Das Verhältnis Friedrichs II. von Hohenstaufen zum Islam


Hausarbeit, 2016

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung

1. Sizilien – Reich der Byzantiner, Araber, Normannen und Staufer

2. Kurzbiographie Friedrichs mit Betonung auf der Kreuzzugsfrage

3. Biographische Berührungspunkte Friedrichs mit dem Islam

4. Fazit

5. Literatur:

0. Einleitung

Kaum ein mittelalterlicher Herrscher ist so bekannt und gleichzeitig so umstritten wie Friedrich II. von Hohenstaufen. An ihm und seiner komplexen Persönlichkeit schieden sich die Geister der verhangenen Jahrhunderte. Besonders sein ungewöhnlich toleranter Umgang mit Menschen anderer Kulturen in erster Linie mit Muslimen polarisierte die Urteilenden. Schon zu Lebzeiten reichten Rezensionen über ihn vom „Antichrist“ oder der „Bestie“ bis hin zum „Stupor Mundi et Immutator Mirabile“, „dem Staunen der Welt und deren wunderbarer Verwandler“.[1] Später glaubten Aufklärer in ihm einen ihrer Vorreiter, einen sogenannten Renaissancekaiser zu sehen und auch im 19. Jahrhundert wurde seine Gestalt des Öfteren bemüht, um das Bild eines idealen Herrschers zu stilisieren. So bewertete Nietzsche beispielsweise den Staufer als „ersten Europäer nach meinem Geschmack“ und Burckhardt sah ihn gar als „den ersten modernen Menschen auf dem Thron“. Auch in der Forschung über den staufischen Herrscher wurde anfänglich dieser Duktus bedient. Die 1927 veröffentlichte Biographie über Friedrich II. von Ernst Kantorowicz erzählt die Lebensgeschichte eines übermenschlichen Anführers im Sinne eines „End- und Erfüllungskaiser der deutschen Träume“.[2] Obwohl diese Lektüre heftige Diskussionen in Historikerkreisen auslöste, bildete Kantorowicz´ Werk über 50 Jahre die wichtigste Biographie über den Stauferkaiser. 1988 veröffentlichte dann David Abulafia mit seiner Friedrichbiographie eine Gegendarstellung, in der er die These vertrat, dass Friedrich II. ein ganz normaler mittelalterlicher Herrscher gewesen sei, der weder politisch noch kulturell neue Akzente gesetzt habe. Mithilfe dieser beiden Werke, sowie neuerer Forschungsliteratur, besonders von Wolfgang Stürner und Hubert Houben soll in dieser Hausarbeit versucht werden Friedrichs Verhältnis zum Islam fernab von Wunschvorstellung oder Idealisierung mit historischen Belegen so objektiv wie nur möglich darzustellen und abschließend zu bewerten. Die entscheidenden Fragen, auf die es dabei eine Antwort zu suchen gilt sind: War Friedrich lediglich ein machtpolitisch orientierter Politiker pragmatischer Natur, der vor transkultureller Diplomatie nicht zurückschreckte, wenn es dazu führte Macht und Einfluss festigen zu können? Ein kühler Kopf zwischen religiösen Fanatikern? Oder aber ein erster moderner Weltbürger, ein Vorreiter aufklärerischen Denkens und ein Mann der Wissenschaft, der Menschen unabhängig von kultureller oder religiöser Prägung bewertete und bewunderte? Um diesen Fragen Antworten entgegensetzten zu können, soll nun zuerst die sizilianische Geschichte, in deren Tradition Friedrich aufgrund seiner dort verbrachten Kindheit und Jugend deutlich eher verwurzelt war als in der des alten Reiches, der Jahrhunderte vor Friedrichs Machtantritt dargelegt werden. Daraufhin soll eine Kurzbiographie Friedrichs mit Schwerpunkt auf der Kreuzzugsfrage folgen, um dann explizit Berührungspunkte zwischen dem Staufer und dem Islam zu untersuchen.

