Sexueller Missbrauch. Möglichkeiten der Prävention in der Grundschule


Seminararbeit, 2016

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 „Sexueller Missbrauch“ - Wo fängt er an und wo hört er auf?

2. Wer sind die Täter ?
2.2 Tätertypen
2.3 Die Täterin
2.4 Die Strategien der Täter/innen

3. Ist eine Diagnostik von sexuellem Missbrauch möglich?
3.1 Aussagen des Kinder als Anhaltpunkt für sexuellen Missbrauch richtig einschätzen
3.2 Verdacht auf sexuellen Missbrauch aufgrund von Signalen erkennen

4.Exkurs: Präventive Erziehung im Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der Grundschule - Didaktisch-methodische Hinweise

5.Schlusswort

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Sexueller Missbrauch - der Alltag zahlreicher Jungen und Mädchen.

Ein Kind wird entführt, missbraucht, ermordet. Die Angst vor einer Sexualstraf- tat erschreckt nicht nur Eltern zutiefst, sondern einen Großteil der Gesellschaft. Sexueller Missbrauch und sexuelle Gewalt ist eine Angelegenheit, welche häu- fig in den Medien erscheint. Es wird von Massenvergewaltigungen berichtet. Mädchen, die Jahrelang eingesperrt und Missbraucht wurden, Kinder die plötz- lich verschwinden und deren Leichen Spuren einer Sexualstraftat aufweisen. Das Thema des sexuellen Missbrauchs ist aktuell und versetzt viele Eltern in große Sorge. Doch was bezeichnet sexuellen Missbrauch genau? Wer sind diese Menschen, deren Taten unerklärlich erscheinen? Wie könnte eine Diag- nose der Straftat erfolgen? Und gibt es Möglichkeiten, Kinder in ihrem Selbst- bewusstsein so zu stärken, dass sie keine „leichten“ Opfer werden? Diese Fra- gen schwirren wohl durch die Köpfe vieler Menschen.

In der vorliegenden Arbeit werden die Theoretischen Grundlagen des sexuellen Missbrauchs dargelegt. Anschließend soll auf Tätertypen eingegangen werden, welche eine Gefahr aufweisen, sexuellen Missbrauch an Kindern auszuüben. Dabei soll folgend ein Überblick gegeben werden, wie Sexualstraftäter eine Tat planen und/oder ausführen. Im weiteren Verlauf werden Möglichkeiten aufge- zeigt in welcher Weise eine Diagnose von sexuellem Missbrauch erfolgen kann. Hier werden zuerst Aussagen des Kindes als Anhaltspunkt für sexuellen Miss- brauch genommen und anschließend Signale, welche vom Kind ausgehen. Das letzte Kapitel der Arbeit präsentiert einen kurzen Exkurs, welcher darstellt, wie wichtig es ist Präventionsmaßnahmen, für ein gestärktes eigenes Körperbild und Körperempfinden, schon in der Grundschule durchzuführen. Dies ist not- wendig um möglichen Missbrauch vorzubeugen, aber auch Kindern Mut zu ma- chen, das Erlebte einer Vertrauensperson zu erzählen und um deren Hilfe zu bitten.

1.1 „Sexueller Missbrauch“ - Wo fängt er an und wo hört er auf?

„Unter sexuellem Missbrauch versteht man die Nötigung zu einem sexuellen Verhalten unter Ausnützung eines Autoritäts- bzw. Abhängigkeitsverhältnisses oder der Unfähigkeit einer abhängigen, unreifen Person, eine abgewogene Zustimmung zu geben.“1

Die Literatur weist eine hohe Anzahl verschiedener Definitionen zu sexuellem Missbrauch auf. Eine eindeutige, übereinstimmende Definition kann dennoch bis Dato nicht vorgewiesen werden. Für die vorliegende Arbeit wird sich an der oben genannten Begriffsdefinition orientiert, welche drei grundsätzliche Aspekte von sexuellem Missbrauch beinhaltet. Diese Definition ist nicht gleichzusetzen mit einer Definition, welche für strafrechtliche Belange herangezogen wird. Vielmehr wird von einer sozial- und psychotherapeutischen Missbrauchsdefini- tion ausgegangen.

