Antike Kaiserpaläste. Vergleiche der zeitlichen Entwicklung


Referat (Ausarbeitung), 2016
36 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Einleitung:

Griechenland:
Knossos:
Mykene:
Tiryns:
Pylos:
Zusammenfassung:
Pella:
Pella- königlicher Palast:
Aigai – Vergina:
Palast des Galerius Thessaloniki:

Vorderer Orient:
Tell Leilan:
Palast des Zimri-Lim:
Nimrud:
Babylon:
Ninive:
Persepolis:
Zusammenfassung:

Ägypten:
Tell El-Amarna:
Alexandria

Italien:
Palatin/Rom:
Domus Tiberiana:
Domus Aurea:
Domus Transitoria:
Domus Flavia:
Palast des Hadrian:
Hadriansvilla in Tivoli:
Nordpark:
Teatro Marittimo:
Stoia Poikile:
Verwaltungs- und Diplomatentrakt:
Hospitalia und Pavillon mit Belvedere:
Das große Triclinium
Das Gartenstadion:
Privatthermen des Kaisers:
Die Regio otiosa:
Personalwohnungen und Lagerräume:
Kleine Thermen:
Rocccabrunna-Turm:
Panorama-Bankett-Halle:
Südviertel:
Villa Jovis – Kaiserresidenz auf Capri

Türkei:
Pergamon:

Kroatien:
Diokletianstempel Split:
Das Bronzene Tor
Vestibül
Peristylhof:

Literaturverzeichnis

Einleitung:

Kaiserpaläste hat es im Laufe der Geschichte sehr viele gegeben. Nicht immer weiß man alles über die Kaiserpaläste. Einige lassen sich nur aufgrund von Überlieferungen rekonstruieren (Palast von Alexandria). Wieder über andere ist die Dokumentationslage nicht sehr gut (Paläste im Vorderen Orient).

Um die Auswahl der Kaiserpaläste einzuschränken, habe ich mich auf die „klassischen“ Länder beschränkt: Griechenland, Italien, Mesopotamien und Ägypten sowie Kroatien und Türkei. Somit lassen sich innerhalb der einzelnen Länder gute Vergleiche einer zeitlichen Entwicklung darstellen, aber auch innerhalb der unterschiedlichen Länder. Gewisse Elemente (Trennung zwischen Privatbereich und Repräsentativbereich) werden sich unabhängig von den Ländern und Zeitepochen immer wieder finden lassen – ganz nach dem Motto „never change a winning team“.

Griechenland:

Knossos:

Im minoischen Kreta wird immer von zwei Palastzeiten gesprochen: der älteren und der jüngeren. Die ältere Palastzeit war von 1900 bis 1650. Auffällig ist, dass sich die Paläste zwar in das Stadtbild einfügen, aber doch eigenständig sind. Sie sind aber von der Stadt nicht durch Mauern oder andere Begrenzungen getrennt. Die neue Palastzeit war von 1650 bis 1425.

Der Palast des Königs Minos, der Labyrinth ähnlich ist, wurde von innen nach außen gebaut. Die Mitte bildet ein großer Hof. Der Thronsaal ist auch noch erhalten. Der Thron ist aus Stein und links und rechts daneben befinden sich auch Bänke aus Stein. Gegenüber dem Thron fand man eine Treppe, die nach unten führt. Das findet man mehrfach in Palästen. Entweder ist dies ein kultisches Phänomen oder aber der Thron befand sich wirklich am höchsten Punkte des Palastes und darunter wohnte oder lebte man. Der westliche Bereich des Palastes ist einerseits durch kultische repräsentative Räume und durch große Magazinräume gekennzeichnet. Im Ostflügel fand man Werkstätten – in der damaligen Zeit waren Paläste nicht nur Herrschersitze sondern auch Orte der Verarbeitung, der Rohstoffproduktion und des Handels. Im Süden lagen prachtvoll ausgestattete Räume. Man fand auch ein WC mit antiker „Wasserspülung“. Für die Spülung sorgte ein Bassin, in dem Regenwasser war. Das Regenwasser wurde durch in die Mauer eingebaute Schächte abgeleitet. Gruppen von der Nordwestküste Anatoliens siedelten sich in Kreta an. Man erzielte große landwirtschaftliche Erträge und tauschte diese gegen Rohstoffe aller Art. Die wichtigsten Handelspartner waren Syrien und Palästina. Durch diese Handelsverbindungen kam es zu einem gewissen Reichtum und zu einem Bevölkerungsanstieg.