1. Sizilien – Reich der Byzantiner, Araber, Normannen und Staufer

In diesem Kapitel soll nun die Sizilianische Geschichte mit ihrem Reichtum an kulturellen Einflüssen in den Jahrhunderten vor Friedrichs Machtantritt dargestellt werden. Denn wie Eberhardt Horst schon feststellte ist es notwendig, „die normannisch-sizilianische Grundlage zu zeigen, weil sie im Leben und in den Anschauungen Friedrichs eine größere Rolle spielen als das staufische Erbe, das von einer national-deutschen Geschichtsschreibung überbetont worden war.“[3]

Sizilien, das seit Justinians Restitutionspolitk Teil des Oströmischen Reiches war, wurde ab der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts vermehrt von arabischen Streitkräften angegriffen. Als Folge dessen wurden auf der Insel kleine aus Bauern bestehende Milizverbände gegründet, die unter byzantinischer Führung ein neues Verteidigungssystem etablierten. Durch diese Maßnahmen konnten die Byzantiner trotz mehreren muslimischen Beutezügen die strategisch wichtige Insel noch bis ins Jahre 827 in der eigenen Hand halten.[4]. Dann allerdings, als nach einem Umsturzversuch auf Sizilien eine der streitenden Parteien den aghlabidischen Emir um militärische Hilfe bat und ihm in Aussicht stellte Sizilien als tributpflichtige Provinz zu erhalten, landete eine 10 000 Mann starke Elitearmee aus Arabern, Berbern und spanischen Moslems in Mazara auf der Westseite Siziliens, um die Insel zu erobern. Die Eroberung durch die Araber gestaltete sich dann allerdings schwieriger als gedacht, denn das Oströmische Reich kämpfte erbittert, um seinen strategisch wichtigen Vorposten im Westen und so hielt der Konflikt über fünfzig Jahre an, kostete viel Blut und richtete verheerende Verwüstung an. Mit der Eroberung von Syrakus dem bis dahin wichtigsten Ort Siziliens im Jahre 878 war die byzantinische Herrschaft Siziliens endgültig gebrochen und es begann eine neue Ära in der sizilianischen Geschichte.[5]

