„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ (Ludwig Wittgenstein)
Durch die rasche Entwicklung der Medien und durch die Öffnung der zwischenstaatlichen
Grenzen besteht eine immer größer werdende Möglichkeit, an Ereignissen in anderen Ländern
teilzunehmen. Interkulturelle Kommunikation ist einer der wichtigsten Begriffe unserer Zeit,
so auch im Fremdsprachenunterricht. Denn fremde Sprachen zu beherrschen bedeutet heute
nicht nur die Sprache sprechen zu können, sondern auch Weltoffenheit zu zeigen und fähig zu
sein, kulturelle Unterschiede zu erkennen und zu tolerieren.
Bei der Vermittlung einer Fremdsprache spielen Medien eine sehr wichtige Rolle und
Landeskunde ohne Bilder wäre unvorstellbar. Aber wie können wir beurteilen, welche Fotos
oder Zeichnungen wir in den verschiedenen Kulturen verwenden können? Sind alle Bilder
geeignet oder gibt es bestimmte Kriterien, die es zu beachten gilt?
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Frage, ob und wie die eigene oder
fremde Kultur die visuelle Wahrnehmung beeinflusst. Gibt es Unterschiede oder nehmen wir
alles gleich war? Interpretieren wir eine Abbildung genauso wie ein Mensch aus einer anderen
Kultur oder tun wir dies anders? Wodurch wird die Fähigkeit visueller Wahrnehmung
beeinflusst? Durch die Kultur, durch die Umwelt oder durch Bildung?
Nach der Einleitung im zweiten Kapitel versuche ich einige Begriffe zum Thema Kultur/
Interkultur zu erläutern und anschließend der Frage nachgehen, welche Rolle diese Begriffe
im Fremdsprachenunterricht spielen.
Im dritten Kapitel beschäftige ich mich mit dem Medium Bild und mit den Theorien visueller
Wahrnehmung: wie werden Bilder wahrgenommen, welche Prozesse gibt es dabei, und
welche Probleme können beim Verstehen verschiedener Bildarten entstehen?
Im vierten Kapitel versuche ich die Frage zu beantworten, wodurch überhaupt die
verschiedenen Kulturen geprägt werden. Wodurch werden unsere Gedanken, Gefühlen und
unser Handeln beeinflusst?
Zuletzt sollen unterschiedliche Wahrnehmungsarten in den Blickpunkt gerückt werden, wobei
auf Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen eingegangen werden soll, um anhand
dieser Rückschlüsse auf ihre Bedeutungen für den DaF-Unterricht zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kultur – Interkultur
2.1. Kultur, Subkulturen und Ethnozentrismus
2.2. Interkultur und interkulturelle Kompetenz
2.2.1. Interkulturelle Kompetenz im DaF-Unterricht
3. Das Medium Bild
3.1. Wahrnehmung von Bildern
3.2. Stufen der Bildverarbeitung, Modell des Bildverstehensprozesses
3.3. Bildarten
3.4. Probleme beim Verstehen von Bildern
3.4.1. Verstehensprobleme bei den Abbildern
3.4.2. Verstehensprobleme bei logischen Bildern
3.4.3. Verstehensprobleme bei Analogie-Bildern
4. Wahrnehmung: kulturell geprägt?
4.1. Perceptas und Konceptas
4.2. Kollektives Gedächtnis
5. Interkulturelles Bildverstehen
5.1. Kulturspezifisches Wahrnehmen
5.1.1. Farbwahrnehmung
5.1.2. Dreidimensionale Wahrnehmung
5.1.3. Themen, Tabuthemen
5.1.4. Leserichtung
5.2. Didaktische Vorschläge für den DaF-Unterricht
6. Zusammenfassung
7. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss kultureller Prägung auf die visuelle Wahrnehmung von Bildern im Kontext des Deutsch-als-Fremdsprache-Unterrichts, um Kriterien für eine interkulturell sensible Bilddidaktik zu entwickeln.
