
Im ersten Kapitel werden die Ausgangssituation, die Problemstellung, die Fragestellung und der Aufbau der Hausarbeit dargestellt. Im zweiten Kapitel stelle ich das kapitalistische System vor, dabei wird im speziellen auf die Vor- und Nachteile eingegangen. Das Kapitel drei erläutert den historischen Hintergrund, auf die Auswirkungen der Krise von 1929 wird hier im besonderen Maße eingegangen. Im vierten Kapitel werden der Perspektivenwechsel und wesentliche Inhalte von Keynes‘ Theorie vorgestellt. Im besonderen Maße werden die Themen Unsicherheit, das Prinzip der effektiven Nachfrage beleuchtet. Weiter erfährt der Leser durch die folgende Zusammenfassung von Keynes Theorie die Grundgedanken, welche den Kern seiner Allgemeinen Theorie ausmachen. Das fünfte Kapitel zeigt die wirtschaftspolitischen Konsequenzen auf. Das sechste Kapitel bildet den Schlussteil. Hier sollen die Ergebnisse zusammengefasst werden und eine Antwort auf die einleitende Frage gefunden werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
2 Kapitalistisches System
2.1 Begriffsklärung und Definition
2.2 Vorteile und Nachteile des kapitalistischen Systems
3 Historischer Hintergrund und Weltwirtschaftskrise
4 Keynes Theorie der Beschäftigung
4.1 Unsicherheit
4.2 Das Prinzip der effektive Nachfrage
4.3 Zusammenfassung Theorie der Beschäftigung
5 Keynes wirtschaftspolitische Empfehlungen
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Prinzip der effektiven Nachfrage aus John Maynard Keynes' „General Theory of Employment, Interest and Money“ als wirkungsvolle Strategie zur Stabilisierung eines kapitalistischen Wirtschaftssystems dienen kann und welche Lösungsansätze sich daraus für krisenbehaftete Märkte ergeben.
- Grundlagen und Systemkritik des Kapitalismus
- Historischer Kontext der Weltwirtschaftskrise von 1929
- Keynesianische Theorie der Beschäftigung und Rolle der Unsicherheit
- Konzept und mathematische Herleitung der effektiven Nachfrage
- Wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen für den Staat
Auszug aus dem Buch
4.2 Das Prinzip der effektive Nachfrage
Die neoklassischen Versuche die Vorraussetzungen von Arbeitslosigkeit durch einen zu niedrigen Reallohn zu erklären sind laut Keynes unlogisch, da sie der Realität widersprechen. Viele Menschen suchten vergeblich einen Arbeitsplatz und würden auch einen niedrigeren Lohn als den Reallohn akzeptieren, sie waren unfreiwillig arbeitslos. Keynes verändert die Sichtweise mit dem Prinzip der effektiven Nachfrage und suchte die Antwort auf dem Gütermarkt.
Aus diesem folgt, dass das Niveau der Beschäftigung von den Erlösen abhängig ist, welche die Unternehmer von der betreffenden Produktion zu erzielen erwarten. Hauptziel der Unternehmer ist hier die Erlösmaximierung und das Niveau der Beschäftigung ein Mittel zum Zweck. Das Saysche Theorem, das Angebot schaffe sich seine eigene Nachfrage, wurde von Keynes durch das Konzept der effektiven Nachfrage abgelöst. Laut Keynes wird nämlich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage durch die Höhe von Produktion, welches hier dem Angebot entspricht, und Beschäftigung bestimmt. Arbeitslosigkeit begründet sich also in einer mangelnden effektiven Nachfrage.
Das Prinzip der effektiven Nachfrage ist keine neue Idee, zuletzt hatte dieses Thomas Robert Malthus, ein britischer Ökonom, in seinen Schriften erwähnt. Um das Prinzip zu erklären, benötigt man zunächst die Formel der aggregierten Angebotsfunktion: Z = Y (N). Z ist hierbei der aggregierte Angebotswert den die Unternehmer bei N Beschäftigten erwarten. Die aggregierte Nachfragefunktion D = f (N) stellt den Erlös, welchen die Unternehmer von N Beschäftigten erwarten dar. D ist bestimmend für das Niveau der gesamtwirtschaftlichen Produktion Y und damit auch für die Beschäftigung. Eine hohe Beschäftigung begründet sich also in einer ausreichend hohen Nachfrage. Dies ist also die Stellschraube, mit derer sich die Beschäftigungszahl sichern lässt. Keynes liefert damit dem Staat das bisher fehlende Instrument. (vgl. Keynes, 1936: 21 ff.)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die wachsende Komplexität globaler Finanzmärkte dar und definiert das Ziel der Arbeit, die Relevanz von Keynes' Theorie für moderne Wirtschaftskrisen zu untersuchen.
