Klassische Texte im Unterricht. Zugänge zu Goethes "Iphigenie auf Tauris"


Hausarbeit, 2015

28 Seiten, Note: 1,50


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. Vorüberlegungen.

3. Die Mythologie
3.1. Der Tantalidenfluch als Einstieg
3.2. Antikes Vorbild und Änderungen durch Goethe

4. Themen bzw. Zugänge
4.1. Der Tantalidenfluch
4.2. Die Rolle der Frau
4.3. Menschenopfer
4.4. Iphigenies Konflikt

5. Konkrete Arbeitsaufgaben.
5.1. Arbeitsaufgaben zu Textstellen
5.2. Schreibaufgaben

6. Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Bildquellen

1. Einleitung

„Goethe ist ja voll langweilig. Was interessieren mich diese alten Bücher in so komischer Sprache, das versteh ich eh nicht.“ Einstellungen dieser Art werden heutzutage von immer mehr Jugendlichen vertreten. Nicht selten stößt man auf Ablehnung vonseiten der SchülerInnen, wenn man die Beschäftigung mit klassischen Texten im Unterricht ankündigt. Doch woher kommt diese negative Einstellung? Viele assoziieren mit älteren Texten automatisch etwas Langweiliges und von ihrer Erfahrungswelt völlig Entfremdetes. Der Grund dafür ist, dass klassischen Texten der Ruf vorauseilt, sie seien besonders schwierig geschrieben und für unsere heutige Gesellschaft nicht mehr so leicht zu verstehen. Diese Vorurteile gegenüber klassischer Literatur stellen ein großes Problem dar, da somit die Motivation für das Lesen noch mehr sinkt und viele SchülerInnen einem Klassiker gar nicht die Chance geben wollen, sich auf ihn einzulassen. Und gerade diesem Fehlglauben gilt es entgegenzutreten; diesem Problem müssen sich Lehrpersonen nun stellen. Dazu ist es notwendig, die Vorurteile der SchülerInnen weitgehend abzubauen und ihr Bewusstsein dafür zu schärfen, dass klassische Literatur nicht automatisch mit „langweilig“ und „schwierig“ assoziiert werden kann. Damit dies gelingen kann, muss man eine Zugangsweise zur Literatur finden, die für SchülerInnen verständlich ist. Es gilt, jene Themen aus einem Text herauszugreifen, die für SchülerInnen ansprechend sind, oder mit denen sich ein Bezug zu ihrer Lebenswelt herstellen lässt. Das Ziel, den SchülerInnen klassische Literatur (oder auch Literatur generell) auf eine Weise näherzubringen, die sie verstehen und die ihr Interesse wecken könnte, sollte bei DeutschlehrerInnen heutzutage höchste Priorität haben. In der Praxis ist dies jedoch oft nicht der Fall; möglicherweise weil das WIE nicht bekannt ist. Daher möchten wir unsere Arbeit diesem Thema widmen und Lösungsvorschläge anbieten, wie man mit SchülerInnen effizient an einen klassischen Text herangeht. Wir haben dafür Goethes Drama „Iphigenie auf Tauris“ gewählt, da es sich hierbei um einen sehr bedeutenden Text handelt, welcher jedoch auf den ersten Blick aufgrund seiner Sprache für SchülerInnen abschreckend wirken könnte. Dennoch sind wir überzeugt, dass er das Potential besitzt, auch junge Leute begeistern zu können – sofern man ihnen den richtigen Zugang anbietet. Unser Ziel ist es, Zugangsweisen aufzuzeigen, mit denen man den SchülerInnnen diesen klassischen Text auf eine ihnen verständliche Weise näherbringen kann. Dazu haben wir zentrale Themen aus dem Text ausgewählt, die das Interesse der SchülerInnen wecken könnten. Des Weiteren möchten wir konkrete Möglichkeiten vorstellen, wie man mit dem Text arbeiten kann. Denn ein guter Deutschunterricht sollte nicht nur zum Lesen anregen sondern auch die Gelegenheit bieten, einen Text in angemessener Weise zu reflektieren und sich weiterführend mit ihm auseinanderzusetzen.

