Integrated Reporting. Ein Konzept für die Unternehmensberichterstattung der Zukunft?


Seminararbeit, 2016

24 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der Lageberichterstattung
2.1 Definitionen und Publizitätspflichten
2.2 Grundsätze und Berichtsinhalte des DRS 20

3. Grundlagen des Integrated Reporting
3.1 Fundierung und Entwicklungsstand
3.2 Prinzipien und Berichtsinhalte des Rahmenwerks

4. Umsetzungsperspektive des Integrierten Berichts im Lagebericht
4.1 Implementierung des Integrierten Berichts
4.2 Integrationsfähigkeit des Integrierten Berichts
4.2.1 Vereinbarkeit der Prinzipien und Grundsätze
4.2.2 Vereinbarkeit der Berichtsinhalte

5. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Rechtsquellen- und Normenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Informationsbedürfnisse von Investoren und anderen Stakeholdern gegenüber der externen Berichterstattung von Unternehmen haben sich insbesondere durch die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten für den Unternehmenserfolg verändert.1 Die traditionelle Finanzberichterstattung wird zunehmend um neue In- strumente der Berichterstattung mit qualitativen und zukunftsorientierten Informa- tionen über die Geschäftsentwicklung ergänzt.2 Durch die parallel existierenden und von zunehmender Komplexität gekennzeichneten Instrumente der Berichter- stattung besteht jedoch das Risiko, die Informationsansprüche der Adressaten nicht mehr adäquat erfüllen zu können. Ein in der Literatur zunehmend diskutierter3 und in der Praxis bereits erprobter4 Lösungsansatz stellt das Integrated Reporting (IR) dar. Ziel des IR ist die ganzheitliche, zukunftsorientierte und adressatengerechte Darstellung der internen und externen Einflüsse auf die Wertschöpfung eines Un- ternehmens.5 Hierfür wird in Deutschland eine Weiterentwicklung des Lagebe- richts zu einem Integrierten Bericht diskutiert.6 Fraglich ist, ob das IR auf Grund- lage seiner grundsätzlichen und inhaltlichen Fundierung über eine hinreichende In- tegrationsfähigkeit in den Konzernlagebericht nach DRS 20 verfügt.

Ziel dieser Arbeit ist eine kritische Analyse der Umsetzungsperspektive eines Integrierten Berichts im Rahmen der Konzernlageberichterstattung unter Berücksichtigung der Komptabilität der Grundsätze und Prinzipien sowie der Inhaltselemente der Rechnungslegung nach DRS 20 und dem Rahmenwerk des IIRC.

In Kapitel 2 werden hierfür die relevanten Definitionen sowie Grundsätze und In- halte der Konzernberichterstattung erläutert. In Kapitel 3 erfolgt eine Darstellung der Fundierung des IR sowie der Berichtsprinzipien und Inhalte des Rahmenwerks. Kapitel 4 befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung der Umsetzungsper- spektive eines Integrierten Berichts und geht insbesondere auf das Thema der In- tegrationsfähigkeit des IR ein.

2. Grundlagen der Lageberichterstattung

2.1 Definitionen und Publizitätspflichten

Die gesetzlichen Publizitätsanforderungen an die externe Berichterstattung ergeben sich für die rechnungslegenden Unternehmen in Abhängigkeit von Rechtsform und Größe aus den relevanten Wirtschaftsgesetzen. Im Rahmen dieser Arbeit werden insbesondere die Implikationen für kapitalmarktorientierte Konzerne7 im deutschen Rechtsraum betrachtet, die zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet8 sind. Der Konzernabschluss ist für kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen ge- mäß § 315a HGB zwingend und befreiend9 nach den International Financial Repor- ting Standards (IFRS)10 aufzustellen. Der Adressatenkreis wird primär in den Ka- pitalgebern gesehen, was derzeitige und potenzielle Eigenkapitalgeber, Fremdkapi- talgeber und andere Gläubiger einschließt.11 Die IFRS enthalten selbst keine Ver- pflichtung zur Aufstellung eines Konzernlageberichts. Für deutsche Mutterunter- nehmen ergibt sich dennoch eine Aufstellungsplicht aus § 315a Abs. 1 HGB, der eine Aufstellung nach den Vorschriften des § 315 HGB vorsieht.