- Grundlagen von Kultur, Interkultur und interkultureller Kompetenz
- Theorien der visuellen Wahrnehmung und Bildverarbeitung
- Kulturelle Codierung und deren Einfluss auf Bildverstehen
- Methodik der Bildauswahl für den DaF-Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.1. Wahrnehmung von Bildern
Visuelles Wahrnehmen geschieht mit unserem Sehsinn, also mit den Augen, die als Rezeptoren das Wahrgenommene an das Gehirn weitergeben. Dieser Vorgang ist aber nicht nur ein passives Rezipieren von physikalischen Reizen, sondern ein aktiver Vorgang, der in unserem Gehirn stattfindet. Wir interpretieren, während wir etwas betrachten und rekonstruieren die Welt auf der Grundlage unserer Erfahrungen.
Zunächst entwickeln wir – ausgehend vom Bekannten – ein globales Verständnis des Dargestellten. Das geschieht in Bruchteilen von Sekunden, ohne dass wir uns dieses Vorgangs bewusst sind.
Unsere Wahrnehmung ist nach Biechele: „aktiv, subjektiv, selektiv, konstruktiv, interpretativ, vorwissensbasiert, kontextabhängig, abhängig von dem „Perceptual Set“, d.h. dem Zusammenwirken von Einstellungen, Erwartung, Aufmerksamkeit, Instruktion, kulturellem Orientierungssystem, Emotionen, Lernbiographie“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz interkultureller Kommunikation im Fremdsprachenunterricht und die Problematik visueller Wahrnehmung.
2. Kultur – Interkultur: Theoretische Bestimmung des Kulturbegriffs und dessen Bedeutung für interkulturelle Kompetenz im Unterricht.
3. Das Medium Bild: Analyse von Bildarten sowie psychologischer und kognitiver Prozesse der Bildwahrnehmung.
4. Wahrnehmung: kulturell geprägt?: Untersuchung des Einflusses von Kultur auf die Wahrnehmung mittels des Eisbergmodells und des Konzepts des kollektiven Gedächtnisses.
5. Interkulturelles Bildverstehen: Diskussion kulturspezifischer Faktoren wie Farbwahrnehmung, Räumlichkeit, Tabus und Leserichtung im DaF-Unterricht.
6. Zusammenfassung: Resümee über die Notwendigkeit einer bewussten und kritischen Bildauswahl in der DaF-Didaktik.
7. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Interkulturelles Bildverstehen, DaF-Unterricht, Visuelle Wahrnehmung, Kulturelle Prägung, Bilddidaktik, Interkulturelle Kompetenz, Perceptas, Konzeptas, Kollektives Gedächtnis, Farbwahrnehmung, Tabus, Bildarten, Medienpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle von Bildern im DaF-Unterricht unter Berücksichtigung der Tatsache, dass visuelle Wahrnehmung kulturell geprägt und somit subjektiv ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen der Wahrnehmungspsychologie, das Eisbergmodell zur Kultur, das kollektive Gedächtnis sowie didaktische Strategien für den Umgang mit Bildern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Lehrkräften Kriterien an die Hand zu geben, um Bilder für den DaF-Unterricht interkulturell sensibel auszuwählen und mögliche Fehlinterpretationen zu minimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die Konzepte der Kulturanthropologie, Sozialpsychologie und Medienpädagogik kontrastiv auf den Fremdsprachenunterricht bezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Bildarten, den Einfluss kultureller Wahrnehmungsmuster (Farbe, Raum, Tabus) und die Ableitung konkreter didaktischer Empfehlungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Interkulturelles Bildverstehen", "kulturelle Codierung" und "Didaktische Bildauswahl" definiert.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung von Bildern laut dem Autor?
Die Wahrnehmung unterscheidet sich durch individuelle Vorerfahrungen, soziale Sozialisation und den kulturellen Hintergrund, wobei das Vorwissen (Schemata) die Interpretation massiv steuert.
Warum sind Tabus bei der Bildauswahl kritisch?
Tabus sind kulturgebunden; was in der Zielkultur neutral erscheint, kann in der Ausgangskultur des Lernenden als verletzend oder unästhetisch empfunden werden, was den Lernprozess stört.
- Quote paper
- Ildiko Sagi (Author), 2004, Interkulturelles Bildverstehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35250