2. Vorüberlegungen

Wenn man plant, mit den SchülerInnen einen literarischen Text zu lesen und zu besprechen, sollte man sich zuallererst bewusst machen, dass sich unserer Alltagssprache erheblich von der literarischen unterscheidet. Im Gegensatz zur Alltagssprache, die durch Vereinfachung und Gewohntes gekennzeichnet ist, geht es in der Literatursprache um Variation, Ungewohntes und Unübliches. Sie neigt aufgrund ihrer Komplexität dazu, das Lesen zu erschweren und den Leser zu verunsichern. Daher haben SchülerInnen oft Schwierigkeiten mit literarischen Texten.[1] Dennoch oder gerade deswegen ist es wichtig, sie trotzdem mit solchen Texten zu konfrontieren, um sie an diese Art des Schreibens zu gewöhnen und sie in ihrem Verstehen von literarischen Texten zu fördern. Dabei ist es wichtig, den SchülerInnen Hilfestellungen anzubieten und sicherzugehen, dass der Inhalt bzw. die Aussage des Textes verstanden wurde.

Bereits zu den Anfängen des deutschsprachigen Literaturunterrichts betonte Johann Gottfried Herder die Wichtigkeit des lauten Vorlesens und Vortragens der edelsten und besten deutschen Stücke.[2] Diese Anforderung ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie in der Praxis auch ineffektiv umgesetzt werden kann. Beispielsweise neigen Vertreter des traditionellen Deutschunterrichts dazu, das Vorlesen im Unterricht auf das gemeinsame Vortragen von Lesebuchtexten zu beschränken und den Fokus dabei ausschließlich auf die Flüssigkeit des Lesens zu legen. Weit verbreitet ist auch das Lesen von Dramentexten mit verteilten Rollen, das jedoch aufgrund von mangelndem Talent oder fehlender Motivation der SchülerInnen seltsam wirken und am eigentlichen Sinn des lauten Vorlesens vorbeigehen kann.[3] Daher sollte man besser von diesen veralteten Konzepten absehen und neuere Methoden heranziehen. Hilfreich könnte es zum Beispiel sein, wenn ein(e) Musterleser(in) – eventuell die Lehrperson selbst – einen Textausschnitt mit entsprechender Betonung vorliest. Dies kann das Textverständnis der SchülerInnen fördern. Eine weitere Möglichkeit wäre, einzelnen SchülerInnen Textausschnitte vorbereiten zu lassen, welche sie dann vor der Klasse vortragen.

Bevor man sich einer konkreten Planung der Unterrichtssequenzen zu „Iphigenie auf Tauris“ widmen kann, muss man zuerst eine entscheidende Frage klären: Liest man mit der Klasse das gesamte Buch oder nur einzelne Passagen?

Es spricht einiges dafür, mit den SchülerInnen den gesamten Text zu lesen. Zum Beispiel die Tatsache, dass sie sich erst an die Sprache gewöhnen und in die Lektüre einlesen müssen. Ein weiteres Argument wäre, dass es sich um ein großartiges Buch handelt, welches es verdient, als Ganzes gelesen zu werden. Des Weiteren erhalten die SchülerInnen ein besseres Verständnis der Geschichte, wenn sie das gesamte Buch gelesen haben und darauf aufbauend, können sie mehr aus dem Text herausholen – sprich: man kann vielfältigere und tiefergehende Arbeiten am Text durchführen. Somit wäre es wünschenswert, mit den SchülerInnen das ganze Buch zu lesen, doch dies ist in der Realität nicht immer umsetzbar, da im Lehrplan viele literarische Werke vorgesehen sind, von denen die SchülerInnen im Laufe ihrer Schulzeit Kenntnis bekommen sollten und wenn man den Anspruch auf eine intensivere Auseinandersetzung mit den Texten erhebt, wird die Zeit fehlen, den SchülerInnen alle Bücher lesen zu lassen. Gerade im Fall von „Iphigenie“ ist es schwierig, da es mehrere Bücher von Goethe gibt, die man mit den SchülerInnen besprechen und somit auch lesen sollte. Beispielsweise „Faust. Der Tragödie erster Teil.“ und „Die Leiden des jungen Werthers“, um zwei der bedeutendsten zu nennen. Aufgrund dieses Zeitproblems sollte man in Erwägung ziehen, mit den SchülerInnen nur einzelne Auszüge aus dem Buch zu lesen und sich dennoch um eine möglichst intensive Auseinandersetzung mit dem Text zu bemühen. Empfehlenswert ist in diesem Fall die Methode des textnahen Lesens. Dies bedeutet, dass die SchülerInnen sich bereits beim Durchlesen Gedanken zum Text machen und sich diese notieren. Die Notizen können direkt in den Text, am Rand oder im unteren Bereich, gekennzeichnet durch Fußnoten, hinzugefügt werden. Die Methode schließt ebenfalls das Markieren auffälliger oder unverständlicher Phrasen und Wörter des Textes ein. Um es übersichtlicher zu gestalten, könnte man den SchülerInnen vorschlagen, zwei verschiedene Farben zu verwenden: eine für die Ebene des Inhalts und eine zur Kennzeichnung sprachlicher Phänomene.[4]

