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Paratexte. Das Spezifische am Nachwort von epischen Texten des 20. Jahrhunderts

Title: Paratexte. Das Spezifische am Nachwort von epischen Texten des 20. Jahrhunderts

Term Paper (Advanced seminar) , 2016 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In der Regel macht sich uns jedes literarische Werk schriftlich in Form eines Buches oder digital zugänglich. Dabei erscheint es nicht allein, es wird von zahlreichen Rahmungen wie Buchtitel, Autorenname oder ähnlichem umgeben. Diese Rahmenstücke eines Textes werden unter dem Begriff des Paratextes zusammengefasst. Besonders der französische Literaturwissenschaftler Gérard Genette prägte 1982 diesen Begriff durch sein Werk "Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches". Seit ihm werden Paratexten erhebliche Bedeutung zugesprochen.

„Der Terminus bezeichnet sämtliche Elemente in der Umgebung eines Erzähltextes, die in einem mehr oder weniger unmittelbaren Zusammenhang zu ihm stehen.“ Dabei weiß man nicht immer, ob man paratextuelle Elemente dem Text zuordnen soll. Sie umgeben und verlängern ihn jedenfalls, um ihn zu präsentieren. Zur Forschung in diesem Bereich gehören nicht nur die Formen von Paratexten, sondern auch die Funktionen und somit die Wirkung auf den Leser. Folglich besitzen Paratexte erheblichen Einfluss auf die Erwartungshaltung des Lesers und bestimmen in gewissem Maße die Rezeption mit. Besonders das Vor- und Nachwort bezieht sich in beträchtlicher Weise auf den Leser, den Verfasser oder das nachfolgende Werk. Das Nachwort allerdings wird in breiten Teilen der Forschungsliteratur lediglich als eine Variante des Vorworts angesehen oder gar ganz außer Acht gelassen. Dieser Aspekt liegt vermutlich daran, dass der Corpus der Vorworte den der Nachworte zahlenmäßig weit übertrifft. Dennoch gehen mit Nachworten eigene und spezifische Formen und Funktionen einher. Diese sollen in der folgenden Arbeit herausgestellt werden. Nach einer kurzen Darlegung Genettes Theorie zu Paratexten im Allgemeinen und speziell zu Vor- und Nachworten, werden ausgewählte exemplarische Nachworte (Alfred Andersch: Der Vater eines Mörders, Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum und Giesela Elsner: Heilig Blut) anhand von Genettes Typologie analysiert.

Hierbei werden unter anderem die Funktionen der Nachworte aufgezeigt, um anschließend eventuelle Unterschiede zum Vorwort festzustellen und das Spezifische am Nachwort herauszuarbeiten. Der Literaturbetrieb, und somit auch die Verwendung von Paratexten, orientieren sich immer an Zeit und Epoche, folglich auch an den sozialen Kontexten des Autors. Um eine angemessene Vergleichbarkeit zwischen den Werken zu gewährleisten, wurden deshalb lediglich epische Werke des 20. Jahrhunderts ausgewählt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in Gérard Genettes Theorie zu Paratexten – speziell das Vor- und Nachwort

2.1. Text und Paratext

2.2. Vorwort und Nachwort

2.3. Funktionen des Vor- und Nachwortes

3. Analyse ausgewählter Nachworte in epischen Werken des 20. Jahrhunderts mit besonderem Hinblick auf die Funktionen

3.1. Analyse des Nachwortes in Alfred Anderschs Der Vater eines Mörders. Eine Schulgeschichte

3.2. Analyse des Nachwortes in Heinrich Bölls Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann

3.3. Analyse des Nachwortes in Gisela Elsners Heilig Blut

4. Das Spezifische am Nachwort von epischen Texten des 20. Jahrhunderts – Ein Fazit auf Grundlage der analysierten Nachworte

5. Schlussgedanke

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die literaturwissenschaftliche Bedeutung des Nachworts in epischen Werken des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, unter Anwendung der Paratext-Theorie von Gérard Genette das spezifische Funktionsspektrum von Nachworten herauszuarbeiten und von Vorworten abzugrenzen.

  • Grundlagen der Paratext-Theorie nach Gérard Genette
  • Unterscheidung und Interdependenz von Vor- und Nachwortfunktionen
  • Analyse der Nachworte bei Alfred Andersch, Heinrich Böll und Gisela Elsner
  • Untersuchung der Kommunikationsinstanz und Lesersteuerung
  • Abgrenzung des Nachworts als eigenständiges, notwendiges Begleitelement

Auszug aus dem Buch

3.1. Analyse des Nachwortes in Alfred Anderschs Der Vater eines Mörders. Eine Schulgeschichte

Die Erzählung Der Vater eines Mörder. Eine Schulgeschichte von Alfred Andersch handelt von einer Griechischstunde eines humanistischen Gymnasiums. Am 14. Mai 1929 besucht der Schuldirektor Himmler, Vater von Heinrich Himmler, der spätere SS-Reichsführer, diese Stunde. Mit seinen Bemerkungen verunsichert er sowohl Schüler als auch den Lehrer Kandlbinder. Als sich ein Schüler versucht gegen die Bemerkungen zu wehren, wird dieser von der Schule verwiesen. Auch Franz Kien, der die Geschichte erzählt, wird in dieser Stunde wegen nicht ausreichender Leistungen von Himmler der Schule verwiesen.