Insgesamt erstreckt sich der Palast von Knossos auf 24.000m².

Mykene:

Die Argolis, das Gebiet in dem Mykene liegt, wurde von den Pelasgern bewohnt, die vom König Danaos unterworfen wurden. Danaos ist von Ägypten geflohen und hatte 50 Töchter, die er alle mit ihren Cousins verheiratet. Alle Männer – bis auf einen – wurden in der Hochzeitsnacht von ihren Frauen umgebracht. Der eine Überlebende – Lynkeus – wurde danach der Nachfolger von Danaos. Seine beiden Söhne gründeten Tiryns und Argos. Akrisios, der Gründer von Argos, hatte schon während der Geburt eine Prophezeiung erhalten, dass er durch die Hand seines Enkels sterben werde. Daher sperrte er seine Tochter, Danae, in einen Turm. Zeus verliebt sich in die wunderschöne Tochter, verwandelte sich in Goldregen und so wurde Perseus gezeugt, der Held, der die Medusa besiegte und Andromeda befreite. Er tötet auch wirklich aus Versehen seinen Großvater, da er nach Argos zu den Wettspielen kam, wo er einen Diskus warf, der seinen Großvater tötete.

Mithilfe der Kyklopen gründete er Mykene. Seine beiden Söhne gaben die Herrschaft in Mykene an die Pelopiden ab – Nachfahren von jenem König Pelops, der in einem nicht gerade fairen Pferderennen die Macht über Olympia erlangt hatte. Diese beiden Pelopiden – Atreus und Thyestes – konnten sich aber nicht leiden und schließlich brachte Atreus seine Neffen um und setzte sie seinem Bruder zum Essen vor. Thyestes stachelt daraufhin seinen Schwiegersohn Aigisthos an, Atreus zu töten, was dieser in die Tat umsetzt. Dieser Aigisthos wird danach mit Klytamnästra, der Frau des späteren König Agamemnons, Ehebruch begehen und diesen auch ermorden. Selber stirbt er dann durch Orestes, den Sohn des Agamemnons. Später mussten die Atriden Herakles weichen.

In der mykenischen Kultur (1600 bis 1100) ist die Besonderheit, dass sich die Paläste nicht in die Siedlung einfügen, sondern diese überragen.[1] Die Stadt war seit der Bronzezeit besiedelt. Erst ab dem 16. Jahrhundert vor Christus wirtschaftlicher Aufschwung. Lag auf einem Hügel, der von einem Mauerring umgeben war. Die Mauern werden als Zyklopenmauern bezeichnet, da riesige Steine ohne Mörtel aufeinander gesetzt wurden. Auf dem Hügel befanden sich die Lagerräume, die Wohnquartiere, die Werkstätten und die Akropolis mit dem Königspalast. Der Palast besteht aus einem Megaron, der damalig üblichen Hausform, auf der Spitze des Burgberges. Im Inneren der Burg befand sich auch eine unterirdische Zisterne.

Die Burg betrat man durch das Löwentor. Das ist typisch für die mykenischen Paläste, dass der Zugang inszeniert ist, gewaltig wirkt. Der Löwe kommt öfter auf mykenischer Kunst vor, ist also vermutlich ein Symbol der Herrschaft und des Königs. Es gibt auch Theorien, dass es sich dabei um Greife handle. Die Greife wurden in der damaligen Zeit als Herrschersymbol benutzt. Man kennt verschiedene zeitgleiche Reliefe oder Siegeln, wo Götter oder Könige mit Greifen abgebildet sind – Tagung ägäische Bronzezeit 2009 Unmittelbar danach sind der Gräberrund A und der Gräberrund B, wobei B älter als A ist. Es handelt sich um Männer und Frauengräber. Kann man durch die unterschiedlichen Grabbeigaben (Frauen Schmuck und Männer Waffen) unterscheiden. Einige Skelette trugen auch Totenmasken aus Gold. Eine besonders majestätische wurde von Schliemann „ Goldmaske des Agamemnon“ getauft. Sie ist aber wesentlich älter.

