Es ist das Agieren in einer Gruppe – mit Kumpels auf dem Fußballplatz gemeinsam spielen, mit der besten Freundin Shoppen gehen. Vom Arbeits- und Familienalltag abschalten, in dem man mit dem alten Schulfreund angeln geht. So vieles geht in Gemeinschaft leichter – und macht dazu mehr Spaß. Diese Beispiele sind sicherlich sinnbildlich für Freizeit, Freude und Ausgelassenheit und stehen nicht primär im Zusammenhang mit der Arbeitswelt. Doch warum sollte man auf Gemeinsames Wirken verzichten, wenn es denn auch am Arbeitsplatz von Vorteil sein kann oder sogar muss? Mit nicht jedem Kollegen ist man automatisch befreundet – doch dies tut nichts zur Sache. Kooperation und Kommunikation am Arbeitsplatz sind Prozesse, die man aus soziologischer Sicht als modern bezeichnen könnte, auch wenn man heute das Gefühl hat, sein Leben lang damit in Verbindung gestanden zu haben. Der Weg führt vorbei an der industrieller Produktion, fest gelegt nach demselben, immer wiederkehrenden Muster, wo nur der reine Arbeitsablauf zählt, aber nicht das wie.
Es sind Interaktionsprozesse und interaktive Arbeit, die immer mehr an Bedeutung am Arbeitsplatz gewinnen. Gekennzeichnet durch zielorientierte und aktive Zusammenarbeit werden Prozesse und Aufgaben im Beruf durch gemeinsames Wirken von Experten, Klienten, Kunden, Mitarbeitern etc. angegangen. Dem entsprechend findet die Interaktion im Beruf im Arbeitsprozess selbst statt.
Ein Merkmal besteht sicherlich darin, dass alle am Arbeitsprozess beteiligten Akteure gemeinsam und in sozialer Abstimmung handeln. Ein im Idealfall funktionierendes Gefüge also.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Soziale Interaktion – einführende Begriffsbestimmung und Einordnung
3. Forschungstradition von Interaktion in Arbeit und Beruf
3.1 Ein Blick auf interaktive Arbeit im soziologisch-historischen Kontext – Entwicklung in der Wissenschaft
3.2 Thematisierungen im deutschsprachigen Raum
4. Aktuelle Konzepte und Entwicklungen
4.1. Zur Notwendigkeit der wissenschaftlichen Einbettung Interaktiver Arbeit
4.2 Interaktion in der Arbeitswelt
5. Aussicht und Tendenzen
6. Bibiliografie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den wissenschaftlichen Entwicklungsverlauf und den Stellenwert interaktiver Arbeit innerhalb soziologischer Forschungsprozesse, um die wachsende Bedeutung von Interaktionsprozessen am modernen Arbeitsplatz kritisch zu beleuchten.
- Soziologische Grundlagen und Begriffsbestimmung der sozialen Interaktion
- Historische Entwicklung der Interaktionsforschung in der Arbeitssoziologie
- Die Rolle von Gefühlsarbeit (Emotion Work) in Dienstleistungsberufen
- Methodische Ansätze zur Erforschung von Kooperation und Kommunikation
- Zukünftige Herausforderungen für die Arbeits- und Industriesoziologie
Auszug aus dem Buch
3.2 Thematisierungen im deutschsprachigen Raum
Während zuvor ein Überblick darüber geschaffen wurde, wie sich der Themenkomplex von interaktiver Arbeit in Forschung und Wissenschaft allgemein geprägt hat, soll es im Folgenden speziell um den deutschsprachigen Raum gehen.
Dabei waren vor allem Peter Gross und Bernhard Badura in den 1970er und 1980er Jahren prägend für die Dienstleistungsforschung im Bereich der Soziologie (vgl. Gross/Badura 1977; Gross 1983). Als ein gegensätzliches Merkmal zwischen personenbezogener und sachbezogener Dienstleistungsarbeit stellt sich das Uno actu-Prinzip der direkten Interaktion zwischen dem Dienstleistungsempfänger und dem Dienstleistungssender heraus – d.h., dass sowohl Produktion, als auch der Konsum in einer sozialen Tatsache zusammen zu fassen sind. Gross und Badura stellen damit heraus, dass sich interaktive Arbeitsanteile gut anhand personenbezogener Dienstleistungen untersuchen lassen.
