Wissenschaftlicher Entwicklungsverlauf und Stellenwert von Interaktiver Arbeit in der Soziologie


Seminararbeit, 2012

16 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Soziale Interaktion – einführende Begriffsbestimmung und Einordnung

3. Forschungstradition von Interaktion in Arbeit und Beruf
3.1 Ein Blick auf interaktive Arbeit im soziologisch-historischen Kontext – Entwicklung in der Wissenschaft
3.2 Thematisierungen im deutschsprachigen Raum

4. Aktuelle Konzepte und Entwicklungen
4.1. Zur Notwendigkeit der wissenschaftlichen Einbettung Interaktiver Arbeit
4.2 Interaktion in der Arbeitswelt

5. Aussicht und Tendenzen

6. Bibiliografie

1. Einführung

Es ist das Agieren in einer Gruppe – mit Kumpels auf dem Fußballplatz gemeinsam spielen, mit der besten Freundin Shoppen gehen. Vom Arbeits- und Familienalltag abschalten, in dem man mit dem alten Schulfreund angeln geht. So vieles geht in Gemeinschaft leichter – und macht dazu mehr Spaß. Diese Beispiele sind sicherlich sinnbildlich für Freizeit, Freude und Ausgelassenheit und stehen nicht primär im Zusammenhang mit der Arbeitswelt. Doch warum sollte man auf Gemeinsames Wirken verzichten, wenn es denn auch am Arbeitsplatz von Vorteil sein kann oder sogar muss? Mit nicht jedem Kollegen ist man automatisch befreundet – doch dies tut nichts zur Sache. Kooperation und Kommunikation am Arbeitsplatz sind Prozesse, die man aus soziologischer Sicht als modern bezeichnen könnte, auch wenn man heute das Gefühl hat, sein Leben lang damit in Verbindung gestanden zu haben. Der Weg führt vorbei an der industrieller Produktion, fest gelegt nach demselben, immer wiederkehrenden Muster, wo nur der reine Arbeitsablauf zählt, aber nicht das wie.

Es sind Interaktionsprozesse und interaktive Arbeit, die immer mehr an Bedeutung am Arbeitsplatz gewinnen. Gekennzeichnet durch zielorientierte und aktive Zusammenarbeit werden Prozesse und Aufgaben im Beruf durch gemeinsames Wirken von Experten, Klienten, Kunden, Mitarbeitern etc. angegangen. Dem entsprechend findet die Interaktion im Beruf im Arbeitsprozess selbst statt. Ein Merkmal besteht sicherlich darin, dass alle am Arbeitsprozess beteiligten Akteure gemeinsam und in sozialer Abstimmung handeln. Ein im Idealfall funktionierendes Gefüge also.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll sich auf die Interaktion im Beruf richten. Das Ziel dabei ist es, den Werdegang der interaktiven Arbeit in der Soziologie heraus zustellen. Von reiner Missachtung gewinnt dieses Gebiet immer mehr an Zuwendung und weckt, fast schon durch gesamtgesellschaftliche Veränderungen erzwungen, immer mehr Interesse im Bereich der Forschung.

Einführend soll die Begrifflichkeit der sozialen Interaktion erläutert werden, da diese als genuin-soziologisches Feld unterschiedlich zur interaktiven Arbeit zu betrachten ist. Darauf folgend soll einmal durchleuchtet werden, wo die Anfänge der interaktiven Arbeit im Forschungsbereich der Soziologie liegen. Ab wann wurde dieses Feld aktuell, verlief die Forschung zeitgleich mit der gesellschaftlichen Entwicklung? Ebenfalls von Interesse wird es sein, wie der aktuelle Forschungsstand aussieht und darüber hinaus soll darauf eingegangen werden, wie Tendenzen und Entwicklungen in diesem Bereich einzuschätzen sind.

2. Soziale Interaktion – einführende Begriffsbestimmung und Einordnung

Der soziale Alltag wird durch unzählige spezifische Verhaltensweisen geprägt. Man beobachtet beispielsweise das Verhalten anderer und passt sich darauf an – oder umgekehrt. Ein Husten könnte der Anlass sein, dass sich ein Gesprächspartner abwendet, ebenso wie ein Lachen dazu in der Lage ist, freudige Gesichtsausdrücke bei seinem Gegenüber hervorzurufen[1].