Obwohl der lange Kampf um die Macht über die Insel Zerstörung und Unordnung über die Insel gebracht hatte, war die sizilianische Bevölkerung in großen Teilen den neuen Herrschern nicht abgeneigt. Grund dafür war die relative Milde mit der die Muslime ihrem Machtanspruch Geltung verliehen. Zwar waren die unterworfenen Insulaner durch einige Gesetze der wachsenden muslimischen Bevölkerung untergeordnet, es konnte hierbei aber keinesfalls von religiöser Verfolgung gesprochen werden. Im Vergleich zu den christlichen Lombarden oder Franken verhielten sich die Muslime sogar relativ tolerant, hinsichtlich der religiösen Zugehörigkeit.[6] Das einige Inselbewohner ihren christlichen Glauben aufgaben und sich dem Islam zuwendeten, war keine Folge der Unterdrückung durch die arabischen Herrschaft, sondern eher das Ergebnis eines natürlichen Wandlungsprozesses. Darüber hinaus profitierte auf der Insel die Wirtschaft, sowie die Kultur und Wissenschaft enorm vom neuen arabischen Einfluss. Der Handel mit dem arabischen Raum, der von Spanien bis Syrien reichte, in Kombination mit der zentralen Lage innerhalb dieses riesigen wirtschaftlichen Gemeinwesens, läutete in Sizilien eine Blütephase ein. Palermo wurde unter den Muslimen zu der wichtigsten Stadt Siziliens und eine der bedeutendsten Handelsmetropolen im Mittelmeerraum. Besucher dieser Stadt bewunderten ihre vielfältige Kultur, geprägt durch eine Bevölkerung die ethnisch stark gemischt war. Sowohl Araber aus Spanien, Syrien oder Ägypten, als auch Griechen, Lombarden, Juden, Slaven, Berber, Perser, Tartaren und Schwarzafrikaner belebten diese Stadt, die sich im 9./10. Jahrhundert auf dem Weg befand eine der Größten der Welt zu werden.[7] Zu Beginn des 10. Jahrhunderts geriet Sizilien dann in den Einflussbereich der Fatimiden, die in einem Bürgerkrieg die Macht der tunesischen Aghlabiden an sich gerissen hatten, sich danach mehr ostwärts orientierten und ihre Hauptstadt in Kairo aufbauten, was dazu führte das Sizilien mehr Unabhängigkeit erlangte. Mit dieser höheren Unabhängigkeit ging allerdings auch eine höhere Isolation Siziliens vom Arabischen Machtzentrum, welches nun in Kairo lag, einher und bot so dem christlichen Europa die Möglichkeit einer Rückeroberung Siziliens. Dies geschah im Jahre 1061, als die Normannen unter Roger in Messina landeten, die Stadt bald einnehmen konnten und weiter ins Landesinnere zogen. 1071 belagerten sie Palermo, das nach einer fünfmonatigen Blockade aufgabt und sich bereit erklärte Tribut zu zahlen, dafür allerdings Autonomie in Glaubensfragen erhielt. 1090 eroberten die Normannen mit Noto die letzte größere Stadt und 1091 befand sich die ganze Insel in ihrer Hand.[8]. Der große sizilianische Dichter Ibn Hamdis kommentierte die Ablösung der Arabischen durch die Normannische Herrschaft mit den Worten: „Jetzt habe ich es gesehen. Wenn der Löwe im Wald fehlt, dann spielt sich der Wolf hochmütig als Herr über das Gebiet auf“[9] Doch trotz der neuen Herschafft auf Sizilien hatte der Machtwechsel erstmal keinen großen Einfluss auf das alltägliche Leben der Bewohner. Roger erkannte früh, dass es von Vorteil sei, den Unterworfenen großzügige Bedingungen zu gewähren, um so die reiche muslimische Kultur, das muslimische Verwaltungssystem, dass dem der Normannen überlegen war, sowie die militärischen Strukturen zu übernehmen. So wurden auch besonders im westlichen Teil der Insel manche Gebiete völlig unbehelligt gelassen. Man achtete lediglich darauf, dass die Bewohner keinen Widerstand leisteten und ihre Steuern entrichteten. Südlich von Palermo konnte sich sogar eine rein muslimische Enklave erhalten, die nominell zwar den Bischöfen von Montreale und Agrigent unterstand, de facto aber von der islamischen Dynastie der Hammudiden beherrscht wurde.[10] Die Zusammensetzung der Bevölkerung Siziliens veränderte sich daher durch die neuen Herrscher nicht übermäßig, zwar wanderten einige Araber im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Normannen aus, so dass der Anteil von mehr als 2/3 an Muslimen, wie er in der Mitte des 11. Jahrhunderts bestand, sicherlich etwas verringert wurde, dennoch bildeten die Muslime auch im 12. Jahrhundert eine bedeutende Bevölkerungsgruppe in Sizilien.[11] Die Toleranzpolitik des Normannenkönigs, an der nach Rogers Tod 1101 auch sein Sohn Roger II. anknüpfte, führte zu einer Vermischung der Kulturen, die sich in sizilianischen Bauwerken des 12. Jahrhunderts zeigt. So weist zum Beispiel die Kirche San Giovanni degli Eremiti, die von Roger II. in den 30 er Jahren des 12. Jahrhunderts errichtet wurde, sowohl normannisch-römische, als auch arabische und byzantinische-griechische Stilelemente auf. Besonders durch die fünf roten Kuppeln erscheint das Bauwerk fast ebenso als Moschee wie als christliche Kirche.[12] Das Verhältnis des Großvaters Friedrichs Roger II. zum Islam war nicht nur von Toleranz und Anerkennung, sondern darüber hinaus von Bewunderung und Wertschätzung geprägt. Dies zeigt sich beispielsweise in der Tatsache, dass Roger II. dem Kreuzzug im Orient fernblieb und muslimische Sitten und Moden am Hofe übernahm, wie der arabische Historiker Ibn al-Athîr (1160-1233) feststellte: „Er behielt die Gepflogenheiten der muslimischen Könige aufrecht von dschanib (Feldadjutanten), hadschib (Kämmerer), silâhî (Knappen), dschândâr (Leibwächter) und Ähnlichem. Dadurch unterschied er sich von den Franken, die diese Einrichtungen nicht kannten. […] Roger respektierte die Muslime: Er pflegte den Umgang mit ihnen und verteidigte sie gegen die Franken. Deshalb begegneten sie ihm mit Liebe.“[13] Nach dem Tod des großen Normannenkönigs wurde die Situation der sizilianischen Moslems allerdings immer schwieriger. Durch den erhöhten Zuzug von Lombarden und Nordeuropäern kam es vermehrt zu Pogromen gegen die Muslime, was zu einer erhöhten Abwanderung dieser nach Nordafrika oder Spanien führte. Speziell in der Phase nach dem Tod Wilhelms II. 1189, in der aufgrund Friedrichs Minderjährigkeit wechselnde Machthaber regierten, wurden Muslime verstärkt verfolgt und verjagt. Die letzten Hinterbliebenen flüchteten sich in schwer zugängliche Gebirgsregionen im Westen (Val di Mazara) und im Osten der Insel (Val di Noto). Besonders im Val di Mazara lösten sich die Muslime in den Wirren vor Friedrichs Machtantritt im Jahr 1208 praktisch gänzlich aus dem sizilianischen Staat heraus und prägten sogar ihr eigenes Geld. Nach einigen Kämpfen zwischen Muslimen und Christen in den Jahren 1222/1223 entschied sich ausgerechnet Friedrich dafür die verbliebenen sizilianischen Muslime in die verlassene römische Stadt Lucera auf dem italienischen Festland zu deportieren und beendete damit das lange Kapitel muslimischer Einflüsse auf Sizilien.[14] Ob die zwanghafte Umsiedlung der Araber einer ethnischen Säuberung gleichkam oder aber ein barmherziger und weitsichtiger Akt zum Wohle der Muslime darstellte, soll in Kapitel 4 näher untersucht werden.

