Bildungsbenachteiligung als Thema der Interkulturellen Pädagogik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

28 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.0 Der Zusammenhang zwischen institutioneller Diskriminierung und Robert Mertons Anomietheorie
2.1.0 Institutionelle Diskriminierung
2.1.1 Begriffserklärung „Institutionelle Diskriminierung“
2.1.2 Institutionelle Diskriminierung - Begriffsgeschichtliche Hintergründe
2.1.3 Ausdifferenzierung des Begriffs der institutionellen Diskriminierung von Joe R. Feagin und Clairece B. Feagin (1986)
2.2.0 Die Anomietheorie von Robert K. Merton
2.2.1 Die Darstellung von Robert Mertons Anomietheorie
2.2.2 Die Vordenker der Anomietheorie
2.2.3 Die Aufgaben des deutschen Schulsystems
2.2.4 Die Benachteiligung aufgrund institutioneller Diskriminierung
2.2.5 Die Darstellung des Zusammenhangs zwischen „institutioneller Diskriminierung“ und Robert Mertons „Anomietheorie“

3.0 Der Fokus der interkulturellen Pädagogik auf die Bildungsbenachteiligung
3.1 Begriffserklärung „Interkulturelle Pädagogik“
3.2 Ein Einblick in die Geschichte der interkulturellen Pädagogik
3.3 Wichtige Stichworte der interkulturellen Pädagogik
3.4 Darstellung der Antidiskriminierungspädagogik
3.5 Der Fokus der interkulturellen Pädagogik auf die Bildungsbenachteiligung

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zu Beginn des Films „Die Schüler der Madame Anne“ möchte eine Schülerin nach bestandenem Abitur ihr Zeugnis abholen. Die Herausgabe wird ihr jedoch von der Schulsekretärin und dem Schulleiter mit der Begründung verweigert, dass sie das Schulgebäude mit einem Kopftuch betreten hat, was gesetzlich in Frankreich verboten ist. Mit der Bemerkung: „Ich habe es außerdem satt, mich ständig für meine Religion rechtfertigen zu müssen!“ entfernt sich die muslimische Schülerin wütend. Diese Szene greift den in Frankreich heiß diskutierten Kopftuchstreit auf. Seit 1905 sind in Frankreich Staat und Religionen im Sinne des Laizismus voneinander getrennt. So gilt die Religion als Privatsache und gehört dementsprechend auch nicht ins Klassenzimmer. Im September 2004 entschied das französische Parlament nach einer langen Debatte, „dass das Tragen größerer religiöser Zeichen wie z.B. dem Kopftuch SchülerInnen staatlicher Schulen verboten ist[1] “.

Meine Wahl ist auf diesen Film gefallen, da die beschriebene Szene eine Ausgrenzungspraktik darstellt, die den charakteristischen Merkmalen der „institutionellen Diskriminierung“ entspricht. So ist die Ausgrenzungspraktik in einer (Bildungs-) Institution, einer französischen Schule, zu lokalisieren. Seine Ursache findet sich in dem Tragen eines religiösen Symbols, dem Kopftuch, in der Institution Schule. Da dieses Verbot im Jahr 2004 auch gesetzlich in Kraft getreten ist wird die Diskriminierung der muslimischen Schülerin durch „gesetzliche[e] […] Regelungen“[2] gestützt.

Im Rahmen dieser Arbeit soll Bildungsbenachteiligung als Thema der interkulturellen Pädagogik nachgegangen werden. Dazu soll im ersten Teil der Zusammenhang zwischen „institutioneller Diskriminierung“ und Robert Mertons „Anomietheorie“ erarbeitet werden. Dazu wird zunächst der Begriff der „institutionelle Diskriminierung“ definiert und dessen begriffsgeschichtlicher Hintergrund skizziert. Ergänzend dazu wird die Ausdifferenzierung des Begriffs von Joe R. Feagin und Clairece B. Feagin aufgeführt, um im nächsten Schritt mit ausreichend Grundwissen die Darstellung des Zusammenhangs mit der Anomietheorie verdeutlichen zu können. Der Schwerpunkt des nächsten Schritts liegt auf der Darstellung von Robert Mertons Anomietheorie. Hier wird ebenfalls zunächst eine Definition des Begriffs aufgeführt und zusätzlich die Vordenker der Theorie und deren Einfluss behandelt. Da „Bildungsbenachteiligung“ die Kernthematik dieser Arbeit darstellt, werden in diesem Kontext die Aufgaben des deutschen Schulsystems aufgegriffen und nachfolgend die Bildungsbenachteiligung aufgrund institutioneller Diskriminierung thematisiert. Nach dieser ausführlichen und theoretischen Auseinandersetzung mit den beiden Themen werden die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Konzepten ermittelt und dessen Zusammenhang erläutert.