Des Weiteren ist zu beachten, dass es schwieriger ist, den SchülerInnen das Werk näherzubringen, wenn sie nur einzelne Passagen davon lesen, da ihnen Zusammenhänge unklar sein könnten. Daher ist es notwendig, mit den SchülerInnen vorher den Inhalt zu besprechen, damit sie Bescheid wissen, wovon das Buch handelt. Anderwärtig würden sie den Sinn und vor allem den Sinneszusammenhang zwischen den einzelnen Textpassagen kaum verstehen. Auf Basis eines Wissensinputs zum Inhalt können anschließend einzelne Themen anhand von Zitaten und Textpassagen herausgearbeitet werden. Beispiele dazu finden sich in den folgenden Kapiteln.

Entscheidet man sich dafür, die SchülerInnen das gesamte Buch lesen zu lassen, ist es wichtig, ihnen Hilfestellungen anzubieten, um ihnen das Verstehen des Textes zu erleichtern. Ansonsten kann es leicht passieren, dass manche SchülerInnen gleich zu Beginn die Motivation verlieren, weil sie mit der Sprache des Buches überfordert sind. Somit ist anzuraten, ihnen Stellenkommentare zu geben, in denen schwierige oder veraltete Ausdrücke erklärt werden. Handelt es sich um den ersten dramatischen Text, den die SchülerInnen zu Gesicht bekommen, sollte man sie generell ein wenig auf diese Art der Sprache vorbereiten.

Vielen Lehrpersonen bietet das Literaturbuch Orientierung beim Unterrichten literarischer Texte. Dies kann sowohl hilfreich als auch kontraproduktiv sein, da viele Schulbücher die einzelnen Werke nur oberflächlich darstellen. Daher sollte das Literaturbuch eher als Ergänzung betrachtet werden und nicht als vollständige Anleitung zur Textbehandlung. Im Schulbuch „Stichwort Literatur. Geschichte der deutschsprachigen Literatur“[5] findet sich beispielsweise nur eine Zusammenfassung von „Iphigenie auf Tauris“. Die dazu verfasste Einleitung, in der über die Rezeptionsgeschichte, die Wirkung des Dramas und die Figur Iphigenie als klassisches Ideal berichtet wird, wirkt für SchülerInnen nicht gerade ansprechend. Zudem wird für sie schwer zu begreifen sein, wieso Iphigenie ein klassisches Ideal verkörpern soll, da es ohne Begründung dasteht. Die Einleitung ist somit kaum sinnvoll, denn auch die Rezeptionsgeschichte und die Wirkung des Dramas sind für SchülerInnen weniger relevant. Im Anschluss gibt es zwar eine kurze und verständliche Zusammenfassung des Inhaltes, doch man sollte das Besprechen eines Buches nicht auf eine Inhaltsangabe beschränken; zumindest ein Textausschnitt sollte gegeben sein, damit die SchülerInnen einen Einblick in die individuelle Sprache des Buches bekommen. Außerdem haben SchülerInnen nur so die Möglichkeit, die Formulierungen des Autors auf ihre Weise zu deuten. Bei einer Zusammenfassung geht dieses kommunikative Ziel des Autors verloren; es wird die Möglichkeit einer individuellen Interpretation der Ausdrucksweise genommen.[6]

3. Die Mythologie

3.1. Der Tantalidenfluch als Einstieg

Der Einstieg in ein Thema sei besonders sorgfältig gewählt, da er sich auf den weiteren Verlauf der Unterrichtssequenzen auswirken kann. Beginnt man zum Beispiel mit Zahlen und Fakten, besteht ein hohes Risiko, dass die SchülerInnen mit ihren Gedanken abschweifen und keine Motivation aufbringen, sich noch weiterhin mit dem Thema beschäftigen zu wollen. Es ist entscheidend, einen Einstieg zu gestalten, der das Interesse der SchülerInnen weckt. Dazu sollte man ein Thema aus dem Buch wählen, das die SchülerInnen dazu bewegt, sich weiter mit dem Text beschäftigen oder ihm zumindest eine Chance geben zu wollen.