Der Lagebericht wird neben dem Jahresabschluss als eigenständiges Informations- instrument aufgefasst.12 Die inhaltlichen Bestandteile des Lageberichts werden durch § 289 HGB konkretisiert und müssen die für den Geschäftsverlauf bedeut- samsten finanziellen Leistungsindikatoren enthalten, die in Bezug auf die im Jah- resabschluss ausgewiesenen Werte erläutert werden müssen. Für die Konzernlage- berichterstattung ist darüber hinaus insbesondere der Deutsche Rechnungslegungs Standard (DRS) 2013 relevant, der im Folgenden erläutert wird. Durch dessen Ver- öffentlichung im September 2012 wurden u.a. deutlich höhere Anforderungen an die Berichterstattung über nichtfinanzielle Leistungsindikatoren gestellt.14

2.2 Grundsätze und Berichtsinhalte des DRS 20

DRS 20 enthält sechs Grundsätze, die der Konzernlageberichterstattung zugrunde liegen. Gemäß dem Grundsatz der Wesentlichkeit muss sich der Konzernlagebericht auf die wesentlichen Informationen konzentrieren und über das Konzernumfeld nur in dem Maße berichten, soweit dies zum Verständnis des Geschäftsverlaufs, der Lage und der voraussichtlichen Entwicklung des Konzerns erforderlich ist.15 Der Grundsatz der Informationsabstufung besagt, dass Ausführlichkeit und Detaillie- rungsgrad der Ausführungen von den individuellen Gegebenheiten des Konzerns, beispielsweise Art der Geschäftstätigkeit, Größe und Kapitalmarktorientierung, ab- hängen.16 Im Sinne der Klarheit und Ü bersichtlichkeit muss der Konzernlagebe- richt sowohl vom Konzernabschluss als auch von den übrigen veröffentlichten In- formationen eindeutig zu trennen sein.17 Durch DRS 20 ist es dabei nun möglich, den Konzernlagebericht mit dem Lagebericht des Mutterunternehmens zusammen- zufassen.18 Zudem soll sich Form und Inhalt des Lageberichts durch Stetigkeit aus- zeichnen und Änderungen die Klarheit und Übersichtlichkeit nicht beeinträchti- gen.19 Nach dem Grundsatz der Vollständigkeit hat der Konzernlagebericht alle In- formationen zu vermitteln, die ein verständiger Adressat zur Beurteilung des Ge- schäftsverlaufs im Berichtszeitraum, der Lage des Konzerns und der voraussichtli- chen Entwicklung mit ihren wesentlichen Chancen und Risiken benötigt.20 Verläss- lichkeit und Ausgewogenheit ist ein weiterer Grundsatz, der die Angabe von zutref- fenden und nachvollziehbaren Informationen verlangt.21 Positive oder negative As- pekte dürfen nicht einseitig dargestellt werden und die Angaben müssen darüber hinaus plausibel, konsistent und frei von Widersprüchen gegenüber den entspre- chenden Informationen im Konzernabschluss sein.22 Die Vermittlung der Sicht der Konzernleitung besagt, dass der Konzernlagebericht die Einschätzungen und Beur- teilungen der Konzernleitung zum Ausdruck bringen muss.23

Die inhaltliche Gliederung des Konzernlageberichts kapitalmarktorientierter Mut- terunternehmen umfasst neun Berichtsinhalte, die in inhaltlich abgegrenzte Ab- schnitte zu gliedern sind.24 Durch DRS 20 wird keine Berichtsstruktur vorgegeben, vielmehr wird die Fokussierung auf Mindeststandards als zielführend angesehen.25