Der wohl wichtigste Aspekt liegt darin, dass sexueller Missbrauch und Nötigung komplementär sind, und somit ein Gewaltdelikt (physisch und/oder psychisch) zugrunde liegt, wenn sexueller Missbrauch stattgefunden hat. Des Weiteren geht es bei sexuellem Missbrauch primär um Machtverhältnisse, welche in ver- schiedenster Form ausgespielt werden, um bei dem Täter das Gefühl der Über- legenheit auszulösen.2 „Sexueller Missbrauch ist somit die tiefste Form des Machtmissbrauches und geschieht immer unter Ausnutzung eines Autoritäts-, Macht- oder Abhängigkeitsverhältnisses.“3 Der dritte Aspekt, auf welchen die vorliegende Begriffserklärung eingeht, ist eine niemals vorkommende Zustim- mung des Opfers. Es wird also von sexuellem Missbrauch gesprochen, wenn ein Täter die asymmetrische Beziehung zu seinem Opfer, für seine eigenen Zwecke ausnutzt.4

Sexueller Missbrauch findet demnach von der Vergewaltigung, über unter- schiedliche sexuelle Handlungen, bis zur Zurschaustellung sexueller Akte statt. Wobei zu beachten ist, dass nicht nur direkte sexuelle Handlungen den Miss- brauch wiederspiegeln. Sexistische Anspielungen und Ausdrucksweisen sind ebenso Formen sexuellen Missbrauchs, auch wenn der Schweregrad hier zu unterscheiden ist. Die genannten Delikte dürfen nicht weniger verfolgt und ge- ahndet werden, da diese ebenso seelischen Schaden an den Opfern anrich- ten.5

2. Wer sind die Täter ?

Wie auch Steuerhinterzieher, Diebe und andere Straftäter lässt sich ein Sexual- straftäter oder eine Sexualstraftäterin nicht durch sein/ihr Erscheinungsbild, sei- ne/ihre Vorgeschichte oder andere äußere Einflüsse (auf die Entwicklung des Individuum), identifizieren oder erkennen. Motivationsgründe für eine Sexual- straftat sind ausgesprochen unterschiedlich und können nicht verallgemeinert werden. Besonders hervorzuheben ist, dass nicht nur pädosexuell veranlagte Menschen derartige Gewalttaten ausüben, ebenso kann die Annahme nicht unterstützt werden, dass ein sogenannter „Triebstau“ zu Übergriffen sexueller Gewalt führen kann.6 Besonders schwer zu akzeptieren ist der Befund, welcher in der kriminologischen Literatur zu finden ist, „dass sowohl Vergewaltigung als auch sexuelle Nötigung häufig aus gemeinsam verbrachter Freizeit heraus ent- stehen [kann].“7. Sogar in ca. der Hälfte aller Fälle von Vergewaltigungen lag eine vorangegangene Täter-Opfer-Beziehung vor. „Sexuelle Nötigung und Ver- gewaltigung stellen somit einerseits einen Beziehungsdelikt dar, wobei ande- rerseits eine Häufung von flüchtig bekannten Täter [ca. 27.3%]8 zu beobachten ist.“9 Unbekannte Täter machen lediglich einen Anteil von ca. 19.5% aus.10 Etwa zwei Drittel der männlichen Täter, die innerhalb der Familie missbrauchen, haben ebenso Opfer außerhalb der Familie. Werden diese Taten innerhalb der Familie ausgeführt, sind die Handlungen oft nicht neu für den Täter, sondern wurden schon an anderen Opfern, welche nicht zu der „neuen“ Familie gehö- ren, vollzogen. Mädchen werden im Vergleich zu Jungen innerhalb der Familie um etwa 10-20% häufiger Opfer von sexualisierter Gewalt. Jungen hingegen werden meist von Bezugspersonen außerhalb der Familie ausgebeutet.11

2.2 Tätertypen

Für die vorliegende Arbeit, sollen drei wesentliche Tätertypen von Erwachsenen ausgemacht werden. Hier ist jedoch zu betonen, dass Menschen zu denen die- se Beschreibungen passen, nicht zwangsläufig zu Tätern werden. Im Besonde- ren Pädosexuelle nehmen gehäuft Präventionsangebote wahr, um ihre Sexuali- tät nicht an Kindern auszuleben.12 Des Weiteren wird auf die Frau als Täterin näher eingegangen, da dies ein Tabuthema darstellt. Minderjährige Tätergrup- pen werden in dieser Arbeit nicht näher thematisiert. Ebenso werden keine Tä- tertypen thematisiert, die sich an Gleichaltrigen vergehen oder Menschen in anderweitigen, hilflosen Situationen sexuell missbrauchen (Menschen in Pfle- geheimen etc.).