2. Kurzbiographie Friedrichs mit Betonung auf der Kreuzzugsfrage

Am 26. Dezember 1194 kam Friedrich II. in der kleinen mittelitalienischen Bergstadt Jesi zur Welt. Getauft wurde er auf den Namen Friedrich Roger, der auf seine beiden berühmten Großväter, zu einen den Normannen König Roger II., zum anderen den deutschen König und römischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa aus dem Hause Hohenstaufen, verweisen sollte. Durch die Eheschließung zwischen Konstanze und König Heinrich VI., der die alten und tiefen Gegensätze zwischen Normannen und Staufern abschwächen sollte, erwartete den jungen Friedrich eine Doppelerbschaft von unfassbarem Ausmaße, mit dessen Anspruch er früh umzugehen hatte, weil bereits 1197 sein Vater starb und ein Jahr später seine Mutter folgte.[15] Konstanze hatte den vierjährigen Friedrich noch kurz vor ihrem Tod in Palermo zum sizilianisch König gekrönt und Papst Innozenz zum Vormund Friedrichs und Regenten des Königreiches während der Minderjährigkeit ihres Sohnes eingesetzt.[16] Der Papst allerdings konnte dieses Machtvakuum aufgrund der weiten Distanz zwischen Rom und Palermo nicht ausfüllen, sodass die Zeit vor Friedrichs Volljährigkeit in Sizilien, von einer schwachen Zentralgewalt und daher von wechselnden Machthabern geprägt wurde. Beendet wurde diese nahezu anarchische Phase am 26.12.1208, als Friedrich mit Vollendung des 14. Lebensjahres nach sizilianischem Recht mündig wurde. Ein Zeitgenosse schrieb zum Regierungsantritt Friedrichs: „man dürfe bei Friedrich nicht die Zahl der Jahre nachrechnen, da er an Wissen schon ein Mann und an Majestät ein König sei“.[17] Diese durch mehrere Quellen bezeugte Frühreife des jungen Monarchen, war sicherlich auch eine Folge seiner frühen Elternlosigkeit, die ihn zu viel Selbstständigkeit zwang, zumal die wechselnden Machthaber sich kaum um ihn gekümmert hatten. Der Papst bemühte sich noch während seiner Vormundschaft eine Eheschließung mit Konstanze von Aragon in die Wege zu leiten, um unbedingt eine Verbindung zwischen Sizilien und dem Reich und der damit einher gehenden Einkesselung des Kirchenstaates zu verhindern. Zwar war Friedrich anfangs wenig Begeistert von der Idee eine bereits verwitwete und Zehn Jahre ältere Frau zu heiraten, er stimmte der Ehe aber dennoch zu, da er auf die Mitgift der Braut, welche aus einer für diese Zeit beachtlichen Streitmacht von 500 Rittern bestand, angewiesen war, um die Ordnung im Königreich wieder herstellen zu können.[18] Im römisch-deutschen Reich war nach dem Bürgerkrieg zwischen Welfen und Staufern im Jahr 1208 der Welfe Otto IV. zum deutschen König gewählt worden und erlangte am 04.10.1209 nach etlichen Zugeständnissen an den Kirchenstaat auch die Kaiserwürde von Innozenz III.. Da der Welfe diese Versprechungen an den Kirchenstaat allerdings nur kurze Zeit nach seiner Kaiserkrönung reihenweise brach, in dem er in weiten Teilen Italiens alte Reichsrechte wieder beanspruchte, bannte der Papst Otto und begann dessen Gegner zu mobilisieren, um Friedrich als Gegenkönig zu installieren. Zwar hatte Innozenz III. weiterhin große Vorbehalte gegenüber einer Vereinigung Siziliens mit dem Reich unter Staufischer Herrschaft, die Bedrohung die von dem habgierigen und gewalttätigen Otto IV. ausging war für den Kirchenstaat jedoch deutlich höher einzuschätzen und einen anderen Kandidaten, den man dem mächtigen Welfen hätte entgegenstellen können, gab es nicht.[19] Der 18-jährige Friedrich reiste daraufhin nach Deutschland, ließ sich am 5.12.1212 von den Fürsten zum König wählen und wurde wenige Tage später am 9.12.1212 im Dom zu Mainz gekrönt. In den folgenden Jahren verweilte der „König der Römer und König von Sizilien“, wie sich der junge Herrscher von nun an nannte, in Deutschland um seine Herrschaft zu sichern.