Die Grundlagen des Konzerns enthalten Informationen über das Geschäftsmodell des Konzerns, dessen Ziele und Strategien, das Steuerungssystem und die For- schungs- und Entwicklungsleistungen.26 Im anschließenden Wirtschaftsbericht muss der Geschäftsverlauf und die Lage des Konzerns dargestellt, analysiert und beurteilt werden, wobei auch nichtfinanzielle Leistungsindikatoren berücksichtigt werden sollen.27 Der Nachtragsbericht hat Vorgänge von besonderer Bedeutung, die nach dem Schluss des Berichtszeitraums eingetreten sind, und deren erwarteten Auswirkungen auf das Unternehmen darzustellen und zu erläutern.28 Der Prognose- , Chancen- und Risikobericht hat über die voraussichtliche Entwicklung des Kon- zerns mit dessen wesentlichen Chancen und Risiken zu berichten und das Risiko- managementsystem zu erläutern.29 Darüber hinaus verbleiben fünf ergänzende Be- richtspflichten. Unter dem Internen Kontrollsystem und Risikomanagementsystem bezogen auf den Konzernrechnungslegungsprozess sind Strukturen, Prozesse und Kontrollen zur Erstellung des Konzernabschlusses darzustellen.30 Die Risikobe- richterstattung in Bezug auf die Verwendung von Finanzinstrumenten hat die aus der Verwendung von Finanzinstrumenten resultierenden Risikoarten, ihre Risiko- managementziele und -methoden im Zusammenhang zu enthalten.31 Darüber hin- aus sind Ü bernahmerechtliche Angaben zu machen, um einem potenziellen Bieter ein umfassendes Bild von der möglichen Zielgesellschaft zu verschaffen.32 Ab- schließend ist eine Erklärung zur Unternehmensführung 33 sowie eine Versicherung der gesetzlichen Vertreter 34 zu leisten.

3. Grundlagen des Integrated Reporting

3.1 Fundierung und Entwicklungsstand

Aufgrund der zunehmenden Komplexität diverser nebeneinander existierender Be- richterstattungsinstrumente, wird seit einigen Jahren das Konzept der Integrierten Berichterstattung diskutiert.35 Dabei sollen die wesentlichen Aspekte der Nachhal- tigkeitsberichterstattung in die Finanzberichterstattung integriert und die Informa- tionen konsequent miteinander verknüpft werden.36 Im Rahmen der zunehmenden öffentlichen Aufmerksamkeit für diese Thematik hat sich das International In- tegrated Reporting Council (IIRC) als einflussreichste Institution etabliert.37

Das IIRC wurde im August 2010 mit der Zielsetzung gegründet38, ein weltweit an- erkanntes Rahmenkonzept (Framework)39 zu entwickeln und dessen Anwendung zu forcieren.40 Ein Integrierter Bericht soll nach Auffassung des IIRC eine präg- nante Darstellung dessen sein, wie im Zeitablauf die Strategie, Führung, Leistung und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens im Kontext seiner Umwelt zur Wert- schöpfung führt.41 Integraler Bestandteil ist die Implementierung des sog. In- tegrated Thinking innerhalb des Unternehmens.42 Das Rahmenkonzept verfolgt da- bei einen prinzipienbasierten Ansatz und enthält Mindeststandards, die dem rech- nungslegenden Unternehmen die Entscheidung über die Berichtsstruktur über- lässt.43 Der Anwenderkreis ist in erster Linie durch privatwirtschaftliche Unterneh- men gekennzeichnet, darüber hinaus ist auch eine Anwendung durch Non-Profit- Organisationen und öffentliche Unternehmen denkbar.44 Die Adressaten des Inte- grierten Berichts sind primär die Kapitalgeber eines Unternehmens.45 Zudem soll der Bericht auch für die übrigen Stakeholder nutzenstiftend sein.46

[...]


1 Vgl. Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft (2015), S. 235.

2 Hierzu wäre u.a. der Vergütungs-, Nachhaltigkeitsbericht und Corporate Governance-Report zu nennen, vgl. Freidank/Hinze (2015), S. 59; Kajüter/Hannen (2014), S. 75.

3 Als vertiefende Literaturbeiträge empfehlen sich u.a.: Haller/Zellner (2014), S. 253-258; Kajü- ter/Hannen (2014), S. 75-81; Müller/Stawinoga (2013), S. 461-466.