Im zweiten Teil der Arbeit soll der Fokus der interkulturellen Pädagogik auf die Bildungsbenachteiligung erarbeitet werden. Dazu wird zunächst der Begriff „interkulturelle Pädagogik“ und dessen geschichtlicher Verlauf angerissen, um im nächsten Schritt den Umgang mit der Bildungsbenachteiligung im Laufe der Zeit vorzustellen.

Abschließend wird anhand der Darstellung zur institutioneller Diskriminierung und der Anomietheorie von Robert Merton eine Hypothese über die Folgen der Bildungsbenachteiligung formuliert.

2.0 Der Zusammenhang zwischen institutioneller Diskriminierung und Robert Mertons Anomietheorie

In diesem Kapitel soll der Zusammenhang zwischen institutioneller Diskriminierung und Robert Mertons Anomietheorie erarbeitet werden. Dazu werden zunächst die beiden Konzepte und dessen historische Entwicklung vorgestellt, um im nächsten Schritt darauf aufbauend den Zusammenhang zu erläutern.

2.1.0 Institutionelle Diskriminierung

Da für die Herausarbeitung des Zusammenhangs eine intensive Auseinandersetzung mit den beiden Konzepten unerlässlich ist, soll im Folgenden zunächst der Begriff der institutionellen Diskriminierung thematisiert werden.

2.1.1 Begriffserklärung „Institutionelle Diskriminierung“

Egal ob im Bewerbungsgespräch, in der Schule oder sogar bei der Wohnungssuche. In vielen Situationen sind Menschen dem Phänomen der ethnischen Diskriminierung im „Alltag auf komplexe und oft subtile Weise“ unterworfen. Beispielsweise fühlen sich fast 70 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund bei der Wohnungssuche diskriminiert. Dies ergab eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2015. Tatsächlich werden diese Bewerber dann auch häufiger abgelehnt. Paul Mecheril verdeutlicht in diesem Zusammenhang „dass Rassismus ein Deutungs- und Handlungsangebot ist, das eben nicht die verrückte oder kranke oder dumme Leistung einiger Einzelner ist, sondern, als gesamtgesellschaftliche Struktur verstanden werden muss“[3]. Mecherils Schlussfolgerung lenkt „den Blick auf die Einbettung der Ursachen von Diskriminierung in der „normalen“ Alltagskultur“[4] und in Institutionen.

Die Überlegungen des Autors lassen sich mit dem aus „den angelsächsischen Ländern stammenden Begriff der ´institutionellen Diskriminierung´ genauer erfassen“[5] .

Historisch betrachtet ist der Begriff „institutionelle Diskriminierung“ auf den Diskurs zum institutionellen Rassismus in den USA und Großbritannien zurückzuführen, „das zu einem allgemeinen Konzept institutioneller Diskriminierung weiterentwickelt wurde“[6] . Demnach wird „[…] Rassismus oder Sexismus als Ergebnis sozialer Prozesse“[7] verstanden. Durch das Wort „institutionell“ werden „die Ursachen von Diskriminierung im organisatorischen Handeln im Netzwerk zentraler gesellschaftlicher Institutionen (z.B. Bildungs- und Ausbildungssektor, Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen und Polizei)“[8] lokalisiert. In diesem Sinne ergeben sich, nach Mechtild Gomolla, „ein Großteil der Gelegenheiten zur Diskriminierung von Menschen mit einer anderen Nationalität, Sprache, Religion oder Kultur in formalen Rechten und in den „normalen“ organisatorischen Strukturen, Programmen und Routinen in den Basisinstitutionen des gesellschaftlichen Lebens (z.B. im Bildungsbereich, im Beschäftigungssystem und auf dem Wohnungsmarkt)“[9] .

