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Künstliches Licht und dessen Auswirkungen auf den modernen Menschen

Ein Streifzug entlang des Lichtes

Titel: Künstliches Licht und dessen Auswirkungen auf den modernen Menschen

Hausarbeit , 2015 , 14 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Josef Kirschner (Autor:in)

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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ein Licht aufgehen, Licht werden lassen, Licht ins Dunkel bringen, erleuchtet sein – all diese Redewendungen des deutschen Sprachgebrauchs werden positiv assoziiert. Diese begriffliche Verknüpfung von Licht und ‚dem Guten’ lässt sich bis zum antiken griechischen Philosophen Platon zurückführen, welcher in seinem Sonnengleichnis die Sonne mit der Idee des Guten, das Licht mit der Wahrheit gleichsetzt. Zugleich beschreibt er das eigentliche Gute des Lichts mit dem damit einhergehenden Vermögen des Erkennens. In philosophischer Hinsicht ist Licht nicht nur ein darstellendes Medium, sondern selbst schaffend, indem es „die Bilder generiert“, die als die Wirklichkeit der Welt wahrgenommen werden. Es bebildert, ja bildet unsere visuelle Wirklichkeit, unsere Vorstellung von der Wahrheit. Im Wechselspiel mit Schatten schafft es den Raum, in dem wir uns bewegen und ermöglicht uns dadurch erst unsere Umgebung optisch zu erfahren.

Abgesehen von diesen Aspekten haftet dem Licht seit hunderten von Jahren ebenso eine gesellschaftliche Funktion an: Die Wahrung von Moral und Ordnung – folglich ein Garant für Sicherheit. Licht wurde damit zum Kriterium für Sicherheit durch Kontrolle. Diese Funktion des Lichtes und seinen Erscheinungen eskaliert bis heute zu einer Form der Überwachung und Überflutung durch virtuelle, mediale Welten, wodurch als Möglichkeit der Relaxation ein Bedürfnis nach künstlerischen Reinräumen resultiert.

Das Individuum ist zur „organischen Prothese des Anorganischen geworden“, sodass der Körper im Kontext des digitalen Medienzeitalters nur als Interface zwischen Gehirn und Maschine fungiert, sonst jedoch seine Funktion verliert. Denn ‚die Bretter die die Welt bedeuten‘ sind nicht länger hölzern. In der ‚modernen Gesellschaft‘ sind Sie nur mehr diffuse Gedankenkonstrukte im digitalen Äther.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Der Mensch und seine Abhängigkeit vom Licht

2. Licht als Garant der Sicherheit durch Kontrolle

3. Kunstlicht als Äquivalent zum Tageslicht?

4. Lichtflut und deren Folgen

5. Leerraum als Erfahrung des Gegenwärtigen

6. Emotionales Abbild

7. Licht als universelles Kontroll-Medium

8. Licht-Barrieren der Jetztzeit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Auswirkungen des künstlichen Lichts auf den modernen Menschen, wobei sie biologische, historische, soziologische und medienphilosophische Perspektiven miteinander verknüpft. Im Zentrum steht die kritische Analyse, wie die technologische Entwicklung von Licht von einem lebensnotwendigen, natürlichen Element hin zu einem Werkzeug für Kontrolle, Sicherheit und digitale Überwachung den menschlichen Erfahrungsraum und die Wahrnehmung von Wirklichkeit verändert hat.

  • Historische Entwicklung der öffentlichen Beleuchtung als Instrument der sozialen Kontrolle und Sicherheit.
  • Philosophische Betrachtung des Lichtes als Medium zur Erzeugung von Raum und atmosphärischer Wirkung.
  • Die mediale und digitale Überformung des Alltags durch künstliches Licht und Bildschirme.
  • Die Spannung zwischen dem Bedürfnis nach Sensationen und einer resultierenden tatsächlichen Erfahrungsarmut.
  • Die Rolle der Lichtkunst als moderner philosophischer Gegenentwurf zur technologischen Überreizung.

