Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Eine intermediale Adaption im Bilderbuch


Hausarbeit, 2016

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Gedicht - Herr Ribbeck zu Ribbeck auf Havelland
2.1. Analyse des Gedichts

3. Das Bilderbuch – eine Definition

4. Das fünfdimensionale Modell der Bilderbuchanalyse
4.1. Anwendung des fünfdimensionalen Modells auf das Gedicht - Herr Ribbeck zu Ribbeck auf Havelland

5. Didaktische Bedeutung

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis
7.1. Primärliteratur
7.2. Sekundärliteratur

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Das Gedicht - Herr Ribbeck zu Ribbeck auf Havelland

Abb. 2: Fünfdimensionales Modell der Bilderbuchanalyse

Abb. 3: Verse pro Seite

1. Einleitung

Theodor Fontane (1819–1898) zählt zu den bedeutendsten Dichtern der deutschsprachigen Literatur. Seine Ballade ‚Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland‘ ist im Frühsommer 1889 entstanden und bis heute weit verbreitet.[1] _ Unter anderem wird es in dem Werk „Des Sommers letzte Rosen: Die 100 beliebtesten deutschen Gedichte“ von Dirk Ippen aufgeführt.[2] _ Auch in den Lehrplänen des Schulunterrichts ist es immer wieder zu finden. In dem Gedicht geht es um den gütigen Herrn Ribbeck, der Birnen an die Kinder der Nachbarschaft verteilt. Mit dem Wissen, dass sein Sohn seinem Beispiel wohl nicht folgen wird, lässt er sich mit einer Birne zusammen beerdigen, aus der einige Zeit später ein Birnbaum wächst, an dem die Kinder sich selbst bedienen können.

Um Kindern den Umgang mit Gedichten wie diesem zu vereinfachen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, unter anderem die intermediale Adaption, die Anpassung eines Textes etwa an das Medium Bilderbuch. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Adaption des Gedichtes ‚Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland‘ anhand des Bilderbuchs von Nonny Hogrogian.

Dabei wird zunächst das ursprüngliche Gedicht Fontanes analysiert, um später zu untersuchen, inwiefern Form und Gestaltung des Gedichtes auf das Bilderbuch übertragen worden sind. Hierzu wird der Begriff des Bilderbuches definiert, wobei auf das Verhältnis von Bild und Text eingegangen und eine Analyse im Hinblick auf das Bilderbuch von Nonny Hogrogian durchgeführt wird. Erkenntnisleitend ist hierbei das fünfdimensionale Modell der Bilderbuchanalyse von Michael Steiger. Abschließend wird ein Einblick in die didaktische Bedeutung des Bilderbuchs für den Grundschulunterricht gegeben. Darauf folgt ein Fazit der Gesamtarbeit.

2. Das Gedicht - Herr Ribbeck zu Ribbeck auf Havelland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das Gedicht - Herr Ribbeck zu Ribbeck auf Havelland

Quelle: Theodor Fontane, Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, in: Des Sommers letzte Rosen: Die 100 beliebtesten deutschen Gedichte, herausgegeben von Dirk Ippen und Philip Laubach-Kiani, 9. Aufl. München: C.H.Beck, 2001, S.65

2.1. Analyse des Gedichts

Bei dem Gedicht ‚Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland‘ von Theodor Fontane, erschienen im Frühsommer 1889, handelt es sich um eine Ballade, die aus vier Strophen und einem abschließenden Paarreim besteht.[3] Laut Duden ist eine Ballade folgendermaßen definiert: „Gedicht, in dem ein handlungsreiches, oft tragisch endendes Geschehen erzählt wird.“[4]

Die Strophen haben unterschiedlich viele Verse und sind in Paarreimen verfasst, die einen häufigen Wechsel zwischen Anapäst und Jambus aufweisen.[5] Dies lässt das Gedicht heiter und beschwingt wirken.