2.1.2 Institutionelle Diskriminierung - Begriffsgeschichtliche Hintergründe

In den 60er Jahren verwendeten „zwei einflußreiche [sic!] Theoretiker der Black Power- Bewegung“[10] den Begriff zum ersten Mal, um die Inkorporation der „Interessen und Einstellungen der weißen Mehrheit in den Institutionen des amerikanischen Lebens“[11] sichtbar zu machen. Daher definierten sie Rassismus als: „die Verkündung von Entscheidungen und politischen Handlungen unter dem Gesichtspunkt der Rasse zum Zweck der Unterordnung einer rassischen Gruppe und der Ausübung der Kontrolle über sie“[12]. Zudem unterschieden sie einerseits „zwischen offenem und individuellem Rassismus […], sowie verdecktem und institutionellem Rassismus (den sie auch als Kolonialismus bezeichneten) [...]“[13]. Unter Ersterem verstehen die Autoren das direkte Handeln von Individuen und unter Letzterem „jene Handlungen und Unterlassungen […], durch die ´schwarze´ Menschen in einer Situation der Benachteiligung gehalten werden und die auf der direkten und alles durchdringenden Arbeitsweise anti-schwarzer Haltungen und Praktiken beruhen“[14]. Auf diese Weise „weitete sich der Bedeutungsrahmen des Rassismus-Begriffes aus, um nicht nur Meinungen und Behauptungen zu umfassen, sondern wichtiger noch, alle individuellen und institutionellen Handlungen, die zur Folge hatten, daß [sic!] die Unterordnung ´schwarzer´ Menschen aufrechterhalten oder verschärft wurde“[15]. Die Auswirkungen des institutionellen Rassismus verdeutlichen Stokely Carmichael und Charles Hamilton „am Beispiel der proportional übergroßen Sterblichkeit bei schwarzen Neugeborenen. Sie führen dieses Phänomen auf die Verkettung von struktureller Armut, Ernährungsmängeln, ungenügender medizinischer Versorgung und der Entstehung schwarzer Slums und Ghettos zurück“[16].

Nach der von Carmichael und Hamilton „angestoßenen Diskussion wurde institutioneller Rassismus rasch als deskriptives und erklärendes Konzept akzeptiert“[17] Kurzerhand wurde der Begriff auf eine „Vielzahl von Institutionen bezogen (z.B. den Arbeits- und Wohnungsmarkt, die Gesundheitsversorgung, Ausbildung, Gerichtsbarkeit, politische Partizipation, Präsentation in den Medien)“[18] und damit nach und nach zu einem „allgemeinen Modell „institutioneller Diskriminierung“ weiterentwickelt, das alle relevanten Formen der Ungleichheit, vor allem nach Gesellschaft, Ethnizität, sozialer Schicht, Alter, Behinderung und sexueller Orientierung, einzuschließen sucht“[19] . Dieses Ereignis stellt eine bedeutsame Wendung für die sozialpolitischen Interventionsstrategien dar, da nun „der Interventionspunkt [...] nicht länger das Individuum und sein Vorurteil sind, sondern die Organisation die diskriminiert“[20].

Nach einer intensiven Beschäftigung mit der Identifizierung der Effekte institutioneller Diskriminierung, widmete man sich in den „1970er Jahren allmählich auf die Aufklärung der Mechanismen, die hinter Korrelationsmaßnahmen stehen, die auf unterschiedliche Gesundheitsprofile oder Bildungsresultate bestimmter Bevölkerungsgruppen verweisen“[21] . In diesem Zusammenhang gab es „zwei wegweisende Impulse zur Erforschung und Theoretisierung der Wirkungsweisen institutioneller Diskriminierung, die auch für die heutigen Diskussionen noch relevant sind“[22] . Dazu zählen zum einen die „Ausdifferenzierung des Begriffs der indirekten institutionellen Diskriminierung“[23] und zum anderen „die Fokussierung der Untersuchung institutioneller Diskriminierung auf die Verteilungsprozesse in Organisationen“[24] nach Alvarez.