Im Falle von „Iphigenie“ gibt es einen Zugang, der sich besonders gut als Einstieg eignet: die Erläuterung der Mythologie. Ein Grund dafür ist, dass es sich hierbei um eines jener Themen aus dem Text handelt, das für Jugendliche sehr ansprechend wirken könnte. Schließlich erfreuen sich in heutiger Zeit Fantasy-Romane (z.B. „Das Lied von Eis und Feuer“) und Göttermythen (z.B. Thor) großer Beliebtheit bei jungen Leuten. Somit besteht große Wahrscheinlichkeit, dass auch der Tantalidenmythos in ihren Interessensbereich fällt. Vor allem weil es sich hierbei um eine sehr gewalttätige Geschichte handelt, könnte sie die Aufmerksamkeit der SchülerInnen auf sich ziehen, wenn man bedenkt, wie viele Jugendliche sich heutzutage für Filme oder Videospiele mit gewalttätigen Inhalten begeistern.

Abgesehen von den Präferenzen der SchülerInnen ist es zudem notwendig, die Mythologie zu erklären, bevor man mit dem Lesen des Textes beginnt, denn sonst könnte Frustration bei den SchülerInnen aufkommen, da die Nennung der vielen Namen zu Verwirrungen führt und sie nicht verstehen, worum es geht.

Aufgrund der Komplexität des Tantalidenfluchs ist es sinnvoll, mit einer Graphik zu arbeiten. Eine Möglichkeit für die Darstellung des Tantalidenstammbaumes wäre die Folgende:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1[7]

Empfehlenswert ist es auch, die wichtigsten Charaktere farblich zu kennzeichnen, damit die bildliche Darstellung übersichtlicher wird. Außerdem könnte man den SchülerInnen eine kurze Zusammenfassung des Tantalidenmythos schriftlich aushändigen, damit sie dem Inhalt besser folgen können. Eine alleinige mündliche Erzählung der Lehrperson könnte sie angesichts der Komplexität des Stoffes überfordern.

Entscheidend ist, noch einmal die wichtigsten Aspekte, also jene, die für den Inhalt von Goethes „Iphigenie“ relevant sind, zusammenzufassen, bevor man zum Lesen des Textes schreitet. Ansonsten kann es passieren, dass den SchülerInnen aufgrund des Überschusses an Informationen, unklar ist, wie sie das neu erworbene Wissen nun auf den zu lesenden Text anwenden sollen. Schließlich geht es nicht darum, die gesamte Familiengeschichte des Tantalus genauestens wiedergeben zu können, sondern darum, einen Einblick in den Verlauf des Fluchs zu bekommen. Die SchülerInnen sollen verstehen, wie der Fluch funktioniert und laut Orakel gelöst werden kann und sie sollen wissen, wie es dazu kam, dass Iphigenie nach Tauris gelangte.

3.2. Antikes Vorbild und Änderungen durch Goethe

Die Tatsache, dass Goethes „Iphigenie auf Tauris“ stark von Euripides Dramen „Iphigenie in Aulis“ und „Iphigenie bei den Taurern“ geprägt wurde, lässt sich nicht bestreiten. Trotzdem besteht eine Abgrenzung zum antiken Vorbild und damit einhergehend eine Eigenständigkeit seines Werkes, welche durch Friedrich Jacobs Kommentar verdeutlicht wird:

„Von dem Genie unsers Dichters war es zu erwarten, daß [sic!] er sich seine eigne Bahn brechen würde. Seine Iphigenie ist keine Nachahmung der Iphigenie von Euripides. Es ist ein eignes Werk, das mit jenem wetteifert, so wie oft jeder große Dichter mit Sophokles in demselben Gegenstand wetteifert. Sie ist das Werk eines Geistes, der mit dem Geiste der Alten gerungen und sich ihn zueigen gemacht hat; ein Werk voll Einfalt und stiller Größe, so wie es vielleicht Euripides selbst in unseren Tage geschrieben hätte.“[8]

Jacobs bringt in diesem Zitat deutlich zum Ausdruck, dass er Goethes „Iphigenie auf Tauris“ für ein sehr gelungenes Werk und keineswegs für eine einfache Nachahmung hält. Auch Friedrich Schiller teilt diese Einstellung. Er meint, für eine Nachahmung sei dieses Werk viel zu lebendig, da man beim Lesen das Gefühl bekomme, den Geist des Altertums zu spüren.[9]

