Kommunikationskompetenz von Lehrkräften in der Institution Schule


Hausarbeit, 2016

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen zwischenmenschlicher Kommunikation

3. Kommunikationskompetenz in der Institution Schule
3.1 Konzept der Kommunikationskompetenz
3.2 Kommunikation und Interaktion im Kontext „Schule“
3.3 Schulische Kommunikationssituationen
3.3.1 Kommunikation zwischen Lehrkraft und Schüler
3.3.2 Kommunikation zwischen Lehrkraft und Eltern
3.4 Förderung von Kommunikationskompetenz

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Kommunikation [ist] ganz offensichtlich eine Conditio sine qua non [1] menschlichen Lebens und gesellschaftlicher Ordnung.“ (Paul Watzlawick et al. 2011, 13)

Jedes menschliche Verhalten stellt eine Form der Kommunikation dar – beginnend mit dem Tag der Geburt. Kommunikation schafft Verbindungen, führt Menschen zusammen und spielt eine elementare Rolle im alltäglichen sozialen Miteinander in Beruf, Schule, Familie und Gesellschaft, indem unser Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Handeln immerzu Folgen von Kommunikation sind. Nahezu jeder Lebensbereich ist davon bestimmt. Ohne Kommunikation wäre ein menschliches Leben nicht denkbar, und ein Miteinander in der Gesellschaft nicht möglich.

Es gibt nur wenig, was den Menschen so sehr ausmacht und prägt, wie die Fähigkeit zu (sprachlicher) Kommunikation. Sowohl privat als auch beruflich wird die Fähigkeit zur Kommunikation daher als selbstverständlich vorausgesetzt. Insbesondere in einem Handlungsfeld wie der Institution Schule, das, wie fast kein anderes, lückenlos auf Kommunikation basiert, müssen Lehrkräfte in unterschiedlichsten Situationen und Kontexten professionell kommunizieren und interagieren können – und zwar nicht auf der Grundlage ihres Erfahrungswissens, sondern fundierter kommunikativer Kompetenzen. „Kommunikations-kompetenz“ avanciert daher immer mehr zu einer Schlüsselqualifikation, dessen theoretische und praktische Vermittlung und Stärkung sowohl fester Bestandteil der Lehrerausbildung als auch der beruflichen Fort- und Weiterbildung sein muss.

Ziel dieser Arbeit ist es, das vielschichtige Konstrukt „Kommunikationskompetenz“ theoretisch zu systematisieren, um auf dieser Grundlage exemplarisch darstellen zu können, welche Ressourcen eine kommunikationskompetente Lehrkraft in schulischen Kommunikationssituationen außerhalb des Unterrichts benötigt und welchen Einfluss motivationale Faktoren auf ihre Kommunikationsweise nehmen können. Weil Kommunikationskompetenz als entscheidende Variable für eine professionelle Berufsausübung gesehen wird, werden anschließend Maßnahmen aufgezeigt, wie Kommunikationskompetenz bei Lehramtsanwärtern und Lehrkräften praktisch ausgebildet und gestärkt werden kann.

2. Theoretische Grundlagen zwischenmenschlicher Kommunikation

Ob bewusst oder unbewusst – jeder von uns kommuniziert tagtäglich in unterschiedlichen Varianten, Zusammenhängen und Situationen, sodass „unsere Entwicklung als unverwechselbare, einzigartige Person [...]über die gesamte Lebensspanne hinweg in Abhängigkeit von der Kommunikation mit anderen Menschen“ (Rothe 2006, 5) geschieht.