Tiryns:

In Tiryns ist diese Inszenierung des Zuganges zum Palast noch schöner zu erkennen als in Mykene. Über einen schmalen Weg betritt man den Plast durch zwei Propyla bevor man in den Innenhof kommt, der abschüssig ist. Man betritt den Palast seitlich, der Blick auf den Thronsaal ist somit nicht direkt gegeben. Eine andere Möglichkeit, zum Thronsaal zu gelangen, gibt es nicht. Ist schon der Hof überwältigend, ist es der danach folgende und im Inneren von Säulen umrahmt Palasthof, das Vestibül zum eigentlichen Thronsaal, noch viel mehr. Die Gestaltung des Palastes – äußerer Hof, Propylon, innerer Hof, Megaron – ist symmetrisch.[2] Das Megaron ist in drei Abschnitte unterteilt: Vorhalle, einen Nebenraum und einen Hauptraum mit dem Thron. In der Mitte befindet sich eine Herdstelle – dies ist in den mykenischen Palästen im Thronsaal üblich.

Der Palast diente nicht nur der höfischen Repräsentation sondern war auch Wirtschaftszentrum. Außerdem beherbergte er auch die Privatgemächer des Herrschers. Es lässt sich also ein repräsentativer und ein privater Bereich erkennen – etwas, was man auch bei den Kaiserpalästen in Rom wieder erkennen wird. Der Palast war aus luftgetrocknetem Lehn erbaut – war also sehr leicht verletzbar. Hatte man es bis hierher als Feind geschafft, dann hatte man auch die Stadt erobert. Zusätzlich verwendete man Holz. Kein Wunder also, dass in der damaligen Zeit viele Paläste durch Feuer zerstört wurden.

Westlich des Megarons liegen weitere Räume, denen kultisch-repräsentative Funktionen zukommen. Östlich vom Megaron liegt der „zweite Palast“, da auch hier ein Hof mit einem dahinterliegenden Megaron lag.

Teilt sich in Oberburg und Unterburg. Hier fand man erstmals Korridorhäuser.[3] Alles, was heute noch zu sehen ist, ist aus der Zeit kurz vor dem Untergang der mykenischen Kultur.

Bemerkenswert in Tiryns sind auch die fortifikatorischen Maßnahmen, die gesetzt wurden. Der Zugang im Westen war sehr klein und verjüngte sich, so dass sich die Masse der angreifenden Feinde verkleinern musste. Das gleiche Phänomen sieht man beim Haupteingang im Osten. Dort führt eine Rampe in die Burg. Sie folgt in ihrem Verlauf der Burgmauer. Die Länge dieser Rampe beträgt ca. 47 Meter. Sie wurde bewusst so angelegt, dass man beim Hinaufgehen der Burgmauer die rechte – und somit die ungeschützte – Seite zuwandte. Dort kommt man an ein Tor und dahinter gelangt man zum Torweg, der zur Oberburg aufsteigt. Auch dort wird man wieder auf allen Seiten von Mauern umrahmt und stand somit immer unter Beschuss. Bevor man die eigentliche Burg betritt, geht man durch das große Tor, das in etwa die Dimensionen des Löwentors von Mykene hatte. Es handelte sich um ein zweiflügeliges Holztor. Und war vermutlich mit Fresken geschmückt.