Während die erste Strophe das Verhalten des Herrn Ribbeck gegenüber den Kindern beschreibt, geht es in der zweiten um seinen Tod und in den letzten beiden Strophen um die Auswirkungen seines Vermächtnisses. In Bezug auf die sprachliche Gestaltung lässt sich jedoch eine deutliche Verknüpfung der ersten und vierten sowie der zweiten und dritten Strophe feststellen, da die erstgenannten zum Beispiel beide im Dialekt verfasst sind, was die Verbundenheit Herrn Ribbecks zum einfachen Volk zeigt.[6] Des Weiteren weisen die erste und die vierte Strophe eine fast identische Art und Weise des Aufbaus, der Wortwahl und der Handlung auf. Ein wesentlicher Unterschied besteht allerdings darin, dass in der vierten Strophe das Personalpronomen ‚er‘, das sich auf den alten Ribbeck bezieht, in ein ‚es‘ umgewandelt wird (So flüstert’s im Baume: „Wiste ’ne Beer?“; V. 38–39). Dadurch wird der Transzendenzbezug des Gedichtes verdeutlicht und aufgrund der Wiederholung der Handlung bleibt das Bild des gütigen, alten Herrn Ribbeck präsent. Dies wird ebenfalls durch den Wechsel der Zeiten unterstützt, der eine gewisse in die Gegenwart fortwirkende Gültigkeit anzeigt. Zu jeder „goldenen Herbsteszeit“ leuchten die Birnen und schenken den Kindern Freude (vgl. V. 35–36), sowohl zu Lebzeiten des alten Ribbeck als auch nach seinem Tod. Des Weiteren bilden Strophe eins und vier durch ihre Ähnlichkeit eine Art Rahmen, mit dem das Gedicht beginnt und abgesehen von den zwei abschließenden Schlussversen auch endet.

Die Strophen zwei und drei vertiefen den Eindruck des Charakters. Herr Ribbeck wird nach seinem Tod aus einem „Doppeldachhaus“ hinausgetragen, während die Bauern „Jesus meine Zuversicht singen“ (vgl. V. 17–20). Der alte Gutsherr ist ein Vorbild, nicht nur im christlichen Sinne, sondern auch im Hinblick auf seine sozialen Beziehungen innerhalb der Gesellschaft. Dies ist zu der Zeit der industriellen Revolution, in der Profitdenken an die Stelle des sozialen Verantwortungsgefühls getreten ist, ungewöhnlich.[7] Für seine Zeit untypisch lebt Herr Ribbeck in einem einfachen „Doppeldachhaus“ und verhält sich verantwortungsbewusst und vorbildlich gegenüber der unteren Schicht. Sein Sohn hingegen spiegelt das für die Gesellschaft seiner Zeit typische Denken wider. Er ist knauserig, stets nur um sein eigenes Vermögen besorgt und hat kein Verständnis für die Bauern oder Mitleid mit ihnen. Die Aussage Ribbecks an seinem Sterbebett – „Ich scheide nun ab“ (V. 15) – zeugt von einer Ruhe und Gelassenheit, die wahrscheinlich daher kommt, dass er ein christliches, vorbildliches Leben geführt hat und sich nichts vorzuwerfen weiß. Stattdessen ist er nur um das Wohl der Kinder besorgt und darum, von wem diese nun im Herbst Birnen bekommen. Zurück bleibt der Baum, der zeitlos an das vorbildliche Verhalten Ribbecks erinnert.

Es ist jedoch nicht nur von Bedeutung, was in dem Gedicht beschrieben, sondern auch, was weggelassen worden ist. Sowohl das Aussehen als auch die Umgebung Ribbecks etwa werden nicht ausgemalt, dies lässt Interpretationsspielraum zu und regt die Fantasie des Lesers an.

3. Das Bilderbuch – eine Definition

Um ein Bilderbuch zu analysieren, ist zunächst herauszustellen, was genau ein Bilderbuch ist. Barbara Bader definierte 1976 den Begriff folgendermaßen: „A picturebook is text, illustrations, total design [...].“[8]

Es geht somit um die Betrachtung der Bilder sowie der Schrifttexte und darum, wie diese dargestellt werden. Während der Text die Handlung beinhaltet, liefert das Bild eventuell zusätzliche Informationen, unterstreicht die jeweilige Stimmung oder setzt Akzente. Das anfangs auf Grund seiner frühkindlichen Adressaten kurz gehaltene Bilderbuch hat sich im Laufe der Zeit zu einem komplexen, offenen Bild-Text-Medium entwickelt.[9] Dadurch, dass die Bilder unterschiedlich interpretiert werden können und auch die Texte auf verschiedene Weisen wiedergegeben werden, ist eine Analyse oft aufwändig. Anhand des fünfdimensionalen Analysemodells soll genau diese Komplexität untersucht werden.

4. Das fünfdimensionale Modell der Bilderbuchanalyse

Michael Staiger hat 2014 ein Modell zur Analyse von Bilderbüchern entwickelt, das als fünfdimensionales Modell der Bilderbuchanalyse bekannt geworden ist.[10] Es beschreibt die unterschiedlichen Ausprägungen der Dimensionen und dient dazu, die Kommunikation zwischen Bild und Text zu entschlüsseln. Im Folgenden werden die fünf Dimensionen vorgestellt:

1. Narrative Dimension
2. Bildliche Dimension
3. Verbale Dimension
4. Intermodale Dimension
5. Paratextuelle/materielle Dimension

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 zeigt, dass die Dimensionen zwar einzeln betrachtet werden können, jedoch miteinander verknüpft sind. Auf den nächsten Seiten werden die einzelnen Dimensionen genauer betrachtet und erläutert.