Schon hinsichtlich ihrer Anfangsszenen lassen sich die Werke von Goethe und Euripides unterscheiden. Euripides „Iphigenie bei den Taurern“ beginnt damit, dass Iphigenie von Orests Tod träumt. In Goethes Werk „Iphigenie auf Tauris“ wird am Anfang Iphigenies Hoffnung auf Heimkehr zum Thema. Bei genauerer Betrachtung der vorgenommenen Änderungen durch Goethe fällt einem die dahinterliegende Bewusstheit und Intentionalität auf. Zum Beispiel lässt er den Orakelspruch so umdeuten, dass mit „Schwester“ Iphigenie und nicht Diana, die Schwester Apolls, gemeint ist; dadurch kann die Statue in Tauris bleiben und der Fluch kann aufgehoben werden, indem Iphigenie wieder nach Hause zurückkehrt. Iphigenie nimmt bei Goethe eine weitere Funktion ein, die bei Euripides von einer Göttin erfüllt wird: Ihr gelingt es, Thoas zu besänftigen, was bei Euripides nur Athene zu tun vermag. Des Weiteren spart Goethe die umfassende Familiengeschichte aus, wodurch der Fluch unverständlich wirkt, so als hätten die Götter ihn Tantalus grundlos auferlegt. Doch Goethe legt den Fokus nicht auf die Vorgeschichte, sondern auf die Lösung des Fluches – also hauptsächlich auf Iphigenies Entscheidungen und Handlungen. Schließlich ist noch zu bemerken, dass Orests Wahnsinn nicht so exzessiv dargestellt wird, sondern sich eher in seinem Inneren abspielt, als eine Art von Gewissensbissen. Außerdem kann er bei Goethe durch das schwesterliche Charisma geheilt werden. Einige der Änderungen hängen mit der Zeit zusammen. Goethes Zielpublikum war die Weimarer Klassik, daher sein Versuch, es an deren Ideale anzupassen. In Goethes Werk repräsentiert die Figur der Iphigenie durch ihre Reinheit und Menschlichkeit ein Ideal der Weimarer Klassik.[10]

Aufgrund der Verlagerungen der Konflikte in das Innere der Figuren besteht eine gewisse Handlungsarmut. Bedeutend ist in diesem Werk jedoch vor allem die Persönlichkeitsentwicklung der Figur Iphigenie, welche aus ihrer inneren Zerrissenheit resultiert. Goethes Werk kann demnach als Seelendrama bezeichnet werden. Davon abzugrenzen ist Euripides Schicksal- und Götterdrama.[11]

[...]


[1] Vgl. Waldmann, Günter (1998): Produktiver Umgang mit Literatur im Unterricht. Grundriss einer produktiven Hermeneutik. Theorie - Didaktik -Verfahren – Modelle. In: Lange, Günter et al (Hg.): Deutschdidaktik aktuell. Hohengehren: Schneiderverlag Hohengehren GmbH. S. 16

[2] Vgl. Abraham, Ulf / Kepser, Matthias (32009): Literaturdidaktik Deutsch. Eine Einführung. Berlin: Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. S. 115

[3] Vgl. Wagner, Roland W. (2003): Methoden des Unterrichts in mündlicher Kommunikation. In: Bredel, Ursula et al (Hg.): Didaktik der deutschen Sprache. Ein Handbuch. 2. Teilband. Paderborn: Ferdinand Schöningh, 747-759. S. 750

[4] Vgl. Abraham (2009), S. 221

[5] Vgl. Rainer et al (2008), S. 127

[6] Vgl. Ader, Dorothea / Kress, Axel / Riemen, Alfred (1957): Literatur im Unterricht – linguistisch. München: Kösel-Verlag GmbH & Co., S. 23

[7] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tantaliden-Stammbaum.jpg

[8] Borchmeyer (2008), S. 1304

[9] Vgl. Angst, Joachim / Hackert, Fritz (Hg.) (1979): Erläuterungen und Dokumente. Johann Wolfgang Goethe. Iphigenie auf Tauris. Stuttgart: Philipp Reclam jun., S. 58

[10] Vgl. Borchmeyer, Dieter / Huber, Peter (Hg.) (2008): GOETHE KLASSISCHE DRAMEN. TEXT UND KOMMENTAR. Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag., S. 1018, 1021f

[11] Vgl. Hoock, Yvonne (2008): Iphigenie-Variationen - Iphigenie-Prätexte und deren Variationen in der Gegenwartsliteratur. In: http://www.grin.com/de/e-book/115977/iphigenie-variationen-iphigenie-praetexte-und-deren-variationen-in-der

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Klassische Texte im Unterricht. Zugänge zu Goethes "Iphigenie auf Tauris"
Hochschule
Universität Salzburg
Note
1,50
Autor
Jahr
2015
Seiten
28
Katalognummer
V352121
ISBN (eBook)
9783668386433
ISBN (Buch)
9783668386440
Dateigröße
837 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
klassische, texte, unterricht, zugänge, goethes, iphigenie, tauris
Arbeit zitieren
Sanja Leitner (Autor), 2015, Klassische Texte im Unterricht. Zugänge zu Goethes "Iphigenie auf Tauris", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352121

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