Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Mathematikstörungen bei Schülerinnen und Schülern, das einen weniger erforschten und bekannten Bereich der Lernstörungen darstellt. Der Bereich der Mathematikstörungen ist weit weniger erforscht als beispielsweise der Bereich der Lese- Rechtschreibstörungen. Dies ist unter anderem auf einen bestehenden Mangel an Testverfahren zur Erkennung einer solchen Störung oder Schwäche zurückzuführen. Lorenz/ Radatz schreiben dazu in der Einleitung des von ihnen verfassten Bandes „Handbuch des Förderns im Mathematikunterricht: „Dies deutet darauf hin, dass die Erfassung einer Lernstörung in Mathematik Schwierigkeiten bereitet. Sie ist in geringerem Maße isolierbar. Ein schlechter Leistungstest ermöglicht es noch nicht, einen Schüler als rechenschwach einzustufen, und Förderhinweise lassen sich aus dem Testergebnis schon gar nicht ableiten.“
Es mangelt außerdem an ausreichender Fachliteratur zum Thema, so dass es für viele Interessierte und Betroffene schwer erscheinen mag, sich ein gewisses theoretisches Wissen über diesen Themenbereich anzueignen. Die im Gegensatz zur Legasthenie eher dürftige Forschung zu diesem Bereich der Lernstörungen trägt zu der mangelnden Kenntnis des Gebietes bei. Lorenz / Radatz geben weitere Gründe für den Mangel an Forschungsergebnissen über Mathematikstörungen an: Sie geben zu bedenken, dass eine geringe Leistung im Mathematikunterricht nicht eine solch immense gesellschaftspolitische Rolle spielt; die Folgen, die bei einer solchen Störung entstehen, sind scheinbar geringer.
Das Thema der Benennung dieses Gebietes der Lernstörungen erscheint ebenso problematisch und verwirrend. Häufig ist die Rede von einer „Rechenstörung“, was sich insofern als problematisch herausstellt, als dass bei diesem Bergriff der Teilbereich der Geometrie außer Acht gelassen wird, der ja einen immensen Teil der Inhalte des Mathematikunterrichts ausmacht. Schüler, die in diesem Bereich Auffälligkeiten zeigen, zeigen oft vollkommen andere Defizite als jene, die Schwierigkeiten beim Rechnen haben, weil vollkommen andere Bereiche angesprochen werden, wie zum Beispiel das räumliche Sehen. Auf diesen Punkt soll später eingegangen werden.
Es ist also vor allem zu beachten, welche Fähigkeiten bei bestimmten mathematischen Aufgaben und Inhalten angesprochen sind, um zu erkennen, wo die individuelle Schwäche des Schülers liegt. Die individuelle Fehleranalyse ist demnach unabdingbar.
Inhaltsverzeichnis
1. Erscheinungsformen von Mathematikstörungen in den Phasen des mathematischen Unterrichts
1.1. Fehler im Zusammenhang mit dem Verständnis von Sprache und Symbolik
1.2. Störungen des abstrakten Denkens und ihre Auswirkungen
1.3. Rechenfehler in der Automatisierungsphase
1.4. Fehler bei erweiterten mathematischen Leistungen
2. Zusammenfassung möglicher Ursachen von Mathematikstörungen
2.1. Soziokulturelle/ familiäre Bedingungen
2.2. Neurotisch- psychogene Bedingungen
2.3. Impulsivität als Bedingung für Lernstörungen
3. Prävention und Intervention bei Mathematikstörungen
3.1. Die Lernausgangslage und allgemeine Prävention
3.2. Spezielle Intervention durch Förderung visueller Fähigkeiten
3.3. Die Förderung der Gedächtnisleistung
3.4. Die Förderung von Konzentration und Aufmerksamkeit
4. Abschließende Worte zu Mathematikstörungen und deren Auswirkungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein tieferes Verständnis für Mathematikstörungen zu schaffen, indem sie deren Erscheinungsformen, Ursachen und Auswirkungen detailliert beleuchtet und effektive Ansätze für Prävention und Intervention aufzeigt.
- Analyse verschiedener Erscheinungsformen von Mathematikstörungen im schulischen Kontext.
- Untersuchung neuropsychologischer, soziokultureller und familiärer Ursachenfaktoren.
- Darstellung von Methoden zur individuellen Fehleranalyse bei rechenschwachen Schülern.
- Entwicklung von Strategien zur gezielten Prävention und Förderung in den Bereichen visuelle Wahrnehmung, Gedächtnis und Aufmerksamkeit.
Auszug aus dem Buch
1.3 Rechenfehler in der Automatisierungsphase
„Durch die Phase des Übens wird eine Automatisierung angestrebt, die das kindliche Kurzzeitgedächtnis entlasten soll. Insbesondere werden die Addition und Subtraktion im Zahlenraum bis 20 und das Kleine Einmaleins automatisiert, um durch das solcherart fest verankerte Wissen komplexere Aufgaben fehlerfrei zu bearbeiten.“ (Lorenz, J.H./ Radatz, H., 1993, S.33) Durch das intensive Üben soll erreicht werden, dass das Kind durch die Automatisierung eine Lösung fortan weiß und nicht mehr berechnen muss. Schüler mit Mathematikstörungen müssen hingegen weiterhin rechnen.