Alfred Andersch verfasste sein Werk von Mai 1987 bis Januar 198031, kurz darauf verstarb er am 21. Februar 198032. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Werk noch in Drucklegung, weshalb es erst nach Andersch Tod, als dessen letztes Werk veröffentlicht wurde.33 Auf die eigentliche Erzählung folg ein klar abgetrenntes Nachwort mit dem Titel „Nachwort für Leser“34, das in sich in drei, durch römische Ziffern markierte, Kapitel unterteilt ist. Es liegt hier also ein auktoriales, öffentliches Originalnachwort vor, das innerhalb der Erstauflage posthum erschienen ist. Der Adressat ist dem Titel zur Folge der Leser.

Im ersten Kapitel des Nachworts erläutert Andersch, dass der Protagonist Franz Kien ihn selbst verkörpert und warum er sich für ihn als Erzähler und nicht für eine Ich-Erzählung entschieden hat: „Habe ich nicht schon ein paarmal ohne Umschweife erklärt, bei den Franz Kien-Geschichten handle es sich um Erinnerungen an mich selber, um Versuche, eine Autobiographie in Erzählungen zu schreiben? Franz Kien bin ich selbst – aber wenn es so ist, warum bemühe ich ihn dann überhaupt, anstatt ganz einfach Ich zu sagen?“35. Bereits in dieser Textstelle findet sich die Funktion der Wahrhaftigkeit, indem der Autor Franz Kien als sein Ich vorstellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff des Paratextes nach Gérard Genette und umreißt die Relevanz der Untersuchung von Nachworten als vernachlässigtes literarisches Begleitelement.

2. Einführung in Gérard Genettes Theorie zu Paratexten – speziell das Vor- und Nachwort: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Paratexten sowie die spezifischen Funktionen und die Kommunikationsstruktur von Vor- und Nachworten.

3. Analyse ausgewählter Nachworte in epischen Werken des 20. Jahrhunderts mit besonderem Hinblick auf die Funktionen: Hier erfolgt eine tiefgehende Analyse der Nachworte bei Alfred Andersch, Heinrich Böll und Gisela Elsner unter Anwendung der erarbeiteten Kriterien.

4. Das Spezifische am Nachwort von epischen Texten des 20. Jahrhunderts – Ein Fazit auf Grundlage der analysierten Nachworte: Das Fazit synthetisiert die Ergebnisse und arbeitet die drei wesentlichen Bedingungen heraus, die ein Nachwort von einem Vorwort unterscheiden.

5. Schlussgedanke: Der Schluss fasst zusammen, dass das Nachwort eine eigenständige, vom Autor bewusst gewählte Funktion erfüllt, die maßgeblich vom soziohistorischen Kontext abhängt.

Schlüsselwörter

Paratext, Nachwort, Vorwort, Gérard Genette, Kommunikationsinstanz, Literaturwissenschaft, Alfred Andersch, Heinrich Böll, Gisela Elsner, Absichtserklärung, Kritikabwendung, Intertextualität, Rezeption, Erzählperspektive, Fiktivität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse von Nachworten in epischen Werken des 20. Jahrhunderts und deren Rolle innerhalb der Paratext-Theorie.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Funktionen von Nachworten, der Einfluss der Kommunikationsinstanz und die Abgrenzung zum Vorwort durch spezifische inhaltliche und formale Kriterien.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, das Spezifische am Nachwort herauszuarbeiten und zu begründen, warum dieses Element entgegen der häufigen Vernachlässigung in der Forschung eine essenzielle Funktion für das Verständnis des Gesamtwerkes einnimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf der Anwendung der Typologie von Gérard Genette, ergänzt um Ansätze von Annette Retsch, um Funktionen wie Wahrhaftigkeit, Kontextwissen und Kritikabwendung zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der konkreten Analyse der Nachworte in den Werken von Alfred Andersch (Der Vater eines Mörders), Heinrich Böll (Die verlorene Ehre der Katharina Blum) und Gisela Elsner (Heilig Blut).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Paratext, Kommunikationsinstanz, Absichtserklärung, Intertextualität sowie die Namen der analysierten Autoren.

Warum wählt der Autor laut Arbeit oft ein Nachwort statt eines Vorworts?

Ein Nachwort wird oft dann gewählt, wenn Informationen gegeben werden sollen, die den Lektüreprozess im Vorwort vorwegnehmen oder zerstören würden, oder wenn der Leser den Text bereits kennen muss, um die Kommentare des Autors zu verstehen.

Welche Rolle spielt der soziohistorische Kontext bei der Verwendung von Paratexten?

Die Verwendung von Paratexten orientiert sich laut der Arbeit stets an der jeweiligen Epoche, dem sozialen Kontext des Autors und dessen spezifischen Intentionen zur Lesersteuerung.

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Details

Title
Paratexte. Das Spezifische am Nachwort von epischen Texten des 20. Jahrhunderts
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg
Course
Hauptseminar: Rahmentexte und gerahmte Texte
Grade
1,7
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2016
Pages
22
Catalog Number
V352654
ISBN (eBook)
9783668387867
ISBN (Book)
9783668387874
Language
German
Tags
Paratext Nachwort Vorwort Genette Böll Andersch Elsner
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2016, Paratexte. Das Spezifische am Nachwort von epischen Texten des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352654
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