Ein Bereich, der erst spät in den Blick der Soziologie gekommen ist, sind die Emotionen. Vorrangig ist hierbei die Bedeutung ebendieser in der Arbeitswelt aufzuführen. Wolfgang Dunkel entwarf folgende Systematisierung der Gefühle in der Arbeitswelt:
- Gefühle als Gegenstand → die Bearbeitung der Gefühle anderer Personen ist die Voraussetzung für das Erreichen des Arbeitsergebnisses
- Gefühle als Bedingung → Gefühle der Arbeitenden werden als Ausgangsbedingung für Gefühlsarbeit beschrieben. Sie sollen so verändert werden, dass sie mit Gefühlsregeln am Arbeitsplatz übereinstimmen
- Gefühle als Mittel → Arbeitende nutzen eigene Gefühle als Mittel der Erkenntnis
Besonders das stark an Goffman orientierte Konzept von Arlie Hochschild der Emotion Work und ihre Studie über die Gefühlswelt von FlugbegleiterInnen sorgte für eine weitreichende Etablierung der Emotions-Thematik in der Arbeitssoziologie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Es wird die Relevanz von Kooperation und Kommunikation als moderne Arbeitsprozesse herausgestellt und das Ziel der Arbeit, den Werdegang der interaktiven Arbeit in der Soziologie aufzuzeigen, definiert.
2. Soziale Interaktion – einführende Begriffsbestimmung und Einordnung: Das Kapitel erläutert den soziologischen Grundbegriff der sozialen Interaktion und ordnet diesen in den Kontext des wechselseitigen Handelns ein.
3. Forschungstradition von Interaktion in Arbeit und Beruf: Es erfolgt eine historische Betrachtung der Wissenschaftsentwicklung sowie eine Analyse der Thematisierungen im deutschsprachigen Raum, insbesondere im Kontext der Dienstleistungsforschung.
4. Aktuelle Konzepte und Entwicklungen: Das Kapitel thematisiert die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Einbettung interaktiver Arbeit und beleuchtet aktuelle Forschungsansätze zu Interaktion in der modernen Arbeitswelt.
5. Aussicht und Tendenzen: Es wird ein Ausblick auf künftige Forschungsfelder gegeben, wobei insbesondere die Kluft zwischen traditionellen Arbeitsbegriffen und den realen Anforderungen interaktiver Arbeit diskutiert wird.
6. Bibiliografie: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Interaktive Arbeit, Soziologie, Arbeitssoziologie, Dienstleistungsforschung, Soziale Interaktion, Emotion Work, Gefühlsarbeit, Arbeitsorganisation, Kooperation, Kommunikation, Mikroebene, Experten-Klienten-Beziehung, Professionssoziologie, Workplace Studies, Tertiarisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit der Rolle und dem wissenschaftlichen Stellenwert von interaktiver Arbeit innerhalb soziologischer Forschungsprozesse und untersucht deren zunehmende Relevanz am modernen Arbeitsplatz.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Interaktionsforschung, die Bedeutung der Dienstleistungsarbeit, die Rolle von Emotionen (Gefühlsarbeit) sowie die Kooperationsformen zwischen Akteuren in der Arbeitswelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel der Arbeit ist es, den Werdegang interaktiver Arbeit in der Soziologie nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie sich der Fokus der Forschung von reiner Produktionsarbeit hin zu komplexen sozialen Interaktionsprozessen verschoben hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Literaturanalyse, um den Forschungsstand aus der Arbeits- und Industriesoziologie sowie der Dienstleistungsforschung zu systematisieren und kritisch zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Konzepte der Interaktion, die Forschungstradition im soziologischen Kontext als auch aktuelle Entwicklungen und Ansätze, wie etwa Workplace Studies oder Gefühlsarbeit, detailliert analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Interaktive Arbeit", "Gefühlsarbeit", "Dienstleistungsgesellschaft" und "soziale Koordination" geprägt.
Welche Bedeutung misst der Autor dem Konzept der "Emotion Work" bei?
Der Autor ordnet der "Emotion Work" eine zentrale Rolle in der modernen Arbeitssoziologie zu, da sie aufzeigt, wie emotionale Anforderungen von Dienstleistungsunternehmen die Interaktionsweisen und das Befinden der Beschäftigten beeinflussen.
Was kritisiert der Autor an aktuellen Managementkonzepten?
Der Autor kritisiert insbesondere die oft einseitig positive Darstellung von "Win-Win-Situationen" in Dienstleistungsmodellen, da diese häufig die tatsächlichen Interessen und Belastungen der beteiligten Akteure, wie Kunden und Dienstleister, ausblenden.
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- Anonym (Autor), 2012, Wissenschaftlicher Entwicklungsverlauf und Stellenwert von Interaktiver Arbeit in der Soziologie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352667