[20] Endscheidend im Ringen um die Krone zwischen Welfen und Staufern war die militärische Niederlage, die ein staufisch-französisches einem welfisch-englischen Heer am 27.08.1214 zufügte. Mit diesem Schlag war Otto IV. endgültig besiegt. Er zog sich nach Braunschweig zurück und verstarb wenige Jahre später auf der Harzburg. Friedrich hingegen reiste daraufhin in das bis dahin in Ottos Hand gewesene Aachen, der traditionellen Stätte der deutschen Königskrönung. Hier ließ er sich am 25.08.1215 noch einmal zum römisch-deutschen König krönen, er bestieg den Thron Karls des Großen und nahm das Kreuz.[21] Über die Motivation Friedrichs dieses Kreuzzugsversprechen, welches durchaus überraschend für die anwesenden Fürsten und Ritter kam, zu geloben, lässt sich kontrovers diskutieren. Fest steht jedenfalls, dass er sich durch diesen Schritt die päpstliche Unterstützung sicherte und damit seinen Weg zum Kaisertum ebnete. Dass Friedrich allerdings nur aus machtpolitischen Kalkül handelte, kann ebenso wenig nachgewiesen werden wie die Hypothese, er sei überwältigt worden von der mächtigen Strahlkraft des Karlsthrons, und habe deshalb als Ergebnis eines impulsiven Entschlusses das Kreuz ergriffen, um sich in die Tradition Karls des Großen, dem Verteidiger des Papsttums und Beschützer der abendländischen Christenheit einzureihen.[22] Dagegen spricht allerdings, dass es Friedrich in der Folgezeit nicht gerade eilig hatte, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Zwar wiederholte er sein Versprechen immer wieder, aber dem von Papst Innozenz initiierten Kreuzzug von 1217-1221 blieb er fern. Als Honorius III., der Nachfolger des 1217 verstorbenen Innozenz´, Friedrich am 22.11.1220 in der Peterkirche in Rom zum Kaiser krönte, war dies daher an die Bedingung geknüpft dem Kreuzzugsgelübde endlich nachzukommen und so versprach der Kaiser im August des folgenden Jahres in das heilige Land aufzubrechen.[23] Doch auch dieses Versprechen brach Friedrich. Unmittelbar nach seiner Kaiserkrönung zog er sich zurück in sein Heimatreich Sizilien, um die Ordnung im Sinne der Normannischen Herrschaftstradition nach seiner Achtjährigen Abstinenz wieder herzustellen. Friedrich verschob seinen Aufbruch mit Einverständnis des Papstes erst auf März 1222, dann auf Juni 1225 und letztendlich sogar auf Sommer 1227, wobei der letztgenannte Termin vertraglich bindend war und für den Falle der Missachtung die Exkommunikation des Kaisers verordnet werden sollte. Seinem diplomatischen Geschick und dem milden Gemüt Honorius verdankte der Kaiser diesen mehrmaligen Aufschub, der ihm die Zeit gewährte, um innenpolitische Probleme auf der sizilianischen Insel zu lösen. Dennoch bestand Honorius auf die Ausführung dieses Kreuzzuges, der wohl den letzten Lebenssinn des alten kränklichen Papstes ausfüllen sollte. Deswegen bemühte er sich nach dem Tod der Kaiserin Konstanze im Jahre 1222 Friedrich mit der Tochter des Königs Johann von Jerusalem zu verehelichen, um ihn so fester mit den Angelegenheiten des heiligen Landes zu verbinden. Friedrich stimmte zu und heiratete die Vierzehnjährige Isabella von Brienne im November 1225.[24] Noch am Tage der Hochzeit nahm Friedrich, wie es sein Recht war, den Titel des Königs von Jerusalem an, den er von nun an in Urkunden hinter dem des römischen Kaisers und vor dem des sizilianischen Königs folgen ließ. Darüber hinaus forderte er von Johann von Brienne, der bisher den Königstitel stellvertretend für seine Tochter inne hatte und zu dem Friedrich bis dahin eine Freundschaft pflegte, den förmlichen Verzicht auf alle königlichen Rechte. Johann von Brienne, der wenigstens mit der Statthalterschaft von Jerusalem gerechnet hatte, entfloh daraufhin nach einem heftigen Wortwechsel mit dem Kaiser den Feierlichkeiten.[25] Eine Handlung Friedrichs aus der man ein weiteres mal seinen Drang nach Macht, dem er alles Andere unterordnete, schließen könnte. Dazu passt außerdem, dass seit der Hochzeit Friedrichs Motivation für die Durchführung des Kreuzzuges gestiegen zu seien schien. Schließlich hatte der Kreuzzug als ein religiöser Akt von bedeutender Strahlkraft nun darüber hinaus noch einen greifbaren politischen Sinn erhalten. Er sah nun die Möglichkeit sich ein neues Königreich im Orient zu erobern. Hinzu kam allerdings auch noch, dass der Druck seitens der Kurie durch den Tod des gutmütigen Honorius am 18.03.1227 stark zu steigen begann. Denn nur einen Tag später wurde Hugolinius von Ostia, der sich von nun an Gregor IX. nannte, zum neuen Papst gewählt. Mit seiner programmatischen Namenswahl, die zweifellos eine Anspielung auf Gregor VII. beinhaltete, der im 11. Jahrhundert den welthistorischen Kampf gegen den deutschen König Heinrich IV. geführt hatte, zeigte der neue Papst früh welchen Kurs er gegenüber dem Kaiser einschlagen würde.