Die soziale Interaktion ist ein grundlegender Begriff im Bereich der Analyse von gegenseitigem, auf einander bezogenem Handeln in der Soziologie. Es handelt sich um einen „Prozess, in dem Menschen sich in ihrem sozialen Handeln absichtsvoll auf andere beziehen“[2].

Die begriffliche Entwicklung ist tief in den individualistisch geprägten Ansätzen soziologischer Theorien verankert. Eine formale Soziologie, u.a. nach Weber, geht von sozialen Beziehungen zwischen Individuen als Grundlage für eine Erklärung sozialer Gebilde aus. Webers Grundbegriffe beinhalten das „subjektiv sinnhaft aufeinander bezogene Verhalten“ als eine Art elementaren Kern für die analytische Wissenschaft der Gesellschaft[3].

„Sozial“ ist gleichbedeutend mit dem Fakt, dass mehr als nur ein Individuum an diesem Prozess beteiligt ist, während „Interaktion“ auf die gegenseitige Beeinflussung der Akteure hindeutet. Physische Präsenz spielt dabei keine zwingende Rolle; Telefon, Fax oder Email sind nur einige Mittel der Interaktion zwischen Menschen.

Aktion und Reaktion sind Grundmerkmale der Interaktion. Die individuell verfolgten Ziele in diesem sozialen Gebilde müssen jedoch nicht zwingend auf einander abgestimmt, noch identisch sein – und unterschiedliche Interessenlagen sind generell kein Merkmal für Konflikte. Soziale Interaktion kann sowohl kooperativ, als auch komplementär – durch Konkurrenz oder Macht geprägt – ablaufen. Sozialstruktur und Kultur spielen dabei in Form von Institutionen eine signifikante und beeinflussende Rolle.

„Auf der Mikroebene haben Soziologen fünf theoretische Konzepte entwickelt, um Interaktionen und soziale Ordnung zu erklären: Die Definition der Situation; Symbolischer Interaktionismus und Pragmatismus; Dramaturgischer Ansatz; Ethnomethodologie; Sozialer Austausch und rationale Wahl“[4].

3. Forschungstradition von Interaktion in Arbeit und Beruf

3.1 Ein Blick auf interaktive Arbeit im soziologisch-historischen Kontext – Entwicklung in der Wissenschaft

Der folgende Abschnitt soll sich kurz mit der geschichtlichen Entwicklung einer Diskussionüber Interaktion und deren Prozesse im Feld der Arbeit beschäftigen. Von thematischem Interesse ist die Arbeitssoziologie, allerdings lagen interaktive Prozesse nur zu wenigen Teilen im Augenmerk der Theorienentwicklung. Erst in jüngerer Zeit stieg das Interesse an diesem Bereich und es ist vor allem die Dienstleistungsforschung, die das Forschungsfeld intensiver behandelt.

Die zentralen Reibungspunkte der Arbeitsforschung bestanden zum größten Teil aus der Arbeit, ihren Organisationsformen, den Bezug zum Kapital und den gesellschaftlich theoretischen Hintergründen. Planbare Handlungen und Instrumentalisierung sorgten dafür, dass eine Thematisierung des Begriffes der Interaktion unnötig erschien.

Mit der Behandlung von Interaktion aus vorwiegend handlungstheoretischer Sicht liegt das Hauptaugenmerk dieser Begrifflichkeit klar auf der Mikroebene, während generelle Arbeitsprozesse in der soziologischen Theorie auf der Makroebene verankert sind.

Die Fokussierung der Arbeits- und Industriesoziologie auf die Produktionsarbeit war ein wesentlicher Grund dafür, dass die Interaktion kaum Beachtung fand. Seit vielen Jahren wird eine Tertiarisierung der Erwerbsarbeit prophezeit, doch diese Tatsache ändert an der Situation nichts.