„Als kognitive Fähigkeit wird vom Schüler gefordert, Sprachketten zu verbinden….Aus diesem Grund lässt sich bei Rechenstörungen die Automatisierung durch Visualisierungen stützen.“ (Lorenz, J.H./ Radatz, H., 1993, S.33)
Schüler mit Mathematikstörungen müssen demnach jeden Zahlensatz isoliert, ohne Beziehung zu anderen, erlernen. Es ergeben sich Fehler bei Kopfrechnen- Aufgaben, da der Schüler kein inneres Bild einer Rechnung besitzt, das ihm die Aufgabe erleichtert. Auch hier wirkt sich eine gestörte Raumorientierung auf die Lösung von Aufgaben aus, indem der Schüler die Ausführung der Aufgabe verdreht oder spiegelverkehrt ausführt. Wenn Schüler in der dritten Grundschulklasse bei Zahlraumerweiterungen keine Analogien bilden können, sollte dies als Hinweis auf eine Rechenstörung angesehen werden. Betroffene Schüler zeichnen sich vor allem durch das verlangsamte Berechnen einer solchen Aufgabenstellung aus. Häufig zeigen sich hier Assoziationsfehler, die auf den ersten blick vielleicht nicht als solche erkennbar sind. Sämtliche Auffälligkeiten in dieser Phase sind auf fehlende oder fehlerhafte Automatisierungsprozesse zurückzuführen (vgl. Lorenz, J.H./ Radatz, H., 1993, S.33).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Erscheinungsformen von Mathematikstörungen in den Phasen des mathematischen Unterrichts: Dieses Kapitel erläutert, wie kognitive Schwächen in unterschiedlichen Lernphasen zu spezifischen Fehlern führen, angefangen beim Sprachverständnis bis hin zu komplexen mathematischen Leistungen.
2. Zusammenfassung möglicher Ursachen von Mathematikstörungen: Hier werden soziokulturelle, familiäre und neurotisch-psychogene Faktoren analysiert, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Lernstörungen im mathematischen Bereich beitragen können.
3. Prävention und Intervention bei Mathematikstörungen: Das Kapitel widmet sich konkreten Fördermaßnahmen, darunter die gezielte Unterstützung visueller Fähigkeiten, des Gedächtnisses sowie der Konzentration und Aufmerksamkeit, um den Lernprozess individuell anzupassen.
4. Abschließende Worte zu Mathematikstörungen und deren Auswirkungen: Der Abschluss verdeutlicht die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose und individuellen Förderung, um langfristige Folgen wie Schulfrust und Ängste zu minimieren und die Bedeutung interdisziplinären Wissens bei Lehrkräften zu unterstreichen.
Schlüsselwörter
Mathematikstörungen, Dyskalkulie, Rechenschwäche, kognitive Fähigkeiten, Fehleranalyse, Lernstörungen, Prävention, Intervention, visuelle Wahrnehmung, Sprachverständnis, Automatisierung, Gedächtnisleistung, Förderpädagogik, Schüler, Diagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der Mathematikstörungen bei Schülern, einem Bereich, der im Vergleich zu Lese-Rechtschreibschwächen wissenschaftlich weniger stark erforscht ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Erscheinungsformen bei verschiedenen Unterrichtsphasen, die Ursachenforschung sowie praktische Interventions- und Präventionsmöglichkeiten für Lehrkräfte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, für die Komplexität von Mathematikstörungen zu sensibilisieren und aufzuzeigen, wie durch individuelle Analysen und gezielte Förderung Lernschwierigkeiten frühzeitig begegnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse einschlägiger Fachwerke zur Dyskalkulie-Therapie und zum Förderhandeln im Mathematikunterricht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Fehlerursachen in Abhängigkeit von kognitiven Fähigkeiten, die Rolle soziokultureller Rahmenbedingungen sowie Methoden zur Verbesserung der visuellen Vorstellungskraft und Gedächtnisleistung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Mathematikstörung, individuelle Fehleranalyse, Förderdiagnostik und Interventionsstrategien beschreiben.
Warum ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Fehlertypen für Lehrer so wichtig?
Da nicht jede Rechenschwäche gleich gelagert ist, ermöglicht nur eine präzise Fehleranalyse dem Lehrer, die Förderung gezielt auf die individuellen Defizite – etwa im räumlichen Denken oder bei der Automatisierung – zuzuschneiden.
Welche Rolle spielt die Impulsivität bei der Entstehung von Rechenfehlern?
Impulsivität führt oft zu einem überhasteten Problemlösungsverhalten, bei dem Schüler ohne Reflexion raten oder Hypothesen aufstellen, was besonders bei komplexen Aufgaben zu gehäuften Fehlleistungen führt.
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- Lavinia Korte (Author), 2004, Mathematikstörungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35280