Der Homo Oeconomicus. Die erzieherische Anwendung des ökonomischen Begriffs in der Schule


Hausarbeit, 2016
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das ökonomische Verhaltensmodell
2.1. Die Elemente des Homo Oeconomicus
2.1.1. Grundbausteine
2.1.2. Prinzipien
2.2. Der Homo Oeconomicus in der klassischen Volkswirtschaftslehre

3. Anwendung auf die Schule
3.1. Das klassische Erziehungsbild in den heutigen (Mittel-)Schulen
3.2. Der Homo Oeconomicus im erziehenden Unterricht
3.3. Der Homo Oeconomicus im Fach AWT

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die heutigen Wirtschaftswissenschaften bieten Modelle für Entwicklungen auf diversen Märkten sowie deren Zusammenwirken in einer Volkswirtschaft und in der Weltwirtschaft an.1 Diese (Modelle) werden verwendet um beobachtetes Verhalten im wirtschaftlichen Zusammenhang zu erklären und/oder zukünftiges Verhalten prognostizieren zu können. Damit soll eine Grundlage für die Vorhersage und eventuelle Kontrolle wirtschaftlicher Prozesse geschaffen werden. Während die Methodik an den Naturwissenschaften orientiert ist, fokussiert sich die Fachsprache primär auf die mathematische Symbolik.2

Eine grundlegende Annahme der Wirtschaftswissenschaften findet sich im Modell des Homo Oeconomicus wieder. Die ‚Geburtsstunde͚ des Homo Oeconomicus lässt sich nicht genau ermitteln.3 Bereits Adam Smith hat die Grundlage für dieses Verhaltensmodell gelegt, welches sich im Zuge der Entwicklung der Wirtschaftstheorie weiter verändert hat. Während Adam Smith davon ausging, dass der Mensch nicht nur an Eigennutz, sondern auch an sozialer Anerkennung interessiert ist, sind die Zielsetzungen des Homo Oeconomicus auf ‚egoistische͚ Ziele reduziert.4 Das Modell des Homo Oeconomicus ist allerdings umstritten. Es wird angezweifelt, ob es für die Verwendung im Rahmen einer empirischen Wissenschaft überhaupt geeignet ist. Dabei gilt die Annahme, dass bei Verwendung des Modells die Nachhaltigkeit des Wirtschaftsprozesses gefährdet wird.5

Um die Konzeption des Homo Oeconomicus zu verstehen ist es sinnvoll, zunächst die Entstehungsgeschichte zu betrachten und einzelne Charaktereigenschaften zu analysieren. In einem weiteren Schritt wird versucht den Bogen zur Mittelschule zu schlagen. Unter dem Gesichtspunkt des erziehenden Unterrichts werden einige der Möglichkeiten, Umsetzungen und Grenzen dieser Wirtschaftswissenschaftsannahme dargelegt.

2. Das ökonomische Verhaltensmodell

Elementar für die Auseinandersetzung mit dem Homo Oeconomicus ist die Frage nach dessen Bedeutung. Dem ursprünglichen lateinischen Wortsinn zufolge bedeutet der Ausdruck homo oeconomicus der Haushalter oder der Wirtschaftende.6 Es wird demnach ein ökonomisch denkender und handelnder Mensch postuliert. Manfred G. Schmidt, ein renommierter Politikwissenschaftler, sieht im ökonomischen Menschen ein Individuum ͣ(…), der in allen Lebensbeziehungen den Nützlichkeitswert voranstellt. Alles wird für ihn zu Mitteln der Lebenserhaltung, des naturhaften Kampfes ums Dasein und der angenehmen Lebensgestaltung.“7

Er versteht als wichtigstes Gut und menschliche Gabe der erfolgreichen und effizienten Tätigkeit die Vernunft. Die Idee des Menschen als rationales Wesen geht auf die Aufklärung zurück und so wundert es nicht, dass bereits Adam Smith in seinen Schriften vom homo oeconomicus ausging. Der liberalistische Ansatz versucht im Homo Oeconomicus die Basis für eine ‚Wohlfahrt der Nationen͚ zu sehen. Der grenzenlose Egoismus des Individuellen, gemäß der freien Konkurrenz in Zusammensetzung mit einer Balance zwischen Angebot und Nutzen, birgt dieser Theorie zufolge einen äußerst positiven Nebeneffekt - das soziale Verhalten.8 Geht der Homo Oeconomicus, der allein seinen eigenen Interessen folgt, beispielsweise zum Bäcker, um sein Bedürfnis nach einem Brot zu stillen, tut er sich etwas Gutes - und unbeabsichtigt auch dem Bäcker, der für seine Leistung entlohnt wird, sei es mit Naturalien oder Geld. Der schottische Moralphilosoph Bernhard Mandeville aus dem 20. Jahrhundert konkludiert dies in seiner sog. ‚Bienenfabel͚, indem der ͣ(…) llerschlechteste sogar fürs llgemeinwohl tätig war.“9