Doch ein Strang hat sich intensiv mit dem Zusammenhang von Interaktion und Arbeit beschäftigt – die Dienstleistungsforschung – und stellt damit das Fundament für die heutigen Forschungsprozesse zur interaktiven Arbeit.

Schon in den ersten Jahren der amerikanischen Philosophie und Soziologie spielte der Kontext von Interaktion in Dienstleistungsbeziehungen eine Rolle; besonders der symbolische Interaktionismus und Pragmatismus (Herbert Blumer, George H. Mead), sowie die Chicago School (Robert E. Park) bewegten sich auf diesen Ebenen. Als Beispiele wären die Arbeiten von Donovan zu nennen, in denen der Fokus auf die Servicearbeit in Restaurants gelegt war. Das Ziel bestand darin, der Öffentlichkeit teils schlechte Arbeitsverhältnisse zu offenbaren[5]. Auch Erving Goffmann legte essentielle Grundsteine, die eine heutige Forschung maßgeblich beeinflussten: seine Einführung des „schadhaften Objektes“[6] als den auszuhandelnden Gegenstand von Dienstleistungsarbeit wird in neueren Untersuchungen zur interaktiven Arbeit aufgegriffen.

Während Goffmann seine Wissenschaft zuweilen alleine tätigte, bearbeitete Anselm Strauss seine Forschungsgegenstände vorwiegend in Arbeitsgruppen. Am Beispiel des Krankenhauses untersuchte er eine Organisation, die durch das Zusammenspiel vielfältiger Arbeitsprozesse zwischen allen partizipierenden Akteuren gekennzeichnet war[7]. Neben seiner Grounded Theory[8], die maßgeblich Einfluss auf die qualitative Methodologie hatte, entwickelte er ein spezifisches Verständnis interaktiver Arbeit. Der Kern besteht darin, dass Aushandlungsprozesse nicht als Kommunikation – welche vom Arbeitsprozess losgelöst ist – verstanden werden, sondern vielmehr als konstitutive Bestandteile von Arbeit. Der Arbeiter verfolgt zwar seine Interessen, müsse aber – da er sich in einem festgelegten Rahmen bewegt – im Miteinander ein konstruktives Zusammenspiel finden. Eben dieses konstruktive Zusammenspiel wird von Strauss selbst ebenfalls als Arbeit begriffen. In diesem Sinne ist Arbeit auch immer gleich interaktive Arbeit, denn die teilhabenden Personen verwenden Interaktionsstrategien, die gleichzeitig darauf basieren, dass der Kooperationspartner ebenfalls nach diesem Prinzip zu Werke geht. Gleichzeitig bedeutet die Vielfalt ebendieser Strategien ein enorm großes Potenzial interaktiver Arbeit.

[...]


[1] Joas, Hans (2007): Lehrbuch der Soziologie. Frankfurt / Main: Campus Verlag GmbH. 108.

[2] Ebd.

[3] Hillmann, Karl-Heinz (2007): Wörterbuch der Soziologie. 5. Aufl., Stuttgart: Kröner. 387.

[4] Joas, Hans (2007): Lehrbuch der Soziologie. Frankfurt / Main: Campus Verlag GmbH. 109.

[5] Donovan, Frances (1920): The Woman who waits. Boston: Richard G. Badger. + Donovan, Frances (1929): The saleslady. Chicago: University of Chicago Press.

[6] Goffmann, Erving (1973): Asyle.über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp. 309.

[7] Strauss, Anselm (1978): Negotiations. San Francisco: Josey-Bass.

[8] Glase, Barney G. Strauss, Anselm (1967): The discovery of grounded theory: Strategies for qualitative research. New York: Aldine de Gruyter.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wissenschaftlicher Entwicklungsverlauf und Stellenwert von Interaktiver Arbeit in der Soziologie
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,7
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V352667
ISBN (eBook)
9783668390621
ISBN (Buch)
9783668390638
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Forschung, Interaktive Arbeit, Interaktion
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Wissenschaftlicher Entwicklungsverlauf und Stellenwert von Interaktiver Arbeit in der Soziologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352667

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