[26] Er sah durch die Macht des Kaisers die Unabhängigkeit der Kirche bedroht und wartete daher nur auf eine Gelegenheit um diese zu schwächen. Diese bot sich dem Papst alsbald, da nämlich Friedrich seinen Kreuzzug, zwar wie geplant im August 1227 startete, allerdings aufgrund einer Seuche, die eine beträchtliche Zahl seiner Streitmacht dahinraffte und letztendlich sogar den Kaiser selbst befiel, nach wenigen Tagen auf See abbrechen musste. Sofort wurden kaiserliche Botschafter nach Rom entsandt, um die missliche Lage zu begründen. Gregor IX. allerdings erklärte sich nicht einmal bereit diese anzuhören, ihm reichte die Botschaft, dass Friedrich sein Versprächen erneut nicht gehalten hatte und so verkündete er kurzerhand die Exkommunikation des Kaisers.[27] Trotz dessen nahm Friedrich nach seiner Genesung die Vorbereitungen zum Kreuzzug wieder auf. Nur so konnte er der Christenheit beweisen, dass es ihm wirklich Ernst mit seinem Gelübde war. Im Juni 1228 brach er mit 40 Galeeren in Richtung Palästina auf. Durch die Exkommunizierung musste er auf eigentlich eingeplante Unterstützung verzichten, sodass sein Kreuzheer vergleichsweise eher schwach war.[28] Den Kern bildeten unteranderem ihm treu ergebene Muslime vom italienischen Festland, für die die Exkommunikation des Kaisers natürlich keine Rolle spielte.[29] Friedrich nahm unmittelbar nach seiner Ankunft diplomatische Beziehungen zum Sultan von Ägypten Al-Kamil auf, zu dem er schon seit einigen Jahren Kontakt gepflegt hatte. Dass Friedrich in vielen Gesprächen mit al-Kamil einen Vertrag aushandeln konnte, war nicht der militärischen Stärke des Kreuzheers zu verdanken, als vielmehr der auch für die islamische Welt beeindruckenden Persönlichkeit des Kaisers. Friedrich sprach fließend arabisch und überraschte darüber hinaus mit seinem hohen Interesse und Wissen über die islamische Dichtung, Philosophie und Wissenschaft.[30] So gewann er die Zuneigung des ebenfalls hochgebildeten Al-Kamils, der allerdings aufgrund von drängenden inneren Angelegenheiten im Ayyubidenreich auch auf eine schnelle Lösung des Konflikts aus war. Der am 18.01.1229 geschlossene Friedensvertrag von Jaffa beinhaltete neben einem 10-jährigen Waffenstilstand die offizielle Übergabe der Muslime von Jerusalem, Bethlehem und Nazareth, sowie Sidon und der Baronie Toron an die Christen. Im gesamten Königreich Jerusalem vertrat jedoch ein Kadi die Rechte der Muslime, denen ihre ungestörte Religionsausübung gewährleistet wurde. Der Harem von Jerusalem, der heilige Bezirk der Muslime mit der al-Asqâ-Moschee und dem Felsendom, wurde weiterhin von diesen verwaltet, war aber auch für Christen frei zugänglich.[31] Dieser Kompromiss zwischen den beiden großen Herrschern grenzte die Menschen beider Kulturkreise nicht etwa voneinander ab, sondern legte eine Grundlage für ein muslimisch-christliches Zusammenleben und war so eine für diese Zeit bemerkenswerte und einzigartige Annäherung der beiden Religionsgemeinschaften, besonders wenn man den Vergleich zu den vorangegangenen Kreuzzügen sucht, in denen durch kriegerische Handlungen zum Ausdruck gebrachter Hass und blinde Wut das Verhältnis bestimmten. Am 18.03.1229 wurde in der Grabeskirche ein Dankgottesdienst von den Kreuzfahrern abgehalten, welchem Friedrich aufgrund seiner Exkommunikation nicht beiwohnte. Am Ende des Gottesdienstes schritt der Kaiser jedoch zum Altar und setzte sich die Krone des Königreiches Jerusalem auf , um seinen Anspruch nochmal zu unterstreichen. Kurz darauf begab sich Friedrich zurück ins Königreich Sizilien, um die