Smith sieht die Vollführung seiner ‚Wohlfahrt der Nationen͚ im unbeabsichtigten Handeln die ‚unsichtbare Hand͚ als kteur. Die Begrifflichkeit des homo oeconomicus bezeichnet also vielmehr noch ein Modell individuellen Verhaltens, welches das menschliche Handeln als eine rationale Auswahl aus zahlreichen Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten darstellt. Denn die Annahme, dass der einzelne Mensch sich seines Verstandes und seiner Vernunft bedienen kann, führt zwangsläufig dazu, dass ein Akteur rational handelt. Man spricht demnach beim Modell des homo oeconomicus auch von einem Akteursmodell, in dessen Fokus das individuelle oder kollektive Handelnde steht. Der Akteur agiert als homo oeconomicus immer auf der Basis eines zuvor durchgeführten rationalen Abwägungsprozesses, der die ihm zur Verfügung stehenden Alternativen eingehend betrachtet auf ihren Kosten und Nutzen.10

Als vordringliches Ziel des wirtschaftlich denkenden und handelnden Menschen gilt bei diesen rationalen Überlegungen letztendlich die Maximierung des persönlichen Nutzens.11 Das Nutzen maximierende Individuum orientiert sich dazu am Optimumprinzip, Maximalprinzip und Minimalprinzip. Beim Optimumprinzip ist der Einzelne bestrebt, den größtmöglichen Nutzen zu erzielen, indem Ziel und Aufwand miteinander in Einklang gebracht werden. Während hingegen beim Maximalprinzip versucht wird, mit dem gegebenen Aufwand ein bestmögliches Ergebnis zu erreichen, bemüht man sich beim Minimalprinzip, ein gestecktes Ziel mit möglichst geringem Aufwand zu erreichen.

2.1. Die Elemente des Homo Oeconomicus

Das ökonomische Verhaltensmodell des Homo Oeconomicus liegt der Annahme zugrunde, dass sich das Individuum in einer Knappheitssituation befindet. Die Befriedigung aller Bedürfnisse zur gleichen Zeit ist nicht möglich und es muss sich somit zwischen verschiedenen Alternativen entschieden werden.12

Das Modell des Homo Oeconomicus erlaubt es festzuhalten, wie sich der einzelne Mensch innerhalb differenzierender Wahlmöglichkeiten verhält, bzw. entscheidet. Fokussiert wird sich hierbei zunächst auf drei Grundbausteine: Die Präferenz, den Handlungsraum und die Wahlhandlung.13

2.1.1. Grundbausteine

Die Präferenzen des einzelnen Individuums, als erster zu nennender Grundbaustein, werden in dem Modell als gegeben und konstant angesehen.14 In den Präferenzen zeigen sich die Wertvorstellungen des Individuums, welche sich im Laufe des Lebens entwickelt haben. Anhand dieser Präferenzen vollzieht sich die Bewertung der verschiedenen Wahlmöglichkeiten, d.h. es werden Kosten und Nutzen bzw. Vor- und Nachteile der verschiedenen Alternativen abgewogen.15

Der zweite Grundbaustein, ein Handlungsraum, beinhaltet Möglichkeiten, denen sich das Individuum gegenübersieht. Dieser Raum wird durch entsprechende Restriktionen eingegrenzt, welche erst die Knappheitssituation schafft, die es zu analysieren gilt.16 So stellt in der Regel bei der Betrachtung von Konsumentscheidungen das zur Verfügung stehende Einkommen die entsprechende Restriktion dar und schafft somit die Knappheitssituation, in der sich das Individuum für einen bestimmten Konsumplan entscheiden muss. Weiterhin kann gelten, dass der Homo Oeconomicus in eben diesem Kontext alle möglichen (Handlungs-)Alternativen kennt. Er kann dabei auf die Kosten und Risiken eines Suchprozesses verzichten.17

Der dritte Grundbaustein ist schließlich die Wahlhandlung des Individuums. Diese ergibt sich aus dem Zusammenwirken von Präferenzen und Restriktionen und zeigt, wie das Individuum die für sich beste Entscheidung trifft.18