Aufgrund der Allgegenwärtigkeit und Weite des Kommunikationsbegriffes ist eine klare Eingrenzung und definitorische Bestimmung jedoch recht problematisch. Unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen wie Publizistik, Psychologie, Linguistik oder Soziologie haben sich in Publikationen[2] bereits mit „Kommunikation“ beschäftigt, doch weichen die Definitionen erheblich voneinander ab (vgl. Vogel 2013, 10). Sicher ist, dass das Wort „Kommunikation“ von den lateinischen Begriffen „communis“, „communicare“, „communicatio“ abgeleitet werden und so viel wie „gemeinsam machen“, „(mit-)teilen“, „Anteil haben“ oder „Verständigung“ heißen kann. Trotz aller Differenzen in der Terminologie, können folgende Elemente als Minimalkomponenten menschlicher Kommunikation angeführt werden: der Kommunikator bzw. Sender, der Rezipient bzw. Empfänger sowie die Botschaft. So definieren Six, Gleich und Gimmler (zwischen-) menschliche Kommunikation – um die es sich in der vorliegenden Arbeit maßgeblich handelt – folgendermaßen:

Menschliche Kommunikation ist ein Prozess zwischen zwei oder mehr Beteiligten (Einzelpersonen, Mitglieder sozialer Gemeinschaften oder Institutionen, jeweils als Sender bzw. Kommunikator und/oder als Empfänger bzw. Rezipient), in dem die Akteure durch Zeichen und Symbole verschiedener Modalitäten direkt (von Angesicht zu Angesicht, „face-to-face“) oder indirektüber Medien in Beziehung treten (Six / Gleich / Gimmler 2007, 21).

Zwar hat die rasante Entwicklung und Verbreitung digitaler Medien, insbesondere des Computers, sowie die Entstehung des Internets und World Wide Web zu einer elementaren Veränderung der zwischenmenschlichen Kommunikation und sozialen Interaktion[3] geführt, in dem Sinne, dass Raum und Zeit bei der Kommunikationüberwunden werden können und auf diese Weise ein globales Netzwerk entsteht. Doch bleibt unumstritten, dass zwischenmenschliche Kommunikation genuin von Angesicht zu Angesicht – synonym „Face-to-Face“ – stattfindet, indem sich zwei „reale“ Menschen zur gleichen Zeit am gleichen Ort befinden und miteinander kommunizieren. Konkret wird deshalb auch von direkter interpersonaler Kommunikation gesprochen, wobei die Kommunikation entweder horizontal, d. h. die Beteiligten befinden sich „auf einer Augenhöhe“, oder vertikal „nicht auf einer Augenhöhe“ ablaufen kann. Beim Senden und Empfangen von Botschaften spielen außerdem verbale (sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten), paraverbale (z. B. Tonfall, Sprechpause) und non-verbale (z. B. Gestik, Mimik, Körperhaltung) Modalitäten eine Rolle (Six / Gleich / Gimmler 2007, 21), die bei medial vermittelter Kommunikation entfallen. Somit können sich beide Kommunikationspartner bei der Face-to-Face-Kommunikation mit allen Sinnen uneingeschränkt gegenseitig wahrnehmen, wohingegen bei der medial vermittelten Kommunikation versucht wird, dieses elementare Ausdrucksspektrum z. B. durch Emoticons aufzufangen. (vgl. Rothe 2006, 13; Nünning / Zierold 2008, 13). Bei zwischenmenschlicher Kommunikation kann daher auch von einem „sozialen Ereignis“ oder einer „sozialen Interaktion“ gesprochen werden, „in der Personen intentional aufeinander bezogen agieren und reagieren sowieüber dieses Handeln Bedeutungenübermitteln bzw. gemeinsam generieren“ (Boos / Riethmüller 2014, 76).

Analog zur Weite und Uneinheitlichkeit des Kommunikationsbegriffes verhält es sich mit theoretischen Modellen (zwischen-)menschlicher Kommunikation, weshalb nachfolgend ein allgemeines Kommunikationsmodell vorangestellt wird, um den Minimalkonsens unterschiedlicher Auffassungen zu Kommunikation allgemein und zwischenmenschlicher Kommunikation darzustellen (vgl. Abb. 1).