2 Kapitalistisches System: In diesem Kapitel wird der Kapitalismus als System definiert und eine differenzierte Betrachtung seiner Vor- und Nachteile vorgenommen.
3 Historischer Hintergrund und Weltwirtschaftskrise: Das Kapitel beleuchtet die wirtschaftliche Lage vor und während der Weltwirtschaftskrise von 1929 und zeigt auf, wie diese den historischen Kontext für Keynes' Theorie bildete.
4 Keynes Theorie der Beschäftigung: Hier werden die Kerngedanken von Keynes, insbesondere die Rolle der Unsicherheit und die Definition der effektiven Nachfrage, wissenschaftlich erläutert.
5 Keynes wirtschaftspolitische Empfehlungen: Dieses Kapitel präsentiert die staatlichen Interventionsmöglichkeiten, wie Zinspolitik und gezielte Staatsausgaben, zur Stabilisierung der Wirtschaft.
6 Schlussbetrachtung: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das Prinzip der effektiven Nachfrage als zeitloses Instrument zur Krisenbewältigung im Kapitalismus.
Schlüsselwörter
John Maynard Keynes, effektive Nachfrage, Kapitalismus, Weltwirtschaftskrise, Beschäftigung, Krisenüberwindung, Fiskalpolitik, Konsumneigung, Investitionsneigung, Makroökonomie, Arbeitslosigkeit, Keynesianismus, Geldmarkt, Nachfragesteuerung, Wirtschaftsstabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, ob das von Keynes entwickelte Prinzip der effektiven Nachfrage praktikable Lösungswege für die systemimmanenten Probleme kapitalistischer Volkswirtschaften bietet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Funktionsweise des Kapitalismus, der historischen Einordnung der Weltwirtschaftskrise sowie der theoretischen Herleitung der Beschäftigungs- und Nachfragetheorie von Keynes.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie durch das Prinzip der effektiven Nachfrage wirtschaftliche Stabilität in schwankenden kapitalistischen Systemen gezielt erzeugt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse der „General Theory of Employment, Interest and Money“ von J. M. Keynes unter Einbeziehung ökonomischer Fachliteratur und historischer Kontextualisierung.
Was wird im theoretischen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Widerlegung neoklassischer Annahmen durch Keynes, der Einführung der Begriffe Unsicherheit und effektive Nachfrage sowie der mathematischen Darstellung der Beschäftigungsfaktoren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind effektive Nachfrage, Keynesianismus, Beschäftigungsniveau, gesamtwirtschaftliche Produktion und staatliche Krisenintervention.
Warum spielt das „Saysche Theorem“ eine Rolle in dieser Arbeit?
Es dient als Gegenpol zu Keynes' Theorie, da Keynes die Annahme, dass sich Angebot automatisch seine eigene Nachfrage schafft, durch sein Konzept der effektiven Nachfrage explizit widerlegt.
Welche Rolle spielt die Unsicherheit laut Keynes?
Die Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Zukunft beeinflusst maßgeblich die Erwartungen der Akteure und damit deren Motive zur Geldhaltung (Transaktions-, Liquiditäts- und Spekulationsmotiv).
Was sind laut der Autorin die wichtigsten staatlichen Instrumente zur Krisenbewältigung?
Zu den genannten Instrumenten zählen das Halten niedriger Zinsen zur Investitionsförderung sowie die aktive Stützung der Gesamtnachfrage durch staatliche Ausgabenprogramme.
Wie bewertet die Arbeit die Aktualität der Keynesianischen Ansätze?
Die Autorin verdeutlicht die Aktualität durch den Hinweis auf die staatlichen Rettungspakete während der Finanzkrisen 2008/2009 und die Integration von Beschäftigungszielen in moderne Staatsverfassungen.
- Quote paper
- Ulrike Hensel (Author), 2016, Das Prinzip der effektiven Nachfrage nach John Maynard Keynes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351934