Die Befestigungsmauern bestehen aus Kalkstein. Da sie ein unglaubliches Gewicht und von schier unglaublicher Größe waren, spricht man – ebenso wie in Mykene – von den Kyklopenmauern, da man davon ausging, dass man beim Baum Hilfe dieser rieseigen mythologischen Figuren bedurfte. Man ist bemüht, dass die Blöcke immer gleich große sind, um sie wirklich in horizontalen Streifen erbauen zu können. Die Ansichtsseiten sind in der Regel gut bearbeitet.

Pylos:

Auch hier finden sich Kyklopenmauern. Über ein Propylon, vorbei am Stand für die Wachen, kommt man in zwei Räume, die für die Verwaltung dienten. In einer dieser beiden Räume fanden sich 1000 Tontäfelchen in Linear B Schrift. Erhalten sind diese Täfelchen dadurch, dass sie bei dem Brand, dem Pylos zum Opfer fiel, gebrannt wurden. Die Tafeln erhalten Angaben zu Waren, Vorräten und vor allem auch Truppenkontingenten und Truppenverschiebungen[4] und werden als oka Täfelchen bezeichnet. Dadurch lassen sich nachvollziehen, welche Maßnahmen um 1200 v. Chr. unternommen wurde, um das Reich militärisch zu sichern und man kann erkennen, dass Teile, die bisher unbewacht waren, aufgerüstete haben. Diese würde wieder die Theorie bestätigen, dass das mykenische Reich aufgrund einer Eroberung eines anderen Volkes untergegangen ist.

Der zweite Raum war mit Bänken ausgestattet. Es war somit der Warteraum für alle, die zum „wanax“ vorgelassen werden wollten.

Hinter dem Propylon folgt der Innenhof, auf den erneut – wie in Tiryns – eine Vorhalle mit zwei Säulen folgt. Hier kann man dann einerseits zu den Privaträumen gelangen, aber auch durch eine Treppe in das Obergeschoß.

Hier befindet sich auch ein weiterer Warteraum, in dem sich nicht nur Bänke befanden sondern auch Ständer für zwei Weingefäße.

Dahinter befand sich eine Geschirrkammer, die mit Trinkgefäßen gefüllt war.

Am Ende des Hofes schließt sich eine Vorhalle an. Es gibt auch hier eine Plattform, für die Wache. Der Palast war also mehrfach gesichert. Über einen weiteren Vorraum gelangt man schließlich in den Thronsaal, in dessen Mitte sich – wie auch in Tiryns und Mykene, ein runder Herd befand. Umrahmt wurde er – auch hier eine Gemeinsamkeit mit Tiryns und Mykene – von vier Säulen und besaß oberhalb eine Öffnung, durch die er Rauch abziehen konnte. Der Thron selber ist nicht mehr erhalten. Der Platz, wo er gestanden hat, kann aber aufgrund einer Verzierung mit Greifenfresko erahnt werden. An der rechten Wandseite befindet sich der sogenannten Libitationsgraben. Von diesem konnte der König Weinopfer in den Herd fließen lassen.

Unmittelbar hinter dem Thronsaal befand sich ein Raum, in dem mehr als 6000 Trinkgefäße gefunden wurden sowie ein Raum, in dem Ölgefäße gelagert werden.

Vom Vorraum aus gelangt man in das Badezimmer, in dem noch eine Badewanne aus mykenischer Zeit zu sehen ist. Dahinter befindet sich der Saal der Königin. Auch dieser war mit einem runden Herd ausgestattet. Er war kleiner, aber genauso schmuckvoll wie der Thronsaal des Königs.

Betreten wurde der Saal der Königin durch einen Mittelhof und eine Vorhalle. Ein weiterer Raum grenzt an das Megaron der Königin, den man als Toilette oder Waschraum deutet, da er im Boden einen Abfluss hat.

