Als subordinierende Konjunktion wird weil mit Verbendstellung realisiert und leitet einen Adverbialsatz ein. Im mündlichen Sprachgebrauch trifft man jedoch häufig auf weil-Sätze mit Verbzweitstellung. In der vorliegenden Arbeit soll die Verwendung von weil zunächst hinsichtlich syntaktischer Merkmale und schließlich unter semantischen und pragmatischen Gesichtspunkten untersucht werden. Hier liegt die Fragestellung zu Grunde, ob es sich um eine falsche Verwendungsweise oder vielmehr um eine Funktionsausweitung handelt und wenn ja, worin diese besteht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Syntaktische Betrachtung von weil-Sätzen
2.1 Weil-Sätze mit Verbendstellung
2.2 Weil-Sätze mit Verbzweitstellung
3 Semantische/ pragmatische Betrachtung von weil-Sätzen
3.1 Faktisches weil
3.2 Epistemisches weil
3.3 Illokutives weil
3.4 Weil-Sätze mit Verbzweitstellung
3.4.1 Eigenschaften von weil mit Verbzweitstellung
3.4.2 Verwendung von weil mit Verbzweitstellung
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verwendung von weil-Sätzen in der gesprochenen Sprache, mit einem Fokus auf dem Phänomen der Verbzweitstellung. Ziel ist es zu klären, ob es sich dabei um eine falsche Verwendungsweise handelt oder um eine systematische Funktionsausweitung der Konjunktion.
- Syntaktische Merkmale von weil mit Verbend- vs. Verbzweitstellung
- Semantische Klassifikationen: faktisches, epistemisches und illokutives weil
- Die Rolle von Intonation und Pause bei der Interpretation von Kausalsätzen
- Präsuppositionsverhalten und Skopus von weil-Sätzen
- Pragmatische Vorteile und kommunikative Motivation der Funktionsausweitung
Auszug aus dem Buch
3.4 Weil-Sätze mit Verbzweitstellung
In der Literatur findet man für die Verwendung von weilVZ unterschiedliche Erklärungsansätze. Die einen sprechen von einem lexikalischen Wandel von weil, der sich sowohl auf der syntaktischen Ebene, von weilVE zu weilVZ, als auch auf der semantischen Ebene, vom faktischen zum epistemischen weil, vollzieht. KELLER geht sogar so weit, dass er diesen Wandel auch für die Schriftlichkeit nicht ausschließt. So schreibt er: „Allerdings ist die Verwendung des epistemischen weil (noch) auf den mündlichen Sprachgebrauch beschränkt.“ In seinem Fazit geht er noch einen Schritt weiter, indem er selber die Verbzweitstellung für den schriftlichen Sprachgebrauch verwendet:
Gegenwärtig werden von den Sprechern die Kosten, die die Verletzung geltender Normen im schriftlichen Bereich darstellt, noch höher eingeschätzt als der Nutzen der Verwendung. Aber das wird sich ändern, weil schlechtere Alternativen, die nur deshalb in Gebrauch sind, weil es immer schon so war, halten sich nicht lange.
WEGENER bezieht sich auf KÜPER und geht nicht wie KELLER davon aus, dass es sich um einen Bedeutungswandel von weil handelt, sondern daß dieselbe semantische Relation, die der Begründung, einmal innerhalb der propositionalen Ebene verbleibt, einmal über die propositionale Ebene hinaus auf die illokutive Ebene verschoben wird.
Es ist richtig, dass sich die Relation der Konnekte von der propositionalen Ebene beim faktischen weil auf die illokutive Ebene beim epistemischen und illokutiven weil verschiebt, aber gerade dadurch ergibt sich m.E. ein anderer semantischer Gehalt der Aussage.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der weil-Sätze mit Verbzweitstellung in der Mündlichkeit ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach falscher Verwendung versus Funktionsausweitung.
2 Syntaktische Betrachtung von weil-Sätzen: In diesem Kapitel werden die syntaktischen Merkmale der subordinierenden Konjunktion weil mit Verbendstellung sowie die grundlegenden Strukturen von weil mit Verbzweitstellung analysiert.
3 Semantische/ pragmatische Betrachtung von weil-Sätzen: Dieses Hauptkapitel differenziert zwischen faktischem, epistemischem und illokutivem weil und untersucht detailliert die syntaktischen und pragmatischen Besonderheiten der Verbzweitstellung.
4 Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Verwendung von weil mit Verbzweitstellung eine sinnvolle, erweiterte Ausdrucksmöglichkeit darstellt und nicht als genereller Sprachfehler abzutun ist.
Schlüsselwörter
weil-Satz, Verbzweitstellung, Verbendstellung, Mündlichkeit, Funktionsausweitung, faktisches weil, epistemisches weil, illokutives weil, Intonation, Pragmatik, Sprachwandel, Syntax, Satzklammer, Kausalsatz, Diskursmarker.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die syntaktischen und semantischen Veränderungen der Konjunktion „weil“ im gesprochenen Deutsch, speziell das Aufkommen der Verbzweitstellung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die syntaktische Struktur, die pragmatischen Funktionen (faktisch, epistemisch, illokutiv) und die Rolle der Intonation bei der Interpretation von Kausalsätzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Verbzweitstellung nach „weil“ als fehlerhaft einzustufen ist oder ob es sich um eine funktionale Erweiterung des Sprachgebrauchs handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Diskussion einschlägiger linguistischer Literatur sowie der Untersuchung von Beispielsätzen und ihrer funktionalen Einordnung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine syntaktische Betrachtung der Verbstellungen sowie eine tiefgehende semantisch-pragmatische Analyse der unterschiedlichen Typen von weil-Sätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Verbzweitstellung, epistemisches weil, Funktionsausweitung, Intonation, Skopus und Sprachwandel.
Wie unterscheidet der Autor zwischen faktischem und epistemischem weil?
Das faktische weil begründet einen Sachverhalt, während das epistemische weil die Einstellung des Sprechers zu einem Sachverhalt oder eine Schlussfolgerung ausdrückt.
Warum ist die Intonation für die Analyse der weil-Sätze entscheidend?
Die Intonation fungiert in der gesprochenen Sprache als Indikator dafür, ob der Kausalsatz in den Skopus des Bezugssatzes integriert ist oder eine eigenständige illokutive Einheit bildet.
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- Stefanie Mißling (Author), 2004, Über die Verwendung von weil-Sätzen in der Mündlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35273