dort von päpstlichen Truppen eingenommenen Städte zurück zu erobern und mit dem vom Papst befeuerten Gerücht vom Tod des Kaisers aufzuräumen. Dies gelang nach kurzer Zeit und Dank der vermittelnden Rolle, die Hermann von Salza zwischen Kaiser und Papst einnahm, konnte durch den Frieden von San Germano vom 28.08.1230 auch eine Aussöhnung zwischen dem weltlichen und geistlichen Herrscher erreicht werden, so dass die Exkommunikation Friedrichs aufgehoben wurde. In den folgenden Jahren widmete sich Friedrich der Sicherung der sizilianischen Macht. Er schuf mit den Konstitutionen von Melfi ein umfassendes Gesetzbuch, das vollkommen auf eine absolutistische Monarchie zugeschnitten war und die Aufgabe für Friede und Gerechtigkeit zu sorgen vollkommen in die Hand des Staates legte.[32] Des Weiteren reformierte Friedrich die Wirtschaft und das Steuersystem, schuf für Verwaltungsarbeit einen weitverzweigten Beamtenapparat. 1235 dann begab sich der Kaiser nach Deutschland, um seinen Sohn den deutschen König Heinrich IV. abzusetzen. Vorausgegangen war nach vermehrten Unstimmigkeiten zwischen Vater und Sohn, die offene Abkehr Heinrichs von Friedrich, indem er sich mit den lombardischen Städten gegen den Kaiser verband. Nach dem Sturz Heinrichs ließ Friedrich seinen zweiten Sohn Konrad 1237 neunjährig von zahlreichen deutschen Fürsten zum deutschen König und künftigen Kaiser wählen und sicherte so die Thronfolge im staufischen Hause.[33] Zu dieser Zeit entfachte der Streit zwischen Kaiser und Papst erneut, da Friedrich mit den deutschen Fürsten einen neuen Italienzug plante, um den rebellierenden Lombardenbund zu bändigen. Darüber hinaus sorgte die Heirat eines von Friedrichs unehelichen Söhnen mit der Erbin Sardiniens für Verärgerung bei der Kurie. Denn eigentlich hatte der Kaiser dem Papst versichert, dass diese Insel im Besitz der Kirche bliebe.[34] Die daraufhin entstandene Koalition gegen den Kaiser aus einem Bündnis zwischen Venedig, Genua und dem Papst verschärfte die Frontenbildung und machte einen Krieg beinahe unumgänglich. Der Konflikt spitze sich in den Folgejahren weiter zu und mündete in eine weitere Exkommunikation des Kaisers, welche Papst Gregor IX. am 20.03.1239 aussprach. Im Unterschied zu Friedrichs erster Kirchenbannung wurde diese bis zu seinem Tod nicht wieder aufgehoben. Mehrere Kämpfe zwischen kaiserlicher und päpstlicher Fraktion ergaben keine endgültigen Lösungen zu Gunsten einer Seite. Auch der Tod des Papstes Gregor IX. im August 1241 konnte das Verhältnis zwischen Kirche und Kaiser nicht verbessern. Denn sein Nachfolger Innozenz IV., der erst 1243 gewählt wurde, war ebenfalls der Ansicht als Stellvertreter Christi über die ganze Menschheit verfügen zu können, also auch über Kaiser und Könige.[35] Innozenz erklärte Friedrich auf einem Konzil in Lyon vor 150 Bischöfen aus ganz Europa als deutschen König und römischen Kaiser für abgesetzt. In der Absetzungsbulle wurde diese Entscheidung gerechtfertigt und sogar zum Kreuzzug gegen Friedrich den „Sohn und Schüler Satans“ oder „Herold des Teufels“ aufgerufen.[36] In Deutschland wurden nun bis zu Friedrichs Tod Gegenkönige aufgestellt, von denen sich aber keiner wirklich durchsetzen konnte. Am 18. Februar 1248 erlitten die kaiserlichen Truppen eine verheerende Niederlage bei dem Versuch Parma zu belagern. Zwar war die Niederlage militärisch verkraftbar für Friedrich, aber in ganz Europa wurde diese Schlacht als Wendepunkt empfunden, der Glaube an die Unbesiegbarkeit des Staufers hatte stark gelitten.[37] Dennoch bahnte sich kurz vor Friedrichs Tod noch einmal ein Umschwung an. Friedrich hatte die Oberhand über Italien zurück gewonnen. Hinzu kam, dass die Kurie finanziell erschöpft war und der Papst zunehmend von anderen Herrschern wie dem französischen König Ludwig IX. darauf gedrängt wurde mit dem Kaiser Frieden zu schließen.[38] Dieser Entwicklung kam allerdings der plötzliche Tod Friedrichs in die Quere. Ende November erkrankte er und starb im Alter von 54 Jahren am 13.Dezember 1250 in Castel Fiorentino bei Lucera.