Den Mittelpunkt einer Kommunikation stellen Kommunikator, Rezipient sowie die zwischen diesen Beteiligtenübermittelten Botschaften dar, wobei, wie bereits erwähnt, deren gleichzeitige Anwesenheit und wechselseitige Wahrnehmbarkeit Voraussetzung zwischenmenschlicher Kommunikation ist. Anders als im Fernsehen oder bei Emails können Sender und Empfänger in Gesprächen ihre Rollen wechseln sowie gleichzeitig die Sender- bzw. Empfängerrolle einnehmen.

Kommunikation wird als ein komplexes Geschehen von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Six, Gleich und Gimmler unterscheiden hierbei zwischenüberdauernden, d. h. länger wirksamen und akuten, d. h. kurzfristig einflussreichen Faktoren. Neben der Kommunikationsumgebung ist der Kontext, in den die Kommunikation eingebettet ist, entscheidend, denn in einer Dienstbesprechung besitzen Worte und Handlungen der Beteiligten eine andere Bedeutung als z. B. bei einem Klassenausflug. Des Weiteren spielen Art und Qualität der Sender-Empfänger Beziehung[4] sowie die Motivation der Kommunikationspartner, wechselseitig aufmerksam sein und sich aneinander orientieren zu wollen, eine elementare Rolle für gelingende Kommunikation. (vgl. Six / Gleich / Gimmler 2007, 34; Vogel 2013, 24 f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Allgemeines Kommunikationsmodell

Quelle: Six / Gleich / Gimmler 2007, 33

Mangelnde Orientierung am Kommunikationspartner sowie nur nach eigenen Zielen ausgerichtetes Handeln kann dagegen zu einer unzureichenden Verständigung, zur Unterbrechung des Gesprächsflusses oder sogar zum Abbruch der gesamten Kommunikation führen. Maßgeblichen Einfluss auf das Gelingen einer Kommunikation nehmen daher die Kommunikationskompetenzen[5],über die ein Individuum verfügt.

Festzuhalten bleibt, dass die zwischenmenschliche Kommunikation als ursprünglichste Form der Kommunikation die theoretische Grundlage der vorliegenden Arbeit bildet, weil sich Lehrer[6], Schüler[7] und Eltern in der Institution Schule in einem komplexen Beziehungsgeflecht befinden, das den Beteiligten die tägliche Gestaltung zwischenmenschlicher Kommunikationssituationen abverlangt und ein konstruktives Miteinander somit von deren Stimmigkeit abhängig ist.

3. Kommunikationskompetenz in der Institution Schule

3.1 Konzept der Kommunikationskompetenz

Kommunikation ist sowohl im Privatleben als auch im Beruf allgegenwärtig, sogar selbstverständlich. Von morgens bis abends kommunizieren wir mit Familie, Freunden, Bekannten, Kollegen, Nachbarn und Fremden. Doch wissen wir auch was, wie und warum wir in einer Situation kommunizieren? Und wie lassen sich Konflikte oder Probleme in der Kommunikationssituation erklären? – Häufig, so Nünning und Zierold, finde Kommunikation zu unreflektiert statt (vgl. Nünning / Zierold 2008, 7). In unserer heutigen Informations- und Mediengesellschaft sei ein fundiertes Verständnis von Kommunikation sowie die Entwicklung ausgeprägter kommunikativer Fähigkeiten nicht nur für den Alltag und die Freizeit, sondern insbesondere für Ausbildung, Studium und Beruf unabdingbar. So stellt „Kommunikations-kompetenz“ spätestens seit PISA[8] kein bloßes wissenschaftliches Konstrukt dar, sondern in vielen Berufsfeldern und Handlungsbereichen die wichtigste, zu erwerbende Schlüsselqualifikation, wobei sich diese zunehmende Relevanz kompetenten Kommunikationshandelns insbesondere von der in unserer postmodernen Gesellschaft vorherrschenden Orientierung an Qualifikationsanforderungen und Schlüsselkompetenzen ableiten lässt.