Links vom Hauptgebäude befindet sich das Südwestgebäude, das durch eine Rampe zu erreichen ist, die in einen Hof führt. Dahinter liegt ein 70m² großer Vorhof, der mit Säulen ausgestattet war und im rechten Winkel zu einem Raum liegt, den man als den älteren Thronsaal deutet, da dieses Gebäude vor dem Hauptgebäude errichtet wurde. Die lässt sich auch daran erkennen, dass dieser Komplex winkelig ist, während das Hauptgebäude so aufgebaut ist, dass alle Räume um den Thronsaal liegen. In diesem Komplex ist weiters nur mehr ein Wohnquartier und ein Badezimmer identifizierbar. Auch hier war ein Obergeschoß vorhanden. Treppen in dieses wurden gefunden.

Nordöstlich des Hauptgebäudes befinden sich zwei Weinkeller.

Rechts des Hauptgebäudes lag ein weiterer Komplex, der erneut über eine Rampe zu erreichen ist. Man fand Tontäfelchen und Siegelabdrücke. Deswegen deutet man den Komplex als Werkstätten.

Zusammenfassung:

Zusammenfassend zur mykenisch-minoischen Welt lässt sich sagen, dass die ersten Paläste noch ungeordnet und zusammengewürfelt waren. Erst gegen Ende begannen sie sich um ein Megaron zu gruppieren, in dessen Mitte der Thronsaal war, der immer eine Herdstelle beinhaltete. Trankopfer waren in der mykenisch-minoischen Zeit sehr wichtig. Deswegen lassen sich auch – speziell in der minoischen Welt – sehr viele Trinkgefäße – Rhytone – finden. In der minoischen Zeit lagen die Paläste meist im Zentrum der Stadt in der Ebene – in der mykenischen Zeit waren die Paläste von gewaltigen Mauern umgeben und lagen erhöht.

Pella:

Pella war die Hauptstadt des makedonischen Königreiches und auch die Stadt, in der das Geschlecht der Ptolemäer, die später in Ägypten herrschen sollten, und der Seleukiden, die über die heutige Türkei herrschten, ihren Aufstieg fand. Leider ist über Pella aus makedonischer Zeit wenig überliefert. Überlieferungen gibt es von den Griechen und von den Römern – beides fremde Völker.[5]

Pella liegt 38 Kilometer nordwestlich von Thessaloniki. Schon bevor Alexander der Große die Stadt zur Hauptstadt des makedonischen Reiches machte, wurde die Stadt von König Archelaos eingenommen. Der Palast wurde von Zeuxis, einem der Bildhauer der damaligen Zeit schlechthin, verziert. Zynische Zungen der Antiken behaupteten, dass viele Leute nach Pella kamen, aber nur um die Stadt zu sehen, aber nicht den König.[6] Das Theater von Pella wurde von dem Dramatiker der damaligen Zeit schlechthin, von Euripides, geplant. Seine letzten Jahre verbrachte er in Pella. Mit seiner Anwesenheit wurde Pella auch ein Treffpunkt des intellektuellen Lebens der damaligen Zeit – zur Zeit Alexander des Großen noch mehr, da an dem Hof dann auch Aristoteles weilte.

Über den Ursprung des Namens Pella ist sich die Wissenschaft nicht einig. Einige meinen, dass der Gründer der Stadt ein gewisser Pellas gewesen sein soll. Andere gehen davon aus, dass Pella seinen Namen einer schwarz-grauen Kuh (pellos) verdankt.[7]

Die erste Erwähnung des Namens finden wir bei Herodot, der die Stadt erwähnt, als er den Heeresweg von Xerxes beschreibt.

Die Ausgrabungen ergaben, dass sich die Stadt am Höhepunkt seiner Macht auf einer Fläche von ca. 4 km² erstreckte. Friedhöfe wurden – wie für die damalige Zeit üblich – außerhalb der Stadt gefunden ebenso wie die „Bäder Alexander des Großen“, weil außerhalb der Stadt eine Wasserquelle gefunden wurde. Einige der gefundenen Gebäude haben Mauern von bis zu 2 Metern Dicke. Die Bauten sind allesamt aus dem einheimischen Stein. Auch Marmorreste wurden vereinzelt gefunden.