2.1.3 Ausdifferenzierung des Begriffs der institutionellen Diskriminierung von Joe R. Feagin und Clairece B. Feagin (1986)

„Hilfreich für das Verständnis der Mechanismen institutioneller Diskriminierung ist eine von Mechtild und Frank Olaf Radtke vorgestellte“[25] Differenzierung zwischen direkter und indirekter institutionalisierter Diskriminierung nach Feagin und Booher Feagin (1986). Darin unterscheiden Feagin und Booher Feagin „vier idealtypische Basisformen von Diskriminierung“[26] Zur Einordnung werden zum einen „der Grad der Intentionalität diskriminierender Praktiken“[27] und zum anderen „der Grad der Einbettung in Organisationen“[28] ermittelt und in Zusammenhang gebracht.

Demzufolge sind intentionale Einzelhandlungen (Typ A) „rassistisch oder sexistisch motivierte Übergriffe“[29], die von einzelnen Personen im Rahmen von „privaten oder öffentlichen face- to- face Kommunikationen aufgrund von Vorurteilen oder der Absicht zu schaden“[30] erfolgen. Der Typ B, Diskriminierung durch kleine Gruppen, bezieht sich auf Handlungen, die „sich auf absichtsvolle Diskriminierung durch kleine informelle oder formalisierte Gruppen bezieht, die jedoch nicht in großflächig soziale Organisationen eingebunden sind“[31] . Ein typisches Beispiel dafür ist z.B. die Beleidigung einer Person mit Migrationshintergrund aufgrund von Vorurteilen.

Der Basistyp C umfasst all die „Handlungen, die im organisatorischen oder lokalen Handlungskontext möglich oder vorgeschrieben sind und negative Wirkung für Mitglieder bestimmter Gruppen haben sollen“[32] . Hierbei handelt es sich keineswegs um Handlungen die flüchtig bzw. temporär auftreten, sondern um einen sich kontinuierlich ereignenden Hergang[33]. Dies hat seinen Grund darin, dass sie „durch entweder hochformalisierte gesetzlich administrative Regelungen oder auch durch informelle organisatorische Praktiken („ungeschriebene Gesetze“), die in der Organisationskultur als Routinen abgesichert sind“[34] gestützt werden . Als ein Beispiel für direkte institutionelle Diskriminierung führen Mechtild und Frank- Olaf Radtke das Inländerprivileg bzw. die Vorrangprüfung in der Arbeitsvermittlung an. Ab dem vierten Monat des Aufenthaltes in Deutschland dürfen Flüchtlinge einer Arbeit in Deutschland nachgehen, wenn eine Arbeitserlaubnis vorliegt. Nach dem eine passende Stelle gefunden ist wird eine Vorrangprüfung durch die zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt. Denn ein „Asylbewerber darf eine Stelle nur dann antreten, wenn es keinen geeigneten deutschen oder EU- Bewerber dafür gibt“[35] . Auf diese Weise werden gesondert Flüchtlinge bzw. Asylbewerber aufgrund ihrem aufenthaltsrechtlichen Status benachteiligt.

Dahingegen meint die indirekt institutionalisierte Diskriminierung „Praktiken, die negative und differenzierende Wirkungen für ethnische Minderheiten und Frauen haben, obwohl die organisatorisch vorgeschriebenen Normen oder Verfahren ohne unmittelbare Vorurteile oder Schadensabsichten eingerichtet und ausgeführt wurden.“[36] Daher wirken diese Praktiken auf den ersten Blick überwiegend gerecht bzw. nachvollziehbar[37]. Ein Beleg für diese These ist die Tatsache, dass Frauen und Männer in Europa überall unterschiedlich bezahlt werden. Der Gender Pay Gap gibt den „prozentualen Unterschied zwischen abhängig beschäftigten Männern und Frauen mit durchschnittlichen Bruttoverdienst“[38] an. Insofern „lag 2014 der durchschnittliche Bruttoverdienst von Frauen um 22% niedriger als der Verdienst von Männern“[39].