„Kompetenzen“ werden hier in Anlehnung an Six und Gimmler verstanden als Wissensbestände, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die gemeinsam mit motivationalen Voraussetzungen ein Individuum dazu befähigen, ein bestimmtes Verhalten [...] in kompetenter Weise auszuüben, d.h. funktional und kreativ, selbstbestimmt und selbstreguliert, aber auch sozial und persönlich angemessen und verträglich. Kompetenzen sind somit wesentliche, wenn auch keineswegs die einzigen Einflussfaktoren für individuelles Verhalten und Handeln (Six / Gimmler 2007, 272).

Auch für Lehramtsstudenten und angehende Lehrer ist der Erwerb kommunikativer Kompetenzen aufgrund ihrer Notwendigkeit im späteren Schulalltag elementar und deshalb in den KMK-Ausbildungsstandards im Kompetenzbereich „Erziehen“ fest verankert. Damit angehende Lehrer ihren Beruf später professionell ausüben können, sollten sie sowohl theoretischüber „Kenntnisse zu Kommunikation und Interaktion (unter besonderer Berücksichtigung der Lehrer-Schüler-Interaktion)“ (KMK 2004, 10), „Regeln der Gesprächsführung sowie Grundsätze des Umgangs miteinander“ (ebd.) verfügen als auch praktisch „soziale Beziehungen und soziale Lernprozesse in Unterricht und Schule“ (ebd.) gestalten können. Diese Anforderungen sind insbesondere auch in Hinblick auf auftretende Missverständnisse, Störungen und Konflikte in der Kommunikation wichtig, sodass die Lehrkraft immer wieder neu gefordert ist, „Lösungsansätze für Schwierigkeiten und Konflikte in Schule und Unterricht“ (ebd.) zu finden. Folglich steht ein Lehrer Tag für Tag vor der Herausforderung, mit Schülern, Eltern, Kollegen zu interagieren und mit vielfältigen Situationen umzugehen, in denen professionelle und authentische Kommunikation notwendig ist.

[...]


[1] „Conditio sine qua non“ (lat., wörtlich: „Bedingung, ohne die nicht“) bezeichnet eine Bedingung, von der nicht abgesehen werden kann, weil sie notwendig für eine bestimmte Tatsache ist (vgl. Wahrig-Burfeind 2008, 335).

[2] Vgl. hierzu Merten 2007; Rommerskirchen 2014;

[3] Interaktion meint „das wechselseitig aufeinander bezogene Verhalten von zwei oder mehr Personen“ (Ulich 2001, 77).

[4] Bühler, Watzlawick und Schulz von Thun haben mit ihren Modellen zwischenmenschlicher Kommunikation insbesondere die Sender-Empfänger-Beziehung fokussiert, weil sie davon ausgehen, dass sich in einer Kommunikation immer soziale Beziehungen manifestieren, die sowohl einen Inhalts- als auch einen Beziehungsaspekt beinhalten (vgl. Vogel 2013, 16).

[5] vgl. Abschnitt 3.1

[6] Zur sprachlichen Vereinfachung und damit zur besseren Lesbarkeit wird im weiteren Verlauf ausschließlich die männliche Geschlechtsform verwendet, die die weibliche Form stets miteinschließt.

[7] vgl. Anm. 6

[8] „Im Fokus der Bildungsdiskussion stehen heute zunehmend auch soziale Kompetenzen, Sprach- und Kommunikationskompetenz, eine demokratische Grundhaltung und entsprechende Organisations- und Problemlösungsfähigkeiten [...]“ (Lahner 2011, 153).

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Kommunikationskompetenz von Lehrkräften in der Institution Schule
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
26
Katalognummer
V352697
ISBN (eBook)
9783668391024
ISBN (Buch)
9783668391031
Dateigröße
1060 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation Lehrkräfte Schule Kommunikationskompetenz
Arbeit zitieren
Isabel Potthoff-Wenner (Autor), 2016, Kommunikationskompetenz von Lehrkräften in der Institution Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352697

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