[...]


[1] Nach Wolf S. 6

[2] Nach Houben S.10

[3] Nach Horst, S. 16

[4] nach Bimous S. 37

[5] nach Finley, S. 73 f.

[6] nach Goldmann, S. 13

[7] nach Rill, S. 88

[8] nach Goldmann, S. 12

[9] nach Pellitteri, S. 60

[10] nach Goldmann, S. 12

[11] nach Houben, S. 74

[12] nach Finley ,S. 86

[13] Amari, M.: Biblioteca Arabi-sicula, Turin-Rom, 1880. I, S. 229f.; nach Crespi, S. 78

[14] nach Schaller, S. 27

[15] nach Horst, S.17

[16] nach Houben, S.29

[17] nach Schaller, S. 15

[18] nach Horst, S. 32

[19] nach Schaller, S. 19

[20] nach Houben, S. 34

[21] Nach Houben, S. 35

[22] Nach Abulafia, S. 126

[23] Nach Houben, S. 38

[24] Nach Schaller, S. 34

[25] Nach Kantorowicz, S. 131

[26] Nach Schaller, S. 34

[27] Nach Abulafia, S. 173

[28] Nach Schaller, S. 35

[29] Nach Goldmann, S.23

[30] Nach Schaller, S. 36

[31] Nach Abulafia, S. 190

[32] Nach Rösch, S. 99

[33] Nach Schaller, S. 58

[34] Nach Houben, S. 70

[35] Nach Houben, S. 28

[36] Nach Houben, S. 179

[37] Nach Masson, S. 356

[38] Nach Masson, S. 360

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis Friedrichs II. von Hohenstaufen zum Islam
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V352105
ISBN (eBook)
9783668385696
ISBN (Buch)
9783668385702
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verhältnis, friedrichs, hohenstaufen, islam
Arbeit zitieren
Jakob Wasserscheid (Autor), 2016, Das Verhältnis Friedrichs II. von Hohenstaufen zum Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352105

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