In unserer heutigen, leistungsorientierten Gesellschaft, die durch die Anforderungen an den Einzelnen viel Druck erzeugt, ist es selbstverständlich, dass Arbeitnehmer immer mehr in Situationen geraten, die Stress verursachen. Dass Menschen, die viel arbeiten, häufig unter Stress leiden, ist klar, aber wie sieht es bei Menschen aus, die in keinem Beschäftigungsverhältnis stehen? Welche Faktoren sind dafür verantwortlich, dass Arbeitslose unter Stress geraten und wie laufen die inneren Bewertungsprozesse bei der Entstehung von Stress ab? Welche Maßnahmen tragen dazu bei, dass eine erfolgreiche Stressreduktion stattfindet? Das Ziel dieser Hausarbeit wird es sein, diesen Fragestellungen nachzugehen und sich damit auseinanderzusetzen.
Jeder Mensch weiß, was gemeint ist, wenn von Stress die Rede ist. Nur geraten nicht alle Menschen durch dieselben Faktoren in eine Situation, die Stress auslösen. Aus diesem Grund gibt es verschiedene theoretische Ansätze und Erklärungsversuche, die bemüht sind, die Erzeugung von Stress nachzuvollziehen und beschreiben zu können. Jedes theoretische Modell geht jedoch prinzipiell davon aus, dass sich ein Individuum in einer bestimmten Situation befindet, in der Er oder Sie ihre eigenen Kompetenzen für nicht ausreichend empfindet und sich somit der bestimmten Anforderung nicht gewachsen fühlt.
Damit Stress überhaupt entstehen kann, benötigen wir immer eine Handlungsabsicht. Das heißt, wir versuchen, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, einen bestimmten Wunsch in Erfüllung zu bringen oder einer bestimmten Erwartung gerecht zu werden. Um uns selbst klar zu machen, ob wir das Angestrebte erreichen können, fließen situationsabhängige und personelle Ressourcen sowie innere Bewertungsprozesse in den Stressprozess mit ein. Fühlt der Einzelne sich nun nicht in der Lage, die angestrebte Situation bewältigen zu können, entstehen Stressfolgen, die beispielsweise körperlich, kognitiv-emotional oder auf der Verhaltensebene zum Ausdruck kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Stress
2.1 Stressoren
2.2 Stressoren bei Erwerbslosen
3. Das transaktionale Stressmodell im Kontext von Erwerbslosigkeit
3.1. Effort Reward Imbalance Modell bei Arbeitslosen
4. Integrative Swot Analyse zur Stressreduktion
5. Stressfolgen
5.1 Stressfolgen von Arbeitslosigkeit
6. Stressprävention bei Arbeitslosen
6.1 Beispiel: Stressbewältigungskurse (EQUAL – Projekt)
7. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychischen Belastungsfaktoren von Erwerbslosen in einer leistungsorientierten Gesellschaft. Das primäre Ziel ist es, die Entstehung von Stress bei Arbeitslosen durch wissenschaftliche Modelle zu analysieren und wirksame Strategien sowie Präventionsmaßnahmen zur Stressbewältigung aufzuzeigen.
- Psychologische Grundlagen und Definitionen von Stress
- Analyse stressverursachender Faktoren bei Erwerbslosigkeit
- Anwendung des transaktionalen Stressmodells und des Effort Reward Imbalance Modells
- Integrative SWOT-Analyse als Instrument der Stressreduktion
- Praxisbeispiel: Stressbewältigungskurse im Rahmen des EQUAL-Projekts
Auszug aus dem Buch
3. Das transaktionale Stressmodell im Kontext von Erwerbslosigkeit
Das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus ist eine der einflussreichsten Theorien zur Entstehung von Stress und wurde erstmals 1966 veröffentlicht. Lazarus beschreibt hier die Entstehung von Stress als einen kognitiven, emotionalen Bewertungsprozess. Es geht also nicht um die Situation an sich, sondern darum wie diese von der Person bewertet wird. Der Betroffene bewertet die Entstehung von Stress in zwei unterschiedlichen Phasen. Innerhalb der ersten Phase, der Primärbewertung, fragt der Einzelne sich, ob diese Situation eine Bedrohung für ihn darstellt. Kommt er zu dem Entschluss diese Frage mit Ja zu beantworten, so gelangt er zur zweiten Phase, der Sekundärbewertung. Da es sich auch hier um einen subjektiven Bewertungsprozess handelt, stellt er sich die Frage ob er die anstehende Bedrohung mit seinen eigenen Mitteln, die sich sowohl auf innere als auch auf äußere Ressourcen beziehen, bewältigen kann (vgl. Busch et al. 2009 S.166 f.)