Der erste zu nennende pädosexuelle Tätertyp ist der „Fixierte Täter“13. Dieser hat eine dauerhafte, fixierte sexuelle Orientierung auf Kinder und ist vorwiegend durch diese erregbar. Der Wunsch nach Sexualität beschränkt sich nicht auf eine körperliche Lust, sondern ist zudem durch den Wunsch nach einer emotio- nalen Beziehung bestimmt. Scheinpartnerschaften mit Erwachsenen werden bei den Kernpädosexuellen als unbefriedigend und abstoßend erlebt.14

Der zweite Typ bezeichnet den „regressiven Täter“. Sexuelle Handlungen an Heranwachsenden stellen bei diesen Tätern eine Ersatzhandlung dar, die bei- spielsweise eine unbefriedigende Lebenssituation ausgleichen soll. Die primäre sexuelle Orientierung liegt bei diesem Tätertypen auf Erwachsenen.15

Der dritte Tätertyp stellt den „Soziopathischen Täter“ dar. Diese Personengruppe ist tendenziell sehr sadistisch veranlagt und wenig emphatisch. Sexuelle Handlungen an Kindern werden aus einer Gier nach Macht, vollzogen.16

2.3 Die Täterin

Frauen werden in einem deutlich geringeren Maße zu Täterinnen. Das Benen- nen von genauen Zahlen ist hier jedoch schwieriger, als die Bestimmung der männlichen Täter, da die Dunkelziffer der weiblichen Täterinnen höher ist. Trotz der hohen Dunkelziffer kann aber davon ausgegangen werden, „dass ca. in 10 bis 15% aller Fälle Frauen oder Mädchen die Täterinnen sind. Wird sexualisier- te Gewalt durch Täterinnen ausgeübt, so sind dies in ca. 23% der Fälle Ange- hörige, in 50% Bekannte und sonstige fremde Personen“17 Auf die Thematik „Eine Frau als Täterin“ soll, in der Arbeit, näher eingegangen werden. Dies ist zu begründen, da Mütter, Frauen und Mädchen, welche fremden oder ihren ei- genen Kindern Gewalt antun, in besonderem Maß, den gesellschaftlichen Vor- stellungen, wiedersprechen.

Frauen üben hauptsächlich zwischen ihrem 16 und 36 Lebensjahr sexuelle Gewalt gegen Minderjährige aus. Pädosexualität ist bei Frauen jedoch ein wesentlich geringerer Grund für sexuellen Missbrauch, als bei den männlichen Tätern. Die sexuellen Gewalthandlungen sind bei den weiblichen Tätern häufig Ersatzhandlungen oder Machtdemonstrationen. Ebenso wie bei den erwachsenen genannten erwachsenen Tätertypen (s.o.) können auch hier drei verschiedene Tätertypen unterschieden werden.18

Einen Tätertypen bezeichnet die Liebhaberin.

[...]


1 Erzdiözese Wien, 2006. S.6.

2 Eglau, Leitner, Scharf, 2011. S.20

3 Eglau, Leitner, Scharf, 2011. S.20.

4 Eglau, Leitner, Scharf, 2011. S.20f.

5 Erzdiözese Wien, 2006. S.6.

6 Bertels, Wazlawik, 2013. S.24.

7 Ruch, 2011. S.17.

8 Ruch, 2011. S.57.

9 Ebenda.

10 Ruch, 2011. S. 17f.

11 Enders, 2003. S. 56f.

12 Bertels, Wazlawik, 2013. S.24f.

13 auch „Kernpädosexuelle“ genannt.

14 Bertels, Wazlawik, 2013. S. 24.

15 Ebenda.

16 Ebenda.

17 Jennings, 2008. S.97.

18 Bertels, Wazlawik, 2013. S. 26

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Sexueller Missbrauch. Möglichkeiten der Prävention in der Grundschule
Hochschule
Universität Passau
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V353067
ISBN (eBook)
9783668396579
ISBN (Buch)
9783668396586
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sexueller Missbrauch, Prävention, Grundschule
Arbeit zitieren
Bianca Kalbacher (Autor), 2016, Sexueller Missbrauch. Möglichkeiten der Prävention in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353067

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