Ziel dieser Forschungsarbeit ist es, einen Überblick der zentralen Annahmen des Einflusses sozialer Interaktionspartner auf das Wahlverhalten aus der bereits existierenden Literatur zu verschaffen sowie deren Plausibilität im Lichte empirischer Befunde zu beurteilen. Weil in dieser Forschungsarbeit davon ausgegangen wird, dass individuelles Wahlverhalten nicht alleine durch die Berücksichtigung unterschiedlicher sozialer Umfeldbedingungen zufriedenstellend vorhergesagt werden kann, wird zunächst auch ein Überblick über die Entstehung der drei zentralen Strömungen der Wahlforschung und deren theoretischen Annahmen gegeben.
Nach einer kritischen Beurteilung der Erklärungskraft der sozialen Logik des Wählerverhaltens wird mithilfe des soziologischen Erklärungsansatzes der Subjectively Expexted Utility-Theory ein Ausblick gegeben, wie Prinzipien der drei zentralen Wahlforschungsstränge in ein einziges Konzept überführt werden können und Wahlverhalten somit zukünftig ganzheitlicher erklärt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klassische Erklärungsansätze des Wahlverhaltens
3. Rückkehr zur sozialen Logik der Politik
4. Wie sehr bestimmen die Anderen, was wir wählen?
5. Erklärung des Wahlverhaltens mithilfe der SEU-Theorie
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des sozialen Umfelds und zwischenmenschlicher Netzwerke auf das individuelle Wahlverhalten, wobei insbesondere die Frage im Mittelpunkt steht, unter welchen Bedingungen interpersonale Einflüsse die politische Meinungsbildung prägen.
- Kritische Analyse der klassischen Strömungen der Wahlforschung
- Untersuchung der Bedeutung politischer Gespräche und Netzwerkstrukturen
- Evaluierung von Moderatoren wie politischer Expertise und Übereinstimmung
- Integration in die Theorie des subjektiv erwarteten Nutzens (SEU-Theorie)
Auszug aus dem Buch
Politische Gespräche
Um den Zusammenhang zwischen sozialem Umfeld und Wahlverhalten herauszustellen, ist es sinnvoll zunächst die Frage zu beantworten, wie viele Menschen überhaupt über Politik sprechen. Weil es für das mögliche Zustandekommen eines interpersonalen Einflusses vor allem Interaktionen zwischen Menschen bedarf, liegt die Vermutung nahe, dass das Wahlverhalten vor allem durch das Führen politischer Unterhaltungen beeinflusst wird. So stellten Johnston und Pattie fest, beruhend auf den Ergebnissen des World Value Surveys aus dem Jahre 1990, dass in verschiedenen westlichen Demokratien unterschiedlich oft politische Gespräche geführt werden (2006, 108f.). Während in den USA, Australien und Frankreich etwa zwei Drittel der Befragten angaben, häufig oder zumindest manchmal mit anderen Personen über Politik zu sprechen, taten das in Deutschland, Norwegen und den Niederlanden sogar mehr als drei Viertel der Befragten. In Belgien, Irland, Italien, Portugal und Spanien gab hingegen nur etwa die Hälfte der Befragten an, über Politik zu reden. Zurückzuführen seien diese Ländervariationen auf unterschiedliche politische Rahmenbedingungen: „the more diverse political opinion is in a country, the more political discussion takes place, other things being equal“ (Johnston/Pattie 2006, 109).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und erläutert die Bedeutung sozialer Kontexte für die Wahlforschung sowie die Forschungsfragen der Arbeit.
2. Klassische Erklärungsansätze des Wahlverhaltens: Hier werden die soziologischen, sozialpsychologischen und rationalistischen Ansätze als zentrale Säulen der Wahlforschung vorgestellt und kritisch beleuchtet.
3. Rückkehr zur sozialen Logik der Politik: Das Kapitel analysiert aktuelle Studien, die das soziale Umfeld und politische Gespräche wieder stärker in den Fokus der Erklärung politischen Verhaltens rücken.
4. Wie sehr bestimmen die Anderen, was wir wählen?: Eine Reflexion der bisherigen Befunde, die aufzeigt, dass soziale Einflüsse existieren, aber nicht isoliert betrachtet werden dürfen.
5. Erklärung des Wahlverhaltens mithilfe der SEU-Theorie: Vorstellung der SEU-Theorie als Versuch, die konkurrierenden Erklärungsansätze in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse und betont die Notwendigkeit, zukünftige Wahlforschung interdisziplinär zu gestalten.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Referenzen.
Schlüsselwörter
Wahlverhalten, Soziale Logik der Politik, Columbia-Schule, Michigan-Modell, Rational-Choice, Politische Gespräche, Interpersonaler Einfluss, Parteiidentifikation, SEU-Theorie, Soziale Netzwerke, Politische Partizipation, Wähler, Wahlforschung, Politische Prädispositionen, Homogenitätsthese
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss des sozialen Umfelds – wie Freunden, Familie und Kollegen – auf das politische Wahlverhalten von Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die historische Entwicklung der Wahlforschung, die Bedeutung politischer Kommunikation und die Analyse, unter welchen Umständen soziale Kontakte die eigene Wahlentscheidung beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Relevanz der "sozialen Logik" zu prüfen und zu zeigen, wie individuelle Nutzenkalkulationen mit sozialen Kontextfaktoren verknüpft werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein Überblick über die Literatur gegeben und ergänzend eine multivariate lineare Regression auf Basis von GLES-Daten durchgeführt, um Determinanten politischer Gespräche zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wer über Politik spricht, wie die Qualität von Beziehungen den Einfluss bestimmt und wie Expertise sowie regionale Gegebenheiten das Wahlverhalten prägen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wahlverhalten, soziale Logik, interpersonaler Einfluss, Parteiidentifikation und SEU-Theorie.
Warum spielt die GLES-Studie eine Rolle?
Die Daten der German Longitudinal Election Study (GLES) dienen als empirische Grundlage, um Hypothesen darüber zu testen, welche Bevölkerungsgruppen häufiger politische Gespräche führen.
Was besagt die "Conversion by Conversation"-Theorie?
Die Theorie besagt, dass durch häufige politische Unterhaltungen die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Interaktionspartner ihre politischen Tendenzen angleichen.
Wie trägt die SEU-Theorie zur Arbeit bei?
Die Theorie des subjektiv erwarteten Nutzens dient als theoretisches Bindeglied, um verschiedene Ansätze zur Wahlentscheidung zu vereinen.
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- Philipp Ofenloch (Author), 2017, Soziale Logik der Politik. Bestimmen die anderen, was wir wählen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353158