4 Weltweit wenden bereits über 1.000 Unternehmen das Konzept des IR an, vgl. IIRC (2015).

5 Vgl. IIRC (2013b), S. 2 u. 4.

6 Vgl. Kajüter/Hannen (2014), S. 82; Behncke/Wulf (2015), S. 500. 1

7 Für die Kapitalmarktorientierung, vgl. § 264d HGB i. V. m. § 2 Abs. 5 WpHG; Für die Legalde- finition des Konzerns, vgl. § 18 AktG.

8 Die Aufstellungspflicht ergibt sich für Mutterunternehmen aus § 290 Abs. 1 HGB.

9 Befreiung bedeutet, dass die Aufstellung des IFRS-Konzernabschlusses von der Pflicht zur Auf- stellung nach dem HGB befreit, vgl. Baetge et al. (2004), S. 11.

10 Für eine ausführliche Beschreibung der IFRS sei auf Wöltje (2012) verwiesen.

11 Im Conceptual Framework, IASB (2010), werden darüber hinaus staatliche Einrichtungen und die Öffentlichkeit als Adressaten der Rechnungslegung bezeichnet, wobei der Hinweis erfolgt, dass die IFRS-Abschlüsse nicht explizit an diese Gruppen gerichtet sind. Vgl. Weimann (2012),

S. 11.

12 Vgl. Baetge et al. (2014), S. 39.

13 Vgl. DRS 20. Im Folgenden bei Verweisen auf einzelne Paragrafen: DRS 20.

14 Vgl. Behncke et al. (2012), S. 3063.

15 Vgl. DRS 20.32f.

16 Vgl. DRS 20.34f.

17 Vgl. DRS 20.20-30.

18 Nach DRS 15.21, dem durch DRS 20 ersetzten Standard, war eine Zusammenfassung nicht mög- lich. Vgl. KPMG (2012), S. 13.

19 Vgl. DRS 20.26.

20 Vgl. DRS 20.12-16.

21 Vgl. DRS 20.17-19.

22 Vgl. DRS 20.18f.

23 Vgl. DRS 20.31.

24 Vgl. DRS 20.25. Für den Geltungsbereich des DRS 20, vgl. KPMG (2012), S. 7f.

25 Vgl. DRS 20.B42.

26 Vgl. DRS 20.36-52.

27 Vgl. DRS 20.53-113.

28 Vgl. DRS 20.115f.

29 Vgl. DRS 20.116-136.

30 Vgl. DRS 20.168-178.

31 Vgl. DRS 20.179-187.

32 Vgl. DRS 20.188-223.

33 Vgl. DRS 20.224-231.

34 Vgl. DRS 20.232-235.

35 Vgl. Haller/Fuhrmann (2012), S. 461.

36 Vgl. Oberdörster (2014), S. 36.

37 Vgl. Haller/Zellner (2011), S. 523.

38 Die drei Gründungsmitglieder waren das The Prince’s Accounting for Sustainability Project (A4S), die Global Reporting Initiative (GRI) und die International Federation of Accountants (IFAC).

39 Vgl. IIRC (2013c).

40 Vgl. Haller/Fuhrmann (2012), S. 462.

41 Vgl. IIRC (2013c), Tz. 1.1.

42 Vgl. IIRC (2013c), S. 2. Mehr zu Integrated Thinking, vgl. Schultze/Miller (2015), S. 640f.

43 Vgl. Kajüter/Hannen (2014), S. 78.

44 Vgl. IIRC (2013c), S.4. Für IR bei öffentlichen Unternehmen, vgl. Schaefer/Warm (2015).

45 Vgl. IIRC (2013c), Tz. 1.7.

46 Vgl. IIRC (2013c), Tz. 1.8.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Integrated Reporting. Ein Konzept für die Unternehmensberichterstattung der Zukunft?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V352348
ISBN (eBook)
9783668388475
ISBN (Buch)
9783668388482
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
integrated, reporting, konzept, unternehmensberichterstattung, zukunft
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Integrated Reporting. Ein Konzept für die Unternehmensberichterstattung der Zukunft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352348

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