Auszug aus dem Buch

4. Lichtflut und deren Folgen

Mit der Zunahme der Lichtstärke der öffentlichen Beleuchtung lies gleichzeitig der Glaube daran nach, dass das Licht Ordnung und Sicherheit garantieren könne. Das helle Licht wurde zunehmend als störend empfunden und beraube den Betrachter jeder Illusion. Wo zuvor im Schatten noch Fantasie und Träumereien einen Platz gefunden hatten, lieferte nun die Lichtflut augenscheinlich die totale Wirklichkeit. Die Freiräume zum gedanklichen Flanieren wurden geraubt. Bereits Leon Battista Alberti appelliert in seinem Traktat „Über die Malkunst“, dass Schwarz und vor allem Weiß – als Bildner von Schatten und Licht – in der Malerei reduziert und gezielt einzusetzen seien. Die spärliche Verwendung erhöhe deren Wirkung (2002, 47, S. 143 ff). „Nur im Zusammenspiel mit der Finsternis haben die Dinge im Licht Kontur, Tiefe, Prägnanz.“ (Böhme, G. 2001, S. 154) Die Dinge erstrahlen also erst durch deren wohl dosierten Kontrast zur Umgebung.

Was nun, wenn die Akzente, welche die visuellen Reize erst schaffen, inflationär eingesetzt würden? Wenn eine Lichtsilhouette – in dunkler Umgebung dominierend – nun von hellem Licht umgeben, im Meer der Lichtfluten untergeht? Sie würde nicht mehr als Blickfang, als ‚visuelle Sensation‘ wahrgenommen. Walter Benjamin stellt fest, dass sich die Beziehungen zwischen den Menschen in den Metropolen neben dem Gehör besonders durch die Aktivität des Auges prägen (Benjamin 1998, S. 36).

Diese Erkenntnis gilt heute ebenso wie Anfang des 20. Jahrhunderts. Doch ist es in der Jetztzeit nicht einmal mehr nötig, seine Wohnung zu verlassen um den – allem Anschein nach angeborenen – Durst nach Sensationen zu stillen. TV und Computer erzeugen einen Lichtraum (vgl. Böhme, G. 2001, S. 149 ff), befüllt mit einer nie zuvor da gewesenen Vielfalt an visuellen Reizen, welche jederzeit zur Verfügung stehen. Filme, interaktive Medien und digitale Spiele schaffen es dabei sogar, die Ebene der visuellen Sensationen zu überschreiten und Emotionen zu generieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Mensch und seine Abhängigkeit vom Licht: Dieses Kapitel erläutert die fundamentale Bedeutung des Lichts für den Menschen, von der biologischen Photosynthese bis hin zu philosophischen und sakralen Aspekten als Symbol für Wahrheit und Erkenntnis.

2. Licht als Garant der Sicherheit durch Kontrolle: Hier wird der historische Übergang von der nächtlichen Beleuchtung als Sicherheitsinstrument im Sinne von Ordnung und absolutistischer Macht hin zum Gefühl der Sicherheit für den Bürger analysiert.

3. Kunstlicht als Äquivalent zum Tageslicht?: Das Kapitel beleuchtet den historischen Wunsch, das Tageslicht technisch zu kopieren, und die damit einhergehenden Veränderungen im Bewusstsein für Lichtqualität und Atmosphäre durch neue Leuchtmittel.

4. Lichtflut und deren Folgen: Die Untersuchung befasst sich mit der Kehrseite der zunehmenden Lichtstärke, die als störend empfunden wird, und analysiert, wie eine Reizüberflutung durch Licht und Medien zu einer tatsächlichen Erfahrungsarmut führt.

5. Leerraum als Erfahrung des Gegenwärtigen: Das Kapitel kontrastiert die visuelle Überfülle mit der Lichtkunst von James Turrell, die durch materielle Leere Raum für Selbstwahrnehmung und eine bewusste Erfahrung des Gegenwärtigen schafft.