2.1.2. Prinzipien

Ein solch komplexes Modell wie das oben beschriebene beinhaltet nicht nur Grundbausteine, sondern verlangt in seiner Ausführung fünf weitere Prinzipien. Dabei sind folgende zu nennen:

(1) Individualprinzip
(2) Prinzip der Problemorientierung,
(3) Prinzip der Trennung zwischen Präferenzen und Restriktionen,
(4) Rationalitätsprinzip
(5) Prinzip des methodologischen Individualismus.19

Das Individualprinzip versteht eine Handlungsorientierung des Individuums an dessen eigenen Präferenzen. Weiterhin wird dabei ein Eigennutzaxiom postuliert, wobei der Mensch von Eigeninteressen geleitet wird und somit ihren Nutzen maximieren will.20 Im Laufe seines Lebens ist der Mensch mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert, welche unterschiedliche Restriktionen bergen. Das ökonomische Modell des Homo Oeconomicus kann in seiner Ausführung nicht alle Probleme und die dadurch entstehenden Präferenzen, bzw. Restriktionen zur selben Zeit berücksichtigen. Unter dem Prinzip der Problemorientierung wird hierzu das Knappheitsproblem fokussiert, welches nach eingehender Analyse die möglichen Präferenzen und Restriktionen bestimmen soll.21

Das Knappheitsproblem entsteht aus dem Spannungsverhältnis zwischen Bedürfnissen und den knappen Mitteln zu deren Befriedigung. Zur Analyse der Probleme konzentriert sich das Modell auf die Betrachtung der relevanten Kosten, welche durch die Restriktionen hervorgerufen werden.22 Ein primäres Augenmerk muss dabei auf die Trennung von Präferenzen und Restriktionen geworfen werden.23 Letztere grenzen in bestimmten Entscheidungssituationen den Handlungsspielraum des Individuums ein. Im ökonomischen Zusammenhang kommt dabei folgende Frage zur Geltung: ͣWie ändert sich das individuelle Verhalten, wenn sich bestimmte Restriktionen ändern?“24

[...]


1 Vgl. Kufeld (2006), Homo Oeconomicus, 41.

2 Vgl. Leydold (2003), Mathematik für Ökonomen, 1ff.

3 Vgl. Tietzel (1981), Der homo oeconomicus und seine Verwandten, 115.

4 Vgl. Schröder (1996), Ist das Modell des Homo Oeconomicus zukunftsfähig?, 4.

5 Vgl. a.a.O., 1.

6 Vgl. Schmidt (2010), Wörterbuch zur Politik, 405.

7 Spranger (1950), Lebensformen. Geisteswissenschaftliche Psychologie und Ethik der Persönlichkeit, 148.

8 Vgl. Smith (1974), Der Wohlstand der Nationen, 24ff.

9 Mandeville (1980), Die Bienenfabel, 84.

10 Vgl. Kirchgässner (2008), Homo oeconomicus, 14.

11 Vgl. ebenda.

12 Vgl. a.a.O., 12.

13 Vgl. Erlei/Leschke/Sauerland (2007), Neue Institutionenökonomik, 2.

14 Vgl. ebenda.

15 Vgl. Kirchgässner (2008), Homo oeconomicus, 14.

16 Vgl. Erlei/Leschke/Sauerland (2007), Neue Institutionenökonomik, 2.

17 Vgl. Bretzke (1984), Homo Oeconomicus: Wiederbelebungsversuche eines Totgesagten, 63.

18 Vgl. Erlei/Leschke/Sauerland (2007), Neue Institutionenökonomik, 2.

19 Vgl. Labrenz (2011), Ökonomische Analyse der aktienrechtlichen Anfechtungsklage, 10.

20 Vgl. Kirchgässner (2008), Homo oeconomicus, 16.

21 Vgl. Erlei/Leschke/Sauerland (2007), Neue Institutionenökonomik, 3.

22 Vgl. a.a.O., 4.

23 Vgl. Kirchgässner (2008), Homo oeconomicus, 13.

24 Erlei/Leschke/Sauerland (2007), Neue Institutionenökonomik, 4.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Homo Oeconomicus. Die erzieherische Anwendung des ökonomischen Begriffs in der Schule
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Wirtschaftsethik
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V353289
ISBN (eBook)
9783668401167
ISBN (Buch)
9783668401174
Dateigröße
831 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Der, Homo, Oeconomicus, Der Homo Oeconomicus – Modell und (erzieherische) Anwendung auf die Schule, Modell, und, erzieherische, Anwendung, Schule
Arbeit zitieren
Max Bretschneider (Autor), 2016, Der Homo Oeconomicus. Die erzieherische Anwendung des ökonomischen Begriffs in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353289

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