Pella- königlicher Palast:

Dieser Palast befindet sich auf der Akropolis – am Burgberg. Es gibt sehr wenig schriftliche Überlieferungen dazu. Der Palast hat sich auf einem Areal von 60.000m² erstreckt. Leider sind nur die Grundmauern erhalten, alles darüber ist nicht mehr vorhanden. Ursprünglich wurde der Palast in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts errichtet und unter Philipp V erweitert. Der Palast wurde so erbaut, dass er in das hippodamische System passte – somit musste er zur gleichen Zeit geplant worden sein. Westliche und östlich wurde der Palast von Straßen flankiert und nördlich durch die Stadtmauer. Außerdem befand sich östlich auch noch ein Theater.

Ganz klar erkenntlich sind die verschiedenen Komplexe innerhalb des Palastes: Der östliche Teil mit vier Höfen ist der Hauptpalast. Der südliche Teil, der aus den Peristylen I und II besteht, ist am leichtesten zugänglich und wurde unter Philipp V errichtet. Dieser Teil war für offizielle Empfänge. Der nördliche Teil des Palastes, der ebenso zwei Höfe enthielt (IV und V), war der repräsentative Bereich.

Der Teil, der für die Dienstboten und die Administration vorgesehen war, bestand aus mehreren schmäleren Räumen und war im Westen, wobei dieser Teil von den anderen beiden Teilen durch einen Korridor und einen Hof getrennt worden war.

Der Zugang zum Palast war im Süden und war hier über eine Rampe von der Stadt her zu erreichen. Ein weiterer Zugang wird im Osten vermutet. Dort liegt auch ein weiterer Peristylhof, der zweigeschossig war. Flankiert wird di

Dieser Peristylhof durch drei Hallen, zwei sind kleiner und schmuckloser als die mittlere, die aufgrund ihrer Verzierung und der vorgestellten Säulen eine besondere Bedeutung gehabt haben muss, Möglicherweise eine Empfangshalle. Außerdem sind hier auch zwei Rundräume gefunden worden, über die Funktion kann man nur Vermutung anstellen, aber entweder ein Raum für den königlichen Kult oder ein Heiligtum. Statuenbasen wurden aber keine gefunden.

Der nördliche Teil mit den beiden Höfen IV und V wurde im 4. Jahrhundert erbaut. Beide Höfe wurden von Räumen flankiert, deren Bedeutung man nicht kennt. Es muss gesagt werden, dass hier aber bei weitem noch nicht alles ausgegraben worden ist. Die nördliche Peristylhalle enthielt ein kleines Swimmingpool sowie beheizte Räume. Es könnte sich daher um die hauseigenen Thermen handeln.[8]

Aigai – Vergina:

Obwohl diese Stadt in der hellenistischen Periode nicht mehr die Hauptstadt war, verlor sie nie ihren Ruhm und war deswegen auch die Stadt, in der nach wie vor die Könige begraben wurden. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts wurde hier auch ein neuer – auf einer Terrasse liegender – Palast errichtet. Unterhalb der Akropolis war sogar ein Theater. Möglicherweise handelt es sich um das Theater, in dem Philipp II ermordet worden ist.[9] Der Zugang zum Theater erfolgt über 10 Meter breite Propyläen, die über eine Rampe erreicht werden konnten. Die Propyläen hatten auch Flügelbauten – dies ähnelt alles sehr den Propyläen der Athener Akropolis. Die Flügelbauten mit den Stoen waren zweigeschossig – dorisch und ionische.

Der Palast selber bestand aus zwei Teilen: dem eigentlichen Palast und einem Perisytlhof auf der Westseite. Bei dem Hof handelt es sich sicherlich um einen späteren Zubau, da Material vom Hauptpalast hier wiederverwendet wurde.[10] Der Hauptpalast wiederum besteht ebenfalls aus einem Peristylhof, um den herum auf alle vier Seiten Räume angebaut worden sind. Der nördliche Flügel – mit Blick Richtung Stadt und Theater – hatte eine vorgebaute Terrasse mit Balustraden.