Narrative Dimension: Die narrative Dimension gliedert sich in zwei Teilbereiche, in Histoire (Was wird erzählt?) und in einen Diskurs (Wie wird erzählt?).

Der geschichtliche Teilbereich (Histoire) behandelt unter anderem die Thematik und das Motiv des Bilderbuchs.[11] Hierbei werden die Geschehnisse und Ereignisse sowie die Handlungslogik und Handlungsstränge analysiert. Relevant ist dabei die Betrachtung der einzelnen Figuren und deren Konzeption sowie Konstellation. Sind sie statisch oder dynamisch, bilden sie ein Kontrastpaar oder handelt es sich sogar um eine Dreieckskonstellation? In Bilderbüchern wird die äußere Erscheinung der Figuren genau festgehalten und durch Gesichtsausdrücke und Kleidung erweitert. Mit dem Verhalten gegenüber anderen Figuren und der Positionierung im Raum wird die Konstellation der Figuren definiert.[12]

[...]


[1] Vgl. Astrid Wierling, Stammt Herr von Ribbeck wirklich aus dem Havelland?, in: Sprache, Sprechen, Sprichwörter : Festschrift für Dieter Stellmacher zum 65. Geburtstag, herausgegeben von Maik Lehmberg, 1. Aufl. Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2004, S.251

[2] Vgl. Theodor Fontane, Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, in: Des Sommers letzte Rosen: Die 100 beliebtesten deutschen Gedichte, herausgegeben von Dirk Ippen und Philip Laubach-Kiani, 9. Aufl. München: C.H.Beck, 2001, S.65

[3] Vgl. Astrid Wierling, Stammt Herr von Ribbeck wirklich aus dem Havelland?, in: Sprache, Sprechen, Sprichwörter : Festschrift für Dieter Stellmacher zum 65. Geburtstag, herausgegeben von Maik Lehmberg, 1. Aufl. Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2004, S.251

[4] Wissenschaftlicher Rat Dudenredaktion, Ballade, in: Duden: Die deutsche Rechtschreibung, herausgegeben vom Wissenschaftlichen Rat, 26. Aufl. Mannheim: Dudenverlag, Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus, 2006, S.252

[5] Vgl. Ira Knabbe, PONS Texte schreiben Englisch: Aufsatz, Textanalyse, Zusammenfassung und Präsentation, 4. Aufl. Stuttgart: Klett Lerntraining, 2012, S.103

[6] Vgl. Holger Kreitling, Birnen satt in Ribbeck im Havelland, Welt-Online (https://www.welt.de/kultur/article4060473/Birnen-satt-in-Ribbeck-im-Havelland.html; Datum des letzten Zugriffs: 10.12.2016).

[7] Vgl. Karl H. Metz, The Social Chain of Respect, in: Archiv für Kulturgeschichte, herausgegeben von Georg Steinhausen und Walter Goetz, Köln: Böhlau Verlag 1965, S.154f

[8] Barbara Bader, American Picturebooks from Noah´s Ark to The Beast Within, 1. Aufl. New York: Macmillan Pub Co, 1976, S.1

[9] Vgl. Jens Thielen: Das Bilderbuch: Definitionsversuch über eine sich wandelnde Buchgattung. In: Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart, herausgegeben von Günter Lange, 1. Aufl. Hohengehren: Schneider-Verlag Hohengehren, 2011, S.217

[10] Vgl. Michael Staiger, Forschung, Michael-Staiger.de, Erzählmedium Bilderbuch (http://www.michael-staiger.de; Datum des letzten Zugriffs: 01.12.2016)

[11] Vgl. Michael Staiger, Erzählen mit Bild-Schrifttext-Kombinationen. Ein fünfdimensionales Modell der Bilderbuchanalyse, in: Bilder Bücher. Theorie. Schriftenreihe Deutschdidaktik Primarstufe, herausgegeben von Ulf Abraham und Julia Knopf, 1. Aufl. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2014, S. 14

[12] Vgl. Maria Nikolajeva und Carole Scott, How Picturebooks Work, 1. Aufl. New York: Routledge, 2006, S. 83

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Eine intermediale Adaption im Bilderbuch
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V353027
ISBN (eBook)
9783668412873
ISBN (Buch)
9783668412880
Dateigröße
852 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
intermediale Adaption, Bilderbuch, Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Literaturwissenschaft, Gedicht, Grundschullehramt, Germanistik, Lyrikinterpretation
Arbeit zitieren
Alina Yildirim (Autor), 2016, Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Eine intermediale Adaption im Bilderbuch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353027

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