Als Arbeitsloser gibt es viele Hindernisse zu überwinden und vor allem entwickelt sich mit der Zeit ein generelles Gefühl von Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit führt zu Frust und dementsprechend auch zu dem Verlust des Selbstwertgefühls, welches essentiell ist um sich seinen Ressourcen und Möglichkeiten bewusst zu sein. Die Entstehung von Stress lässt sich nach dem transaktionalen Stressmodell so im Kontext von Arbeitslosigkeit setzen, dass die Betroffene Person durch die eingeschränkten Ressourcen wie zum Beispiel fehlendes soziales Netz, soziale Stigmatisierung und finanziellen Problemen häufiger in Stress geraten und sich somit auch weniger in der Lage fühlen, anstehende Aufgaben bewältigen zu können. Folgen dieses vermehrt aufkommenden Stress sind nicht zuletzt psychische Erkrankungen die sich in Schlaf- und Essstörungen sowie in Suchterkrankungen äußern können (vgl. Wolski-Prenger 1996 , S.201 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den hohen Leistungsdruck der heutigen Gesellschaft und stellt die Frage, wie Arbeitslose in diesem Kontext unter Stress geraten und welche Faktoren ihre psychische Verfassung beeinflussen.
2. Definition von Stress: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Stress als subjektiven Spannungszustand, der entsteht, wenn Anforderungen die wahrgenommenen eigenen Kompetenzen übersteigen.
3. Das transaktionale Stressmodell im Kontext von Erwerbslosigkeit: Hier wird Lazarus' Modell angewandt, um zu erklären, wie Arbeitslose ihre Situation kognitiv bewerten und welche Rolle Ressourcen bei der Bewältigung spielen.
4. Integrative Swot Analyse zur Stressreduktion: Die SWOT-Analyse wird als betriebswirtschaftliches Konzept vorgestellt, um durch eine Gegenüberstellung von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken individuelle Stressbewältigungsstrategien zu entwickeln.
5. Stressfolgen: Dieses Kapitel beschreibt die Auswirkungen von chronischem Stress auf den Körper, die Psyche, das soziale Verhalten sowie spezifisch auf die Lebenssituation von Erwerbslosen.
6. Stressprävention bei Arbeitslosen: Es werden konkrete Möglichkeiten zur Stressprävention aufgezeigt, wobei zwischen veränderbaren Faktoren wie Gesundheitsvorsorge und nicht veränderbaren Rahmenbedingungen unterschieden wird.
7. Beispiel: Stressbewältigungskurse (EQUAL – Projekt): Dieses Kapitel dient als Praxisbeispiel und stellt die Ziele und Methoden des EQUAL-Projekts bei der Unterstützung arbeitsloser Menschen vor.
7. Fazit: Das Fazit fasst die zentrale Erkenntnis zusammen, dass eine subjektive Bewertung von Stress und die Stärkung vorhandener Ressourcen entscheidend sind, um der psychischen Belastung durch Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken.
Schlüsselwörter
Stress, Arbeitslosigkeit, Ressourcenmanagement, transaktionales Stressmodell, Effort Reward Imbalance, SWOT-Analyse, Stressbewältigung, Prävention, psychische Gesundheit, Selbstwertgefühl, soziale Stigmatisierung, EQUAL-Projekt, Belastungsfaktoren, Lebensqualität, Resilienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychischen Belastung durch Stress bei arbeitslosen Menschen und untersucht, wie dieses Phänomen theoretisch erklärt und praktisch bewältigt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Stress, psychologische Belastungsfaktoren bei Erwerbslosigkeit, verschiedene theoretische Stressmodelle sowie praktische Ansätze zur Stressprävention und -reduktion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, die Entstehung von Stress im Kontext der Arbeitslosigkeit wissenschaftlich zu durchdringen und Maßnahmen aufzuzeigen, die Arbeitslosen helfen, ihre Ressourcen zu stärken und den Stress zu bewältigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf theoretische Modelle wie das transaktionale Stressmodell nach Lazarus und das Effort Reward Imbalance Modell sowie auf die Methodik der integrativen SWOT-Analyse zur Erarbeitung von Bewältigungsstrategien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen von Stress, differenziert die Folgen (körperlich, kognitiv, sozial), beschreibt das Modell von Anstrengung und Belohnung bei Erwerbslosen und stellt mit dem EQUAL-Projekt ein konkretes Förderangebot vor.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Resilienz, Ressourcenmanagement, Stressoren, kognitive Bewertung, Arbeitsmarktintegration und individuelle Problemlösungsstrategien.
Wie unterscheidet sich die Stressbelastung bei neu Arbeitslosen von Langzeitarbeitslosen?
Die Arbeit hebt hervor, dass die Stressbelastung mit der Dauer der Erwerbslosigkeit zunimmt, da anfänglicher Optimismus oft durch finanzielle Probleme und einen Verlust des Zeitgefühls ersetzt wird.
Welche Rolle spielt das positive Denken bei der Prävention?
Positives Denken fungiert als wichtiger Puffer, der dabei hilft, die eigene Situation nicht nur über Defizite zu definieren, sondern neue Freiräume konstruktiv zu nutzen.
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- Barbara Bachmeier (Author), 2016, Stressmanagement bei Erwerbslosigkeit. Wie und warum geraten Arbeitslose unter Stress?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352007