6. Emotionales Abbild: Hier wird analysiert, wie Künstler durch das Darstellen von Licht Atmosphäre und emotionale Räume erzeugen, und wie dieser Mechanismus in der heutigen Werbewelt als "Tonality" zur emotionalen Steuerung eingesetzt wird.

7. Licht als universelles Kontroll-Medium: Dieses Kapitel verknüpft die digitale Mensch-Maschine-Schnittstelle mit dem Licht und zeigt auf, wie die digitale Welt den Menschen in einem virtuellen Konstrukt kontrollierbar macht.

8. Licht-Barrieren der Jetztzeit: Das abschließende Kapitel kritisiert die heutige digitale "Durchleuchtung", die als unsichtbare Macht die Handlungsfreiheit beschneidet und den Menschen in einen Zustand körperloser, virtueller Abhängigkeit versetzt.

Schlüsselwörter

Künstliches Licht, Überwachung, Phänomenologie, Atmosphäre, Lichtkunst, Sicherheit, Kontroll-Medium, Erfahrungsarmut, Digitale Revolution, Wahrnehmung, Raumbildner, Virtuelle Welt, Lichtflut, Medienphilosophie, Selbsttransparenz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis des modernen Menschen zum künstlichen Licht, das sich von einem lebensnotwendigen Naturphänomen zu einem komplexen Instrument für Sicherheit, Kontrolle und virtuelle Lebenswelten gewandelt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Straßenbeleuchtung, Licht als Gestaltungselement in Kunst und Architektur, die psychologische Wirkung von Lichtatmosphären sowie die gesellschaftliche Überwachung im digitalen Zeitalter.

Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Auswirkungen des künstlichen Lichts nicht nur technisch, sondern vor allem in seiner philosophischen und soziologischen Dimension auf die menschliche Wahrnehmung und Freiheit zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt einen phänomenologischen und interdisziplinären Ansatz, indem sie historische Analysen, medienwissenschaftliche Theorien und kunstphilosophische Diskurse, insbesondere von Autoren wie Gernot Böhme und Wolfgang Schivelbusch, miteinander verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der Wandel der öffentlichen Beleuchtung vom Mittel der Kontrolle zum Sicherheitsversprechen, die Entstehung der Lichtkunst als Gegenpol zur Reizüberflutung sowie die digitale Durchleuchtung durch Computerbildschirme diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind Lichtflut, Kontrolle, Atmosphäre, Erfahrungsarmut, Lichtkunst, virtuelle Wirklichkeit und Wahrnehmung.

Wie unterscheidet sich die "moderne Kathedrale des Lichtes" von gotischen Kathedralen?

Während gotische Kathedralen durch Licht die Erfahrung des Göttlichen intendierten, fungieren moderne Lichtinstallationen wie jene von James Turrell als philosophische Räume, die den Betrachter zur Selbsterfahrung und Reflexion über die eigene Wahrnehmung einladen.

Inwiefern beeinflusst der digitale Bildschirm unsere Freiheit?

Laut der Arbeit erzeugt der Bildschirm als "Fenster der elektronischen Maschine" eine ständige Eventualität des Überwachtwerdens, was als gedankliche Barriere die Handlungsfreiheit des Individuums einschränkt, selbst wenn keine unmittelbare Verfolgung stattfindet.

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Details

Titel
Künstliches Licht und dessen Auswirkungen auf den modernen Menschen
Untertitel
Ein Streifzug entlang des Lichtes
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Licht – Geschichte(n) und Theorien zu Licht
Note
1,0
Autor
Josef Kirschner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V352477
ISBN (eBook)
9783668387393
ISBN (Buch)
9783668387409
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Licht Platon Kunstlicht künstliches Licht Lichtkunst Kontrolle Kunst Erleuchtung Bedeutung des Lichts Geschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Josef Kirschner (Autor:in), 2015, Künstliches Licht und dessen Auswirkungen auf den modernen Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352477
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  14  Seiten
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