Dieser Typus wird zusätzlich in zwei Untertypen unterschieden:

Nebeneffekt- Diskriminierung (Side- effect discrimination): Hiernach „kann es zu einer Diskriminierung durch eine Organisation (etwa die Schule) kommen, weil ihre Praktiken mit den direkt diskriminierenden Praktiken anderer Organisationen verknüpft sind“[40] . Beispielsweise können sich einige Kinder die von der Schule geforderten Materialien nicht leisten, „da ihre alleinerziehenden Mütter schlechter bezahlt werden als Männer“[41].

Die Vergangenheit – in- der- Gegenwart- Diskriminierung (Past-in-present- discrimination): Dieser Typ bezieht sich auf die Diskriminierung durch eine Organisation wie z.B. der Universität, da „eine Gruppe in der Vergangenheit benachteiligt wurde und dies noch heute Nachwirkungen hat“[42].

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es sich bei direkter institutioneller Diskriminierung um „regelmäßige, intentionale Handlungen in Organisationen“[43] handelt. Wohingegen „der Begriff der indirekten institutionellen Diskriminierung […] auf die gesamte Bandbreite institutioneller Vorkehrungen zielt, die Angehörige bestimmter Gruppen- wie ethnische Minderheiten – überproportional treffen“[44]. Schulentwicklung in der Einwanderungsgesellschaft) Außerdem stützt sich die Antidiskriminierungsgesetzgebung in einigen Ländern auf die von „Joe R. und Clairece B. Feagin ausgearbeiteten Unterscheidung von direkter und indirekter institutioneller Diskriminierung“[45].

2.2.0 Die Anomietheorie von Robert K. Merton

Ebenso wie im letzten Kapitel soll in diesem Abschnitt das zweite Konzept behandelt werden, um dann den Zusammenhang sauber herausarbeiten zu können und daneben die Leser in die beiden Konzepten einzuführen.

2.2.1 Die Darstellung von Robert Mertons Anomietheorie

Die klassische Anomietheorie von Robert K. Merton wurde 1938 erstmals vorgestellt und zählt heute als kriminologischer Ansatz, um die Erscheinung von Kriminalität zu ergründen[46]. Mertons Theorie basiert auf der Grundannahme, dass „die ´Kultur´ allen Mitgliedern einer Gesellschaft die gleichen Erfolgsziele“[47] vorgibt. Allerdings sind die Mitglieder nicht mit identischen „Zugangschancen zu den legitimen Möglichkeiten Ziele zu erreichen“ ausgestattet, da es sich diesbezüglich primär um eine schichtabhängige Distribution handelt. Auf diese Weise entwickelt sich ein gewisser gewisser Druck, „der zum Zusammenbruch der Normen- also zu ´Anomie´- und zu gruppenspezifischen Raten abweichenden Verhaltens, d.h zu einer höheren Kriminalitätsrate in den unteren Schichten, führt“[48].

Dementsprechend betrachtet dieses Konzept sowohl abweichendes als auch konformes Verhalten als ein Resultat der Sozialstruktur[49]. Ziel ist es zu erfassen „wie bestimmte soziale Strukturen ausgesprochenen Druck auf bestimmte Personen in der Gesellschaft ausüben, sich eher nicht-konform als konform zu Verhalten“[50]. Aus dieser Fragestellung zieht Merton den Rückschluss, dass „das anomale Verhalten soziologisch als ein Symptom der Dissoziation von kulturell vorgeschriebenen Ansprüchen und sozial strukturierten Wegen zu Realisierung dieser Ansprüche angesehen werden kann“[51]. Demnach ist das nicht-konforme Verhalten auf die Unausgeglichenheit bzw. Zerrissenheit zwischen der kulturellen Ziele und der zur Erreichung des Zieles mit den zur Wahl stehenden Mittel zurückzuführen[52]. Abgesehen davon wird darauf hingewiesen, dass „strukturelle Variablen einen Einfluss auf strafbares Handeln von allem von Jugendlichen haben“[53].