Den Palast betritt man über drei Propyla, das erste wird durch eine Säulenhalle links und rechts begrenzt, das zweite durch Räume und der dritte Vorraum konnte durch drei Durchgänge betreten werden, wobei der mittlere der breiteste war. Insgesamt ist der Raum von den dreien der größte. Zum Peristylhof gibt es wieder drei Durchgänge, die aber nicht so imposant sind.

Im östlichen Teil des Palastes gibt es einen runden Raum, über dessen Funktion man sich nicht einig ist: Die ersten Ausgräber haben Marmorfragmente entlang der Wand gefunden und den Raum daher als Thronsaal interpretiert. Vor kurzem wurde eine Inschrift gefunden, die von einer Weihung an Herakles spricht – daher nun die mögliche Deutung des Raumes als Heiligtum mit kombiniertem Thronsaal. Eine weitere Deutung spricht von einem Speisezimmer für sitzende Gäste. Erstaunlich ist allerdings, dass – wenn er Raum wirklich von großer Wichtigkeit, in welchem Sinne auch immer, gewesen ist, dass er auf der Ostseite keine zentrale Stellung einnimmt. Er befindet sich nicht einmal in der Mitte und hat keinen pompösen Eingang wie man das eigentlich erwarten würde.

An der Südseite liegt ein Raum, der sich mit Säulen zur Stoa öffnet und in dessen Anschluss zwei weitere Räume liegen, die man nur über diesen einen Raum betreten kann. Er ist also das Verbindungsglied dieser Räume. In diesen beiden Räumen sind Mosaikfußböden gewesen. Außerdem gibt es auf allen vier Seiten eine Erhöhung des Bodens – möglicherweise für Klinen. Es handelt sich dabei also um je ein andron.[11]

Die restlichen Räume wurden als Banketträume bezeichnet. Außerdem lassen sich diese auch sehr gut feststellen, da auf den Mosaikfußböden sogenannte Klinen-Bänder zu sehen waren, Verzierungen, die die genaue Lage der Klinen nachahmten. Auffällig ist, dass all diese Banketträume von unterschiedlicher Größe waren – somit wurden sie vermutlich für eine unterschiedliche Anzahl von Gästen (bezogen auf den sozialen Status) verwendet.[12]

Palast des Galerius Thessaloniki:

Im Jahr 299 n. Chr wählte Galerius Thessaloniki als Platz für seinen Palast, der sich auf einer Fläche von 150.000 m² erstreckten sollte. Viele Teile des Palastes sind unter der heutigen Stadt begraben, einige wenige Reste sind aber noch zu sehen. So unter anderem ein Hippodrom, ein oktogonaler Raum und ein Peristyl. Der Peristylhof bildete das Zentrum des Palastes, um den herum sich alle Räume anordneten. Räume für den privaten Wohnbereich und Räume für die Verwaltung. Der oktogonale Raum liegt im Südwesten uns misst rund 30 Meter im Durchmesser. Er wird entweder als Tempel oder als Thronsaal identifiziert.

Aula Palatina: es handelt sich um einen rechteckigen Hof, auf dem Empfänge stattgefunden haben. Möglicherweise diente der raum auch als Basilika.

[...]


[1] Hoepfner, 106

[2] Hoepfner, 109

[3] Hoepfner, 110

[4] Badisches Landesmuseum, 61

[5] Pho78, 11

[6] Pho78, 12

[7] Pho78, 31

[8] Nielsen, 92

[9] Diod. 16, 91, 4

[10] Nielsen, 82

[11] Andronicos, 42

[12] Nielsen, 84

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Antike Kaiserpaläste. Vergleiche der zeitlichen Entwicklung
Veranstaltung
Seminarreihe
Autor
Jahr
2016
Seiten
36
Katalognummer
V351947
ISBN (eBook)
9783668384781
ISBN (Buch)
9783668384798
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
antike, kaiserpaläste, vergleiche, entwicklung
Arbeit zitieren
Sigrid Vollmann (Autor), 2016, Antike Kaiserpaläste. Vergleiche der zeitlichen Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351947

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