[...]


[1] URL: http://www.kino-ab-10.de/downloads/begleitmaterial/die-schueler-der-madame-anne/die-schueler-der-madame-anne_begleitmaterial.pdf) (Stand: 30.04.16, 12:31 Uhr).

[2] Gomolla, Mechtild/ Radtke, Frank-Olaf (2009): Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule, Wiesbaden: VS- Verlag, S.49.

[3] Leiprecht/ Kerber (2009): Schule in der Einwanderungsgesellschaft, S. 467.

[4] Ebd.

[5] Gomolla, Mechtild (2005): Interkulturelle Bildungsforschung, S. 57.

[6] URL: http://www.alhambra.de/zeitung/04-april/rassismus.htm, (Stand: 03.08.16, 19:19).

[7] Gomolla 2005, S.58.

[8] Ebd. S.57.

[9] Ebd. S.57.

[10] Ebd. S.59.

[11] Ebd.

[12] Miles, Robert (1991): Rassismus: Eine Einführung in die Geschichte und Theorie des Begriffs, S.71.

[13] Ebd. , S.71.

[14] Ebd. , S.71.

[15] Ebd. , S.70.

[16] Gomolla 2005, S.59.

[17] Ebd.,S.59.

[18] Ebd. , S.59.

[19] Ebd.

[20] Ebd.

[21] Ebd. , S.60.

[22] Ebd.

[23] Ebd.

[24] Ebd.

[25] URL: http://www.ida-nrw.de/diskriminierung/erscheinungsformen/ (Stand: 11.08.16; 21:54 Uhr)

[26] Ebd.

[27] Gomolla, Mechtild/ Radtke, Frank-Olaf (2009): Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule, S.48.

[28] Ebd.

[29] Ebd.

[30] Ebd.

[31] Ebd. , S.49.

[32] Ebd.

[33] Vgl. Ebd.

[34] Ebd.

[35] URL: http://asylfakten.de/ab-wann-duerfen-asylbewerber-arbeiten/ (Stand: 30.05.16; 14:26 Uhr).

[36] Gomolla/Radtke 2009/ S.50.

[37] Vgl. Ebd.

[38] URL:https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/QualitaetArbeit/Dimension1/1_5_GenderPayGap.html (Stand: 30.05.16; 14:57 Uhr).

[39] Ebd.

[40] Nohl, Arnd-Michael (2010): Konzepte interkultureller Pädagogik, S.102.

[41] Ebd.

[42] Ebd. , S.102.

[43] Ebd.

[44] Leiprecht, Rudolf (2006): Schule in der Einwanderungsgesellschaft, S. 60.

[45] Gomolla/ 2005, S. 60.

[46] Vgl. Jacobsen, Gönke-Christin (2008): Sozialstruktur und Gender. Analyse geschlechts- spezifischer Kriminalität mit der Anomietheorie Mertons, S. 17.

[47] Ortmann, Rüdiger (2000): Abweichendes Verhalten und Anomie. Entwickung und Veränderung abweichenden Verhaltens im Kontext der Anomietheorie von Durkheim und Merton, S. 5.

[48] Ebd.

[49] Vgl. Jacobsen/ 2008, S. 18.

[50] Merton, Robert (1998): Soziologische Theorie und soziale Struktur, S. 127.

[51] Ebd. , S. 130.

[52] Vgl. Ebd.

[53] Ebd. S. 163.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Bildungsbenachteiligung als Thema der Interkulturellen Pädagogik
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Jahr
2016
Seiten
28
Katalognummer
V353032
ISBN (eBook)
9783668396210
ISBN (Buch)
9783668396227
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Institutionelle Diskriminierung, Institutioneller Rassismus, Bildungsbenachteiligung, Anomie, Merton, Interkulturelle Pädagogik, Gomolla, Radtke
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Bildungsbenachteiligung als Thema der Interkulturellen Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353032

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